Gottes Wege sind verschlungen

Liebe Leser,

Dies wird ein etwas anderer Beitrag, da ich aufgrund der Coronakrise einen aktuellen Beitrag zu meiner Lage hier verfassen möchte.
Das Wichtigste zuerst: Ja, wir haben noch Klopapier. Auch Nudeln und Haferflocken werden noch eine Weile reichen. Leider werde ich persönlich davon wenig abbekommen, da wir angehalten sind, so schnell wie möglich nach Deutschland zurück zu kommen.
Und ja, das hat auch mich kalt erwischt.

Aufgrund der globalen Ausbreitung und der ungewissen Entwicklung des Virus hat das BMZ (Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung) eine Email an alle Aussendeorganisationen, die Freiwillige im Ausland haben, gesendet, mit dem dringenden Aufruf, alle Freiwilligen weltweit zurück nach Deutschland zu holen. Das heißt, dass wir so schnell wie möglich das Land verlassen und nach Deutschland reisen sollen, wo wir nach jetzigem Stand nur unter empfohlene Quarantäne gestellt werden.
Die Herausforderung für die Organisationen ist es nun, für alle Freiwilligen ein Flugticket zu organisieren. Da die Staaten hier anfangen die Grenzen zu schließen, bzw. Argentinien seine bereits geschlossen hat, und Uruguay in der Nacht zu Freitag folgen wird, ist es eine äußerst brenzlige Lage für alle Ausreisewilligen in den Ländern. Meine Ausreise ist aufgrund der schnellen Reaktion des GAWs zum Glück bereits organisiert, ich verlasse am Donnerstag den 19.03. mein geliebtes Uruguay Richtung Sao Paulo und dann nach Deutschland. Für Miriam und weitere Freiwillige in Uruguay, sowie für fast alle in Argentinien gibt es noch keinen Plan, das GAW und weltwärts müssen sich hierfür jetzt so schnell wie möglich eine Lösung überlegen, um die restlichen Leute aus den Ländern raus zu bekommen, da der Aufruf von allen umgehend befolgt werden sollte. Von da her wird es spannend werden für die anderen.

Ich hoffe es geht euch gut und ihr genießt noch die Freiheit bei euch in Deutschland.
Bis bald, wahrscheinlich persönlich, und Kopf hoch, das wird!

eure Lena

Die Schule beginnt!

Zusammenkunft zum Schuljahresanfang

Essensbereich

Frühstück mit "Leche" ...

... und Bizcochos

Fräs- und Hobelmaschine in der Carpintería

Kreissäge, Schleifmaschine und Stichsäge im Hintergrund

Suppenlöffel von den Schülern

In der Schreinerei (rechts der Profe, Fernando)

Theorie der Schreinerei, hier: Zoll in cm umrechnen

In der Panadería (links Alejandra, die Lehrerin)

Selbstgemachtes Baguette

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte,...

Bei mir hat endlich die Schule angefangen! Ich weiß nicht, ob man diesen Satz außer von Erstklässlern oft zu hören bekommt, aber bei mir ist es tatsächlich so. Nach zweieinhalb-monatiger Sommerpause fängt in Uruguay im März endlich wieder die Schule an. Für mich im Speziellen heißt das, dass die Werkstätten anfangen, in denen ich mitarbeiten und die Lehrer unterstützen kann, und es außerdem klar geregelte Abläufe und Aufgaben im Alltag gibt. So ist z.B. von 8:30 bis 8:45 Uhr das Frühstück, von 9:00 bis 10:30 Uhr sind Werkstätten, danach eine Viertelstunde Pause und von 10:45 bis 12:10 Uhr sind wieder Werkstätten. Um 12:30 Uhr wird gegessen und um 13:00 Uhr verlassen die Schüler dann das Gebäude. Diese Abläufe machen es sehr viel einfacher, sich einzufinden, da man die Aufgaben nach einer Weile beherrscht, die erledigt werden müssen, und alle Schüler (hoffentlich) beschäftigt sind.

Als Werkstätten, in denen ich ab jetzt mitarbeiten möchte habe ich mir die Carpintería, also Schreinerei, und die Panadería also Bäckerei ausgesucht. In der Carpintería war ich schon drei oder vier Mal, beim letzten Mal habe ich sogar schon selber einen Suppenlöffel gemacht. Am Ende jedes Schuljahres, ungefähr im Oktober gibt es nämlich einen großen Verkauf im IBV (Instituto de Buena Voluntad, der Name meines Projektes) bei dem vor allem viele Erzeugnisse der Schreinerei verkauft werden. Eines der Dinge, die letztes Jahr am besten weggingen, waren die Suppenlöffel, weswegen wir dieses Jahr um die 100 Stück davon anfertigen dürfen. Das klingt zwar nicht so viel, wenn man aber bedenkt, dass jeder Löffel einzeln hergestellt werden muss, und es in der Carpinteria zwischen acht und zwölf Schüler gibt, von denen die Hälfte ungefähr regelmäßig kommt, sind das schon ein ganzer Haufen Löffel pro Kopf! Als Einführungsaufgabe dürfen die Schüler die neu dazu kommen also jeweils einige Suppenlöffel anfertigen, was einerseits äußerst praktisch für den Schulverkauf ist, und andererseits auch für das Einarbeiten in die Materie seinen Zweck erfüllt, da man so ein Gefühl für das Holz bekommt, mit dem gearbeitet wird.

Die Carpintería ist eine der größten Werkstätten des Instituts, sowohl was die Fläche als auch die Ausstattung betrifft. Von Drechselbank über Schleifmaschine, Hobelmaschine bis hin zu einer Kreissäge gibt es alles was ein Schreinerherz begehrt (denke ich, noch hab ich kein Schreinerherz:) ). Der „Profe“ ist ein ziemlich netter, aber anspruchsvoller Lehrer, der gerne einmal einen Spaß macht, und trotzdem auf die Qualität der Ausführung bedacht ist. Daher finden sich hier auch eher die selbständigeren Schüler, da sie meistens für sich arbeiten und nur ab und zu vom Profe angewiesen werden müssen. Meine Arbeit erstreckt sich hier also bisher nur auf rein handwerkliche Tätigkeiten, ich bin aber positiv, dass ich hoffentlich schon bald die Maschinen bedienen darf, damit ich einen größeren Beitrag zu der Arbeit dort leisten kann.

Die zweite Werkstatt, die ich ausgewählt habe um darin mitzuarbeiten ist, wie gesagt, die Panadería (Bäckerei). Hier lernen die Jugendlichen und Erwachsenen mit Rezepten und Zutaten umzugehen und jeden Tag wird etwas anderes Leckeres gebacken. Momentan ist Brot ein bisschen das Überthema, deswegen haben sie an den Tagen an denen ich in der Werkstatt war einmal Baguette (Pan francés), süße Brötchen (Pan de campo) und Milchbrötchen (Pan de leche) gebacken. Es macht sehr viel Spaß mit den Schülern zu arbeiten und wer mich kennt, der weiß wie begeistert ich beim Thema Backen dabei bin. Trotzdem ist es eine Herausforderung, mit den Schülern zu backen, weil jeder sein eigenes Tempo hat, und die meisten weder lesen, noch richtig schreiben können, was beim Rezepte lesen und verstehen eine Herausforderung darstellt. Wenn sie die Rezepte kopieren, schreiben sie zum Beispiel nicht ab, sondern malen die Buchstaben von der Tafel ab, was bei mangelnder Handschrift zu sehr rätselhaften Namen für die Zutaten führt. Manchmal verrutschen sie auch in der Zeile, dann steht da, dass man 250 ml Hefe anstatt Wasser nehmen soll(,was wahrscheinlich zu einem gigantischen Brot, das den ganzen Ofen sprengt, führen würde).

Als ich das entdeckt habe war ich kurz ziemlich sprachlos, wo doch lesen und schreiben bei uns inzwischen eine solche Selbstverständlichkeit geworden ist, dass man sich ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen kann. Dann habe ich entdeckt, das diese Tatsache eigentlich genau das ist, worauf ich eingestellt war, und als ich einer Teilnehmerin dabei geholfen habe, den Aufschrieb zu vervollständigen habe ich mich zum ersten Mal richtig gebraucht gefühlt hier in Uruguay. Es ist trotz der Anstrengung dann schön zu sehen, wenn die Schüler Spaß bei ihrer Arbeit haben, und man einen Sinn erkennt in dem, was man tut.

Wie ihr seht geht es mir also gut und ich finde so langsam in die Arbeit und auch das Leben hier rein. Obwohl vielleicht so mancher denkt, dass es eine Frage von Tagen oder Wochen ist, sich einzufinden, so braucht man doch länger, sich an das neue Umfeld und den Umgang mit den Menschen hier zu gewöhnen.

Ich danke euch, dass ihr weiterhin fleißig meinen Blog lest und mich unterstützt in dem was ich hier tue. Ich wünsche euch noch eine schöne restliche Frühlingswoche, bleibt gesund und munter und traut euch, mal über den Tellerrand zu schauen.

Viele Grüße
eure Lena

Schnee, Eis und Schokolade Teil II

Bergbesteigung in Ushuaia

Schneeballschlacht auf dem Gipfel

Unendlichkeit während der Busfahrt

Perito Moreno Gletscher von Weitem

Schokolade 1.0

Schokolade 2.0

Bariloche aus dem Flugzeug

freilebende Lamas

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte,...

Der letzte Teil endete damit, dass wir nach unserem Campingausflug im Nationalpark zurück nach Ushuaia gefahren sind. Dort angekommen wollten wir uns sogleich aufmachen, einen Bus nach El Calafate zu buchen, um dort den berühmten Perito Moreno Gletscher zu besichtigen. Unser Rückflug von Bariloche war schon gebucht, und wir wollten auch dort noch etwas Zeit verbringen, was wiederum hieß, dass wir nicht allzu lange Zeit in El Calafate verbringen durften.
Was wir aber nicht bedacht hatten bei all dem "dies möchte ich noch sehen, und jenes", war, dass wir zur absoluten Hochsaison, nämlich im Sommer (auch wenn es nur 13 C° hatte, das nennt man dort Sommer) nach Ushuaia gefahren sind. Erschwerend kommt natürlich noch hinzu, dass Ushuaia bekanntermaßen das "Ende der Welt" ist, was bedeutet, dass es mit dem Bus nur in eine Richtung weiter geht. Und diese Busse waren alle, ausnahmslos ausgebucht.
Was macht man also, wenn am Ende der Welt ist, nicht weg kommt und keine Wohnung hat? Richtig, man nimmt, was man kriegen kann. In unserem Fall war das (leider/glücklicherweise?) ein Apartment, das von einem sehr netten Mann vermietet wurde und absoluter Luxus war. Mit Flachbildschirmen in jedem Schlafzimmer, volle Küchenausstattung mit E-Herd, Kaffeekapseln und einer Waschmaschine, die sogar einen Trockner integriert hatte. Über die Waschmaschine und den E-Herd haben wir uns alle nach vier Tagen in der Wildnis am aller meisten gefreut, weil das hieß, dass wir endlich mal unsere Sachen waschen konnten, und einen E-Herd bekommt man wahrscheinlich erst wieder in Europa zu Gesicht! Das alles ging natürlich auch ziemlich ins Geld, aber da wir keine andere Alternative hatten, haben wir es wenigstens genossen, am Ende der Welt in einem Luxusapartment Urlaub machen zu können. Wir haben noch etwas die Stadt erkundet, einen weiteren Berg in der Nähe bestiegen (siehe Bilder), und am letzten Abend sind wir sogar noch Bowlen gegangen (auch wenn die Bahn ständig abgestürzt ist, und wir deswegen nichts zahlen mussten:)).
Am sechsten Tag konnten wir schließlich weiterfahren, kurz über die Chilenische Grenze, dann nach Río Gallegos und weiter nach El Calafate. Dort kamen wir mitten in der Nacht an, doch eine Unterkunft zu buchen hätte sich nicht gelohnt, da wir morgens um Neun Uhr vom Bus Terminal zum Gletscher fahren würden, dort ein paar Stunden verbringen, zurück fahren, und dann in den Bus nach Bariloche steigen, in dem wir 25 Stunden +/- Verspätung verbringen würden. Daher wurde es eine sehr lange, anstrengende aber auch lustige Nacht am Busterminal, in der wir Nachts um drei oder halb vier unsere Isomatten rausholten und angefangen haben, Sport zu machen.

Der Perito Moreno Gletscher ist genau so, wie er auf den Bildern aussieht. Zumindest auf den guten. Absolut und unbestreitbar atemberaubend, mit seiner gigantischen Eismasse und einem Ausmaß, das man sich selbst mit bloßem Auge gar nicht vorstellen kann.
Wie man auf den Bildern hoffentlich sehen kann, "schwimmt" er auf einem See. Das Eis, das vorne senkrecht aufragt, ist an manchen Stellen bis zu 70 m hoch, und der Gletscher erstreckt sich an jener Stelle über eine Breite von über fünf Kilometern. Jedes Mal wenn er sich etwas verschoben hat klang das wie ein Kanonenschuss, und als kleine Stücke Eis abgebrochen sind war das jedes Mal ein "Ooohhh"-Moment für die ganzen Touris und uns.

Die Busfahrt nach Bariloche war nicht so schlimm, wie man sich das vorstellt, die ersten 10-20 Stunden gingen rum wie nix, man hat geschlafen, dies und jenes gemacht. Erst am Ende war es dann nervig, nicht wegen der Busfahrt, sondern einfach weil man nichts mehr zu tun hatte und nur noch ankommen wollte.
In Bariloche wurden wir von unserem Vermieter sogar mit dem Pick-up vom Busterminal abgeholt, wofür wir ihn gleich mochten, auch wenn wir kurz Bammel gekriegt haben, als wir an der Polizei vorbei gefahren sind, wo doch drei von uns mit den Rucksäcken auf der Ladefläche mitgefahren sind. Ist aber nichts passiert, wir wurden dann zum Glück nicht angehalten. Bariloche ist eine wirklich schöne Stadt, sogar die Erste, von der ich in Südamerika sagen würde, dass ich dort wohnen wollte. Das liegt zum einen an der wunderschönen Lage, in der sie sich befindet, mitten zwischen Bergen, aber an einem wunderschönen See, und zum anderen an den vielen Schokoladenfabrikanten, die in der Innenstadt ihre Leckereien verkaufen. Wir waren nicht in allen drin, aber mindestens fünf Läden haben wir schon abgeklappert, und das waren noch lange nicht alle. Dort gibt es Schokolade in allen mögliche Varianten, Pralinen, Eis, Kakao, witzige kleine Schokofiguren und süßes Gebäck so weit das Auge reicht. Ein wahres Paradies!
Dieses Paradies mussten wir aber, wie Adam und Eva, leider auch wieder verlassen und uns auf nach Buenos Aires machen, von wo wir dann wieder zurück nach Montevideo gefahren sind. Alles in allem war es ein sehr schöner Urlaub, der mit unerwarteten Wendungen und Herausforderungen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Ich hoffe ihr hattet so viel Spaß beim Lesen wie ich beim erleben und ihr habt jetzt auch das Bedürfnis nach Südamerika zu kommen ;)
So wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal
eure Lena

PS: Auf den Busfahrten habe ich in der unendlichen Pampa Argentiniens und Chiles sogar freilebende Lamas, Sträuße, Flamingos und Stinktiere gesehen. Also wenn ihr es euch überlegen wollt, es gibt hier sehr viel zu sehen und es lohnt sich :].

Schnee, Eis und Schokolade Teil I

Ushuaia von oben

hinten von links: Julius K., Jannes T., Hagen B., vorne: Carmen H., Miriam M., ich

Ushuaia Stadt

Unser Campingplatz

Der Berg den wir bestiegen haben

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte,...

Hier in Uruguay zu sein, ist nicht nur sehr praktisch um die Sprache, die Leute und die Kultur kennenzulernen, sondern auch um das Land und Orte drum herum zu erkunden, die man von Europa aus niemals besuchen würde, weil sie entweder zu weit weg sind oder es sich für den Preis einfach nicht lohnen würde. Wenn man allerdings hier ist kommen einem selbst große Entfernungen innerhalb Südamerikas ziemlich klein vor, solange sie noch innerhalb des Kontinents liegen. Daher ist es auch nichts Ungewöhnliches, dass ich meinen Urlaub in Feuerland, ganz im Süden von Argentinien, und Patagonien (also der Streifen entlang der Anden) verbracht habe.
Wir waren insgesamt zu sechst, ein wild zusammen gewürfelter Haufen von GAWlern, zwei davon aus Argentinien, zwei aus Uruguay, einer aus Paraguay und einer aus Chile, die wir die Reise zusammen angetreten haben. Die Reise war grob geplant, und am 03.01. ging es dann los, nachdem wir eine Nacht an einem unglaublich winzigen Flughafen in Buenos Aires durchgestanden haben und wir in das Flugzeug nach Feuerland gestiegen sind.
Von dem Flug habe ich nicht viel mitbekommen, ich bin nämlich nach besagter Nacht am Flughafen direkt eingeschlafen. Rechtzeitig zur Landung bin ich dann aber zum Glück wieder aufgewacht, und der Ausblick der sich mir bot war unglaublich. Berge über Berge. Hohe, spitze und mit Schnee bedeckte Berge und dazwischen das Meer und Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, die sich in einem Tal, grenzend an den Beagle-Kanal, befindet. (Der Beagle-Kanal ist der schmale Wasserstreifen, der hier Argentinien von Chile trennt.) Der Pilot hat sogar noch mal eine extra Runde über den Bergen bis nach Chile gedreht, deswegen konnten wir die Aussicht noch viel mehr genießen.
Ursprünglich wollten wir am selben Tag noch nach Chile übersetzen, um auf der kleinen Insel Navarino die südlichste Trekkingtour der Welt zu absolvieren. Dies stellte sich aber als äußerst kostspielig und aufwendig heraus, da die Fähre über hundert Euro pro Person One-Way kostete und etwaige Segler die nach Chile übersetzen einen Haufen Papierkram erledigen müssen, wenn sie Menschen mit nach Chile einführen. Daher haben wir kurzfristig noch ein Airbnb gebucht (also eine Ferienwohnung), in der wir für die Nacht bleiben konnten. Diese stellte sich sogar als äußerst gemütlich heraus, auch wenn am nächsten Morgen die Strom- und Wasserversorgung der ganzen Stadt kurzfristig ausfiel, und wir daraufhin beim Vermieter duschen durften.
Am nächsten Tag ging es früh morgens los, wir haben uns am örtlichen "Busbahnhof" eine Fahrt in den Nationalpark von Feuerland gekauft, in dem wir wandern wollten, und waren mittags dann schon am Eingang besagten Parks. Was mich dort beeindruckt hat, waren einerseits die coole Bewaldung, die dank des Klimas der deutschen zwar ähnelt, aber weitaus mediterraner und exotischer aussieht, und andererseits die offiziellen Straßen durch den Nationalpark, die so stark verstaubt waren, dass ein Meter des Wegesrandes nicht grün, sondern staubbedeckt-grau war. Übernachtet haben wir auf Campingplätzen des Nationalparks und ernährt haben wir uns von Reis, Linsen und Haferbrei, der am letzten Morgen von einem Teammitglied höflich abgelehnt wurde, weil er lieber gar nichts esse, als diese "Kotze". Ist ja auch nicht jedermanns Fall, dieser Haferbrei… Nach den Tageswanderungen waren wir trotzdem immer froh, am Campingplatz anzukommen und etwas essen zu können. Am dritten Tag haben wir sogar einen Berg bestiegen, der knapp 1000 Höhenmeter hatte. Da hab ich zum ersten Mal verstanden, warum ein Berg "keine Gnade" hat. Der letzte Teil, der nämlich aus Steinplatten, Stein und Steingeröll bestand, hat sich unglaublich gezogen, und man konnte nur einen Fuß vor den anderen setzten, um nicht frustriert aufzugeben. Als wir dann aber oben waren hat es sich absolut gelohnt, und wir waren alle froh, dass wir uns überwunden hatten, den Berg in Angriff zu nehmen.
Da der Nationalpark abgesehen von den wenigen offiziellen Wegen kaum auf eigene Faust erkundet werden kann, da der Wald und das Gesträuch viel zu dicht stehen und es auch nicht wirklich ein Ziel gäbe, war unser Aufenthalt im "Parque nacional Tierra del Fuego" am vierten Tag auch schon beendet und wir sind zurück nach Ushuaia gefahren.

Das war jetzt erst mal der erste Teil der Urlaubsberichterstattung. Bald werde ich hoffentlich auch den zweiten Teil schreiben und hochladen können.
Bis dahin wünsche ich euch allen einen schönen Winter, eine tolle Woche und bis bald.

Eure Lena

19.01.20

Gott zu suchen ist schwer

Iglesia Nuestra Senora del Nahuel Huapi in San Carlos de Bariloche Quelle: Carmen Heyer

Quelle: Carmen Heyer

Quelle: Julius Keinath

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte...
Manchmal ist es wirklich schwer, Gott zu finden. Für die, die ihn nie suchen mag das vielleicht kein Problem darstellen, aber für mich, die ich mit ihm aufgewachsen, erzogen und groß geworden bin, ist das eine Tatsache, die ich noch nicht so oft erlebt habe.
Ich suche ihn jetzt schon eine Weile, ich habe vergessen ab wann, aber eines Tages haben die Zweifel überhandgenommen und die Frage war nicht mehr "Vertraue ich Gott?", sondern "Gibt es Gott?". Ich finde das unglaublich schwer, zu hinterfragen was man als sicheren Boden betrachtet hat, und sich auch nur die Möglichkeit, die Antwort könnte "Nein" lauten, vor Augen zu führen. Denn dann würde nicht nur das ganze Kartenhaus zusammenbrechen, sondern auch der Tisch und der Raum und das Haus drum herum würden aufhören zu existieren. Denn wenn es keinen Gott gibt, worauf baue ich dann mein Fundament, worauf verlasse ich mich, für wen lebe ich dann und wieso mache ich das überhaupt???
Ich muss ehrlich sagen, diese Gedanken quälen mich schon eine Weile. Ich habe mir vorgenommen, Gott zu suchen und ihm wieder näher zu kommen, aber das gestaltet sich schwieriger als gedacht. In meinem Urlaub, aus dem ich kürzlich zurückgekommen bin, hatte ich das Gefühl ihn wieder gefunden zu haben... oder habe ich mir nur eingebildet dass es Gott war?!
Es war in einer Kirche in Bariloche, einem relativ bekannten Touristenort, der neben einem wunderschönen See auch unzählige Schokoladenfabrikanten vorzuweisen hat (denen ich natürlich allen einen Besuch abgestattet habe). Die Kirche ist von außen, meinem Geschmack nach zu urteilen nicht die Allerschönste. Klotzig und massiv und trotzdem spitz aber einfach nur trist und farblos. "Schlicht", wie ein Mitfreiwilliger es bezeichnete. Von innen jedoch bietet sich ein ganz anderes Bild. Die Klotzigkeit und Massivität bleiben bestehen, jedoch bieten die Fenster einen unglaublich bewegenden Kontrast dazu. Mit ihren strahlenden Farben, den Mustern und Geschichten die sie erzählen, ist es so, wie wenn sich die Schönheit den Ort zurückerobern will. Wie ein Gefängnis, in dem plötzlich ein Lied angestimmt wird.
In dieser Kirche setzte ich mich in eine Bankreihe und betete. Vielleicht war es Einbildung, vielleicht auch nicht, aber irgendwann fühlte es sich so an als hätte da jemand neben mir Platz genommen und würde mir Kraft geben. Ich finde solche Begegnungen immer sehr schön, auch wenn man sich nie sicher sein kann, ob man es sich nur eingebildet hat oder nicht. Aber spielt das eine Rolle?!

Liebe Grüße aus dem warmen Uruguay
eure Lena

01.01.20

Was ich hier eigentlich mache

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte...

Nach einer kurzen Pause zum letzten Blogeintrag möchte ich euch heute kurz erzählen was ich hier eigentlich mache, nachdem ich nicht in Bolivien im Mädcheninternat bin.
In Uruguay lebe ich jetzt mit Miriam in einem Haus, zusammen mit drei Mitbewohnerinnen, die witzigerweise alle aus verschiedenen Ländern kommen. Da ist Madeline aus den USA, Ivette aus Togo und Iréne, eine Einheimische aus Uruguay. Das ist manchmal recht amüsant weil wir, wenn wir in der einen Sprache nicht mehr weiter wissen, einfach in die nächste wechseln, um das gesuchte Wort dann in der anderen Sprache zu sagen. Wir sprechen zuhause hauptsächlich Englisch untereinander da wir das alle können, manchmal kommen wir aber auch im Spanischen weiter und dann ist man immer ein bisschen stolz, sich auf Spanisch verständigt zu haben. Mit Ivette, deren Muttersprache neben einer Afrikanischen Sprache auch Französisch ist, versuche ich auch ab und zu mein Französisch aufzufrischen, sie antwortet aber leider immer auf Englisch, weil sie das noch perfektionieren will, wie sie sagt.

Meine Arbeit ist jetzt eine ganz andere als sie es in Caranavi gewesen wäre. Ich arbeite jetzt nämlich in einer Schule für Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen und aus sozio-ökonomisch prekären Situationen. Für alle, die mit dieser Beschreibung wenig anfangen können (wie ich am Anfang) hier eine Kurzform: Die Schule ist offen für alle Schüler, die entweder eine Behinderung haben und deswegen eine spezielle Förderung benötigen, oder für all jene, die zuhause nicht die nötige Förderung und Unterstützung bekommen, sodass sie in der Schule nicht mitkommen und meist große Schwierigkeiten beim Lernen haben. Sie arbeiten hier in verschiedenen "Werkstätten", die versuchen ihnen möglichst erfolgreich handwerkliche Fähigkeiten beizubringen. Es gibt z.B. eine Schreinerei, Gärtnerei, eine Bäckerei oder auch Kunsttherapie. Am Ende des Schuljahres bekommen die Schüler dann alle eine Urkunde von der jeweiligen Werkstatt, in der sie mitgearbeitet haben. Damit soll erreicht werden, dass die Jugendlichen trotz fehlendem oder nur geringem Schulabschluss eine Zukunft haben und sich vielleicht in der entsprechenden Richtung Arbeit suchen können.

"Un lindo trabajo", eine schöne Arbeit wie unsere Chefin sagte, weil man sich über Verbesserungen freut, und das Schüler-Lehrer-Klima hier von Vertrauen und Liebe zeugt. Jeden Morgen nämlich kommen die Schüler an, und begrüßen erst mal alle Lehrer, Psychologen und Putzfrauen mit dem hier so üblichen Wangenkuss. Auch ich bekomme inzwischen von den meisten ein Begrüßungsküsschen, was die Integration sehr vereinfacht.

Leider haben Miriam und ich bis jetzt noch nicht so viel von der Arbeit dort mitbekommen, da wir erst drei Wochen vor Schuljahresende ins Projekt kamen, weil ich später ausgereist bin und sie aus Bolivien rausgeholt wurde. Ich hoffe aber dass wir im kommenden Schuljahr dann so richtig durchstarten können mit der Arbeit.


So, das war jetzt erst mal der grobe Überblick, der Rest kommt dann so nach und nach. Bis dahin wünsche ich euch ein frohes Neues Jahr, einen schönen Jahresbeginn und haltet die Ohren steif!
Eure Lena

24.12.19

Frohe Weihnachten aus Uruguay

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte,...

Ich schreibe hier zum ersten Mal auf meinem Blog am Heiligen Abend. Warum heute mag sich einer fragen. Nun, um ehrlich zu sein war das mein Termin, an dem ich spätestens etwas auf dem Blog schreiben wollte, und ich erledige wie immer alles auf den letzten Drücker. Aber abgesehen davon habe ich auch so grade viel um die Ohren. Ich bin inzwischen in Uruguay, für alle die die aktuellen Entwicklungen noch nicht ganz mitgekriegt haben werde ich in meinem ersten Zwischenbericht (Ende Januar) die Umstände erklären.
Hier ist wunderbares Sommerwetter, Weihnachten am Strand also. Wir (d.h. meine Mitfreiwillige Miriam und ich) werden Weihnachten in Montevideo, unserer jetzigen Heimatstadt und auch Hauptstadt von Uruguay mit zwei weiteren Freiwilligen aus Argentinien verbringen. Plätzchen haben wir selbstverständlich auch schon gebacken, auch wenn der Gasofen gewöhnungsbedürftig ist, und daher gut die Hälfte eine leichte Maximalpigmentierung hat, um es politisch korrekt auszudrücken. Weihnachten ohne Familie ist ein komisches Weihnachten. Das ist mir inzwischen klar geworden. Weihnachten ohne Jonny ist besonders hart. Ich weiß nicht, woran es liegt, an der Jahreszeit, an den Feiertagen oder einfach an den immer wiederkehrenden Wellen, aber gerade fehlt er mir besonders. Es kommt immer wieder hoch und ohne eigenes Zimmer und mit einem für jeden offen begehbares Wohnzimmer ist es schwer einen Rückzugsort zu finden, um der Trauer ihren Lauf zu lassen und danach wieder frei durchzustarten.
Neben den Weihnachtstagen planen wir gerade außerdem unseren Urlaub nach Feuerland mit anschließender Bustour durch Argentinien, daher der Stress.
Ich wünsche euch jetzt allen eine gesegnete und freundliche Weihnachten. Möge euch die Liebe leiten und möget ihr mehr Freude dabei empfinden, zu verschenken, als zu bekommen, weil man dann weiß dass man jemanden glücklich gemacht hat.
Wenn man sich fragt, wozu man das alles überhaupt macht, ein Studium, einen Beruf, ein Geschenk oder eben auch einen Freiwilligendienst, dann ist meine Antwort, um Liebe in die Welt zu bringen. Liebe und Freude, und um anderen Menschen ein Feuer ins Herz zu setzen, wenn diese grade zu schwach dazu sind, es sich selbst anzuzünden. Ich hoffe ihr findet die Tage die Möglichkeit dazu.

Liebe Grüße und lassts krachen, Lena!

09.08.19

Das bin Ich

Herzlich Willkommen auf meinem blog!

Ich bin Lena (das auf dem Bild nebenan, die rechte, nicht der Teddy ;)) und ich werde dieses Jahr nach Bolivien, Caranavi gehen. Ich komme aus BaWü und freue mich schon ungemein auf den Freiwilligendienst. In Bolivien werde ich leider erst ab November zu finden sein, da ich erst nach meinem Geburtstag, der im November ist, abreisen darf. Bis dahin werde ich die Tage in gespannter Erwartung und wachsender Panik vor einem vollkommen unbekannten Land verbringen.

Bis dahin, haltet die Ohren steif!
Eure Lena :)