Martin Volkmann, Brasilien

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Martin Volkmann, Generalsekretär der OGA, dem brasilianischen Gustav-Adolf-Werk.

Interview mit Herrn Martin Volkmann, dem Generalsekretär der OGA - Obra Gustavo Adolfo, dem brasilianischen Gustav-Adolf-Werk.

Lieber Herr Volkmann, bitte stellen Sie sich selbst vor.

M. Volkmann:Mein Name ist Martin Volkmann. Ich bin 67 alt. Meine Eltern sind 1936 von Bergkamen nach Brasilien gekommen. Mein Vater, ursprünglich Diakon vom Johannesstift, wurde für den Pfarrdienst nach Brasilien entsandt und ist dann endgültig hier geblieben. Ich habe Theologie studiert und war während meines ganzen Pfarrdienstes in der Ausbildung tätig. Seit 1990 bis Ende 2010 war ich Dozent für Praktische Theologie an der Theologischen Hochschule. Und seit Januar vergangenen Jahres bin ich als Exekutivsekretär der OGA tätig.
Ich bin mit Gisa Volkmann verheiratet. Wir haben zwei Töchter - Katia und Barbara - und einen Sohn - Tobias; und wir haben vier Enkel: Mathias (14), und Frederik (2), von Barbara; Julia (10), Joel (7), von Katia. Katia wohnt in Hannover, wo sie auch bei der dortigen GAW-Hauptgruppe mitmacht. Barbara ist Stewardess und Tobias ist Orchesterdirigent. Gisa ist Gesanglehrerin und Stimmbilderin.

Was sind die Aufgaben der OGA?

M. Volkmann: Die OGA ist 1910 gegründet worden, um im Zusammenhang mit dem GAW schwache Gemeinden, besonders in Neusiedlungs-gebieten, zu unterstützen. Das heißt, von Ursprung an ist die OGA ein Werk, das mit den Gaben und Beihilfen, die sie bekommt, die Gemeinden in ihren Nöten hilft. Das ist der Grundsatz, der von Anfang an die OGA bestimmt hat und bis heute weiterhin ihr Leitmotiv ist. Die OGA hilft also Gemeinden beim Bau ihrer Kirche oder Gemeindehaus, bei ihrer diakonisch-missionarischen Arbeit, stellt Materialien für den Gemeindeaufbau zur Verfügung. Sie unterstützt auch mit Stipendien zur Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter. Bei dieser Aufgabe hat die OGA im GAW, sei es Zentrale, sei es Hauptgruppen, einen großen Partner. Wir können helfen, weil wir, außer den Gaben aus unseren Gemeinden, besonders von Spendern in Deutschland Hilfe bekommen.

Was ist der Unterschied zwischen dem deutschen Gustav-Adolf-Werk und der OGA?

M. Volkmann: Im Grunde besteht kein Unterschied, was das Selbstverständnis und die Aufgabe beider Werke bestimmt. Beide Werke leben von den Gaben und Spenden vieler Helfer in den Gemeinden und helfen Gemeinden, Institutionen, die alleine, ohne Beihilfe, nicht ihren Dienst erfüllen können. Einen Unterschied sehe ich in der Organisationsform. Das GAW der EKD besteht aus den verschiedenen Hauptgruppen, bzw. lokalen Gruppen in den Landeskirchen. Außerdem ist beim GAW als wichtige Arbeitsabteilung die Frauenarbeit. Dem entspricht bei uns die "Ordem Auxiliadora de Senhoras" (OASE), die aber nicht der OGA angeschlossen ist. Sie macht aber eine ähnliche und ebenso wichtige Arbeit wie die Frauenarbeit des GAW. Ein zweiter Unterschied ist der, dass die OGA keine einzelne, persönliche Mitglieder hat, wie beim GAW, sondern Mitglieder sind die 18 Synoden (Kirchenregionen) der EKLBB. Jede Synode hat einen/e Abgeordneten/te, die die Generalversammlung bilden. 

Die Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk unterstützt – im Rahmen ihrer bescheidenen Möglichkeiten – einige sozialdiakonischen Projekte der EKLBB. Das sind ganz unterschiedliche Projekte von einer Lebensschule für Kinder - „Escola Para Vida“ bis hin zu COMIN, dem Indianermissionsrat. Welche Projekte finden Sie besonders wichtig?

M. Volkmann: Alle Projekte, die von der Frauenarbeit unterstützt werden, sind wichtig. Denn alle beziehen sich auf die Arbeit von verschiedenen Gemeinden oder Institutionen, die Menschen helfen um ein menschenwürdiges Leben haben zu können. Das gilt für die beiden genannten Projekte: "Escola para a Vida" ermöglicht verarmten Kindern, in Ariquemes / Rondônia (Norden Brasiliens) einen Zufluchtsort zu haben, wo sie Nahrung und Beschäftigung haben, während die Eltern arbeiten oder selbst arbeitslos sind. COMIN unterstützt in ähnlicher Weise gerade die indigenen Einwohner, damit sie, angesichts der vielen Widrigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, ihre Identität, ihr Lebensraum, ihre Lebensweise bewahren können. Es sind also ebenso Schwache, die gestärkt werden. Daher halte ich jedes Projekt für wichtig, das in den Dienst dieser schwachen Menschen steht. Solange ein Projekt diesem Ziel und dieser Aufgabe entgegen kommt, ist es wichtig unterstützt zu werden.

Stichwort Zusammenarbeit mit der OGA

M. Volkmann: Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit der Frauenarbeit des GAW-Württemberg, denn es ist ein konkretes Zeichen der Verbundenheit zwischen dem GAW und der OGA. Wir versuchen bei den Projekten, die von der Frauenarbeit unterstützt werden, solche Projekte zu befürworten, die der Frauenarbeit, nach unserer Meinung, am nächsten liegen: Arbeit mit Kindern, mit Frauen, mit jungen Mädchen (z. B. CECRIFE).

Herr Volkmann, was wünschen Sie sich für die Zukunft?

M. Volkmann: Ich wünsche mir, dass die Partnerschaft und enge Mitarbeit mit dem GAW im allgemeinen und mit der Frauenarbeit in Württemberg weitergeht, so dass wir zusammen weiterhin Menschen in ihrer Notlage helfen können.
Ich wünsche mir, dass in den Gemeinden der EKLBB weiterhin die Liebe und das Verständnis der OGA gegenüber bestehe und dass wir es erreichen, noch mehr Freunde für die OGA gewinnen zu können.
Ich wünsche mir, dass wir weiterhin "Ação Confirmandos" - Konfirmandenaktion durchführen können und dass immer mehr Gemeinden darin einsteigen, damit wir von Jugend an den Geist der Solidarität aufbauen können.
Ich wünsche mir, dass die gegenseitigen Besuche weiterhin geschehen, denn damit pflegen wir das gegenseitige Kennen und ermöglichen das Verständnis für Hilfen in konkreten Situationen.

Lieber Herr Volkmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

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