Tim R. - 1. Bericht aus Buenos Aires, Argentinien

Die ersten zwei Wochen

Die Olivos-WG

Liebe Unterstützer, liebes GAW, liebe Leser,

drei Monate sind schon vergangen seit ich Deutschland für ein Jahr hinter mir gelassen habe und meinen Freiwilligendienst über die Entsendeorganisation GAW gestartet habe. Nachdem ich mich am Abreisetag vormittags noch mit Freunden getroffen habe und mich vorzeitig von meinem Bruder verabschieden musste, weil dieser selber an dem Tag für eine Woche weggefahren ist, ging es dann endlich zum Flughafen.

Nach dem 14-stündigen Flug und einer schlaflosen Nacht, bin ich in Buenos Aires gelandet und wurde vom IERP-Team begrüßt.

IERP steht für Iglesia Evangélica Rio de la Plata. Sie betreut jedes Jahr ca. 60 Freiwillige aus ganz Deutschland, die von unterschiedlichen Organisationen nach Argentinien, Paraguay und Uruguay versendet werden

Da mein Projekt in Buenos Aires liegt, bin ich direkt in die Wohnung eingezogen, in der ich das ganze Jahr über wohnen werde. Wir waren in den ersten zwei Wochen zu sechst in der Wohnung, da wir ein Vorbereitungsseminar hatten und somit die Uruguayer und Paraguayer in Buenos Aires bleiben mussten.

Das Einführungsseminar ist dafür gedacht, die Kultur besser kennenzulernen und um Themen anzusprechen, die wichtig für das kommende Jahr sind. Außerdem haben wir haben wir Ausflüge gemacht, um die Kultur und die Stadt besser kennenzulernen.

Vormittags hatten wir einen Sprachkurs und obwohl ich das Glück habe, zweisprachig aufgewachsen zu sein und somit schon Spanisch sprechen kann, war ich froh, dass es diesen gab.

Nach zwei Wochen war das Seminar zu Ende und die Freiwilligen, die nach Uruguay, Paraguay oder außerhalb von Buenos Aires ihre Projekte haben, sind mit Reisebussen zu ihren Wohnungen gefahren worden.

Drei aus unserer Wohnung sind daher ausgezogen und als unsere vierte Mitbewohnerin eingezogen ist, war die Olivos-WG komplett.

Wohnen und Arbeiten in unterschiedlichen Welten

Los Polvorines

Olivos

Der Stadtteil in dem ich wohne heißt Olivos und gehört zu Groß-Buenos Aires ( „Bundesland“ Buenos Aires). Da wir in der Nähe des Präsidentenpalastes wohnen, ist in unserer Straße fast an jeder Kreuzung ein Wachmann, der aufpasst, dass nichts passiert, weswegen Olivos grundsätzlich ein sicheres Viertel in Buenos Aires ist

Ich weiß noch als mich jemand paar Tage nach meiner Ankunft gefragt hat, ob ich schon etwas über das Stadtviertel Los Polvorines, wo ich arbeite, wusste. Ich meinte dann, dass es ja nicht komplett anders sein kann als hier in Olivos, da sie für argentinische Verhältnisse nicht weit von einander entfernt sind. Da lachte sie dann und meinte ich werde überrascht sein. Und da hatte sie recht.

Schon auf der Hinfahrt nach Los Polvorines konnte man aus dem Zug die Hütten sehen, bei denen man sich fragt, wie man darin leben kann. Mir wurde mal am Tag vor einem Ausflug gesagt, dass ich zuerst ins Projekt kommen soll, um mit allen anderen zu fahren, da sonst die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist überfallen zu werden. 

Mein Projekt und wie ich dort hinkomme

Der Schulhof

Blick aus dem Bus auf die "Avenida Maipú"

Mein Projekt ist das Instituto Luis Siegel. Ein deutsches Institut, dass einen Kindergarten für Kinder ab drei Jahren, eine Grundschule, hier „Primaria“ und eine weiterführende Schule, „ Secundaria“ in einem beinhaltet. Das Luis Siegel ist zwar eine Privatschule, aber sie verlangen verhältnismäßig wenig Schulgeld, sodass auch Eltern mit geringerem Einkommen, trotzdem ihre Kinder auf eine gute Schule schicken können. Denn auf den meisten öffentlichen Schulen ist eine geringere Bildungsmöglichkeit gegeben und es kommt des öfteren zu Streiks. Das Luis Siegel hat einen sehr guten Ruf, sodass auch die gehobene Mittelschicht ihre Kinder dort drauf schickt.

Um pünktlich am Projekt zu sein verlasse ich um kurz vor sieben das Haus, nehme zuerst den Bus, um anschließend mit dem Zug in der Nähe meines Projektes anzukommen. Um kurz vor neun erreiche ich mein Projekt und werde von früh aufgestandenen Kindern sehnsüchtig erwartet.

Auf den Weg nach Hause mache ich mich um kurz vor fünf Uhr. Die anderthalbstündige Rückfahrt verbringe ich entweder mit lesen oder schlafen, da so ein Arbeitstag einen ganz schön fordert

 

 

Die ersten Monate im Projekt

Der große Spielraum, der alle Räume verbindet

"Sala Verde", der Raum der Fünf-Jährigen

"Sala Naranja", der Raum der Drei-Jährigen

Von Anfang an konnte ich im Kindergarten helfen. Dieser ist in drei Räumen aufgeteilt, einen Raum für die Drei-Jährigen, einen für die Vier-Jährigen und einen für die Fünf-Jährigen.

Für jeden Raum gibt es dann auch noch eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe mit jeweils einer zugeteilten Erzieherin.

Zuerst bin ich Vormittags und Nachmittags zu den Drei-Jährigen gegangen, da diese die meiste Hilfe brauchen. Inzwischen gehe ich Vormittags zu den Vier-Jährigen. 

Mit den Kindergartenkinder machen wir regelmäßig Ausflüge, so sind wir mit den Vier-Jährigen schon zu einem Sportverein gefahren, der hinter dem Gebäude eine große Wiese mit mehreren Fußballfeldern und sogar ein Schwimmbad hat. Dort verbringen wir den Tag mit Spielen und Basteln. Das erste mal war es für mich ungewohnt, die Kinder ohne Schuluniform, sondern mit Straßenklamotten zu sehen. Einmal sind wir mit allen Kindergartenkindern, sowohl mit den Vormittags- als auch den Nachmittagskindern zu einem nahe gelegendem Park gegangen um mit ihren Familien den „Día de la familia“ (Tag der Familie) zu feiern. Es wurde zuerst eine große Runde auf einer Wiese gelaufen, dem sogenannten Marathon. Danach haben wir gespielt und uns mit ein paar Eltern unterhalten.

Mittlerweile habe ich einen eigenen Stundenplan, bei dem ich unter der Woche, sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule und in der weiterführenden Schule bin. 

Ich bin froh, dass dies mir ermöglicht wird, damit ich auch mal sehen kann wie die Kinder hier in Argentinien unterrichtet werden.

Freizeit und Sonstiges

Nun erzähle ich noch etwas über meine Freizeit. Ich habe hier zwar die Möglichkeit meinen Sport, Tischtennis, den ich schon seit neun Jahren in Deutschland im Verein spiele, auszuüben, aber leider sind die Sportvereine hier vergleichsweise teuer. Stattdessen haben wir ein Fitnessstudio gefunden, bei dem wir uns zu viert angemeldet haben. Um Zeit und Geld zu sparen, fahre ich direkt vom Projekt zum Fitnessstudio.

Ansonsten kann ich unter der Woche nach der Arbeit nicht viel machen, da ich immer früh schlafen gehe, um dann um sechs wieder aufstehen zu können. 

Bevor ich meinen ersten Bericht abschließe, will ich noch was zur Währung, den argentinischen Peso, der hier verwendet wird, sagen. Die Inflation ist hier gigantisch. Vor fünf Jahren war der Kurs noch bei ca. acht Pesos pro Euro. Als wir vor drei Monaten angekommen sind war er bei 36 Peso. Mittlerweile ist er bei 40 Pesos, wobei er zwischenzeitig bei 49 Pesos war. Das hat zur Folge, dass die Argentinier streiken und mehr Gehalt fordern. Das Geld was sie auf ihrem Konto haben wird immer weniger. Die Zahl bleibt zwar gleich, aber der Wert sinkt. Die Preise werden dann auch angehoben, weil sonst die Produkte immer günstiger werden.

Das betrifft uns Freiwillige nicht, aber man bezahlt jetzt fünf Pesos z.B. für die Milch mehr als am Anfang, aber der Eurobetrag ist der selbe.

Nun will ich euch nicht weiter stören und wünsche euch schon mal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Während es bei euch in Deutschland jetzt kalt wird, wird es hier bis Mai sehr warm. Mich lachen schon die Argentinier aus, dass mir jetzt schon heiß ist, obwohl grade erst der Frühling angefangen hat.

 

Bis in drei Monaten wieder.

Saludos,

Tim Rosenbaum