Helen B. - 2. Bericht aus Valdivia, Chile

¡Buenos días!

Hallo liebe Familie, Freunde und Unterstuetzer,

mehr als sechs Monate ist es her, dass mein Freiwilligendienst in Chile begonnen hat und inzwischen habe ich mich hier richtig eingelebt. Je mehr Spanisch man versteht und selber spricht, desto einfacher ist es, sich am chilenischen Leben zu beteiligen und desto mehr chilenische Kultur erfaehrt und versteht man. Mit der Zeit kann ich jetzt Gespraeche mitverfolgen und mich auch beteiligen, obwohl es immer noch sehr schwer ist, weil die Chilenen so unglaublich schnell sprechen. In den letzten drei Monaten ist es hier Sommer geworden, alle haben sich auf Weihnachten und die grossen Sommerferien zum Jahresende vorbereitet.

Aktuelle Themen

Die Fischer aus Valdivia haben zwei Nachmittage lang die Bruecke zum Festland gesperrt und alle moeglichen Dinge verbrannt.

Im November war es in Valdivia ziemlich unruhig, denn es wurde ein Mapuche durch einen Schuss der Polizei getoetet. Die Mapuche sind das indigene Volk im Sueden von Chile, das unter anderem um die Rueckgabe ihrer Territorien kaempft. Die Studenten in Valdivia haben gestreikt und sind nicht mehr in die Universitaet gegangen, haben die Strasse blockiert und Steine geworfen. Generell demonstrieren die Chilenen relativ gerne. Es vergeht so gut wie keine Woche ohne irgendeine Demonstration von Studenten, Erziehern, Mapuche oder anderen.

Ein anderes Thema, das hier gerade sehr aktuell ist, ist natuerlich Venezuela. Es gibt viele Venezuelaner die nach Chile kommen. Ins Projekt kommen drei Jungs und auch sonst habe ich schon oefter welche getroffen. Es ist unglaublich, wenn einem erzaehlt wird, dass ein Monatsgehalt nicht einmal fuer einen Apfel reicht. Aus Haiti kommen auch ein paar Menschen. Im Hogar Luterano haben wir jetzt einen neuen Hausmeister der aus Haiti kommt. Er kann den Kindern etwas franzoesisch beibringen.

Advent, Weihnachten und Silvester

Weihnachten in Chillán

Mit dem Dezember kam auch die Adventszeit. Alles ist uebertrieben geschmueckt und leuchtet in den verschiedensten Farben. Fuer meine Gastfamilie habe ich einen Adventskalender und einen kleinen Adventskranz gebastelt. Sie wussten gar nicht was das alles sein soll, aber sie haben sich sehr gefreut.

Im Jardín Luterano, im Kindergarten, habe ich im November angefangen mit den Kindern  Nikolausstiefel zu basteln, die ich zum Nikolaustag dann mit Suessigkeiten befuellt habe. Mitte Dezember gab es die Weihnachtsfeier bei der die Kinder das Krippenspiel aufgefuehrt und Weihnachtslieder auf deutsch und spanisch gesungen haben. Die Medio Mayor Gruppe geht dieses Jahr in ein Colegio, weshalb es eine grosse Zeremonie gab, in der die Zertifikate ueberreicht wurden – die Licenciatura.

In meinem anderen Projekt, dem Hogar Luterano,gab es am 19. Dezember eine grosse Weihnachtsfeier fuer Eltern, Kirchenmitglieder und Unterstuetzer. Jede Gruppe hat etwas kleines aufgefuehrt, was wirklich suess war. Mit den Escolares (5-9 Jahre) habe ich einige Lieder mit der Gitarre einstudiert. Wir sangen Lieder wie O Tannenbaum, Kling Gloeckchen Klingelingeling und Feliz Navidad. Danach gab es viel zu essen fuer die Kinder und am Ende kam der Weihnachtsmann mit einem Sack voller Suessigkeiten und Geschenke fuer die Kinder. Das alles wurde von Familien der Deutschen Schule in Valdivia gespendet. Um meinen Kollegen einen kleinen Einblick in die deutsche Adventszeit zu geben, habe ich fuer sie  Vannillekipferl gebacken. Die haben ihnen sehr gut geschmeckt!

An Weihnachten bin ich mit meinen Gasteltern zu Verwandten nach Chillán gefahren. Meine Gastschwester Emilia war leider nicht dabei, da sie bei einem dreimonatigen Austausch nach Deutschland mitgemacht hat. Ohne Weihnachtsgottesdienst, Krippenspiel, Weihnachtsplaetzchen und natuerlich ohne Familie und alle Traditionen und bei 30 °C im Schatten kam bei mir leider nicht all zu grosse Weihachtsstimmung auf. Es war trotzdem ein sehr schoener und gemuetlicher Abend. Meine Gasttante hat unglaublich viel zu essen vorbereitet und wir sassen gemuetlich auf der Terasse. Um Punkt 0:00 Uhr am 25. Dezember ist hier Weihnachten. Wir haben uns allen froehliche Weihnachten gewuenscht und dann gab es Bescherung. Genauso wie mit meinen Kolleginnen aus beiden Projekten  haben wir “secreto amigo” gemacht. Im Voraus zieht jeder einen Namen, dem er dann ein Geschenk macht (Wichteln). So muss nicht jeder jedem ein Geschenk machen.

Am 29. Dezember sind wir dann weiter nach Valparaíso, der Kuenstlerstadt Chiles, gefahren. Dort findet eins der groessten Feuerwerke statt und das wollten wir uns natuerlich nicht entgehen lassen. Dort habe ich andere Mitfreiwillige aus Paraguay, Argentinien und Brasilien getroffen und es war sehr cool alle nach so langer Zeit wieder zu sehen und all seine Geschichten zu erzaehlen.

Kinderfreizeit Puerto Fonck

Kirchenfreizeit fuer 11 bis 14 Jaehrige

Im neuen Jahr fuhr ich gleich weiter nach Puerto Fonck. Das ist ein kleines Doerfchen am wunderschoenen See Llanquihue. Der See ist etwa 3 Stunden von Valdivia entfernt und liegt direkt neben dem Vulkan Osorno. Hier finden jaehrlich die Kirchenfreizeiten der Iglesia Luterana in Chile statt. Wir Freiwilligen haben die Moeglichkeit auf den Freizeiten als Mitarbeiter zu arbeiten und so hatte ich zwei Wochen lang die Verantwortung fuer eine der zehn kleinen Huetten und wir haben viele Workshops angeboten, Lieder gesungen, Spiele gespielt und wir sind jeden Tag an den Strand gegangen. Es hat sehr viel Spass gemacht und es war interessant mit chilenischen Jugendlichen zu arbeiten, die anders aufwachsen als die Kinder im Projekt.

Zwischenseminar

Die GAW-Freiwilligen in Chile

Ende Januar stand dann das Zwischenseminar fuer alle Freiwillige an. Dies fand in Punta de Tralca am Meer statt und wir haben uns ausgetauscht, viel diskutiert und gelernt und hatten natuerlich auch viel Spass. Es hat einem richtig viele Ideen und  Motivation fuer die zweite Haelfte gebracht.

Urlaub

Mit Helena, einer Mitfreiwilligen, war ich zwei Wochen unterwegs

Im Februar haben die meisten Freiwilligen Urlaub, der zum Reisen genutzt wird. Ich bin zuerst in den Sueden von Chile und Argentinien gereist und danach nach Bolivien und Peru. Es war unglaublich interessant so viele verschiedene Kulturen kennenzulernen, die Vielfalt der suedamerikanischen Natur zu erleben und Unterschiede zur chilenischen Kultur zu sehen. In Peru mussten sie zum Beispiel ueber mich grinsen, weil ich ein Wort benutzt habe, das es nur in Chile gibt. Auch wenn die anderen Laender echt tolle Erfahrungen waren, hat es sich, als ich wieder in Santiago angekommen bin, doch fast wie “Heimkommen” angefuehlt. Man versteht die Leute wieder besser, man kennt die Waehrung und man weiss mehr oder weniger  wie alles funktioniert.

Wieder im Projekt

In die Projekte sind viele neue Kinder gekommen, aber manche sind auch geblieben. Ich habe mich sehr gefreut wieder zurueckzukommen. Ich kenne alle meine Kollegen und alle Ablaeufe in den Projekten. Inzwischen habe ich den noetigen Wortschatz um mit den Kindern richtig umzugehen, ihnen zu helfen und mit ihnen zu spielen. Jetzt heisst es erstmal wieder viele neue Namen lernen und wieder in den Alltag finden.  In den ersten sechs Monaten habe ich schon so viel gelernt : Ueber Chile, andere Kulturen, wie man mit Kindern und Kollegen umgeht, fremd zu sein, selbststaendig zu sein und so viel mehr!  Ich freue mich schon unglaublich auf die zweite Haelfte meines Freiwilligendienstes, bin gespannt ob ich alle meine Ideen in die Tat umsetzen kann und was ich wohl noch alles erleben werde.

Viele liebe Gruesse aus Valdivia!

Helen