Laura F. - Neuigkeiten aus Bolivien

Buenos días, hier kommt nun der 1.Bericht aus Caranavi

Hallo meine Lieben! Jetzt sind schon 3 Monate vergangen, seitdem ich mich am Frankfurter Flughafen von meiner Familie verabschiedet habe und mich in den Flieger Richtung Bogotá und anschließend Richtung La Paz gesetzt habe.

Inzwischen habe ich mich hier in Caranavi schon richtig eingelebt. Aber ich möchte natürlich von Anfang an berichten. 

Ankunft

Am 16. August sind wir vier bolivianischen Freiwilligen in La Paz gelandet. Untergebracht wurden wir in dem Büro der IELB (Iglesia Evangélica Luterana Bolivia = evangelisch lutherische Kirche Bolivien).

Workcamp in Santa Cruz

Wir 4 bolivianischen Freiwillige mit dem Kirchenpräsidenten Pastor Emilio

Die Baustelle

Direkt am nächsten Tag nach unserer Ankunft ging es wieder an den Flughafen und wir sind mit der Koordinatorin der Jugendlichen der IELB nach Santa Cruz auf ein geflogen, wo wir ein Workcamp begleiteten um das Land, die Kultur und die Menschen besser kennen zu lernen..

Die  Workcamp-Gruppe bestand aus  einem Workcamp-Team mit Jugendlichen aus Deutschland und bolivianischen Jugendlichen aus La Paz. Deren Aufgabe war es mit dem Bau eines Gemeindezentrum anzufangen. 

Wir durften das Workcamp unterstützen so ziemlich alles machen: Mauern, Mörtel anmischen, Löcher mit Erde zuschaufeln, etc.Die Arbeit war für mich ziemlich ungewohnt und deshalb auch anstrengend, da ich noch nie auf einer Baustelle geholfen hatte. Nichtsdestotrotz hat mir das Workcamp sehr gut gefallen, da wir uns mit allen super verstanden haben, insbesondere mit den Jugendlichen aus La Paz.

Am Anfang gab es noch große Schwierigkeiten in der Gruppe miteinander zu kommunizieren, da wir nur 2 Leiterinnen aus Deutschland hatten, die Spanisch und Deutsch konnten. Somit haben sich dann die Meisten mit Händen und Füßen unterhalten.

Für mich persönlich war es nicht allzu schwer sich mit den Jugendlichen aus La Paz zu unterhalten, da ich schon 5 Jahre Spanisch in der Schule hatte. Aber auch die anderen lernten mit der Zeit einige Begriffe auf Spanisch. Auch die Bolivianer lernten Wörter auf Deutsch bzw. Schwäbisch (sie können alle jetzt Muggasäggele sagen).Abends saßen wir immer noch zusammen und haben an dem einen oder anderen Abend etwas von der bolivianischen Kultur erleben dürfen z.B. haben wir drei traditionelle bolivianische Tänze „gelernt“.

An einem Wochenende haben wir einen Ausflug nach Samaipata gemacht und dort den Fuerte de Samaipata, eine Inkastätte und einen Wasserfall besichtigt. Das war sehr beeindruckend!

Insgesamt war das sehr bereichernd und durch diese Zeit haben wir schon einige Freunde aus La Paz gewonnen.

La Paz - Visum

Der Ausblick auf La Paz von der Dachterasse der oficina der IELB

Nach 2 Wochen Workcamp ging es wieder zurück nach La Paz. Nun durften wir mit den Behördengängen beginnen, da man das Visum für Bolivien erst in vor Ort beantragen kann. Nach dem Besuch beim Fotografen, bei INSO wo wir einer kompletten medizinischen Untersuchung unterzogen wurden, beim Anwalt und bei Interpol, konnten wir endlich unser Visum beantragen. Nachdem wir unser Visum erhalten hatten, mussten wir noch einen bolivianischen Personalausweis beantragen. Das Ganze dauerte insgesamt 4 Wochen. Da wir bei den Behördengängen meistens auf uns allein gestellt waren, stellte das vor allem für mich eine große Herausforderung dar. Denn ich bin diejenige von uns vier, die am besten Spanisch kann und habe daher das Meiste geregelt und versucht zu verstehen, was die Angestellten von uns wollten ;). Währenddessen hatten wir einen 10-tägigen Sprachkurs. Zwischen den Behördengängen blieb noch etwas Freizeit, in der wir das wunderschöne aber sehr große La Paz erkundeten. Ein Wochenende sind wir nach Copacabana, an den Titicacasee gefahren. Der Ort ist wunderschön, aber natürlich sehr touristisch.

Beeindruckt und überrascht hat mich, dass die meisten Frauen und teilweise auch die Männer in La Paz noch sehr traditionell gekleidet sind: mit Hut und pollera, einem Rock, bis zu 10 Unterröcken und einem Tragetuch. 

Anfang Dezember wurde das 80-jährige Jubiläum der IELB gefeiert und wir durften bei allem dabei sein. Das Programm beinhaltete Reden des Kirchenpräsidenten Emilio und anderer Pfarrer der evangelischen Kirche, ein Gala-Abendessen in einem Hotel in La Paz, eine große „feria“, also einen Art Markt, bei dem die verschiedenen Aufgaben der IELB an unterschiedlichen Ständen vorgestellt wurden und einen einstündigen Marsch auf den Straßen von La Paz bishin zur Kirche mit anschließendem Festgottesdienst. Insgesamt war es ein sehr schönes und ereignisreiches Wochenende und ich bin sehr froh, dass ich teilnehmen durfte.

Außerdem haben wir schon viele verschiedene evangelische Kirchen kennen lernen dürfen, da unsere Freunde aus La Paz uns in ihre Gemeinden mitgenommen haben. Bei einer Gemeinde sind wir sozusagen sogar schon Teil der Kirchenjugend und durften ihr Jubiläum mitfeiern.

Caranavi (Projekt)

Das ist das Zentrum, ganz oben wohnen wir:)

Die von uns geschmückte Kirche für den Kirchengeburtstag

Einige Mädels in ihren Tanzgewändern mit Pastor Emilio und unserer Chefin Corina

Ende September ging es dann für Magda, meine Mitfreiwillige, und mich endlich in unser Projekt nach Caranavi.

Unser Projekt ist das „Centro Verena Wells“, welches ein Internat für Mädchen der weiterführenden Schule ist. Das heißt die Mädels sind zwischen 10 und 18 Jahren alt. Eine Ausnahme ist ein 6-jähriges Mädchen, welches für ein Jahr ebenfalls im Internat aufgenommen wurde, weil sie sonst ein Jahr lang nicht zur Schule gehen würde. Aktuell leben 18 Mädchen im Internat. Caranavi ist im Großraum sozusagen das Zentrum und hat einige weiterführende Schulen. Da die Mädchen alle in sogenannten „colonias“ (kleinen Dörfern) wohnen und dort keine Chance haben, auf eine weiterführende Schule zu gehen, wohnen sie hier im Internat, um hier den Unterricht zu besuchen. Die meisten von ihnen wohnen nur unter der Woche hier im Internat und fahren übers Wochenende nach Hause. Magda und ich arbeiten nicht nur im Internat, sondern wir wohnen auch mit den Mädchen. Nur ein paar Wenige bleiben auch am Wochenende da, weil sie zu weit weg wohnen. Am Wochenende kochen wir dann alle gemeinsam und spielen auch mal Karten oder mit den Kleinen Bewegungsspiele auf dem Hof.

Unsere Arbeit besteht hauptsächlich darin die Hausaufgabenbetreuung zu leiten. Das heißt nachmittags machen wir mit allen Hausaufgaben und lernen mit ihnen auf Arbeiten. Hauptsächlich helfen wir in Mathe und Englisch, da diese beiden Fächer den Meisten große Schwierigkeiten bereiten.

Die Arbeit an sich macht Spaß, ist aber auch teilweise echt anstrengend, weil man zum einen nicht alle Vokabeln hat, um auf Spanisch Mathe und Englisch zu erklären und die Mädchen zum anderen teilweise sehr unmotiviert sind an ihren Aufgaben dranzubleiben. Gerade jetzt, in der Zeit vor dem Schuljahresende, haben die Mädchen sehr viel in der Schule zu tun und es bleibt leider wenig Zeit für Freizeit. An den Tagen wo sie doch mal vor dem Abendessen fertig wurden haben wir schon Futsal und Uno mit ihnen gespielt.

Montags nach dem Abendessen haben Magda und ich uns überlegt zusätzlichen Matheunterricht zu geben, bei dem wir nochmals bei Null anfangen, da bei sehr vielen die mathematischen Grundlagen fehlen. Das haben wir bis jetzt zwei Mal gemacht.

Dienstags und donnerstags abends gibt es immer Bibelstunde, bei dem ein wichtiges Thema, wie zum Beispiel das Abendmahl behandelt wird. Diese haben Magda und ich nun schon vier Mal alleine vorbereitet und mit den Mädels jedes Mal ein anderes Thema erarbeitet. Sonntagmorgens und –abends gibt es immer einen Gottesdienst in der evangelischen Kirche. Da das Internat Teil des Kirchengeländes ist, gehen wir in jeden Gottesdienst, der stattfindet.

In der Zeit, die wir bis jetzt im Internat sind, hatten wir zwei schon sehr viel Verantwortung, weil unsere Chefin regelmäßig vereist ist. Darüber hinaus arbeiten nur die Köchin und Heydi, die bei den Hausaufgaben hilft, im Internat. Vor allem zu Beginn war es für uns natürlich noch alles neu und ungewohnt und unsere Chefin Corina ist direkt am Folgetag unserer Ankunft für 10 Tage nach La Paz gereist. So lernten wir aber auch sehr schnell selbstständig Entscheidungen zu treffen und nicht nur Verantwortung für uns, sondern auch für die 16 Mädchen zu übernehmen.

Vorletztes Wochenende war der Kirchengeburtstag unserer Gemeinde hierin Caranavi. Sie feiert dieses Jahr 50-jähriges Bestehen. Wir als Internat hatten die Aufgabe die komplette Kirche für das Festwochenende zu schmücken. Deshalb liefen bereits zehn Tage vorher die Vorbereitungen auf Hochtouren. Außer Dekoration basteln mussten nämlich auch noch Choreographien und Theaterstücke eingeübt werden.

Das Wochenende war ziemlich schön, aber auch sehr programmreich. Denn von Freitagabend bis Sonntagmittag war durchgängig Programm in der Kirche. Auffällig ist, dass der Kirchengeburtstag hier eine sehr viel wichtigere Rolle spielt, als bei uns in Deutschland.

Inzwischen waren wir auch schon zweimal mit in der Schule. Einmal durften wir mit ein paar Mädels ihren Bonus von 200 Bolivianos abholen. Dieser Bonus muss für ein ganzes Schuljahr reichen, um Schulmaterialien zu kaufen. Das andere Mal war eine exposición, bei der unsere Mädels verschiedene Stände hatten und uns unterschiedliche Themen präsentierten oder Essen zubereiteten.

Caranavi (Ort)

Der Ausblick von unserer Dachterasse auf Caranavi

Caranavi ist, zumindest aus meiner Sicht, da ich in Stuttgart aufgewachsen bin, ein kleines Dorf. Es liegt am Anfang der Yungas und hat deswegen schon sehr viel Grün. Im Umkreis des Stadtkerns werden sehr viel Kaffee, Zitrusfrüchte und Avocados angebaut.

Auch wenn Caranavi nicht besonders groß ist, bekommt man eigentlich alles was man benötigt. Vor allem mittwochs, denn mittwochs ist immer großer Markt, bei dem die ganzen Verkäufer aus dem Umkreis anreisen, um ihre Produkte zu verkaufen. Hier bekommt man so ziemlich alles: Früchte, Gemüse, Fleisch, elektronische Geräte, Kleidung und Tierbabys.

Eine Sache ist nur schade: es gibt sehr wenige Möglichkeiten für Freizeitangebote. Man kann ins Fitnessstudio gehen, welches wir mit unserer Chefin bis jetzt einmal besucht haben. Außerdem kann man Futsal (Fußball mit einem anderen Ball und auf einem kleineren Feld) und Volley (eine Art Volleyball) spielen. Aber nicht im Verein, sondern es gibt eben ein Feld, welches dafür ausgelegt ist. Mit dem Mann von Corina waren wir inzwischen schon einige Male Futsal spielen, was uns sehr viel Spaß gemacht hat.

Insgesamt ist Caranavi aber ein sehr schönes Dorf mit sehr vielen Cafés und kleinen Restaurants. Vor allem der Eiskaffee hier ist besonders gut bei fast dauerhaften 32 Grad.

Die bolivianische Kultur

Es gibt zwar nicht DIE bolivianische Kultur, da Bolivien ein plurinationaler Staat ist und je nach Region die Kultur schon sehr unterschiedlich sein kann. Auffällig ist aber, dass die Kultur noch sehr traditionell und von den indigenen Völkern beeinflusst ist. Es gibt unzählige traditionelle Tänze, wie z.B. Tinku, Morenada & Caporales. Einige durften wir schon zu sehen bekommen. Für mich ist das sehr beeindruckend und es ist immer etwas peinlich, wenn man nach den traditionellen deutschen Tänzen gefragt wird. Außerdem gibt es, wie oben schon erwähnt, eine sehr traditionelle Art sich zu kleiden. Auch die Sprache gehört natürlich zur Kultur. In Bolivien sind außer Spanisch, ebenfalls aymara, quechua und guaraní Amtssprache. Diese drei sind indigene Sprachen und prägen die bolivianische Kultur ebenfalls. Einige Schüler hier lernen sogar aymara in der Schule. Wir durften auch schon einige Worte auf aymara lernen, auch wenn es für uns nicht so einfach ist, sie uns zu merken.

Wir wurden von den meisten Mädels sehr herzlich aufgenommen und fühlen uns insgesamt wohl hier und freuen uns darauf weitere coole Aktionen mit den Mädels zu starten.

Ich schicke euch sonnige Grüße aus Caranavi und freue mich über Jeden, der sich bei mir meldet.

Un abrazo muy fuerte, eure Laura