26.11.19

Proteste in Chile: Das geht ab; Meine Zusammenfassung

verschiedene Gründe, warum Proteste ausgebrochen sind

Fahrpreisanstieg in den letzten Monaten

unsere Metrostation wird fast jeden Tag von meist friedlichen Demonstranten besetzt

" Lasst die Schulen, Gärten, kleinen Läden und Nachbarschaft in Ruhe, die Bevölkerung passt auf sich auf und respektiert sich "

Lehrerstreik nach dem Unterricht vor unserer Schule

" Ohne Gerechtigkeit wird es keinen Frieden geben " - Denkmal am Plaza Italia/ Plaza Dignidad

Plaza Italia/ Plaza Dignidad mit tausenden Menschen

Mit Tränengas und Wasserwerfern wird der Platz durch die Carabineros gewaltsam geräumt

Gewalt auf beiden Seiten

" Gratis Umarmungen, um weiter Kämpen zu können " Nette Leute trifft man überall in der Stadt

" Ohne Änderungen wird das Volk weiter kämpfen "

Carabineros in voller Montur

Unnötiger Einsatz von Tränengas in den Straßen bei friedlichen Protesten

Gedenkzug in der Innenstadt für die Opfer, die durch Gummigeschosse der Carabineros ihr Augenlicht verloren haben. Hunderte Menschen ziehen mit Augenklappen durch die Straßen

Da die Proteste in Chile inzwischen schon viral bis nach Deutschland gedrungen sind, sehe ich es als meine Aufgabe über die Situation aus meiner Perspektive ein bisschen zu erzählen, da ich alles hautnah miterlebe.
Das ist aber gar nicht so einfach. Viele Aspekte müssen beachtet und eingebracht werden. Eine einseitige Perspektive auf die Proteste vermieden und eine zu starke Wertung des Ganzen unterlassen werden. In einem Bericht kann ich natürlich nicht alle Fakten abdecken. Ich werde von den Anfängen erzählen und wie ich die Situation wahrnehme, was ich beobachten konnte, in den Medien gesehen und gelesen und durch Gespräche mit Chilenen erfahren habe. Dieser Bericht spiegelt meine Meinung wieder und nicht zwingend die anderer. So sehr ich mich auch für die derzeitige Situation in Chile interessiere, fällt es mir schwer immer 100% auf dem neusten Stand zu sein, da meine Hauptaufgabe der Arbeit im Colegio zufällt. Wichtige Fakten können daher fehlen.

Die ersten Proteste bildeten sich anscheinend bereits am Freitag, 18. Oktober, nachdem die Fahrpreiserhöhung der Metro am 7. Oktober zum allgemeinen Ärgernis der Bevölkerung Chiles wurde. Dabei stiegen die Kosten von 800 chilenischen Pesos auf 830. Das bedeutet eine Kostensteigerung von ca. 4 Cent. Für uns Deutsche vielleicht kein Grund wütend auf die Straßen zu gehen. Jedoch stiegen die Preise in den letzten Monaten häufiger, was ihr der Tabelle entnehmen könnt. Wichtig ist zu wissen, dass die Proteste sich nicht nur auf diese Fahrpreiserhöhung beschränken. Die Lebenshaltungskosten sind im Andenstaat sehr hoch. Da Chile ein Land ist, in dem praktisch alles privatisiert ist, sind Preise wie z.B. für Wasser, Gas & Heizkosten sehr hoch. Die Lebensmittelpreise sind zudem vergleichbar mit denen in Deutschland. Dazu kommt, dass viele Arbeitsstellen nicht ausreichend bezahlt werden. Von einigen Leuten erfuhr ich, dass sie am Tag zwei bis drei Jobs haben, um sich und ihre Familie ernähren und ein zu Hause bieten zu können. Der Beruf des Lehrers zählt unteranderem dazu. Ihre Unzufriedenheit ist deutlich wahrzunehmen.
Chile liegt zudem auf Platz 9 der teuersten Länder bzgl. öffentlichen Transports im Verhältnis zum Einkommen. Der ärmere Teil der Bevölkerung gibt 30% seines Monatsgehalts für Fahrt und Transport aus.
Ihr seht, Chile, ein Land welches oft als Vorzeigestaat Südamerikas hergenommen wird, weist viele Probleme auf, die beim ersten Hinsehen, nicht auffallen. So ist es eines der lateinamerikanischen Länder mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (BIP), jedoch verteilen sich 30% des Einkommens auf 1% der Bevölkerung.

Die ersten Proteste, die von Studenten initiiert wurden, entpuppten sich als friedlich. Aus friedlichen Protesten wurden große demonstrierende Massen und so entwickelte sich alles sehr schnell und traf uns mehr oder weniger unerwartet. Mittlerweile sind knapp fünf Wochen vergangen und es ist nicht absehbar, wann sich die Proteste wieder legen werden. Die Regierung hat bisher nur bedingt auf die Rufe des Volkes geantwortet.
Das alles hat Ausmaße angenommen, die sich die Wenigsten vorstellen konnten. Dabei beschränken sich die Proteste schon längst nicht mehr nur auf Santiago, sondern breiten sich in ganz Chile aus.
Die größten Demonstrationen finden in der Innenstadt am Plaza Italia statt oder wie er nun von Demonstranten umbenannt wurde am "Plaza De La Dignidad" (z.D. Platz der Würde). Ich lebe weit außerhalb im Stadtviertel "La Florida", was als strukturschwach gilt. Hier treffen die alltäglichen Probleme die Bevölkerung besonders. Unzufriedene Menschenmengen bilden sich in ganz Santiago an den einzelnen Metrostationen und an großen Straßenkreuzungen. Diese Proteste erlebe ich tagtäglich mit. Im Gegensatz zu dem, was in den Medien gezeigt wird, sehe ich hier auch viele friedliche Proteste und ich finde es wichtig zu zeigen, dass nicht alle Demonstrationen mit Gewalt enden. Viele Leute gehen einfach auf die Straßen und schlagen mit Löffeln auf Topfdeckel. Hier bezeichnet man diese Art von Protest als "Cacerolazo" (z.D. Topf). Sie stehen entweder vor ihrem Haus oder treffen sich an Knotenpunkten wie z.B. an unserer Metrostation Trinidad und singen, tanzen und unterhalten sich. All das auf eine friedliche Weise. Doch leider geht es nicht immer so friedfertig zu. Oft rückt die Polizei an - hier heißen Polizisten ´Carabineros`, im Volksmund auch ´Pacos`, was so viel wie ´Bullen` heißt - und stellt sich in einigem Abstand zur Menge auf. Die Spannungen auf beiden Seiten wachsen und letzten Endes artet die Situation aus. Wer angefangen hat, kann man nicht sagen.

Die Wut der Bevölkerung über die scheinbar grundlose und gewalttätige Vorgehensweise der Carabineros wächst. Doch sie schreckt selbst nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden. Demonstranten zerstören Metrostationen. Sie errichten brennende Barrikaden auf Straßen und plündern Geschäfte großer Supermarktketten. Dabei richtet sich ihr Hass nur auf die Regierung und die großen Konzerne. Sie fordern Präsident Pineras Rücktritt, eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik und einen weitreichenden Wandel in der Gesundheitsversorgung, im Bildungssektor und bei den Renten. Ebenfalls wollen sie, dass die Chilenische Verfassung geändert wird, die noch aus der Zeit Pinochets und der Militärdiktatur stammt.
Viele Menschen rufen dazu auf, kleine Läden sowie Parks, Schulen und Kindergärten und die Nachbarschaft in Ruhe zu lassen. Und zu meiner Überraschung funktioniert das auch, was mich sehr freut. Die Chilenen fühlen sich eng miteinander verbunden und helfen sich gegenseitig in der schwierigen Situation aus.

Santiago raucht und qualmt. Die ersten Wochen wurden ständig Ausgangssperren verhängt, die uns Bewohnern die Bewegungsfreiheit einschränken. Zu Beginn wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, um den Einsatz von Militär zu ermöglichen. Dieser war von relativ kurzer Dauer, allerdings sehe ich kaum einen Unterschied zwischen Militärssoldaten und den schwerbewaffneten und gepanzerten Carabineros. Das Einkaufen erweist sich nun ebenfalls als schwieriger, da jetzt viele Geschäfte geschlossen oder verkürzte Öffnungszeiten haben.
Auf dem Weg zum Einkaufen konnte ich beobachten, wie einzelne Demonstranten versuchten die wütenden Massen in ihrem Zerstörungswahn zu bändigen und an ihr Gewissen zu appellieren, da sie ihrer Einschätzung nach die Gewalt und Zerstörung nicht weiterbringen wird.

In der Innenstadt fallen die Proteste schlimmer aus, als hier bei uns. Tränengas wird nahezu überall eingesetzt und das teilweise auch vorsätzlich, wenn sich nur kleinere Gruppen bilden. Zudem haben die Carabineros dessen Verwendung seit längerer Zeit verstärkt. Statt einfaches Tränengas zu verwenden, schießen sie Tränengas-Pfefferspraymischungen. Die Mischung schnürt die Atemwege ab und Rachen und Augen brennen minutenlang. Aus der Distanz rücken auch Wasserwerfer an, die teilweise zum Einsatz kommen. Auf der Seiten der Demonstranten werfen die sog. ´Ultras`mit Steinen auf die Polizisten und ab und zu mit Molotowcocktails auf Polizeiwägen. Die Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten ist sehr hoch. Abseits des Trubels stehen vereinzelt Leute, die mit Wasser-Milchmischungen Leuten die Augen auswaschen, die vom in der Luft stehendem Gas Sehprobleme haben. In Seitenstraßen wurden Lazarette errichtet, wo Bürger verarztet werden, die mit Schlagstöcken oder Gummigeschossen verletzt wurden. Rettungssanitäter begeben sich mit Schilden direkt in die Schusslinie, um Verletzte heraus zu ziehen. Statt das Feuer einzustellen, wird gezielt gegen die Sanitäter vorgegangen, um diese zu vertreiben. Als ich von dieser Gräueltat gehört habe, verlor ich jedes Verständnis gegenüber den Carabineros. Vor ein paar Tagen ist ein weiterer von nun insgesamt knapp über 20 Demonstranten gestorben. Nachdem er durch das viele Tränengas keine Luft bekommen hat und schwer gestürzt ist, versuchten Rettungskräfte diesen jungen Mann zu reanimieren. Die Carabineros hinderten diese durch das Einsetzen von Gummigeschossen daran und so konnten sie den Mann nicht retten.
In den Medien sind Dutzend weitere solcher Fälle zu sehen. Vor ein paar Tagen fand ein Protestzug in der Innenstadt statt, wo hunderte Menschen mit Augenklappen durch die Straßen zogen, um ihren mehr als 200 Mitbürgern zu gedenken, die durch Gummigeschosse ihr Augenlicht verloren haben. Die Carabineros erhielten den Befehl auf die Köpfe der Menschen zu zielen. Präsident Pinera und weitere Politiker versuchten dies vergebens zu leugnen. Augenärzte haben wegen der schwerwiegenden Verletzungen eine Untersuchung der Geschosse durchgeführt und es hat sich herausgestellt, dass sie nur zu einem geringen Prozentsatz aus Kautschuk, dafür aber aus Dieselsäure und anderen harten Materialien bestehen.

Wenn man tagtäglich mit solchen Nachrichten konfrontiert wird, fällt es einem schwer, nicht zu pauschalisieren. Die Situation gerät mehr als nur einmal außer Kontrolle und oft gibt man der Polizei und der Regierung die alleinige Schuld. Schön zu sehen ist dann hingegen, wie sich Demonstranten teilweise friedlich mit Polizisten unterhalten.
Um sich von einem "Gut-Böse Bild" zu lösen, hilft daher nur, sich weiterhin zu informieren, Hintergründe zu verstehen und zu beobachten. Hoffnung können die friedlichen Volksversammlungen in den einzelnen Stadtteilen geben, wo sich Menschen verschiedener Altersstufen, sozialer Herkunft und politischen Richtungen treffen, um über eine Verbesserung der Lebenssituation und eine Änderung der Chilenischen Verfassung zu diskutieren.

Ich bezeichne die Situation z.Z. wie eine Achterbahnfahrt. Kaum beruhigt sie sich, scheint sie schon wieder außer Kontrolle zu geraten und neue Problemstellungen treten auf, wo man sich fragt, wie das gelöst werden soll.
Wann endlich wieder Normalität eintritt, kann man nicht sagen. Ich kann nur hoffenn, dass es bald sein wird.
Trotz allem fühle ich mich dennoch sicher. In unserem Viertel geht es derzeit sehr ruhig zu. Klar, man muss aufpassen und sich von bestimmten Orten lieber fernhalten, doch man kommt durch.

Ich hoffe dieser Eintrag konnte euch einen Einblick in diese schwierige Situation verschaffen.

31.10.19

filter_hdr Der Berg ruft! Vulkanbesteigung in Pucón

Janne - Beccy - Sebbe - Vroni

Pucón

Gute Laune nach dem Bad in den Termen

Hunde lieben mich hier

Der Vulkan Villarica von Pucón aus zu sehen

Auf geht´s

Die steilen Hänge lassen sich in Bildern kaum festhalten

Vroni und ich beim Pause machen

Oben stießen die anderen noch zu uns

Vroni und ich nach erfolgreicher Besteigung Gipfelglück gefunden :)

Bergliebe

Am 30. Oktober war es dann endlich soweit. Es ging das erste mal für mich in den Süden Chiles. Lange Zeit habe ich mich schon darauf gefreut, mich ins Grüne zu begeben. Die Landschaften Richtung Süden nehmen zunehmend Ähnlichkeiten mit Schweden und Norwegen an. Da die Proteste in Santiago - nein, in ganz Chile - noch im Gange sind, hatte ich starke Bedenken, erstens wie wir in Pucón überhaupt ankommen sollen und zweitens, ob es überhaupt eine gute Idee ist, die Stadt zu verlassen. Hinzu kam, dass mich das Wochenende davor ein starker Magendarm-Virus komplett flach gelegt hat. Aber nichts konnte mich vor meinem Vorhaben abbringen und so machte ich mich auf den Weg auf ein neues Stück Abenteuer!

Zusammen mit meiner Mitbewohnerin Janne und meinen Freunden Sebastian, Rebecca, Vroni und Charli nahm ich die lange Busfahrt über Nacht auf mich, wohl wissend, kaum Schlaf zu bekommen. Das bewahrheitete sich leider auch. Unsere Ankunft verzögerte sich, da Demonstranten Barrikaden auf der Autobahn in Brand gesteckt hatten. Aus zehn Stunden Fahrt wurden dann 13.
Um halb zehn trafen wir dann in Pucón ein. Ein Blick hat genügt, um mich in diesen Ort zu verlieben. Die Luft war klar, die Berge umgaben einen und ein großer See erstreckte sich neben dem kleinen Städtchen. Nachdem wir unsere erste kleine Wanderung ans andere Ende der Stadt zu unsere Unterkunft, einer kleinen Holzhütte, hinter uns hatten, richteten wir uns erstmal ein und enspannten den Tag daheim mit Kartenspielen und Nickerchen im Garten.
Die folgenden Tage kamen im Wechsel mit gutem und schlechtem Wetter. Die Stadt selbst ist klein aber wunderschön. Die Häuser sind mit sehr viel Liebe und hauptsächlich aus Holz gebaut. Überall gibt es kleine Cafechen und selbst in der Stadt ist alles grün.
Der Freitag entpuppte sich als regnerisch. Dunkle Wolken verhangen den Himmel und in der Luft hing ein angenehmer Geruch nach Regen und frischem Gras. - Wie ich das vermisst habe - Faulenzen kam nicht infrage, weshalb wir in der Stadt nach Wetter geeigneten Touren ausschau gehalten haben. Wir entschieden uns dafür, raus zu fahren in den nahe gelegenen Nationalpark, um dort heiße Quellen zu besuchen. Also fuhren wir knapp eine Stunde mit dem Bus kurvige Bergstraßen in den Wald. Dort angekommen wanderten wir kurz in ein Tal, in dessen Mitte sich ein Fluss langfrisst. Entlang des Flusses lagen mehrere Flusswasserbecken, die allesamt unterschiedlich beheizt wurden. Die folgenden drei Stunden entspannten wir im heißen Wasser, während kalter Regen auf unseren Köpfen prasselte und das Wasser zum tanzen brachte. Später versuchten wir unsere durchnässten Sachen halbwegs vorm Regen zu retten. Mit dem ankommenden Gewitter rannten wir den Hang wieder hinauf zur Straße. Dort angekommen stellten wir fest, dass der nächste Bus erst in zwei Stunden kommen sollte, daher entschieden wir zu Fuß zu gehen und es per Anhalter zu versuchen. Töricht, wenn man bedenkt, dass wir gut vier Stunden zu Fuß unterwegs wären. Frierend da zu stehen und zu warten kam aber nicht in die Tüte, also versuchten wir unser Glück. Der Regen hörte auch langsam auf. Gut 20 Minuten waren wir unterwegs, ohne überhaupt einem Auto zu begegnen. Das alles erinnerte mich stark an meinen Madeira Urlaub mit zwei Freundinnen letzten März. ^^ Unterwegs trafen wir viele Hunde, die uns ein Stück unseres Weges begleiteten. Nachdem unzählige Autos an uns vorbei fuhren, trafen wir auf zwei Bomberos (z.D. Feuerwehrmänner), die in einem Truck auf dem Weg in die Stadt waren, um Wein zu besorgen. Ohne nachzudenken luden die beiden uns in ihrem Auto ein, um uns nach Pucón zu fahren. Also stiegen wir Sechs in den Fünfsitzer zu den beiden Chilenen. Die Fahrt war sehr unterhaltsam. Bis auf dem Fahrer saß der Rest vorne und Hinten eingequetscht im Wagen, jeden einzelnen Zentimeter einnehmend. Der Heimweg ging sehr schnell, da die beiden die Bergstraße runtergerast sind, da laut dem Fahrer paar Gänge "defekt" sind und wir so nur schnell fahren konnten. Bei jedem kleinen Huggel stießen wir unsere Köpfe an die Decke des Fahrzeugs.
Unten wieder gut angekommen gingen wir zu unserer Organisation namens "AguaVentura" mit der wir am kommenden Tag den Vulkan Villarica besteigen wollten. Der Grund, warum ich überhaupt nach Pucón wollte. Als wir den Laden betraten warteten vorgepackte Rucksäcke auf uns. Wir probierten unsere Ausrüstung und als ich die Spikes für die Wanderstiefel, den Eispickel und den Schutzhelm sah, stieg die Aufregung für morgen extrem.

Nach einer schlaflosen Nacht standen wir am Samstag noch vor Sonnenaufgang um fünf Uhr Morgens auf und bereiteten uns auf die Besteigung vor. Zusammen mit anderen Bergsteigern fuhren wir mit einem Auto zum Fuß des Vulkanes, wo es von da an dann auch zu Fuß weiterging. Der Berg wirkte unwirklich. Ein weiser Riese mitten in einem Grünen Feld. Der Schnee und das Eis bedeckten den Vulkan vollkommen. Normalerweise werden die ersten 200 Höhenmeter mit einem Skilift überwunden. Das soll das Gipfelglück erhöhen, was einem nicht garantiert wird. Uns blieb diese Möglichkeit verweigert, da der Lift noch völlig vereist war. Schon nach ein paar Minuten bekamen wir die Anweisung unsere Spikes an unseren Stiefeln zu befestigen. Nachdem wir das erste steile Stück bis zur Liftendstation hinter uns hatten, teilten wir unsere Gruppe in Zwei auf. Von da an ging es für Vroni und mich mit vier weiteren Bergsteigern als Vorhut voran. Es war aufregend, die steilen und vereisten Hänge im Zickzack hochzukraxeln. Den Eispickel stets in der Hand haltend, stiegen wir Stunde für Stunde und Höhenmeter für Höhenmeter Richtung Gipfel. Mit dem Wetter hatten wir Glück. Keine Wolken verdeckten die Wolken, sodass die Wärme spendete. Je höher wir kamen, desto steiler wurde es und desto atemberaubender wurde die umliegende Aussicht. Nur konnte man diese kaum bewundern, da man sich auf das Laufen auf dem Eis konzentrieren musste. Um die letzten 300 Höhenmeter zu überwinden, mussten wir über einen kleinen Kamm steigen. Auf der anderen Seite pfiff der Wind uns stark entgegen. Hier konnte man sehen wie das Eis waagrecht gefroren ist und somit unwirkliche Skulpturen formte. Die Anstrengung, der Weg, das alles spornte mich nochmal an und so kam ich dem Krater immer näher. Das letzte Stück gingen wir ohne Rucksäcke. Diese ließen wir an einer einigermaßen ebenen Stelle zurück. Nur mit Eispickel und der jetzt zum Einsatz kommenden Gasmaske erklommen wir den Rest des Berges. Oben angekommen blies uns der Wind den Rauch aus dem Schlot des Vulkans direkt ins Gesicht. Die Gase brannten trotz Gasmaske in Lunge und Augen. Der Blick der sich uns bot war aber unbeschreiblich. Die Spitze war abgeflacht und in der Mitte klaffte ein riesiges Schwarzes Loch. Ein tiefes Grollen trat aus dem Krater und in meinem Gesicht breitete sich ein noch größeres Lächeln aus.
Nachdem wir die Aussicht einige Zeit genossen haben und die umliegenden Berge mit Namen etc. erklärt bekommen haben, machten wir uns auf den Weg nach unten. Der Abstieg war anders als erwartet. Mit Hilfe eines Poporutschers rutschten wir einen Großteil der Strecke im Schnee herunter. Ein einmaliges Erlebnis. Jedoch nicht ganz so cool, wie man es sich vorstellt. Die Sonne brachte einen Großteil des Schnees dazu zu schmelzen. Je tiefer man kam, desto matschiger wurde die ganze Angelegenheit. Die letzte Dreiviertelstunde wateten wir durch kniehohen Schneematsch bis zum Auto, wo wir erschöpft auf den Rest warteten.
In unserer Holzhütte angekommen tauschten wir uns über unser Erlebnis aus und ließen das Abenteuer entspannt ausklingen, bevor es am frühen Morgen des nächsten Tages wieder 14 Stunden nach Hause ging.

In 5 1/2 Stunden ging es 1600 Höhenmeter hoch auf den insgesamt 2849 Meter hohen Vulkan Villarica, der zu den aktivsten Vulkanen Südamerikas zählt. Ein besonderes Erlebnis!

24.10.19

format_paint Tapetenwechsel in Valparaiso

Bunte Häuservielfalt

Beccy - Sebbe - Pauly - Hagen - Janne

Dünen von Cocón

Als würde man die Sahara durchstreifen :)

Dauerhafte angespannte Stimmung, Proteste den ganzen Tag, Ausgangssperre jeden Abend, die einem die Bewegungsfreiheit einschränkt, eine zusammenfallende Infrastruktur, Demonstranten, Polizei, Militär überall wo man hingeht.

Nachdem der Ausnahmezustand schon eine Woche ausgerufen worden war, entschloss ich für ein Wochenende aus diesem Alltag auszubrechen und mit Freunden nach Valparaiso zu fahren. Eine Woche durchgehend in einem Haus eingesperrt zu sein, hielt ich nicht mehr aus. Was man auch als Urlaub sehen kann, war für mich eher ein Tapetenwechsel. Eine Ausweichmöglichkeit. Zusammen mit Janne, Paulina, Hagen, Sebastian und Rebecca brach ich auf, um in der fast zwei Stunden entfernten Hafenstadt Sebastians Onkel zu besuchen. Obwohl wir von allen Seiten Einwände erhielten, fuhren wir trotzdem. Die Hinfahrt verlief erstaunlich problemlos.

In Valparaiso wurden wir von Sebastians Verwandten am Busbahnhof abgeholt und sicher zu unserer Unterkunft gebracht.
Hier in der Stadt wüteten jedoch die gleichen Proteste wie in Santiago. Ausgangssperren wurden hier sogar früher verhangen. Das hinderte uns aber nicht daran tagsüber das Städtchen anzuschauen. Valparaiso ist eine Hafenstadt, die an einem Hang gebaut ist. Die kleinen bunten Häuser stapeln sich alle dicht an dicht und durch enge Gässchen konnte man hin und wieder einen guten Blick über die Stadt bekommen. Ich würde diesen Ort als eine Hipsterstadt bezeichnen. Viele Leute kommen gerade wegen dem Nachtleben hier her, was wegen der momentanen politischen Situation ausfiel. Überall sind Wände und Straßen mit wunderschönen Graffiti besprüht. In der Altstadt stehen diese sogar unter Denkmalschutz.
Am Nachmittag wurden wir Zeugen von einer Versammlung von Demonstranten, die ihre nächsten Schritte planten. Es war ein ständiges Hin und Her von gewalttätigen Vorschlägen und Friedlichen. Um in die Sache nicht zu tief verwickelt zu werden verließen wir den Platz und wurden daraufhin blöd angemacht.
Am zweiten Tag ging es ruhiger zu. Wir besuchten die kleinen Nachbarorte von Valparaiso und fanden uns schließlich in Cocón wieder. Genauer gesagt in den großen Dünen von Cocón. Was nach einem künstlich angelegten Teil einer Sandwüste aussieht, ist in Wahrheit ein faszinierendes und natürliches Phänomen. Durch die Plattentektonik bäumte sich der Strand auf, sodass große Sanddünen umringt von Grün und Hochhäusern entstanden. In den Dünen selbst zu stehen und über die Sandhügel zu laufen war ein besonderes Gefühl. Der Sand brannte unter den Füßen und der Wind wehte kühle Meeresluft entgegen. Man kam sich wirklich so vor, als würde man in einer Wüste stehen.
Nach ein paar Stunden gingen wir noch ans Meer wo Hagen, Janne und ich es sogar wagten ins Wasser zu springen. Der Himmel war nun bedeckt und der Wind kalt. "Chile ist ein kaltes Land mit heißer Sonne" trifft es sehr gut. Die Wellen bäumten sich Meter hoch auf und sorgten für viel Spaß.
Zum Abschied bekamen wir von unserer Hostelbesitzerin Zitronen in die Hand gedrückt die gegen Tränengas helfen sollten. Tatsächlich kamen diese auch zum Einsatz, als wir auf dem Weg zum Busbahnhof waren. Um größere Auseinandersetzung zwischen Militär und Demonstranten vorzubeugen, wurde "vorsorglich" Tränengas zwischen die Reihen geschossen.
Wir bahnten uns unseren Weg durch und fuhren anschließend gut gelaunt von unseren Erlebnissen wieder heim.

22.09.19

airport_shuttle Primeras vacaciones en el norte de chile: La Serena

in progress...

18.09.19

query_builder Das Ding mit der Zeit..

Über den Innenhof gelangen wir auf unser Hausdach :) sozusagen unser Balkon

Janne und ich sind auf den Costanera Center hoch und hatten einen atemberaubenden Ausblick über Santiago

Stadt soweit das Auge reicht. Und dahinter? Berge <3

Pisco, der alte Hund, liebt es am Bauch gekrault zu werden

Eine Nacht hatten wir ein Unwetter draußen und Pisco hatte Angst draußen. Also hab ich ihn zu Hagen ins Bett getragen. (geschlafen hat er dann im Flur)

Tanzaufführung im Colegio Belen O´Higgins

Fast 4 Wochen sind jetzt nun schon vorbei, d.h. ein normaler Urlaub mit der Familie wäre jetzt schon längst zu Ende. Für mich hier in Chile war das jedoch erst der Anfang. Den Sprachkurs hab ich absolviert und ich kann zusammenfassend sagen, dass man schon einiges gelernt hat, jedoch weit noch nicht genug, um im Alltag problemlos zurecht zu kommen. Wir haben hauptsächlich den Lehrern zugehört und uns dadurch auf das spanisch im Alltag eingestellt und grammatikalische Themen durchgenommen. Geredet haben wir zwar auch aber das kam meiner Meinung nach zu kurz, da bei uns im A2 Kurs eher das Ausbauen der Grundlagen der Sprache im Vordergrund stand.

Die Mitfreiwilligen lernt man immer besser kennen und ich verbringe viel Zeit mit ihnen. So langsam hat man generell das Gefühl allmählich anzukommen. Mit der Zeit bildet sich ein Alltag, an den man sich gewöhnt hat und Stück für Stück wird ein Muster in der inorm großen Stadt sichtbar, die noch viel größer ist, als ich es mir hätte vorstellen können. An einige Dinge hat man sich bereits gewöhnt, bei vielen Weiteren muss man das erst noch tun. Zum Beispiel wäre da die Sache mit der Zeit... Relativ schnell habe ich festgestellt, dass man hier nicht mit der Uhr lebt. Man ist da, wenn man angekommen ist und längere Zeitspannen gilt es schnellstmöglich zu überbrücken, ohne dass sie einem lange vorkommen. Die Distanzen in Santiago und in ganz Chile sind nicht zu vergleichen mit denen Deutschlands. Von unserem Haus aus laufen wir knapp 15 Minuten zur Metrostation. Von da aus ist es dann eine gute Stunde ins Stadtinnere. Meistens sind die Metros dann noch überfüllt, sodass man die Strecke eingeengt stehen muss. Klingt anstrengend aber die Zeit kommt mir nie so wirklich lange vor. Ich verbringe sie, indem ich mit meinen Freunden rede, oder um mal alles auf einen wirken und Vergangenes sacken zu lassen, was man auf die Schnelle nicht verarbeiten konnte.

Jedoch wird dieser gerade erst gewonnene Alltag glatt wieder über den Haufen geworfen, da Ferien anstehen. Warum gleich nach drei Wochen Ferien, wo das Projekt doch noch gar nicht begonnen hat? Das habe ich mich auch gefragt, trotzdem nehme ich die freie Zeit mit offenen Armen entgegen. So viele neue Eindrücke zu verarbeiten benötigt seine Zeit. Der Grund der Ferien liegt beim "Dieciocho". Das ist der 18. September, an dem die Militärdiktatur ihr Ende gefunden hatte und die Demokratie wieder eingeführt wurde. Aus diesem Grund gibt es jährlich in der Woche um den Nationalfeiertag sog. Heimatferien (Fiestas Patrias).

Am Freitag vor den Ferien hat uns Nicole, unsre Pfarrerin, das erste Mal in unsere Projektstelle mitgenommen. Im Colegio Belen O´ Higgins Fand eine Tanzvorführung statt. Jede Klasse von Kindergarten bis zur achten Klasse hat einen landestypischen Tanz aus den verschiedenen Regionen Chiles in jeweils typischen Trachten aufgeführt. Es war schön mit anzusehen, wie viel Spaß die Kinder beim Aufführen hatten und gleichzeitig ein Stück Kultur vorgeführt zu bekommen! Das Beeindruckenste fand ich neben den kleinen Kindergartenkindern, die einfach viel zu niedlich beim Tanzen waren, die Gewinner der letzten Schulmeinsterschaft im Cueca-Tanz. Cueca ist der Nationaltanz Chiles. Nach dem Auftritt wurden wir noch kurz ein paar Lerhern vorgestellt bevor es dann für uns noch ein letztes mal zum Sprachkurs ging.
In einer Woche werde ich dann wieder in die Schule zurückkehren und endlich mit dem Projekt beginnen. Bis dahin genieße ich den Urlaub in La Serena!

¡Un abrazo fuerte y felices fiestas!

05.09.19

Was so die letzten Tage so los war

Ein Obst und Gemüsestand auf der Feria am Samstag

typischer Einkauf auf der Feria. Leider auch verbunden mit vielen Plastiktüten...

Liedblatt beim Einführungsgottesdienst

ich werde bei Siedler von Catan von allen fertig gemacht :(

Leuchtender Sonnenuntergang über La Florida, unserem Viertel

hinten: Beccy, Vroni, Pauly, Janne vorne: Sebbe und ich

Wir hatten auch ohne Hagen Spaß ;P

Am Samstag bekamen wir noch mal Besuch von einer Vorgängerin von vor 2 Jahren. Leana hieß sie, und nachdem wir uns ausgiebig unterhalten hatten, zeigte sie uns schöne Flecken in der Nähe, führte uns zu kleinen Läden, bei denen wir Grundnahrungsmittel günstig kriegen, sowie zu einen Metzger, den wir probieren müssen. Ziel unseres Spaziergangs war die Feria. Ferias sind in Südamerika Straßenmärkte, die sich ganz weit erstrecken. Wer nicht viel Geld ausgeben will für frisches Obst und Gemüse ist hier goldrichtig! Für knapp 27 Euro bekamen wir 15 Äpfel, 4 Birnen, 9 Bananen, 4 Organgen, 1 Cherimoya (chilenische Frucht), die ein wenig nach Seife schmeckt, Karotten, 4 Paprika, Brokkoli, 1 Aubergine, 3 Zucchinis, 3 Gurken, 3kg Kartoffeln, Oliven, Gewürze, Öl und Essig, Haushaltskram, nicht zu vergessen Bälle für Pisco, an denen unser Hund erst heute so richtig Spaß gefunden hat. Ihr seht es kam einiges zusammen. Außerdem konnte ich mein Spanisch aufpeppen. Das Umrechnen von Pesos in Euro war dann schon die größere Herausforderung. ^^ Uns wurde aber ein ganz guten Trick verraten: Man streicht vom Pesos Betrag drei Nullen und addiert ein drittel vom übrigen Betrag dazu. Das klingt jetzt ein bisschen kompliziert ist es aber nicht so. Bsp.: $6000 wären dann 8 Euro

Am Sonntag, genau eine Woche nach unserer Ankunft, fing alles so an wie es begonnen hatte :). Wir sind morgens zur Versöhnungsgemeinde zu Nicole und Johannes gefahren und haben dort am Gottesdienst teilgenommen. Diesmal waren wir jedoch pünktlich. Währenddessen wurden wir darum gebeten uns in der Gemeinde kurz vorzustellen. Begleitet wurde der zweisprachige Gottesdienst von einem chilenischen Chor "Misa a la chilena", was etwas ganz Besonderes war. Zur Feier des Tages gabs danach Wein en masse, dabei war es erst gegen zwölf Uhr Mittag, und dazu wurden Empanadas gereicht, das sind gefüllte Teigtaschen mit Hackfleisch, Zwiebeln, oliven und Ei oder Käse. Die gibt es in ganz viel verschiedenen Variationen. Währenddessen haben wir einige der Gemeindemitglieder kennengelernt und anschließend Nicole und Johannes beim Aufräumen geholfen und gestaunt wie viel Wein getrunken wurde. Danach hörten wir mit dem Feiern nicht auf. Wir vier blieben den restlichen Tag bei der Familie Merkel zu Hause. Johannes schmiss für uns noch den Grill an und zu den Brötchen mit Würsten gab es dann noch mehr Alkohol und zwar Pisco sour. Ein typisches CHILENISCHES Getränk nach dem unser Hund benannt wurde. Den Nachmittag verbrachten wir damit Siedler von Catan zu spielen, mit den Kindern auf der Wiese und auf dem Trampolin zu tollen und Volleyball bis es dunkel wurde zu spielen. Nach einem erfüllten und vollen Tag fuhren wir wieder 1 1/2 Stunden heim.

Ab Montag begann dann der Sprachkurs. Für die Kurse für Niveau A2, B1 und B1,2 fand dieser jeweils von 14 Uhr bis 17:30 statt. Der erste Tag war ein bisschen ernüchternd, da wir gefühlt nichts wirklich Brauchbares und Neues gelernt haben. Das änderte sich aber seit gestern und jetzt lernen wir auch endlich etwas. Mit der Theo in meinem Kurs kann das auch ziemlich lustig werden. :D Nach dem Kurs sterben wir immer vor Hunger und müssen jedes mal erst noch kochen... Der Kurs endet um halb 6 aber wir sind nie vor halb 8, 8 daheim, d.h. das kann sich ziemlich in die Länge ziehen. Aber zusammen mit Freunden übersteht man die hungrigen Stunden und dann ist es umso schöner zusammen nach einem langen Tag zu essen. Bisher hatten wir ständig Besuch von anderen Freiwilligen oder besuchten selber Freunde wie beispielsweise am Dienstag. Nach dem Spanischkurs gingen wir zusammen mit Sebbe und Beccy zu Ihrer Gastmutter Marisol nach Hause, wo die Vroni schon auf uns mit Kochen wartete. Hagen wollte ursprünglich nachkommen, allerdings hat der Junge sein Handy noch nicht eingerichtet, weshalb er nicht erreichbar ist und hat sich total verfahren. Nachdem wir drei Stunden auf ihn gewartet hatten, bekamen wir eine Nachricht vom ihm, dass er bis an den Stadtrand in eine Favela gefahren sei und sich dann dazu entschlossen habe wieder heimzufahren, weil es ihm dort alles andere als gefiel. Wir waren dann ein wenig beruhigt, dass nichts weiter vorgefallen war.

Résumé: Mir gefällt es hier weiterhin ausgesprochen gut, auch wenn es die letzten Tage stark abgekühlt hat, und ich freue mich schon riesig auf die kommenden Tage, die schon aufs Äußerste gefüllt sind. Urlaub während dem Nationalfeiertag Chiles haben wir auch schon angefangen zu planen. Da wird es dann für uns erstmals in den Kleinen Norden Chiles gehen. Momentan freue ich mich aber noch auf die Zeit hier in Santiago.

¡Que te vaya bien y un abrazo fuerte!

Frei(er)tag

Der Aufstieg

Oben angekommen

Der Santiago Squad Janne, Paulina, Hagen, Veronika, Sebastian, Rebecca

Plaza de armas am späten Abend

Nach einem gemütlichen Frühstück mit meinen Mitbewohnern, haben wir uns mit Sebbe, Vroni und Beccy getroffen (Freiwillige, die ein Viertel weiter außerhalb bei einer Gastmutter leben) und haben erstmals alleine mehr von Santiago erkundschaftet. Auf dem Weg zur Metro haben wir festgestellt, dass man Pisco nicht davon abhalten kann mit uns mitzukommen, wenn er will. Nachdem wir schon ein Stückchen Weg hinter uns hatten, kam unser Wg-Hund plötzlich angehopst. Irgendwie hat er sich durch die Gatter des Zauns gezwängt, weil er nicht alleine sein wollte. Penetrant folgte er uns auch noch bis zu den Treppenstufen zur Metro, bis er schließlich davor stehen blieb, sich umdrehte und alleine heimging, wo er am Abend auf uns gewartet hat. Danke Pisco für die sichere Wegbegleitung!

Zusammen mit unseren Freunden ging es dann zum Cerro San Cristóbal. Auf dem Weg nach oben haben wir einige Dinge festgestellt. Erstens, dass das beste Eis der Welt (Pina Colada am Stil) nur 200 Pesos kostet, umgerechnet sind das 25 Cent. Zweitens dass es im Winter trotzdem sehr heiß sein kann, und dass es vllt. schon fast Frühling wird. Drittens, dass Santiago um eeeeiiniges größer ist, als ich es mir vorstellen konnte. Oben angekommen hatten wir einen wunderschönen Blick über die Metropole. Unten wieder angekommen schlenderten wir durch die Straßen und Parks Santiagos bis es dunkel wurde, sahen zu wie das Nachtleben auf den Straßen aufblühte und liefen bis zum Plaza de armas, wo wir später wieder heimfuhren.

Gestern Vormittag bekamen wir spontan noch Besuch von einem Vorgänger von vor neun Jahren. Ich saß gemütlich in unserem Sessel (in den man sich nicht zu viel bewegen sollte, weil er sicher irgendwann zusammenbrechen wird), als es plötzlich gegen die Tür klopfte. Pauly fragte, wer sich denn wieder ausgesperrt habe und Hagen rief "bestimmt der Johannes" als Antwort. Als die Tür geöffnet wurde, stand ein junger Man vor uns und sagte "hallo, ich bin Johannes". Am Anfang waren wir ein wenig perplex, fanden es aber sehr amüsant und schön Geschichten unseres Vorgängers von vor neun Jahren zu hören und zu erfahren, dass nicht nur unser Hund älter ist als 10 Jahre, sondern auch der Kaktus, der im hintersten Eck im Innenhof vor sich hinschimmelt. xD

Einführungsseminar

Costanera Center im Stadtinneren Santiagos

Man versteht momentan noch nur spanisch. Versucht die Leute aber zu verstehen

Unsere Seminargruppe am ersten Seminartag. Vorne zweite Person von links unsere Mentorin Claudia

Theo hat während dem Test die Fotofunktion des Tablets gefunden, welches eig. zum arbeiten gedacht war.. ;p

Gestartet haben wir hier mit einem zweitägigen Einführungsseminar. Treffpunkt war das Göthe-Institut im Stadtzentrum Santiagos. Wir begaben uns also am ersten Tag zu viert zur Metro, von unserem Haus ist das ein ca. 10 bis 15 Minuten Spaziergang, der nur geradeaus entlang der Hauptstraße führt. Der schachbrettartige Aufbau der Stadt wird hier sehr gut sichtbar. Dort angekommen mussten wir uns erstmal neu orientieren. Es galt einerseits unsere Bip-Karte - so heißen die Fahrkarten hier in Santiago, weil es BIP macht, wenn man sie entwertet - aufzuladen und in die richtige Metro einzusteigen in Richtung Macul, wo wir unsere Mentorin Claudia und weitere Freiwillige treffen sollten. Angekommen wartete niemand auf uns.. Mal wieder :D. Eine Stunde später trudelten Sie also ein und wir sind dann zusammen wieder in die gleiche Metro gestiegen und weiter gefahren. -Seufz- Aber das gehört eben zum chilenischen Alltag dazu. ^^ Hier dauert alles ein bisschen länger. Am Göthe-Institut angekommen haben wir dort über alle möglichen Themen gesprochen, w.z.B. Thema Sicherheit in den Straßen, Land und Leute etc. Ein Vormittag voller wichtiger Informationen. Am Nachmittag sind wir zusammen mit Claudia zum Costanera Center gelaufen, wo wir uns dann um unsere Handyverträge gekümmert haben. Die Simkarte zu kaufen und Guthaben darauf zu laden hat sich als schwieriger herausgestellt, als gedacht und alleine hätte ich das mit Sicherheit nicht hinbekommen!
Am späten Nachmittag hatten wir dann alles geschafft und wir gingen zusammen mit den anderen Freiwilligen zurück zu unserer Wg, wo wir gemeinsam beisammen saßen und aßen und den Tag schön ausklingen ließen.

Am zweiten Tag stand ein Sprachtest an. Schon allein der Gedanke daran stresste mich schon wieder. Zwei Stunden saßen wir in dem Raum und haben eine Grammatik Aufgabe nach der anderen gelöst, textbezogene Aufgaben gelöst und ein Gespräch geführt, um herauszufinden welches Niveau unser Sprachkurs haben soll, der nächsten Montag beginnt. Ich hatte kein gutes Gefühl, weil die über 60 Grammatik Aufgaben zunehmend schwerer wurden und ich mit meinen Spanischkenntnissen noch am Anfang bin. Am nächsten Tag bekamen wir die Ergebnisse zugeteilt und ich bin tatsächlich im Kurs A2 gelandet :). Während dem Test haben wir nicht durchgehend fleißig gearbeitet. Spaß muss sein :D.
Zusammen mit unserer Mentorin und ihrem Assistenten Hagen (er braucht keinen Sprachkurs, da er einen Teil seiner Kindheit in Spanien verbracht hat und daher gut spanisch sprechen kann) haben wir uns dann noch um Termine gekümmert, um uns in Chile zu registrieren, was dann irgendwann die Tage ansteht.

29.08.19

Unsere WG La Florida!

Janne, Paulina, ich mit Pisco und Hagen

Erste Einweihung am zweiten Tag gemeinsam mit neuen und bereits bekannten Freunden

Vroni hat unsere kaputte Hängematte repariert :) Danke Vroni!

Stadtplan von Santiago (La Florida hellblau)

Was soll man sagen? Ein bunt gemischter Haufen eingepfercht auf kleinem Raum? Klingt vllt. im ersten Moment nach einer schlechten Idee, jedoch hat sich das in den ersten Tagen als über aus gemütlich und schön herausgestellt. Es gibt untereinander unglaublich viel zu erzählen und jeder bereichert die Truppe auf seine ganz eigene besondere Art und Weise. Ich wohne hier zusammen mit meinen Mitwohnern Janne, Paulina, Hagen und unserem Hund Pisco, der schon viele Freiwillige kennengelernt hat in seinem Hundeleben. Die Wg befindet sich im Stadtviertel La Florida (Betohnung auf ri) relativ weit im Südosten in Santiago. Ins Zentrum braucht man von hier knapp eine Stunde. Generell ist hier alles viel weiter entfernt, als man es in Deutschland gewohnt war. Wir haben bisher noch nicht all zu viel gesehen, jedoch ist unser Viertel sehr schön. Die Straßen sind laut und und die Häuser reihen sich eines nach dem anderen aber hin und wieder gibt es kleine grüne Flecken, die das ganze auflockern.
Unser Haus beinhaltet einen kleinen Vorhof, wo Pisco lebt und wir immer essen und den Abend mit Freunden und reden und Wein verbringen. Innen haben wir drei Zimmer, d.h. zwei von uns wohnen in einem Zimmer. Momentan sind das Hagen und ich , später wird das dann rotiert. Es gibt zwei Bäder, was ganz schön ist, eine kleine Küche mit allem was nötig ist, wo aber nicht mehr als zwei von uns stehen sollten und einem Wohnzimmer mit Sofa etc.. Das Haus umkreist sozusagen einen überdachten Innenhof, den wir als Lagerraum verwenden, bis wir einen guten Nutzen gefunden haben. Die Dämmung ist hier in Chile in den Häusern leider nicht vorhanden, weshalb es im Winter, den wir gerade haben, nachts kalt werden kann aber mit 3 Decken hält man alles aus :D. Wir haben immer einen Blick auf die Anden, was mich meeeega glücklich macht. Wenn man in der Innenstadt steht und hoch zu den Wolkenkratzern aufblickt, werden diese zum Teil sogar noch von den viel weiter weg entfernten Anden übertroffen. Ein Blick an den man sich gewöhnen muss. Gerade sind wir noch dabei uns einzuleben und unsere Wg einzurichten. Natürlich lassen wir euch teilhaben falls wir etwas kuhles draus gemacht haben.

26.08.19

Ankunft und erste Tage

morgendlicher Blick auf die Anden von unserer WG aus

(v. links nach rechts) Janne, Paulina, Hagen und ich das erste mal an der Metro

Nachdem wir jetzt doch längere Zeit am Flughafen von Buenos Aíres gewartet haben, weil wir zu früh gelandet sind ging es total übermüdet weiter nach Santiago. Erstaunlicherweise konnte ich auf diesem Flug schlafen. Vermutlich wegen der Übermüdung. Als man wieder aufgewacht ist, hatte man einen freien Blick über die schneeverhangenen Anden, der mich in diesem Moment innerlich aufleuchten lassen hat. Kurze Zeit später versank man in der Wolkendecke der Luv-Seite der Berge und Santiago de Chile kam erstmals zum Vorschein! Von der Stadt konnte ich aus der Luft nicht viel erkennen weil ich leider auf der falschen Seite des Fliegers saß aber je tiefer wir flogen desto deutlicher fielen mir schon kleinere Siedlungen von Wellblechhütten im Umkreis von Santiago ins Auge. Kurze Zeit später landeten wir, schauten uns voller Aufregung an, dass wir jetzt endlich da sind, holten unser Gepäck und gingen durch den Zoll und als wir dann in der Ankunftshalle waren... nichts. Wir warteten zwei Stunden vergeblich auf jemanden, der uns abholt, doch es kam niemand. Ohne Netz und Information wer genau uns holt, haben wir versucht in alten Emails eine Nummer zu finden. Wir fanden eine und erfuhren dann, dass alle damit gerechnet haben, dass wir erst einen Tag später kommen sollten und dass unsere WG erst noch gestrichen und geputzt werden muss bevor wir einziehen können. Wir bekamen Anweisungen und Informationen wie wir zur Kirchengemeinde gelangen und seeehr viele Entschuldigungen, dass wir vergessen wurden. ^^ Wir haben das alles aber sehr entspannt gesehen und haben es mit Humor genommen ;). "BIENVENIOS EN CHILE!", dachten wir uns nur. :D
Den ersten Tag verbrachten wir also bei unser Leiterin Nicole und ihrem Mann Johannes und, die beide in der deutschen Kirchengemeinde und in der Schule mithelfen. Als wir an der Gemeinde ankamen, platzten wir erstmal in einen Gottesdienst hinein und wurden herzlichst aufgenommen und namen an dem restlichen Gottesdienst teil. Den restlichen Tag tobten wir eig nur mit ihren zwei kleinen Kindern im Garten, durften an einer menschlichen Pferdeshow der Kinder teilhaben, haben uns in ihrem Freundebuch eintragen dürfen und haben Ronja Räubertochter angesehen. Ihr seht also, uns geht es gut! Am nächsten Tag kamen unsere beiden Mitbewohnerinnen Paulina und Janne. Nach einem gemeinsamen Frühstück fuhren wir gemeinsam mit Nicole in die Wg.

Fast drei Tage sind vergangen, es ist unglaublich viel passiert und man findet eig. keine freie Minute hier alles zu erzählen... Die Zeit verfliegt und tausend neue Eindrücke schießen auf einen ein. Vorerst wars das erstmal, auch wenn ich schon zwei Tage im Verzug bin, versuch ich in nächster Zeit die vergangenen Tage aufzuholen und alles auf das wesentliche vllt zu reduzieren.
Mir geht es mittlerweile sehr gut, man hat kaum Zeit an zu Hause zu denken, weil es so viel zu tun gibt und wenn man mal freie Zeit findet, verwenden man diese, um alles zu erkundschaften. Ich hoffe euch geht es allen gut und ich freue mich schon mehr von meinem Leben hier in La Florida in Santiago de Chile zu erzählen! :)

Fluggedanken 24.08.19

Tag der Aufbruchs. Ein Tag den man sich lange ersehnt hat und je näher er doch kam desto länger hat man sich die Zeit zu Hause gewünscht. Der Abschied fiel mir alles andere als leicht. Anfangs war ich überrascht keinen emotionalen Zusammenbruch erlitten zu haben aber je weiter man von zu Hause weg gekommen ist von Familie und Freunden und allem Vertrautem, desto schlimmer wurde es. Ich konnte nie so richtig begreifen, dass ich jetzt für ein ganzes Jahr weggehe, was das wirklich bedeutet und ich glaube ich tue es noch immer nicht vollständig. Ein, zweimal hatte ich einen ganz kurzen Augenblick lang das Gefühl gehabt der vollen Bedeutung meiner Entscheidung bewusst zu sein. Für diesen unglaublich kurzen Augenblick habe ich mich so überfordert und wie eingefroren gefühlt, dass mein Herz kurz einen Aussetzer gemacht hat. Ein Gefühl, welches sich nur schwer beschreiben lässt. Und so plötzlich wie es über mich kam war es auch schon wieder weg. Jetzt sitze ich im Flieger Richtung Buenos Aíres und nach einer Pause von knapp 1 1/2 Stunden dann Richtung Santiago und ich fühle mich momentan alles andere als wohl und bereit für dieses Jahr. Ich fühle eher UnbeHAGEN (haha mein Mitbewohner heißt Hagen für die, die es noch nicht wissen) und Unsicherheit, für das was mich erwartet, und Trauer, für das was ich hinter mir lassen musste, statt Freude was mich erwartet. Ich will es nicht schön reden. Aber ich weiß auch, dass sich das ändern wird, ob schnell oder langsam. Davon bin ich überzeugt. Jetzt sitze ich also im Flugzeug. Kein Weg zurück. Lese mir Briefe von Familie und Freunden durch, die mich an Vergangenes erinnern lassen, ziehe mir Filme rein, um mich abzulenken und schaue aus dem Fenster, auf den mir noch vertrauten Sternenhimmel, der klar leuchtet.

Jetzt geht´s vorwärts, jetzt geht´s weltwärts! Ab ans andere Ende der Welt.

Die Zeit verfliegt und man fühlt sich zu Hause zur Zeit richtig wohl. Der Aufbruch liegt für einen noch ganz weit in der Ferne und dennoch rückt er bedrohlich schnell näher. Von den ersten Freunden und Familienmitgliedern hat man sich bereits verabschieden. Einige Verabschiedungen finden erst noch statt. Fest steht: Jetzt wird es langsam ernst!
Am 24. August 2019 ist dann soweit und ich werde zusammen mit zwei Mitfreiwilligen nach Chile entsendet. Dort werde ich dann die nächsten zwölf Monate in der Hauptstadt Santiago de Chile verbringen und im Colegio Belen O´Higgins arbeiten. Es handelt sich dabei um eine integrative Ganztagsschule, die Kinder von der ersten bis zur achten Klasse besuchen können.
Man versucht seine Erwartungen an das Jahr herunterzuschrauben oder im besten Fall erst gar keine zu haben, dennoch versuche ich jedes mal aufs Neue ein Bild von Land und Stadt zu schaffen, welche mir noch unvorstellbar erscheinen. Des Öfteren finde ich mich dabei auf Google maps die Maße Santiagos mit denen Nürnbergs zuvergleichen und die Deutschlands mit Chile..
Man kann also sagen, die Aufregung ist immens. Momentan noch ein Gemisch aus Vorfreude und Angst, wobei der erste Teil aber überwiegt. Jetzt heißt es aber Vorbereitungen zu treffen und die letzten Tage in der Heimat zu genießen, bevor dann das Abenteuer beginnt!