Weltwärts in: Swakopmund, Namibia

Hallo ihr Lieben!
Erst mal danke an dich Jannes, dass ich mich in deinem Blog vorstellen darf. Ich heiße Jasmin, bin 19 Jahre alt und wohne ebenfalls in der Nähe von Stuttgart. Auch ich habe mich für einen weltwärts Freiwilligendienst entschieden, doch für mich ging die Reise zu einem anderen Kontinent: Afrika, genauer gesagt nach Namibia, in die schöne Küstenstadt Swakopmund. Schon beim Lesen von Jannes Blogeintrag ist mir aufgefallen, wie verschieden unsere Einsatzländer sind. Namibia ist mit seinen knapp 2,5 Mio. Einwohnern auf einer Fläche fast dreimal so groß wie Deutschland nur sehr dünn besiedelt. Dafür ist die Natur atemberaubend. Wüste trifft auf Meer, der grüne Norden trotzt dem trockenen, kahlen Süden und nachts kann man einen wunderschönen Sternenhimmel beobachten. Genauso vielfältig wie die Natur sind die Bewohner des Landes: gleich zwölf verschiedene Bevölkerungsgruppen mit ihrer jeweils eigenen Sprache sind in Namibia heimisch. Schwarz und Weiß, Jung und Alt, reich und arm. Dazu kommt natürlich die interessante, aber auch dunkle Geschichte des Landes: von 1884-1914 war Namibia deutsche Kolonie, deren Einfluss bis heute spürbar ist. Danach viel das Land unter das südafrikanische Mandat und wurde erst 1990 unabhängig. Gerade diese Vielfalt und der eigene freie Lebensstil der Menschen machen das Land so besonders.
Und genau hier bin ich nun gelandet und lebe seit drei Monaten in einer WG mit meiner Mitfreiwilligen. Wie ihr euch vorstellen könnt, habe ich schon wahnsinnig viel erlebt, was den Rahmen dieses Artikels definitiv sprengen würde, doch ich möchte euch einen kleinen Einblick in meinen Alltag geben.
Mein Projekt befindet sich ebenfalls in Swakopmund, jedoch im Township Mondesa. Es ist eines der Armenviertel der Stadt, das deutlich vom „reicheren“ Stadtzentrum getrennt ist. MYO – Mondesa Youth Opportunities, das 2004 gegründet wurde, ist eine Nachmittagsschule, die Kinder mit guten Lernleistungen über die staatliche Schulbildung hinaus fördert. Die staatlichen Schulen sind im Land leider sehr schlecht ausgestattet, es fehlt an guten Lehrkräften und Unterrichtsmaterial. MYO unterstützt die Kids beim Lernen (es werden Fächer wie Mathe und Englisch, aber auch Life Skills und Musik unterrichten) und erhöht damit die Chance auf einen guten Schulabschluss und ein Studium. Zusätzlich bekommen die Kinder bei MYO eine warme Mahlzeit.
Meine Aufgaben im Projekt reichen über kleine Tätigkeiten im Büro über die Zubereitung des Mittagessens zum Schulunterricht. Mittlerweile unterrichte ich 5 Musikklassen und 3 Vorschulklassen und ich komme mit der Lehrerrolle immer besser zurecht. Am Anfang war das natürlich ein Sprung ins kalte Wasser, doch ich wurde von den anderen Mitarbeitern unterstützt. Mir gefällt meine Arbeit sehr und man bekommt einfach so viel von den Kindern zurück. Das gibt mir dann auch wieder Kraft und Inspiration, weiter zu machen.
Um kurz auf eine von Jannes Erfahrungen einzugehen: ich bin sehr froh, dass es in Namibia nicht so ein großes Müllproblem gibt wie in Paraguay. Tatsächlich legen die Namibier relativ viel Wert auf die Sauberkeit ihrer Städte und auch hier wird schon der Verbrauch von Plastiktüten deutlich reduziert. Dafür klafft die Lücke zwischen Arm und Reich immer mehr auf. Hier in Swakopmund findet man die größten Villen und einen halben Kilometer weiter Häuser aus Blech. Würden die Gelder bei den Bedürftigen ankommen und nicht immer in den Taschen der Politiker verschwinden, wäre dem Land sehr geholfen. Korruption ist nämlich eines der größten Probleme. Und dabei hat das Land doch eigentlich großes Potential: Es lassen sich viele Bodenschätze finden und die atemberaubende Landschaft lockt immer mehr Touristen ins Land. Nun heißt es, diese Ressourcen auch effizient zu nutzen.
Jedenfalls genieße ich Namibia in voll und ganz. Die Offenheit der Leute und die innere Ruhe kennt man nicht wirklich aus Deutschland und sind doch Dinge, die ich zu schätzen gelernt habe. Und natürlich auch das gute Internet! Während mein Freund sich in Deutschland über das fehlende WLAN im Studentenwohnheim beklagt, sitze ich in der Wüste beim Campen und habe fünf Balken Netz. Bei diesem Part kann sich Deutschland mal was von Namibia abschneiden. Typisch für hier sind auch die Braai Abende, was nichts anderes als gemütliches Grillen am Lagerfeuer darstellt, dies tun die Namibier gern und häufig. Über Weihnachten werde ich mit den anderen Freiwilligen nach Kapstadt reisen und bin schon gespannt auf alle Eindrücke und Erlebnisse auf unserem Trip.
Was ich bis jetzt aus meinem Namibia Aufenthalt für mich mitgenommen habe? Definitiv ein Bewusstsein für all das, was ich habe. Hier trifft man auf andere Lebensverhältnisse und ich denke man muss diese hautnah erfahren, damit sie einen ganz erreichen. Außerdem merke ich, dass ich selbstständiger bin und selbstbewusster durch die Welt gehe. Man hat Zeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und zu realisieren, was wirklich wichtig ist. Ich denke diese persönliche Entwicklung erfährt jeder, der den Mut hat für längere Zeit seine Heimat zu verlassen und neue Orte zu erkunden.
In diesem Sinne wünsche ich Jannes weiterhin ein wunderschönes Jahr in Paraguay! In meinem Flyer sind nochmals alle wichtigen Infos zusammengefasst, werft gerne einen Blick hinein. Vielleicht können wir durch unsere Berichte den ein oder anderen ermutigen, selbst weltwärts zu gehen. Ich sag nur eins: Koffer packen lohnt sich!

directions_bus Der Chaco - 3. Teil

Der erste Blick auf die Laguna

Mit zwei Autos an der Lagune

Die letzte Fahrt auf der Pritsche

Der Himmel im Chaco

Cooperatica Chortizer y Trébol

Das Milchlager von Trébol

Schleichwerbung darf auch mal sein...

Das Krankenhaus für die "Indianer Siedlung"

Der Chaco - 3. Teil

Der Sonntag begann früh. Wir sind um 6 aufgestanden, weil wir rund 150 km zu einem Naturschutzgebiet fahren mussten. Doch bevor es soweit kam, gab es von unserer Gastgeberin wieder ein umwerfendes Frühstück, diesmal auch mit Schokokuchen.
Los ging es dann erst um 8, weil sich noch ein, zwei Verspätungen ergaben. Diesmal sind wir mit 2 Autos gefahren, sodass auch wirklich jeder einen Sitzplatz hatte.
Im Gepäck befanden sich ausreichende Mengen an Stühlen, Bier, Cola und, das wohl allerwichtigste: Fleisch! Aber auch vegetarische Optionen.
(Übrigens: Carne, oder zu Deutsch Fleisch, bezeichnet hier nur Rindfleisch. Die Vegetarier unter uns wurden fast alle gefragt: "Esst ihr Carne (Fleisch)?" "Nein." "Und Pollo (Hähnchen)?" Das ist für viele nicht Fleisch in ihrem Sinne und wird als etwas anderes angesehen.)
Während der ganzen Strecke war nur ein Stück von vielleicht 10 Kilometern asphaltiert, der Rest war Sandpiste, die mehr oder minder fest war, und so die Autos eine Staubwolke produzierten, dass die Autos hier oftmals auch einen guten Kilometer auseinander fahren - diese Staubwolken waren auch Dr unangenehmste Teil des hinten auf der Pritsche mitfahrens - und Shelly erzählte uns auch, dass ihre Autos nie sauber sein würden, weder von außen noch von innen, denn auch hier war alles mit einer ganz leichten Staubschicht aus der typischen roten Erde bedeckt. Doch sie haben sich alle daran gewöhnt und, das betonte sie mit Nachdruck, sie könne sich ein Leben in der Stadt überhaupt nicht vorstellen. Und auch mir gefiel es hier von Sekunde zu Sekunde immer mehr.
Irgendwann nach etwa über einer Stunde führen wir über eine Brücke, und Shelly sagte, dass das schon die Lagune sei. Also haben wir schnell alle unsere Handys und haben Fotos gemacht und uns gewundert, warum wir nicht langsamer wurden oder irgendwo anhielten. Aber die Fahrt ging noch eine knappe Viertelstunde weiter, bevor wir am Fuß eines kleinen Hügels anhielten und zur Aussichtsplattform hochstiegen. Oben angekommen hatten wir einen grandiosen Blick über die Lagune, und ich begriff, wieso wir nicht schon längst angehalten hatten: die Lagune war riesig! Zu beiden Seiten und nach vorne hin gab es unglaublich viel Wasserfläche. Sie war nicht kreisrund, wir konnten viel Ufer sehen, aber die Ausmaße waren trotzdem erstaunlich.
Und natürlich durfte oben vor diesem Ausblick auch ein Gruppenfoto auch mit Herta, Shelly und Teilen ihrer Familien nicht fehlen. Wieder von dem Hügel runter fanden wir auf der anderen Seite eine ideale Stelle, an der wir die Autos im Schatten parkten und wir erstmal eine kleine Strecke entlang der Strandes gingen. Der Sand war sehr matschig, es hatte die Tage davor noch geregnet. Und obwohl die Lagune so groß war, ist sie an den tiefsten Stellen höchstens 1,5 bis 2 Meter tief, an unserer Stelle hätte man sogar das Wasser überqueren können, ohne weiter als bis zur Hüfte im Wasser zu stehen. Durch den ganzen Schlamm würde man aber darüber hinaus noch bis zu den Knien im Schlamm versinken. Solches und anderes Wissen teilte der Naturreservataufseher und Bruder von Herta mit uns.
Und während wir am Strand entlang liefen, bereitete der Mann von Herta ein Feuer vor. Als wir wieder zurück waren, war das Feuer noch nicht ganz an, und so nahmen wir uns die mitgebrachten Stühle, setzen uns in den Schatten, tranken Tereré und kühles Bier und erzählten von allen möglichen Dingen, die die anderen interessierten. Irgendwann rief dann der Mann von Herta zum Essen, er hatte über das ringförmig angelegte Feuer in die Mitte ein Rost gestellt und dort warteten einige Stücke saftigsten Rindfleisches von uns gegessen zu werden. Herta schnitt das Fleisch in kleine, mundgerechte Stücke und wir anderen griffen eifrig zu. Ein so unglaubliches Asado mit der Lagune als Kulisse in einem Naturreservat und in so guter, herzlicher und gastfreundlicher Umgebung hatte ich noch nie. Wir aßen, tranken, lachten und hatten eine super Zeit. Und es wurde nur besser, als es dann auch noch Kuchen zum Nachtisch gab. Am frühen Nachmittag haben wir dann alles eingepackt, das was wir nicht mehr brauchen würden auf einen dritten Pickup aufgeladen, mit dem Hertas Mann erst hin, und am Ende zurück fuhr, denn wir haben uns dann auf den Weg nach Loma Plata gemacht. Weil wir von dort aus am kommenden Tag zurückfahren würden, haben wir bei einem Freund von Jorge übernachtet, der uns großzügiger Weise in seinem Arbeitszimmer einige Matratzen hinlegte, sodass wir dort alle schlafen konnten. Doch bevor wir so weit kamen, gingen wir in ein öffentliches Freibad, um uns nach dem heißen und staubigen Tag etwas ab zu kühlen. Wir waren rund 3 Stunden dort, und als wir dann zu unserer nächsten Unterkunft fuhren, stand die Sonne schon tief über dem Horizont und erleuchtete den Himmel in allen möglichen Rot, Orange und Gelbtönen.
Wir luden unsere Sachen bei dem Freund ab und gingen dann bei einem Straßenimbiss abendessen. Ein typischer Imbiss in Paraguay führt vor allem 3 Dinge: Empanadas, Hamburgesas und Lomito.
Empanadas sind Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen, von Carne (Rindfleisch) über Choclo (Mais) und Pollo (Hähnchen) bis hin zu Queso (Käse) findet man fast alles.
Hamburgesas brauchen glaubve ich keiner weiteren Erklärung, dass einzige was man als Deutscher eventuel vermissen könnte ist der Käse auf dem Burger, doch das ist hier eher ungewöhnlich.
Lomito kommt am ehesten einem Gyros Pita oder Yufka nahe. Es ist ein Pan Arabe (Fladenbrot) mit Fleisch und ein wenig Gemüse darin und das ganze gewickelt - das nennt sich dann Lomito Arabe Mixto und kostet 20.000 Guaraníes (~ 2,80 €) an den meisten Orten in Paraguay. Es gibt auch das Fleisch, natürlich Rind, in einer Burger Variante, denn Lomito ist kein festes Gericht sondern vielmehr ein bestimmtes Stück Fleisch.
Während dem Essen haben wir eine kleine Parade aus Autos von Fans des Fußballvereins “Club Olimpia” (ja, den schreibt man so) beobachtet, denn kurz zuvor ging diese Mannschaft mit einem 4:2 als Sieger auf dem Asunción-derby gegen Club Cerro Porteño hervor. Und da wir in Hörweite, nicht mehr als 5 Minuten zu Fuß vom Stadion von Olimpia entfernt, wohnen, sind wir tendenziell eher auf der Seite von Olimpia, und so haben wir ein wenig mitgefeiert und haben die Menschen in und auf den Autos angefeuert.


Den Abend haben wir dann bei Tereré auf der Terrasse unter dem Sternenhimmel der Südhalbkugel ausklingen lassen. Wir haben Sterne und Sternkonstellationen gesehen, die ich aus Deutschland, offensichtlich, nicht kannte. Und auch wenn wir am nächsten Tag um 6 aufstehen müssten, saßen wir bis 1 draußen und haben die Stille, die Geräusche der Natur,.den Tereré und den wolkenfreien Nachthimmel genossen.

Der nächste morgen begann ereignislos, es gab Frühstück und dann wurden wir abgeholt und fuhren zur Cooperativa Chortizer (C. C.)
In dieser Cooperativa (zu Deutsch: Genossenschaft) haben sich Viehzüchter mit ihren Produkten zusammengeschlossen, um ihre Produkte zu verbessern, wirtschaftlicher zu arbeiten und sich besser organisieren zu können. Die Cooperativa wurde mit der Gründung der Kolonie Menno gegründet und ist auf diese Kolonie beschränkt. Die anderen Kolonien haben eigene Cooperativas, Die sich aber in Notfällen helfen, wie als im Juni diesen Jahres die Hälfte der Fleischverarbeitungsfabrik der Cooperativa Chortizer abbrannte und die Kapazität mehr als halbiert wurde und Coop. Neuland und Coop. Fernheim Kapazitäten bereitgestellt haben.
Die Städte und Siedlungen in ihrer heutigen Form wurden von den Mennoniten, und damit von den Cooperativas aufgebaut. Es gibt ein eigenes Gesundheitssystem, in welchem man kostenlos bedient wird, wenn man Teil der Cooperativa ist und damit neben den normalen Steuern an den Staat noch einen gewissen Prozentsatz an Abgaben an die Cooperativa zahlt. Auch Bildung, also die Kosten für die Schulen sind um ein Vielfaches niedriger, wenn man ein Mitglied ist. In jeder Straße stehen Fahnen, Flaggen oder ein Gebäude mit dem Logo der C. C. drauf.
Fast alle Supermärkte gehören zur ihr und auch die Tankstellen sind eine Untersparte der Coop.
Das Hauptgeschäft der Cooperativa Chortizer ist aber die Fleischproduktion, in Form der Firma FrigoChorti und die Milchprodukte-Produktion in Form der Firma Trébol. Und letztere haben wir besucht, weil der Schlachthof noch nicht wieder auf alte Größe repariert wurde und noch keine Besucher reingelassen werden. Innerhalb der Fabrik von Trébol haben wir die Produktion von Milchpulver und die Abfüllung von H-Milch - 2 Maschinen haben gut 6 Liter Tütenmilch pro Sekunde ausgespuckt - und einem Trinkjoghurt gesehen, ebenso wie das Lager, in dem rund 1 Mio Liter auf Lager waren. Insgesamt werden dort rund 150.000 Liter Milch pro Tag verarbeitet und von dieser Fabrik nach ganz Paraguay ausgeliefert. Das größte Exportprodukt ist Milchpulver, der größte Abnehmer davon ist China, gefolgt von Indien und Vietnam.
Im Anschluss gab es eine kleine Trinkjoghurt Verkostung und dann haben wir uns weitere Projekte angeschaut. Die Cooperativa Chortizer unterstützt unter anderem auch "Indianer-Siedlungen", in dem sie ihre Milch kaufen und weiterverkaufen, sie in sozialen und wirtschaftlichen Fragen beraten und unter anderem in einigen "Siedlungen" Krankenhäuser und eine, vom Staat anerkannte und nur auf diese Region bezogene nicht-staatliche Krankenversicherung führt, durch die die "Indianer", wie sie uns gegenüber immer genannt wurden, sehr viel an medizinischer Versorgung umsonst bekommen, solange sie ihre Leistungen und Einzahlungen erfüllen.

Jedoch war es dann bald Zeit, nach diesen unglaublichen und unbeschreiblichen Aktivitäten und Erfahrungen der vergangenen Tage, vom Chaco und unseren herzlichen Gastgebern Abschied zu nehmen.
Wir haben alle ein wahnsinns Wochenende erlebt und würden direkt wieder eingeladen, um Ostern rum wieder vorbei zu kommen.
Das haben wir vor!

directions_bus Der Chaco - 2. Teil

Der Hof von Herta

Diese Kühe stehen kurz vor dem gemolken werden

Mehrere Male geritten - keinmal gefallen

Natürlich waren auch die Babykatzen einfach Babykatzen - und sind überall rum geklettert

Unser erster, und einziger, Fang

Der Chaco - 2. Teil

Doch nun genug der Geschichte und wie wir und unsere neuen Freunde dort gelandet sind, was haben wir dort getan.
Nach der Fahrt zu den Häusern, die gut 130 km über Sandwege, haben wir erstmal Zeit zu schlafen bekommen, und dieser Schlaf war der beste, den wir seit langem hatten, denn die Matratzen im Wohnheim sind schon von vielen vor uns durchgelegen. Nach also diesen wirklich erholsamen Stunden Schlaf haben wir ein Frühstück bekommen, wie wir es lange nicht mehr hatten. Mit Muffins, zweierlei Marmeladen, Wurst und Käse, Butter und selbstgebackenen Weckle. Wir waren im Himmel.
Wie im ersten Teil schon beschrieben, sind die Mennoniten sehr gastfreundliche Menschen, und das merkten wir von Anfang an die ganze Zeit durch.

Nach diesem herrlichen Frühstück sind wir dann zu Herta gefahren, die rund 20 Minuten mit dem Auto entfernt wohnte. Auf der Fahrt fuhren wir durch kleine Dörfer, eines hieß zum Beispiel Hamburg. Auf dem Hof angekommen wurden wir von Herta, ihrem Mann unseren Mitfreiwilligen und dem Hund Lassie begrüßt. Letzterer sprang uns alle an und leckte und freudig ab. Auch hier wurden wir mit Gebackenen empfangen und schließlich setzten wir uns auf eine Plattform auf einem Turm, von dem man Teile des Hofs, die Melkanlage und einige Fenses (Platt für eine eingezäunte Weide) mit Kühen drauf. Dort oben, im Schatten mit kuhlendem Wind und kaltem Bier konnte man es super aushalten. Dort lernten wir auch unser erstes Platt: Du blifs unje!, du bleibst unten! Denn der Hund durfte nicht mir hoch auf die Plattform. Die erst neugeborenen Kätzchen, die in einem alten Rasenmäher wohnen, durften wir jedoch mit hoch hohlen. Und die waren wirklich süß!
Gegen Mittag sind wir dann an ein Wasserbecken zum Angeln gefahren (blöde Idee in der Mittagshitze, immerhin hatten wir Hüte und Sonnencreme). Tatsächlich hat sogar ein Fisch angebissen, den wir für's Abendessen eingepackt haben. Ein zweiter Fisch hatte sich losgerissen und ist wieder ins Wasser gezappelt. Zum Glück hatte Herta noch weiteren Fisch im Tiefkühler, denn wir dann auch aufgetaut haben.

Eine weitere Sache, die geplant war, wo aber die Tiere nicht so wollten wie wir, war das Yakaré Schießen. Yakaré ist der spanische Name für Krokodile, und, bevor jetzt die entsetzten Schreie kommen, wir wissen das diese unter Artenschutz stehen, doch das ist auf die gesamte Welt betrachtet! Hier an diesem wunderschönen Fleckchen Erde gibt es leider sehr viele. Ein Krokodil kann bis zu 11 Eier legen, von denen die Meisten durchkommen. Es ist also größtenteils zum Selbstschutz und zur Verteidigung des Vieh. Und auch wenn die Mennoniten früher jede Benutzung der Waffe strickt abgelehnt haben, tun sie es heute noch gegen Menschen, jedoch aus Schutz geht es klar und es machen auch einige. Und auch dann gilt: Verwerten! So ein Yakaré wird nicht nur geschossen, sondern es wird dann aus dem Wasser geholt und gegessen. Und weil wir tagsüber keines geschossen haben, hat Herta auch Yakaré aus dem Tiefkühler geholt, sodass wir es abends essen konnten.
Mit unserer eher bescheidenen Ausbeute ging es dann zurück zum Haus. Jedoch waren wir 9 Leute, und die passen nicht alle in einen Pickup. Also mussten wir wohl oder übel hinten auf der Pritsche platz nehmen. Oder man, aus Ermangelung an anderen Sitzmöglichkeiten, stellt sich hin und hält sich fest. Und wenn dann noch dazukommt, dass Herta eher einen Bleifuß hat, kann das schon ganz schön Spaß machen. Das ging irgendwann in den Tagen so weit, dass die Pritsche voller war und im Auto noch Plätze frei waren.

Zu Mittag gab es einen umwerfend guten Eintopf, der über dem Holzfeuer gekocht wurde, bestehenden aus selbstgemachten Nudeln, eigenem Trockenfleisch und Tomaten. Das Essen war so simpel zubereitet, wir saßen währendessen wieder auff der Plattform und konnten so von oben zu schauen, aber unbeschreiblich gut!!
Nach dem Essen haben wir dann eine kleine Siesta gemacht, in der auch manche geschlafen haben. Danach haben wir bei viel Tereré gewartet, bis es wieder ein wenig kühler wird, aber als das nicht eingetroffen ist, sind wir dann so zu den Tieren. Da gerade die nachmittägliche Runde Kühe melken dran war, durften wir alle Mal kurz selbst Hand anlegen, bevor dann wieder die Maschine übernimm hat. Das einzelne Melken an sich ist gar nicht so kompliziert, doch auf Dauer braucht man da wirklich Kraft.

Und weil wir ja nur so kurz dort sein würden, jagte ein Highlight das andere. Als nächstes wurde dann ein Pferd aufgesattelt und jeder durfte Mal, wer wollte auch mehrmals. Das erste Mal war sehr holprig, aber dann wurde es besser und ich bin eine kleine Runde (5 min geritten). Das lustige war, das wir mit dem Pferd genau dort standen, wo die Kühe aus der Melkanlage kamen. Und so konnte man, wenn man im richtigen Zeitpunkt los ritt, die Kühe vor sich her treiben. Es hat ultra Spaß gemacht, und mit einem Cowboy ähnlichen Hut hatte die ganze Sache echt Stil. Der krönende Abschluss war einmal ohne Sattel sondern nur mit einer gewebten Decke die Strecke lang reiten. Ich habe es gemacht und bin trotz eines zügigen Tempos kein einziges Mal gefallen. Keiner ist gefallen!
Aber natürlich waren das nicht die einzigen Tiere auf dem Hof. Es gab auch noch Schweine, denen wir Fitten in ihren Trog geworfen haben, und Hühner, die man, wenn man sich nicht ganz dumm anstellte, auch fangen konnte. Die Eier der Hühner wurden eingesammelt und entweder selber benutzt oder würden später verkauft werden.
Auch wenn wir alle schon einmal auf einem Bauernhof waren, haben wir uns trotzdem in unserem Verhalten ziemlich deutlich als Städter geäußert, denn wir alle waren begeistert von jedem neuen Tier und wollten alle mal melken, ein Verhalten und eine Faszination, die die dortigen Angestellten nicht ganz so teilten.

Nach weiteren ordentlichen Mengen Tereré brach der Abend an, und wir fuhren erst zu "dem Hotspot für Jugendliche" im Ort. Ein wenig außerhalb, wo wir natürlich wieder in einem Pickup mit zu wenig Kapazität für uns alle hingefahren sind, wurde an einem Hügel neben einem großen Wasserloch am Hang eine große Plane ausgerollt, eine Pumpe pumpte Wasser von unten nach oben und man könnte die gut 10-15 Meter hinunter rutschen. Und wir sind natürlich auch hinterher, doch mit, weil wir unsere Badesachen nicht direkt dabei hatten, ganz normaler Hose aber ohne T-Shirt, Gürtel und Schuhe. Doch da war mehr als nur rutschen. Neben dran war ein Grill, es wurde Tereré und sicher auch das ein oder andere Bier getrunken, Asado vorbereitet und geredet. Es war ein Abend für die Jugend, den an diesem Abend hatte der Jugendclub den Ort gepachtet.
Nach dieser kurzen Schwimmsesion sind wir wieder hinten auf dem Auto, wir mussten ja trocknen, diesmal zu Shelly gefahren wo wir erst in den Pool springen konnten, was wir auch in großen Mengen taten, und anschließend gab es erst Yakaré und dann frittierten Fisch, alles über dem Feuer zubereitet. Das Krokodil schmeckte ein wenig wie Hühnchen, jedoch besser und ich fand das Fleisch auch zarter. Und wieder gab es Bier in ausreiche Menge für alle und wir wurden auch von Freunden, die dazukamen wieder über unser Leben in Paraguay befragt. Es gab noch lecker Kuchen, und als irgendwann alle gegeangen waren, saßen wir, die wir bei Shelly schliefen, noch mit der Familie, also Shelly, ihrem Mann und den zwei Kindern draußen und haben noch über alles mögliche geredet. Er erzählte uns, wie alles angefangen hatten, wie er zur Viehzucht kam und wie sie es machten. Fast alle Mennoniten geben ihren Tieren nur in äußersten Notfällen Futter. Und selbst dann nur Mais. Geimpft wird das notwendige, aber keine Antibiotika sondern gezielt gegen Krankheiten. Ansonsten rennt das Rind draußen rum, frisst was es finden kann und ist glücklich.
Und so ging der erste Tag rum, und wir hatten so unglaublich viel erlebt, wir alle waren so glücklich und voller Energie wie lange nicht mehr. Denn dort war es auch viel ruhiger als in der Großstadt Asunción.

directions_bus Der Chaco - 1. Teil

Schier endlose Sandstraßen - ein ganz alltägliches Bild im Chaco

Klassische Weideflächen für Vieh

Der Chaco - 1. Teil

Der Chaco ist ein Gebiet in Südamerika, welches sich über den Norden Argentiniens, den Nordwesten Paraguays und den Süden Boliviens erstreckt. Hier soll es um den Chaco Paraguayo gehen.
Der Chaco Paraguayo ist 60% der Fläche Paraguays (~247.000 km2), und damit ungefähr so groß wie Westdeutschland (~249.000 km2), jedoch ist das Gebiet mit unter 1 Mio Bewohner eines der am dünnsten besiedelten Gebiete ganz Südamerikas.
In diesem Gebiet gibt es vor allem viel leere Fläche. Der Chaco war früher einmal mit Bäumen voll, jedoch als die ersten Auswanderer und Mennoniten kamen und sich das Land zum Leben hergerichtet haben, wurde ein sehr großer Teil der Bäume gefällt. Heute stehen auf diesen Flächen vorwiegend Rinder, die entweder zur Milchproduktion oder zur Mast gehalten werden. Jedoch haben hier alle Tiere Auslauf ohne Ende und können das frische Gras von den Weiden essen, ohne in einem Stall eingezwängt zu sein. All das haben wir jüngst live und in Farbe miterleben dürfen.

In Deutschland habe ich den Namen Chaco bei all den Seminaren so gut wie nie gehört. Es war immer nur von "dem Norden" die Rede, und davon, dass wir da auf keinen Fall hinreißen dürfen, weil es dort Terrorgruppen gäbe, die vornehmlich Weise kidnappen und sie zwingen, einen juristisch sauberen und einwandfreien Vertrag zu unterschreiben, mit dem sie all ihr Land an die Gruppen abtreten.
Das Problem in Paraguay ist, dass es hier zwar sehr, sehr viele Menschen mit Wurzeln in dem Volk der Guaraní gibt, diese jedoch insgesamt weniger als 10% der Fläche Paraguays besitzen. Das Problem ist, dass vor allem in den Städten es sehr viele, teilweise sehr Arme Menschen gibt, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Jedoch gehört das Land, auf dem diese dann Hütten aufstellen nicht ihnen, sodass es auch ab und zu zu Häuserabrissen und Vertreibungen kommt. Also kämpfen viele Menschen, unter anderem auch unsere hiesige Organisation, die Callescuela, dafür, dass die Menschen, die dort wohnen, dort ein Bleiberecht bekommen und damit auch als vollwertige Einwohner der Stadt gewertet werden. Die Callescuela tut dies mit eher legalen Mitteln wie Demaonstrationen, die Terroristen mit eher illegalen.

Doch die Realität sieht wie so oft anders aus… wenn man weiß wie!
Den wie schon gesagt, waren wir, dass heißt meine Mitfreiwilligen aus Asunción und Jorge, ein Mitbewohner im ORFA, dem Studentenwohnheim in dem wir von der Callescuela wohnen. Er war es auch, dem wir dieses atemberaubende Wochenende zu verdanken haben. Den soviel vorweg: es war unbeschreiblich!

Am Freitag Abend traten wir also nach einem gemeinsamen Abendessen auch mit Ferdi und Bente vom SOS Aldea de niños die Reise in den Chaco an. Um 10 Uhr abends stiegen wir in den Bus und als die Nacht uns fest umschlossen hatte, haben wir alle eine oder zwei Stunden Schlaf gefunden. Unser Ziel war La Promesa, welches auf Maps nicht zu finden ist. Stattdessen haben wir dem Fahrer eine Stadt und eine Kilometer Anzahl gesagt, bei der wir raus möchten. Je näher also die vermeintliche Ankunftszeit rückte, desto weniger könnten wir schlafen. Zum einen aus Vorfreude, zum anderen aber auch, damit wir auf keinen Fall verpassen wo wir raus müssen. Der Bus hielt schließlich neben zwei parkenden Pickups, die beide die Warnblinker an hatten, eine Praxis die außerhalb der Städte und dort, wo es keinen klar definierten Haltestellen gibt, sehr üblich ist. Wir wurden von Hertha, der Tante von Jorge, dem wir diesen Wochenende zu verdanken haben, und einer Freundin von ihr um 3.30 mitten auf einer Landstraße, die von Asuncion schräg durch den Norden bis nach Bolivien führt und von ihrer Art einem US-Amerikanischem Freeway ähnelt, also einfach einer, in jede Richtung einspurigen Straße mit befestigter Schulter, abgeholt, herzlichst begrüßt und dann auf die beiden Wagen verteilt. Das Gepäck und die Rucksäcke würden hinten auf die Pritsche geworfen, und dann ging es durch die pechschwarze Nacht zu unserer Unterkunft. Dabei fuhren Julius, Anton und ich bei Herthas Freundin Shelly mit, und auf der Fahrt wurde viel erzählt von beiden Seiten. Shelly war interessiert, wie wir als Deutsche nach Paraguay gekommen sind, was wir in Asunción machen, was wir sonst so von Land schon gesehen haben und sl weiter und so weiter. Im Gegenzug erzählte sie viel über das Leben als Viehzüchter, sie und ihr Mann haben sich auf die Fleischproduktion fokussiert, während der Hof von Hertha Milchkühe auf den Weiden hat, und von all den Problemen und Unterschieden, die dieses Leben mit sich führt. Als zum Beispiel im April diesen Jahres eine riesige Überschwemmungen die Region heimsuchten und das Wasser Kniehoch auf den Feldern stand, blieben für gut 3 Wochen die Lkw-Fahrten, die die Kühe und die Milch abholen, aus, weil die Straßen unpassierbar waren. Die letzten 100 Meter von der Straße zum Haus waren so nass, dass sie das Auto an der Straße abstellen müssten und Einkäufe mit einer Schubkarre auf Holzbohlen bis zum Haus fahren mussten. Die Höfe, die Milch produzieren, haben aus der Milch so weit es ging Käse, Quark, Joghurt und andere Produkte angefertigt und diese in die Tiefkühler gepackt. Aber weil diesen Teil der Verarbeitung normalerweise die zentrale Firma übernimmt, hatten sie auch nicht große Mengen und Räume an Tiefkühlern und so mussten sie irgendwann mehrere Tausend Liter Milch einfach ausschütten. Das war natürlich für alle, die Landwirte wie auch die Großfabrik, ein wirtschaftlicher Schaden. Doch egal wie gut oder schlecht es ihnen ergehen sollte, sie selbst sagen, dass sie mehr haben als andere, und deshalb gerne Gäste haben und Teilen. Denn sie sind Mennoniten, und das gehört zu ihrer Glaubensrichtung.

Mennoniten kommen ursprünglich von der Nordhalbkugel. Angefangen hat alles, als Menno Simon zur Zeit der Reformation in den Niederlanden, später auch in Norddeutschland seine eigene Auslegung der Bibel gefunden hatte, von anderen Gemeinden ausgestoßene Christen aufgenommen hatte und sich so mit der Zeit eine eigene Gemeinde und seine eigene Form des Protestantismus formierte. Aus heutiger Sicht könnte man das ganze als Sekte ansehen, doch damals ging es noch ganz um den Glauben, und nicht darum das Menno den maximalen Profit daraus zog. Und so wuchs mit der Zeit die Gemeinschaft, die sich nach ihrem Gründer die Mennoniten nennen, und lebten hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht. Irgendwann kam dann der Umzug in das damalige Preußen, wo sie das Rückgrat für die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion waren. Als eine russische Zarenverwandte davon hörte, lud sie dir Mennoniten nach Russland ein, gab ihnen Land und die Erlaubnis, eine eigene Gesellschaft dort aufzubauen. Doch einer der Grundsätze der Mennoniten ist der totale Pazifismus und der Glaube, das kein Problem auf der Welt mit Waffen zu lösen ist. Und als dann in Russland der für alle verpflichtende Wehrdienst eingeführt wurde, emigrierten sie ein weiteres Mal, dieses Mal nach Kanada. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs suchten sie dann neues Land, auf dem sie das Land bestellen, Vieh züchten und nach ihren Wünschen leben konnten. Es wurden 6 Delegationen nach Südamerika gesandt, unter anderem auch eine nach Argentinien in deren Teil des Chacos, was zunächst auch die vielversprechendste Option war, doch als sich herausstellte, das es auch in Argentinien einen Wehrdienst gab, war auch das nicht mehr möglich. Per Zufall stießen sie auf einen Paraguayer, der ihnen vom Chaco Paraguayo erzählte und sie einlud, sich das ganze einmal anzuschauen. Der Vorteil war, dass der Chaco Paraguayo an der besichtigten Stelle keine riesigen Wälder hatte, man also relativ schbe mit dem Viehzucht und dem Ackerbau beginnen könnte, so der Plan.
Wieder zurück in Kanada wurden dann die sieben Sachen gepackt und es machten sich 1745 Menschen auf den Weg an die Stelle, die während der Expedition als Anfangsstelle auserkoren wurde. Nach einer 4-wöchigen Reise waren 170 tot, und 230 Menschen umgedreht. Der Rest schlug sich von einem Hafen am Rio Paraguay mit einer Ochsenkarawane die gut 170 km bis zu der Stelle durch, an der dann Loma Plata, die Hauptstadt der ältesten Kolonie der Mennoniten in Paraguay: die Kolonie Menno, ebenfalls nach dem Gründer. Sie wurde 1927 gegründet.

Heute sind ein Großteil der Ländereien und Viehherden immernoch im Besitz von den Mennoniten, die zwar auch Castellano reden, aber deren eigentliche Sprache welche in ihre Anfänge in den Niederlanden und Norddeutschland zurück reicht ist Platt! Und wenn unsere Gastgeber untereinander Platt geredet haben, könnten wir zwar einzelne Worte verstanden, doch 99% der Wörter waren für uns unverständlich. Doch natürlich können sie auch alle Deutsch, aber eben auch mit ihren eigenen Wörtern, Redewendungen und Aussprachen. Viele Wörter, die sie benutzen konmen aus dem Castellano (z.B. Yackaré für Krokodil) oder aus dem Platt (Ich koene nechs für Ich kann nicht mehr).

Im Fokus in Paraguay - 2: Asunción 2: Die Viertel

Ein typischer Straßenzug aus dem noch/altem Zentrum

World Trade Center in Asunción

Die Viertel

Die Stadt ist in Bezirke oder Bereiche aufgeteilt, die man auch auf Google Maps ganz einfach einsehen kann. Was man jedoch nicht sehen kann, sind die Menschen und die Details, die überall auf einen warten, und von denen wir auch schon einiges gesehen haben. Zu den Menschen wird ein eigener Teil erscheinen, also hier erstmal grob eine Einteilung:
Je näher am Stadtkern, desto edler. Jedoch hat sich, nach Erzählungen und Berichten von Paraguayern, der Kern im den letzten Jahren immer weiter verschoben, oder eher gesplittet. Denn eigentlich war der Kern nahe am Meer und der Costanera, dem Strand hier in Asunción. Doch seit dem weiter östlich große Shopping Center und moderne Bürotürme ihr Tore geöffnet haben, ist der "Wert" der Viertel auch deutlich gestiegen, will heißen, die, die dort gewohnt haben und einkommensschwächer waren, konnten sich eine Wohnung dort nicht mehr leisten. Auch wir waren Mal in diesen Malls, und es ist einfach nur pervers! Wir arbeiten täglich mit Kindern die unglaublich wenig haben und darum kämpfen müssen, das täglich Brot zu kaufen. Hier arbeiten sogar die Kinder und werden von der Callescuela unterstützt, eine Tatsache die ich am Anfang aufgrund meiner europäischen Sicht nicht wirklich gut geheißen habe und es in abgeschwächter Form immer noch mache, rund 2 Millionen Paraguayer gelten als Arm und ca. 1 Millionen leben in absoluter Armut, bei knapp 7 Millionen Paraguayer.
Und gleichzeitig leben hier, in Asunción, so viele reiche und wohlhabende Menschen. Und in deren Viertel sehen die Straßen auch wirklich gut aus, klar sind Mal auf dem Gehweg ein paar Platten kaputt oder einer der Mülleimer, die als Müllsammel Plätze auf dem Gehweg stehen, und in die man einfach seinen Hausmüll in einem Beutel hinein wirft und der dann abends eingesammelt wird, ist ein wenig ramponiert, aber ansonsten sind die Straßen sehr sauber. Es gibt durch Asunción ein paar größere Straßen durch, manche sogar 2 Spurig. Die Straßen sind eine absolute Katastrophe, dies zeigt auch ein Zitat eines Paraguayers: " Unser öffentliche Verkehr ist so am Arsch! Jede andere Hauptstadt in Südamerika, egal wie Arm oder reich das Land ist, hat eine bessere Verkehrsinfrastruktur als wir!" (Sinngemäß ins Deutsche übersetzt). Es gibt eine Form des öffentlichen Transports: die Colectivos (Busse). Diese fahren im hundert verschiedenen Routen, es gibt 4-5 Busse derselben Linie, die teilweise nur durch andere Wörter im über der Windschutzscheibe durchlaufenden Band zu unterscheiden (a Zeballos, a Lambaré), oder durchnummeriert (15-1, 15-2 15-3, 15-4) sind.
Es gibt Busse, die 3.600 Gs kosten und mit Klimaanlagen, ganzen Sitzen und geschlossenen Fenstern ausgestattet sind, und es gibt solche, die einen vorne vorstehenden, klapprigen Motor haben, kaputte Sitze und Fenster, dafür aber auch nur 2.400 Gs kosten; die Preise sind einmalig: man steigt ein, fährt wohin und man kann sitzen bleiben oder aussteigen wo man will. Abgesehen davon gibt es Taxis, die einen gerne Mal übern Tisch ziehen - die wir auch noch nicht benutzt haben, exakt aus dem Grund - und das praktischste, weil die Busse irgendwann nicht mehr fahren, aber auch teurere Verkehrsmittel ist Uber, also eine Art Taxi-App bei der sich normale Menschen mit ihrem Auto anmelden können und dann Taxifahrten anbieten. Tagsüber kommt man aber eher gut rum mit den Bussen, wenn man auch teilweise zu Stoßzeiten doppelt oder dreifach so lang wie normal brauchen würde.
Doch zurück zu den Vierteln und ihren Häusern.
In den Villas sind die meisten Häuser sehr primitiv selbst gemauert oder aus Wellblech und bilden den Lebensraum für oftmals mehrere Familien.
Wer in einem Haus oder einer Wohnung lebt, hat diese sehr oft umzäunt mit Stacheldraht und/oder Elektrozaun. Wer sich so etwas nicht leisten kann, gibt oben auf seine Mauer etwas frischen Beton und steckt dort Glasscherben rein, hilft auch.
Und egal durch welches Viertel man läuft, überall sieht man private Sicherheitsdienste. Sie bewachen private Häuser und Hotels, aber auch Supermärkte, Schulen und Universitäten sowie Restaurant.
Und trotz oder gerade wegen der zahlreichen Anwesenheit der privaten Sicherheitsdienste fühlt man sich nur bedingt sicher und keiner geht nach Einbruch der Nacht noch alleine irgendwo hin, egal in welchem Viertel. Wir als deutsche schon dreimal nicht!

Up next: Sightseeing und andere Orte

Im Fokus in Paraguay - 2: Asunción 1: Das generelle Stadtbild

Erst von einer höher gelegenen Position sieht man das wahre Ausmaß von "AsuVerde"

Dies ist ein Teil meiner jüngst in "Im Fokus in Paraguay" umbenannten Reihe, in der ich einfach nur kleinere, oder, wie in diesem Fall, alles umfassende Themen vorstelle.
Ich habe in vorangegangenen Blogs ja schon das ein oder andere über die Stadt erzählt, aber hier kommt ein Blogreihe, in dem eine grobe Zusammenfassung des bisher gesehen und erlebten drin steckt als auch einige persönliche Kommentare. Dopplungen zu früheren Blogeinträgen können vorkommen. Es wird in mehrere Blogs unterteilt, weil meine Ideen schon vermuten lassen, dass es sonst viel zu lang für einen Blog wird. Viel Spaß beim Lesen:

Das generelle Stadtbild

Mein erster Eindruck von Asunción war: ist das groß! Die Stadt "Ciudad de Asunción" selber hat zwar nur ungefähr die Hälfte der Fläche Stuttgarts, jedoch ist die Agglomeration, also mit den Vororten und allem anderen drum rum, gut doppelt so groß. Meinen ersten Blick auf die Stadt erhielt ich aus dem Bus raus, und schon von weitem sah man 2 Dinge:
Die Stadt hatte nur sehr wenige hohe Gebäude, was natürlich ein wenig ungewohnt ist, wenn man als Europäer in eine große Stadt geht.
Selbst jetzt nach 2 Monaten hier habe ich selten ein Gebäude gesehen, welches 3 oder 4 Obergeschosse hatte. Es gibt diese Gebäude natürlich, aber die waren fast ausschließlich in den eher wohlhabenden Gegenden der Stadt, aber dazu später mehr.
Die Stadt ist sehr grün.
Wer schon einmal in einer Großstadt war der weiß, dass dort sehr viel Fläche versiegelt ist. Sei es durch Wege, Straßen oder Häuser, Bäume haben in den meisten Städten das Nachsehen. Doch wenn man durch Asunción läuft, kommt man sich auf manchen Wegen wie in einem Wald vor. Wir, in diesem Fall meine Mitfreiwilligen und ich von der Callescuela und zwei weitere Freiwillige hier in Asunción von meiner Organisation, dem GAW, waren vor ein paar Wochen auf dem Cerro Lambaré, so mit einem der höchsten Punkte um Asunción, und von dort hatten wir eine wunderschöne Aussicht über den Süden Asuncións und einige der Vororte.
Und von oben war es ein rot-grünes Meer aus abwechselnd Häusern und Bäumen. Die Viertel die man sehen konnte waren zugegebenermaßen eher Armenviertel, aber auch in unserem Viertel, welches der Mittelklasse angehört, gibt es sehr viele Bäume. Die Stadt hat auch offiziell den Slogan: "Asunción, Capital Verse (Asunción, Grüne Hauptstadt)" - das "grün" bezieht sich in diesem Fall auch nur auf die Bäume, denn der Verkehr ist nicht sonderlich grün - oder kurz: AsuVerde.
Es wäre natürlich höchst langweilig, wenn die Bäume einfach nur Bäume wären. Zum Glück sind sie mehr als das: sie sind Fruchtbäume!! Die Straßen um unseren Wohnort sind gesäumt mit Avocado und Mango Bäumen. Von Mitbewohner des Studentenwohnheims und Vorfreiwilligen haben wir schon gehört, dass diese und auch die Bäume auf dem Gelände der Kirche die besten und unglaublichsten Früchte tragen werden, die wir je bekommen werden, ich freu mich!!
Nichts desto trotz ändern die Bäume jedoch wenig an der Tatsache, dass hier die Umwelt mit Füßen getreten wird. Es gibt keine Mülltrennung, wie in "Villa Elisa" schon beschrieben sind viele Straßen zugemüllt und da Autos hier keine Filter oder ähnliches haben müssen, ist die Luft oftmals schwerer als mancherorts in Stuttgart. Dementsprechend bleibt auch abzuwarten, wie gut oder nach Abgasen die Früchte schmecken werden.

more is on the way...

CONNAT's

Das Logo con CONNATS's y Callescuela

Tereré Jerre

Es war leider schon vorletztes Wochenende, trotzdem noch über das Wochenende bei CONNAT's (Coordinación Nacional de Niñas, Niños y Adolescentes Trabajadores) berichten.
Wir wurden eingeladen, jenes bei ihren zu verbringen. In diesem Wochenende von Samstag auf Sonntag hat CONNAT's bewiesen, was in ihnen steckt. Es ist etwas wie eine Gewerkschaft der arbeitenden Kindern und Jugendlichen, die auch auf Protestmärsche mitlaufen und sehr politisch aktiv sind. Das geht von Flugzettelkampagnen am Tag der Kindheit über Demonstrationen bis hin zu einer Diskussionsrunde mitten im Terminal de Ómnibus mit den Kinder und Jugendlichen mit verschiedenen Ministern, die sich in die Mitte des Gebäudes auf Plastikstühlen gesetzt haben und über die Probleme und wie sie zu behandeln sind geredet haben.
An besagtem Wochenende waren also aus allen vier Gemeinden, die ich auch schon vorgestellt habe, Vertreter anwesend.
Wir begannen in einem nahegelegenen Park mit viel Sport und Tereré. Nachdem mein Team bei Völkerball zwei Mal gewonnen hatte, machten wir uns auf den Weg zur Zentrale von CONNAT's.
Es folgte eine erste Plenum Runde, wobei jede Stelle die Probleme vorstellte, mit denen sie zu kämpfen haben.
Dabei war festzustellen, dass jeder Ort sehr ähnliche Probleme hat und auch fast die gleichen Gründe dafür. Und es wurde berichtet, dass sich das mit Nichten nur auf Asuncion oder gar auf Paraguay beschränkt. Solche und ähnliche Probleme wie Drogenmissbrauch, Verwahrlosung von Kindern, häusliche Gewalt, Unterernährung, unbehandelte Krankheiten und auch aber zum Beispiel die Gefahr, die von Straßentieren aus geht und vieles Weiteres, sind in ganz Südamerika zu finden, in Ausmaßen, die keiner in Europa je gesehen hat. Das Ganze ist also offensichtlich kein einzelnes Auftreten, sondern ein Symptom einer Gesellschaft, die sich auf dem Rücken Milliarden Armer und noch Ärmerer bereichert hat, es noch tut und sich das Leben versüßt und während die Damen und Herren oben vollstopfen mit dem, was für alle gedacht ist, und das ist dann für wenige sehr viel, bekommen die Milliarden Menschen darunter nur ihre Scheiße ab, um die dann auch noch gekämpft werden muss, möchte man weiter überleben. Und diese Gesellschaft beschränkt sich keines Wegs nur auf ein Land oder Region. Vielmehr bilden die Oberschichten aller Länder ein grenzenloses Ausbeutungssystem, denn in Zeiten von Internet und Globalisierung gibt es keine Grenzen mehr: es wird überall geplündert, vorzugsweise dort wo es viel zu holen gibt und wenig Gegenwehr vermutet wird. Früher waren es die Conquistadores, die aus den Ländern sämtliches Gold und Silber rauspressen wollten, heute sind es Multinationale Konzerne, die elementarere Stoffe wie Wasser oder Holz in riesigen Mengen kommerzialisieren.
Dabei hat sie Wirtschaft die Politik, die eigentlich in sehr vielen westlichen Ländern auf Demokratie basiert und damit auf der Pflicht der Politiker dem Volk zu dienen und dieses vor Gefahren durch fremde Mächte, gleich ob Länder oder Konzernen zu schützen, längst gänzlich in der Hand und wirklich etwas bewirken und Politik machen kann nur der, der Geld hat oder sich von Menschen mit Geld kaufen lässt, denn Geld regiert die Welt. Und auch wenn es in Südamerika ein wenig direkter Abläuft und oftmals mit dem Namen Korruption benannt wird, sieht es in Deutschland und Europa nur in sofern besser aus, als das es hier besser und für die Außenwahrnehmung angenehmer verpackt ist.
Und solange sich Wirtschaft und Politik sich nicht aus ihrer ewig eklig-klebrigen Umarmung lösen wird der Klimawandel nicht zu bekämpfen sein weil es keine leichte, schmerzlose Lösung gibt, solange werden Armut und Ausbeutung in der ganzen Welt nicht zu bekämpfen sein weil auch das zu bequem ist um es zu ändern, solange wird die Welt weiter von geldgeilen, nach Macht hungernden, auch Aas fressenden Laien gegen die Wand gefahren, jedoch auf eine Art und Weise, die keine Knautschzone der Welt aufhalten kann und wir nicht "noch Mal Grad so mit Heiler Haut" davonkommen.
Ich sage nicht, dass das ultimative Ende naht, aber eines Tages kommt es und dann ist es zu spät für irgendeine Handlung, außer wir ändern uns JETZT!
Doch zurück zu den Problemen im Hier und Jetzt in Asunción. Die Probleme im Kleinen sind die Ergebnisse von etwas größerem: Die Mutter allen Übels oder die Urgewalt des Bösen macht sich klein und verhundert-tausendfacht sich. Da ein Detail bekannter Maßen eine kleine Sache ist, bekommt das Sprichwort "Der Teufel steckt im Detail" eine ganz neue Bedeutung. Man kann weder das große Ganze oder das kleine Übel ohne das jeweils andere bekämpfen. Es ist ein Kampf an allen Fronten der sehr anstrengenden und langwierig ist und wird. Doch wenn es den Menschen eines Tages besser gehen soll und nicht mehr Milliarden Menschen in Armut leben sollen, ist es ein notwendiger Kampf. Das Ziel ist der Himmel auf Erden. Der Weg wird für einige die Hölle.

Nach dieser kleinen Exkursion wieder zurück zu den Problemen von CONNAT's. Und wie sie diese vorgestellt haben. Ich habe bei weitem nicht alles verstanden, aber ich fände es dennoch beeindruckend, als ein Mädchen von nicht mehr als 10 Jahren vor uns allen steht und über die Unverantwortlichkeit von Erwachsenen Kindern und Jugendlichen gegenüber erzählt. Das hatte mich auch am Terminal so fasziniert, als die Kinder eine richtige Diskussion mit den Ministern geführt hatten.

Am Abend war natürlich auch noch eine kleine Party Einheit, aber auch eine Erinnerung an Fran, einen der Mitbegründer von CONNAT's dessen Todestag sich zwei Tage zuvor sich zum ersten Mal gejährt hatte. Einige Menschen, Jugendliche aber auch ein langjähriger Weggefährte erzählten Geschichten von und mit ihm, und es war keine Seltenheit Tränen über die Gesichter Rollen zu sehen. Inmitten dieser Welt, die für viele ein einziger Überlebenskampf war dieser Moment schlichtweg schön. Man konnte so verletzlich sein wie man wollte, man hätte sich gegenseitig im Arm und gab sich Kraft. Fran Vive! war immer wieder zu hören; er war wie eine Art Lichtgestalt, immer mit ganzem Herzen dabei und Anführer der Bewegung.

Und auch am nächsten Tag war immer wieder Fran Vive! zuhören. Aber am nächsten Tag würden auch Lösungsvorschläge für die Probleme gesammelt, mit denen man zu diversen Ministerien gehen wolle.
Ich bin gespannt, wie sich die Dinge in diesem Jahr entwickeln, in dem wir hier sind.

Der nächste Blog kommt eher als dieser hier:-)

Jannes

directions_bus TOA

Meine Arbeitsstelle: ein Container auf dem Gelände des Terminals. Der alte Raum für ONALTOA wurde unlängst von einem Feuer zerstört. Jedoch gibt der Container Aushilfe und er hat sogar eine Klimaanlage.

Ich darf vorstellen, das TOA!

Das ist dabei kein Versuch von Arnie, Tor aus zu sprechen, sondern mein Arbeitsplatz für ein Jahr
Das Terminal de Ómnibus Asunción. Jedoch auch nicht mein einziger Arbeitsplatz: Ich bin auch am Mercado Abasto.
2 Plätze, das geht?? Nach einem halben Jahr wird gewechselt?? Hast du dann überhaupt Zeit dich einzuarbeiten und richtig anzukommen??
Ja!
Denn ich wechsel nicht nach einem halben Jahr, sondern viel früher. Und viel öfter. Jeden Tag, um genau zu sein.
Ich arbeite vormittags am Mercado und wechsle dann nachmittags zum Terminal. Jedoch auch nur mittwochs und freitags nachmittags sowie samstags morgens.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht ist meine Hauptstelle dennoch das Terminal, denn am Mercado ist auch noch in Vollzeit mein Mitfreiwilliger Anton.

Doch nun ein paar Worte zum TOA.
Was mache ich am TOA? Meine Hauptaufgabe ist der Nachhilfelehrerin zu helfen, die Kinder zu unterstützen und zu fördern.
Vormittags sind die Kinder am arbeiten. Ihre Gruppe heißt ONALTOA (Organización de Niños y Adolescentes Lustrabotas del Terminal de Ómnibus de Asunción, Organisation der Kinder und Jugendlichen Schuhputzer am Busterminal von Asunción). Wie der Name schon ankündigt sind es Schuhputzer. Die Idee dahinter ist, dass die Kinder vormittags arbeiten und so schon einmal eine Chance auf eine bessere Zukunft haben als andere. Nachmittags bekommen alle Kinder eine Kostenlose Unterrichtseinheit.
Jedoch ist natürlich das Terminal auch kein Wunderland mit keksepupsenden Einhörner und Zuckerwatte Wolken.
Direkt neben dem Terminal ist eine Villa in der es viele drogenabhängige Kinder und Jugendliche gibt.
Auf den Straßen der Villa sieht man viele Dosen mit Kleber, und Sergio, der Leiter von ONALTOA, hat erzählt, dass das Zeug hier in Massen geschnüffelt wird.

Es gibt also viel zu erzählen und noch mehr für mich zu erleben.

Dieser Text ist kurz, weil der Hauptteil der Geschichte noch kommt

to be continued…

help Im Fokus in Paraguay - 1: Cocido

Willkommen zu meiner Runde "Im Fokus in Paraguay"

Hier werde ich Dinge beleuchten, die entweder in meinen Blogeinträgen keine Erwähnung gefunden haben, weil sie zu klein waren, weil sie nicht in den Kontext ohne einen Haufen an extra Erklärungen gepasst hätten oder weil ich den Eindruck bekommen habe, dass gewisse Dinge falsch verstanden wurden.
Ich werde über Dinge schreiben, die aus der Sicht eines Deutschen absolut unvorstellbar sind, wahnsinnig witzig oder traurig sind oder einfach nur einen ganz bestimmten Platz in meinem Herzen haben. Sollte es nach diesen Einträgen noch weitere Verwirrung geben werde ich es weiter versuchen, diese klar zu stellen, doch auch ich kann nicht jedem alles erklären. Jetzt schon mal eine Warnung: die Einträge werden teilweise etwas langatmig oder wiederholend wirken, weil sie das sind. Ich werde viele kleine Dinge sehr detailreich erklären.

Jetzt aber Bühne frei für:

Episode 1 - Cocido

Cocido ist eine eher informelle Art, Yerba zuzubereiten. Cocido wird, anders als beim Tereré, dem kalt aufgegossenen Yerba-Getränk, und dem Mate, dem heiß aufgegossenen Yerba-Getränk, nicht jeweils für jede Runde neu aufgegossen und es wir auch keine Bombilla benötigt (eine Art Röhrchen mit einem kleinen Sieb am Ende, damit man nicht bei jedem Schluck das Yerba, die Tee-Kräuter mit einsaugt) und auch keine Calabassa (das Gefäß, in dem ein Mate zubereitet wird) oder Guampa (das Gefäß, in dem der Tereré zubereitet wird) und schon gar keine Thermoskanne. Es kann auch nicht immer nur einer gleichzeitig das Getränk zu sich nehmen kann. Vielmehr kann man das Cocido am ehesten mit der Form des Tees vergleichen, die die meisten kennen: im Teebeutel mit heißem Wasser in größeren Mengen aufgebrüht. Es gibt viele Formen des Cocidos, darunter auch die, bei der man ganz simpel das Yerba nimmt, in Teebeutel packt und diese dann in Heißwasser hängt. Es gibt jedoch auch eine, die wesentlich rudimentärer, klassischer und traditioneller ist und dessen Zeuge ich jüngst wurde.
!Es sei im Vorfeld angemerkt, dass diese Methode in Deutschland bestimmt verboten werden würde, weil die Zubereitungsart sehr an der Grenze von Körperverletzung liegt (irgendwie könnte man es so beschreiben), doch bilden sie sich selbst eine Meinung!
Für das Cocido, wie ich es kennen gelernt habe braucht man, für Mengen, mit denen man über 2 Wochen hinweg jeden Tag rund 15 Liter des Getränks für viele Kinder herstellen kann, einen großen Topf zwischen 10 und 20 Litern, etwas Holzkohle, 3 Kilo Yerba und 1,5 Kilo Zucker. Yerba und Zucker werden in den Topf geschüttet und miteinander verrührt. Kein Wasser! In der Zwischenzeit wird ein kleines Feuer aus Holzkohle angezündet, sodass man rund 10-15 Stücke von ordentlicher Größe dabei hat. Wenn dann ganze gut durchgeglüht ist, nimmt man immer ein paar Stücke und wirft diese mit in den Topf. Die frischen heißen Stücke großzügig bedecken oder vergraben, sodass der Zucker karamellisiert und das ganze einen rauchigen Geschmack bekommt. Nach und nach alle Kohlestückchen hinzufügen und immer gut umrühren. Achtung: Dabei kann sehr viel Rauch entstehen, also am besten unter freiem Himmel machen! Wenn nun alles wieder abgekühlt ist, wird die ganze Masse in eine sehr große, verschließbare (Plastik-)Form gefüllt, sodass es luftdicht lagern kann und man jederzeit darauf zugreifen kann.
Für spätere 10-15 Liter des Endprodukts kocht man 2-3 Liter Wasser auf und fügt, erst wenn es kocht, einen Teller voll von der Rohrmasse hinzu. Darauf achten, das man keine Kohle mitnimmt. Nur kurz (ca. 30 Sekunden) auf dem Herd lassen, dann alles durch ein Sieb schütten. Die gewonnene Flüssigkeit in einen großen Topf geben, der ca. 10-15 Liter fasst, die gekochte Flüssigkeit hineinschütten und mit so viel Milch verdünnen, wie viel man nachher haben möchte, aber das es auch nicht zu stark schmeckt. Alles wieder zurück auf den Herd, aufkochen lassen und voila: fertiger Cocido, bereit zum servieren.
Das war mein Erlebnis jüngst in Mercado Abasto. Und ich hoffe spätestens jetzt haben sie sich ihre Meinung gebildet, denn jetzt wird es wieder subjektiv.
Ich bin mir bewusst, dass jede um ihr Kind besorgte Mutter aufschreien würde wenn sie erfährt, wie dieses Getränk hergestellt wird. Zumindest in Deutschland. Hier ist es so normal wie ein Butterbrot essen. Das ist das Leben!
Abgesehen davon, dass durch den direkten Einsatz der Kohle im Getränk sicherlich einige schädliche Stoffe in unseren Körper kommen, ist auch die Menge an Zucker beachtlich. Als ich das erste Mal probiert habe, hat sich mein ganzer Mund zusammen gezogen, weil es so süß war. Und da in den Projekten einige Kinder sind, die Übergewichtig sind oder schon einige schwarze Stelle an den Zähnen haben, ist das auch eine Frage der Moral, ob man so einem Kind das guten Gewissens geben kann. jedoch sind wir nicht hier, um das Land und die Traditionen komplett zu hinterfrage und auf den Kopf zu stellen, und da ich das Getränk nicht trinken muss, ist für mich alles in Ordnung, auch wenn immer dieses komische Gefühl bleibt.

Es kommt noch ein Wochenblog, in dem ich meine neue Arbeitsstelle vorstelle!

Villa Elisa

Der Gestank in der Luft war allgegenwärtig.
Die Straße bestand aus Sand, in den sich meine Schuhe langsam eingruben als ich sie hoch lief.
Der Sand war rot, sowie vieles hier. Rot, wohin man sah. Die rote Erde, roter Sand, rote Backsteinhäuser, das Weiß in der Kleidung war nicht mehr weiß.
Die Straße war nicht rein. Jeder der einmal durch Sand lief weiß, das Sand nicht rein ist. Doch soviel Muschen, Steine oder Müll auch in jedem Strand stecken mögen, diese Straße ist wüster.
Die natürliche Farbe Rot steckte nicht nur in dem, was die Natur gebracht hat, sondern auch in dem, was der Mensch hinterließ. In Plastiktüten, in T-shirts, in einfach allem, was man aus Plastik machen kann. Doch nicht nur Plastik, auch Metall, Holz und andere Materialien.
Ich ging also weiter die Straße rauf. Wir wurden in Villa Elisa herumgeführt, von der Leiterin des Callescuela-projekts.
Meine Nike-Schuhe gruben sich weiter in den Sand, während das Vans-T-shirt an mir klebte. Beides Dinge, für die ein Bewohner hier vermutlich ewig arbeiten muss. Die Idee kam auch auf, dass wir in Flipflops zur Arbeit gehen, weil wir so auch automatisch eine Spur einheimischer wären, eine Sache die ich nie ganz meistern würde, jedoch auch das klang pervers für mich. Kurz vor meiner Ausreise aus Deutschland habe ich mir Flipflops gekauft, zum ersten mal in meinem Leben. Mit dem Preis für diese könnte man vermutlich eine Familie in der Villa für eine Woche mit Lebensmitteln versorgen.
Wir gingen weiter. Das Problem mit Plastik ist, dass es so schlecht verbrennt. An mehreren Stellen auf dem Weg stiegen Rauchsäulen aus Haufen von Müll auf. Das war auch die Quelle für diesen omnipräsenten Geruch. Und keiner machte irgendwelche Anstände, die Feuer zu löschen.
Weiter oben auf der Straße sah man Spuren von Hunden im Sand. Diese Spuren führten zu dem Verursacher, der am Wegesrand lag und noch vor sich hin röchelte. Straßenhunde und -Katzen gab es überall. Viele davon haben einmal jemandem gehört und wurden irgendwann ausgesetzt, weil sich ihre Besitzer nicht mehr kümmern konnten. Diese Tiere waren natürlich nicht sterilisiert, weshalb sie sich viel vermehrten. Und die traurige und grausige Wahrheit ist, dass sich die Hunde von toten Artgenossen und Katzen ernähren. Sie sind die Stärkeren, und in einer Welt in der es für viele „töten oder getötet werden“ heißt, wählen sie die Variante, mit der sie wenigstens ein bisschen länger überleben.
Wir gingen um die Ecke und ich wusste nicht, was zu erwarten war, doch ich glaube murmelspielende Kinder auf der Straße war es nicht.

So sah es fast überall aus.

Die 2. Woche

Woche 2
Dieser Blog erscheint leider erst mittwochs, da ich vor kurzem erst aus einer 20 Stunden Busfahrt ausgestiegen bin, doch dazu später mehr.

Dienstag, 20. August 2019
Der Dienstag begann ganz klassisch mit Spanisch-Unterricht, jedoch war der Inhalt kein klassischer. Wir sind erst in ein Museum, denn an diesem Tag war dort der Eintritt frei, und haben viele alte Werke bestaunt, neben europäischen Künstlern wie Rembrandt gab es auch Kunst von der Zeit vor den Spaniern und moderne Kunst, die nicht jedermanns Geschmack sein muss. Danach sind wir auf dem Friedhof La Recoleta, auf dem neben vielen wohlhabenden Personen und ehemals hohen Ploitikern auch die Nationalheldin, Frau des ehemaligen Präsidenten Juan Perón sowie Mitbegründerin des Peronismus, der Argentinischen Form des Sozialismus: María Eva Duarte de Perón oder kurz: Evita Perón. Nach der Mittagspause bekamen wir Unterricht im Umgang und Geschichte des Umgangs mit Menschen mit Behinderung. Es war eine interessante und sehr lehrreiche Stunde und bin gespannt, wie viel ich davon anwenden kann. Auch wenn ich hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten werde, doch ich habe auch drüber raus etwas gelernt. E sind die kleinen Dinge, die jeder tun kann, um das Leben Anderer zu verbessern, ich hoffe ich kann meinen Teil beitragen.

Mittwoch, 21.August 2019
Vormittags hatten wir wieder Spanisch-unterricht, jedoch diesmal mit sehr viel Interaktion. Wir hörten viele spanische Lieder, gingen durch den Text und lernten auf diese Weise neue Wörter und Formulierungen. Auch lernten wir sehr nützliche Dinge, wie man zum Beispiel in einem Kiosk einkauft oder in einem Laden Empanadas, kleine gefüllte Teigtaschen für 20 - 50 Pesos, je nach dem wo, bestellt. Und da ein trockener Theorie unterricht zu langweilig wäre, haben wir die Theorie in die Tat umgesetzt. In erster Instanz bedeutete das: jeder hatte die Lyrics auf seinem Handy gegoogelt und dann haben wir gesungen. Es klang nicht immer gut, war aber durch aus lustig. Anschließend habe wir natürlich Empanadas bestellt und gegessen. Gerne hätte ich so eine Unterrichtsstunde im Gymnasium erlebt.

Donnerstag, 22. August 2019
Der Donnerstagnachmittag wurde von vielen, auch von mir, mit großer Spannung erwartet. Denn an diesem Tag kam Arturo wieder und er hat wieder von der Geschichte Argentiniens erzählt. Dieses mal jedoch nicht von den Konquistadoren, sondern von der Diktatur, die der der DDR gleich kommt, nur so Perfide wie die des dritten Reichs durchdacht war.

Freitag, 23. August 2019
Am Freitagnachmittag gab es Länderkunde. Dies bedeutete, das aus jedem Land, Paraguay, Uruguay und Argentinien. Also saßen wir, die nach Paraguay gehen würden mit einem Mann aus Ciudad del Este von der dortigen Callescuela. Er erzählte uns viel über das Land und die Leute und er gab auch Chipas, ein Gebäck aus Maismehl und Käse, sowie Tereré, die kalte Form des Mates, bei dem das Yerba nicht mit heißem, sondern mit Eiswasser übergossen wird. Es schmeckte sehr gut und ich freue mich auf Paraguay.

Samstag, 24. August 2019
Der Samstag begann mit einer kleinen Voluntariado-Einheit, und anschließend gingen wir los, um uns die Ex-ESMA anzuschauen.
ESMA steht für Escuela de la Mechánica de la Armada, also ein Ausbildungszentrum für die Argentinische Marine. Heute ist dieses Gebäude leer. Denn ESMA steht auch für etwas anderes. ESMA steht für die Diktatur, die von 1976 - 1983 in Argentinien herrschte. In dieser Zeit wurden viele, die acuh nur im Verdacht standen, gegen das Regime zu arbeiten, in einer Nacht und Nebel Aktion verschleppt, gefoltert, verhört und oftmals getötet. Es gab solche Konzentrationszentren überall in ganz Argeninien, doch das berüchtigste ist die ESMA. In ganz Argentinien wurden rund 30.000 Menschen getötet in der Zeit, allein in Buenos Aires gut 5.000, die Meisten davon dadurch, in dem man sie in ein Flugzeug gesteckt hatte, mit ihnen raus in die Bucht über das Wasser geflogen ist und sie dort aus dem Flugzeug geworfen hat. Die Leute verschwanden aus ihrem Leben, ohne das es von den meisten je wieder ein Lebenszeichen gab oder irgendjemand wusste, ob und wo sie gestorben sind.
Als dann irgendwann die ersten Menschen freigelassen wurden, weil das Militär nichts gegen sie hatte, haben diese Menschen irgendwann ausgesagt und es kamen Untersuchungen auf. Das Gebäude wurde auf die Anschuldigungen untersucht, doch weil die ehemaligen Insassen mit verbundenen Augen hereingeführt wurden und sich so nur an bestimmte Geräusche erinnern konnten, wurde das Gebäude verändert, wie zum Beispiel ein Fahrstuhl, der abgebaut wurde und er Schacht zu Räumen umfunktioniert wurde, oder die Einfahrt verändert, sodass die Anschuldigungen von den Zeugen nicht auf dieses Gebäude passten und die ESMA damit fein raus war.
Als dann 1982 der Krieg um die Malvinas, oder heute Falklandinseln verloren wurde und 1983 die Diktatur zu Grunde ging, wurden systematisch ALLE Dokumente, Berichte und einfach alles, was in geringster Weise für die Taten der Diktatur stand, vernichtet. Die Räume wurden leergeräumt, aber dann umfunktioniert. Im Gebäude der ESMA wurde noch lange weiter Ausbildung betrieben. Und das Museum eröffnete erst 2015!
Noch heute laufen Gerichtsverfahren gegen hochrangige Militärs der Militärdiktatur, doch auch heute bleibt weiterhin vieles im Unklaren. So zum Bespiel, wer die eigentlichen Personen hinter dem ganzen waren. Es gibt in Argentinien bedeutende, große Familien die heute in Politik, Wirtschaft und Strafverfolgung einen großen Einfluss haben, die jedoch ziemlich sicher die Hauptakteure dahinter waren. Denn es wurden zum Beispiel Gesetzt geändert, um die Aufklärung und die Anklage gegen bestimmte Personen schwieriger zu gestalten.
Für einige, die Alt-Nazis in der deutschen Politik miterlebt haben, mag das ein weitaus geringerer Schock sein als für mich, doch ich war bestürzt, als unser Guide uns davon erzählte.
Viele Menschen werden nie den Verbleib ihrer Angehörigen erfahren, werden nie eine Leiche oder ähnliches zu Grabe tragen können, weil es nichts gibt, viele werden nicht einmal ihre richtigen Elter oder Kinder kennen, denn das Regime hat Kindern von "Terroristischen Eltern" getrennt und sie regime-nahen Familien gegeben.

Sonntag, 25. August 2019
Der Sonntag wurde von mir sehr angenehm begangen. Während einige nach Tigre sind, um sich dort ein Flussdelta anzuschauen, habe ich den Tag mit packen für den nächsten Tag, an dem wir alle ja abreisen sollten, ausschlafen und generell eher ruhig verbracht. Leider nicht sehr spannend

Montag, 26. August 2019
Der Montag begann morgens mit einer kleinen Andacht in der IERP, und nach dem dann das weitere Vorgehen und wann wer wie wo abgeholt werden würde geklärt war, ging jeder noch einmal zu sich nach Hause, um letzte Dinge zu packen und dann wurden wir um 14.30 abgeholt. Wir, das heißt diejenigen, die vom großen Busbahnhof Retiro abfahren würden. Nach und nach gingen einer nach dem anderen, bis um 18.15 wir dran waren. Wir luden unser Gepäck in den Bus und bestiegen dann den selbigen. Die Sitzt waren sehr bequem, und weil der Bus nicht ausgebucht war, konnten wir uns gut verteilen un es uns für eine 20 Stunden Fahrt bequem machen. Ich lies ein wenig Blues auf meinen Ohren laufen, lehnte meinen Kopf gegen das Fenster und schlief ein. Als ich wieder aufwachte, war ich weit von Buenos Aires entfernt und es war Dienstag...

Nachwort:
Ich weiß, der Blog erscheint erst Mittwochs, dies jedoch aus gutem Grund. Am Montag hatte ich im Bus und im Busterminal kein Wlan, also konnte ich nichts schreiben. Als wir am Dienstag um rund 15 Uhr in unserer Unterkunft für ein Jahr ankamen und eigekauft hatten, war ich zu fertig. Ich hoffe, nächsten Montag läuft es besser.

Un gran abrazo aus Asuncion
Jannes

date_range Die erste Woche

Im Landeanflug au Buenos Aires sieht man, wie riesig die Megacity ist.

Der Obelicso bei Nacht

Auch in simpelsten gegenden in unwirklich wirkenden Räumen ist Platz für Kunst, wenn man diese wie hier schön gestaltet.

Das Grab eines Nationalhelden in der Kathedrale am Plaza Mayor.

Der Plaza Mayor mit der Casa Rosada und der Nationalflagge.

Puerto Madeiro

Zur Erklärung: Ich versuche jede Woche Montags einen kleinen Bericht über das Vergangene oder etwas, was ich sehr besonders fand zu schreiben. Ich kann nicht versprechen, ob ich es jede Woche schaffe, aber ich werde mein Bestes geben.

Also nun zu dieser Woche.
Am Anfang steht der Flug. Nach ein paar kleinen Komplikationen an der Gepäckaufgabe war alles geregelt und wir konnten alle den Flug antreten. Wir sind zwar mit rund 30 Minuten Verspätung um 22.25 abgehoben, jedoch sind wir trotzdem überpünktlich um exakt Punk 6.30 Uhr Ortszeit gelandet. (Alle Zeiten in meinen Berichten sind in der jeweiligen Ortszeit. Dies sind zum aktuellen Zeitpunk -5 Stunden von Deutschland aus) Während dem gesamten Flug war Nacht, weswegen und aufgrund der Tatsache, dass die Dame, die in meiner Reihe am Fenster saß liebend gerne mit mir an den Gang getauscht hatte, ich die Blenden oben lassen konnte und eine tolle Nachtaussicht erst auf Europa, dann auf Afrika und am Ende auf Süd-Amerika hatte. Der Landeanflug auf Buenos Aires war besonders spektakulär, denn aufgrund der Winterzeit auf der Südhalbkugel war es noch dunkle Nacht als wir gelandet sind. Die Megacity Buenos Aires mit all den Lichtern, Straßenzügen und Autos, die frühmorgentlich unterwegs waren, sah einfach spektakulär aus.
Am Flughafen wurden wir von Ricardo, Rosi und Willi von der IERP (Inglesias Evangelíca del Río de la Plata, Evangelische Kirche am Fluss La Plata) abgeholt, herzlichst begrüßt und auf 6 Unterkünfte aufgeteilt. Ich wohne nun in der, die am Zentrumnächsten ist. Es sind 50 Meter, bevor ich in Sichtweite zum Obelisco, dem Obelisken, der an 400 Jahre Stadtgründung erinnert. Aufgrund der Zentrumsnähe findet man auch einige gute Bars und Clubs nahe der Wohnung. Den Rest des Montages sind wir mit ein paar ehemaligen Süd-Nord-Freiwilligen, also junge Erwachsene die von Argentinien nach Deutschland für ein Jahr gekommen sind, durch die Stadt gezogen. Danach sind wir einmal zum Zentrum und Hauptsitz der IERP gefahren, damit wir den Weg wissen. Der Rest des Tages war frei, und viele von uns nutzen dies, um früh ins Bett zu gehen, denn während den 13 Stunden Flug haben die wenigsten von uns viel oder ausreichend geschlafen.
Der nächste Tag, Dienstag, begann ähnlich, und zwar damit, dass wir wieder in die IERP gefahren sind und dann eine kurze Einweisung in den Verlauf der nächsten zwei Wochen bekommen. Es ist eigentlich ganz simpel: jeden Morgen unter der Woche haben wir von 9 Uhr bis 13 Uhr Spanisch-Unterricht. Ich bin, wie zu erwaten war, in der Anfänger-Gruppe. Unsere Spanisch-Lehrerin spricht nur Spanisch und ein wenig Englisch, was uns nicht dazu verleiten kann, nur auf Deutsch mit ihr zu reden. Und wir lernen auf jeden Fall etwas, auch wenn der Start in das Projekt ein spannender wird, denn flüssig ist mein Spanisch auf keinen Fall.
Mittwoch war der erste Tag, an dem der Unterricht wirklich losging. Der Unterricht ist wirklich angenehm, und am Nachmittag hatten wir eine erste Einführung in das Voluntariado und die Arbeit der IERP.
Der Donnerstag sah ähnlich aus, aber ab 16 Uhr hatten wir eine erste Einführung in die Geschichte von Südamerika von einem Zeitzeugen, der Mitte der 40er geboren wurde und auch die grauenhafte Diktatur in Argentinien überlebte, doch von dieser werden wir erst nächsten Donnerstag hören.
Am Freitag besuchten wir nach der morgentlichen Unterrichtseinheit einige Projekte rund um Buenos Aires im Gruppen von bis zu 6 Personen. Diejenigen, die später in dem Projekt arbeiten würden, waren auf jeden Fall fest eingeteilt, die anderen durften sich frei zuteilen. Ich bin dann in das Projekt ASE, das sich darauf fokussiert, Kindern aus dem angrenzenden Barrio eine musikalische Erziehung zu geben. Die zwei von uns, die dort hingehen werden spielen beide Cello, also mussten sie beide etwas vorspielen. Und da dann schon mal ein Cello im Raum stand, warum nicht auch gleich weiter Musik machen? Also kamen immer mehr Instrumente dazu. Erst eine Violine, dann eine, dann zwei Gitarren so wie eine Fell-bespannte Trommel... es wurde immer mehr. Irgendwann wurden die Streichinstrumente wieder weggeräumt, dafür kamen eine E-Gitarre, ein E-Piano, ein E-Bass, ein Cajon, ein Schlagzeug und zwei Trompeten. Und dann begann eine ganz private Jazz-Session. In Mitten dem heruntergekommenen Viertel, durch das wir davor geführt worden sind wie ein Minister auf besuch, und wir uns alle unwohl gefühlt haben, in Mitten all der Anscheinenden Armut blieb die Zeit stehen, und die Musik setzte ein.
Es war wunderbar. Sie spielten viel, sie spielten gut. Fast jeder hatte einmal ein Solo bekommen, und das Trompetensolo von einem Jungen, der nicht älter war als 14 war der absolute Hammer. Bis zu 8 Minuten ging ein Lied, und es war hinreißend. Niemand dachte an das, was draußen war, was später kommen würde, was sie das Jahr über erwarten würde. Nungut, die beiden, die in dieses Projekt gehen würden vielleicht, aber ich nicht. Für mich war die Musik wunderbar. Sie lebte einzig von dem Moment un den rund 15 Leuten im Raum, die diesen genossen. Es war wirklich schade, als wir alle wieder gehen mussten.
Einzig die Erinnerung und ein paar Tonaufnahmen meinerseits lebten fort von diesem Moment am Nächsten Tag, den wir Vormittags mit etwas Unterricht begingen, und der am Nachmittag von meiner Seite aus sehr ruhig begangen wurde.
Sonntags dann gab es etwas Touri-Programm, bei dem wir erst den Obelisco bestaunten und dann weiter Richtung Plaza Mayor gingen, uns die Kathedrale angeschaut haben, in dem schon der jetzige Papst Franciscus, eigentlich Jorge Mario Bergolio, gepredigt hatte. Der letzte Programmpunkt führte uns am Regierungsgebäude, der Casa Rosada, vorbei zum Puerto Madero, einst der Haupthafen von Buenos Aires ist das Viertel jetzt das teuerste der Stadt.
Zum Abschluss noch ein paar Worte zum heutigen Tag: wir hatten wieder den obligatorischen Unterricht, danach hatten wir erst Unterricht in Argentinischer Folklore bekommen und uns wurde dann beigebracht, wie man Makrame knüpft für Armbänder und ähnliches. Wissen, welches später in den Projekten eingesetzt werden kann.

So ging also diese erste Woche zu ende. Der Text ist vielleicht etwas lang, jedoch habe ich wenn es gut läuft 52 Wochen so einen Bericht zu perfektionieren.
Bis dahin wünsche ich allen Lesern danke für das Interesse und ich hoffe ich finde die Zeit mich in einer Woche wiederzu melden.

Un gran abrazo aus Buenos Aires
Jannes

Kurz vor der Ausreise

Nun ist über ein halbes Jahr vergangen, in dem wir vorbereitet wurden.
Vom Auswahltag in Stuttgart kurz vor Weihnachten 2018, über das erste und zweite Seminar in Neckarzimmern bis hin zum Ausreiseseminar mit anschließendem Aussendungsgottesdienst im Ulmer Münster.
Natürlich hatten wir immer furchtbar viel Spaß bei Energizern, und ich glaub nicht nur die Teamenden können erzählen, dass wir eine super Gruppe sind mit eigenem Teamschrei, auch ich habe das immer als mega empfunden.
Und nebst all dem Spaß haben wir auch immer was gelernt. Mal in Spielen/Theatern wie durch eine VR-Brille, die der bald kommenden Situation sehr nahe kommt, aber natürlich immer mit dem Ende, dass wir die Brille abziehen und uns wieder in vertrauter Umgebung im Kreise der Mitfreiwilligen befinden.
Und auch wenn es immer als "Trockenschwimmübung" bezeichnet wurde, war es doch mehr als Training von Beckenrand aus. Ich fühle mich gewappnet und nun befinden wir uns bereits im trockenen Schwimmbecken, bereit um in der eiskalten Flut aus neuen Erfahrungen zu baden.
Ich freue mich auf die kommenden Erfahrung und wünsche all meinen Mitfreiwilligen ebenso ein schönes Jahr und ich möchte mich auch bei all denen Bedanken, die mich in den letzten Monaten fest unterstützt haben, sei es Familie, Freunde, Gemeindemitglieder oder Kameraden von der Feuerwehr und Jugendfeuerwehr.
Und deshalb möchte ich mich zu guter Letzt, bevor ich mich heute auf den Weg ins Abenteuer mache, unsere unvergleichliche, einmalige, wahnsinnig witzige, bei fast allen Blödsinn mitmachende, und neue Spielmöglichkeiten ausdenkende Trockenschwimmlehrerin Yvonne bedanken!!!
DANKE, für all die Zeit und Mühen, die du in uns investiert hast!
DANKE, für all die kleinen persönlichen Nuancen, die du allen Seminaren verliehen hast!
DANKE, das du mit deinem Teamern jedes Mal aufs neue es geschafft hast, uns zu fordern und fördern, mit immer neuen Spielen und Ideen
DANKE, für all die lehrreichen Momente, in denen du uns mehr beigebracht hast, als in so mancher Unterrichtsstunde in der Schule!
DANKE!
Nun wartet noch ein Lehrer auf mich, an den selbst Yvonne nicht ganz rankommt: Das Leben!

Also, nun auf in die weite Welt, jetzt gehts weltwärts!

So wurde ich nun also gebeten, einen kleinen Text zu verfassen, der auch etwas über mich aussagt.
Ich solle dies noch in den heimischen Vier Wänden erledigen, damit bei der ersten seriösen Benutzung auf der südlichen Hemisphäre nichts schief geht und ich mich an das System gewöhne.
Nun bin ich im allgemeinen einer, der die meisten Systeme auf ihre Logik und das Ergebnis hinterfragt und oftmals zu Unstimmigkeiten mit meinen Ansichten kommt, doch bei diesem System bin bisher zufrieden, ich sehen keinen Anlass mich bei irgendjemandem zu beschweren.

Also, hier eine kurze Abfolge der Geschichte:

Bewerbung, erste Email, Auswahltag, Annahme und Auswahl nach Paraguay, Email, Email, Email, 1. Seminar, Email, Email, 2. Seminar, Email, Email, Email, Entsendeseminar mit Gottesdienst im Ulmer Münster, Email, Email

Immerschön dazwischen in Mengen, die leider die Kapazitäten dieses Blogs überschreiten würden, hatte Bürokratie platz.

Also, nun auf in die weite Welt, jetzt gehts weltwärts!

wir sind das TEAM!!

Bis bald, Jannes

Hier

Noch