Gott zu suchen ist schwer

Iglesia Nuestra Senora del Nahuel Huapi in San Carlos de Bariloche Quelle: Carmen Heyer

Quelle: Carmen Heyer

Quelle: Julius Keinath

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte...
Manchmal ist es wirklich schwer, Gott zu finden. Für die, die ihn nie suchen mag das vielleicht kein Problem darstellen, aber für mich, die ich mit ihm aufgewachsen, erzogen und groß geworden bin, ist das eine Tatsache, die ich noch nicht so oft erlebt habe.
Ich suche ihn jetzt schon eine Weile, ich habe vergessen ab wann, aber eines Tages haben die Zweifel überhandgenommen und die Frage war nicht mehr "Vertraue ich Gott?", sondern "Gibt es Gott?". Ich finde das unglaublich schwer, zu hinterfragen was man als sicheren Boden betrachtet hat, und sich auch nur die Möglichkeit, die Antwort könnte "Nein" lauten, vor Augen zu führen. Denn dann würde nicht nur das ganze Kartenhaus zusammenbrechen, sondern auch der Tisch und der Raum und das Haus drum herum würden aufhören zu existieren. Denn wenn es keinen Gott gibt, worauf baue ich dann mein Fundament, worauf verlasse ich mich, für wen lebe ich dann und wieso mache ich das überhaupt???
Ich muss ehrlich sagen, diese Gedanken quälen mich schon eine Weile. Ich habe mir vorgenommen, Gott zu suchen und ihm wieder näher zu kommen, aber das gestaltet sich schwieriger als gedacht. In meinem Urlaub, aus dem ich kürzlich zurückgekommen bin, hatte ich das Gefühl ihn wieder gefunden zu haben... oder habe ich mir nur eingebildet dass es Gott war?!
Es war in einer Kirche in Bariloche, einem relativ bekannten Touristenort, der neben einem wunderschönen See auch unzählige Schokoladenfabrikanten vorzuweisen hat (denen ich natürlich allen einen Besuch abgestattet habe). Die Kirche ist von außen, meinem Geschmack nach zu urteilen nicht die Allerschönste. Klotzig und massiv und trotzdem spitz aber einfach nur trist und farblos. "Schlicht", wie ein Mitfreiwilliger es bezeichnete. Von innen jedoch bietet sich ein ganz anderes Bild. Die Klotzigkeit und Massivität bleiben bestehen, jedoch bieten die Fenster einen unglaublich bewegenden Kontrast dazu. Mit ihren strahlenden Farben, den Mustern und Geschichten die sie erzählen, ist es so, wie wenn sich die Schönheit den Ort zurückerobern will. Wie ein Gefängnis, in dem plötzlich ein Lied angestimmt wird.
In dieser Kirche setzte ich mich in eine Bankreihe und betete. Vielleicht war es Einbildung, vielleicht auch nicht, aber irgendwann fühlte es sich so an als hätte da jemand neben mir Platz genommen und würde mir Kraft geben. Ich finde solche Begegnungen immer sehr schön, auch wenn man sich nie sicher sein kann, ob man es sich nur eingebildet hat oder nicht. Aber spielt das eine Rolle?!

Liebe Grüße aus dem warmen Uruguay
eure Lena

Was ich hier eigentlich mache

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte...

Nach einer kurzen Pause zum letzten Blogeintrag möchte ich euch heute kurz erzählen was ich hier eigentlich mache, nachdem ich nicht in Bolivien im Mädcheninternat bin.
In Uruguay lebe ich jetzt mit Miriam in einem Haus, zusammen mit drei Mitbewohnerinnen, die witzigerweise alle aus verschiedenen Ländern kommen. Da ist Madeline aus den USA, Ivette aus Togo und Iréne, eine Einheimische aus Uruguay. Das ist manchmal recht amüsant weil wir, wenn wir in der einen Sprache nicht mehr weiter wissen, einfach in die nächste wechseln, um das gesuchte Wort dann in der anderen Sprache zu sagen. Wir sprechen zuhause hauptsächlich Englisch untereinander da wir das alle können, manchmal kommen wir aber auch im Spanischen weiter und dann ist man immer ein bisschen stolz, sich auf Spanisch verständigt zu haben. Mit Ivette, deren Muttersprache neben einer Afrikanischen Sprache auch Französisch ist, versuche ich auch ab und zu mein Französisch aufzufrischen, sie antwortet aber leider immer auf Englisch, weil sie das noch perfektionieren will, wie sie sagt.

Meine Arbeit ist jetzt eine ganz andere als sie es in Caranavi gewesen wäre. Ich arbeite jetzt nämlich in einer Schule für Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen und aus sozio-ökonomisch prekären Situationen. Für alle, die mit dieser Beschreibung wenig anfangen können (wie ich am Anfang) hier eine Kurzform: Die Schule ist offen für alle Schüler, die entweder eine Behinderung haben und deswegen eine spezielle Förderung benötigen, oder für all jene, die zuhause nicht die nötige Förderung und Unterstützung bekommen, sodass sie in der Schule nicht mitkommen und meist große Schwierigkeiten beim Lernen haben. Sie arbeiten hier in verschiedenen "Werkstätten", die versuchen ihnen möglichst erfolgreich handwerkliche Fähigkeiten beizubringen. Es gibt z.B. eine Schreinerei, Gärtnerei, eine Bäckerei oder auch Kunsttherapie. Am Ende des Schuljahres bekommen die Schüler dann alle eine Urkunde von der jeweiligen Werkstatt, in der sie mitgearbeitet haben. Damit soll erreicht werden, dass die Jugendlichen trotz fehlendem oder nur geringem Schulabschluss eine Zukunft haben und sich vielleicht in der entsprechenden Richtung Arbeit suchen können.

"Un lindo trabajo", eine schöne Arbeit wie unsere Chefin sagte, weil man sich über Verbesserungen freut, und das Schüler-Lehrer-Klima hier von Vertrauen und Liebe zeugt. Jeden Morgen nämlich kommen die Schüler an, und begrüßen erst mal alle Lehrer, Psychologen und Putzfrauen mit dem hier so üblichen Wangenkuss. Auch ich bekomme inzwischen von den meisten ein Begrüßungsküsschen, was die Integration sehr vereinfacht.

Leider haben Miriam und ich bis jetzt noch nicht so viel von der Arbeit dort mitbekommen, da wir erst drei Wochen vor Schuljahresende ins Projekt kamen, weil ich später ausgereist bin und sie aus Bolivien rausgeholt wurde. Ich hoffe aber dass wir im kommenden Schuljahr dann so richtig durchstarten können mit der Arbeit.


So, das war jetzt erst mal der grobe Überblick, der Rest kommt dann so nach und nach. Bis dahin wünsche ich euch ein frohes Neues Jahr, einen schönen Jahresbeginn und haltet die Ohren steif!
Eure Lena

Frohe Weihnachten aus Uruguay

Hallo liebe Leser, Familie, Freunde, Bekannte,...

Ich schreibe hier zum ersten Mal auf meinem Blog am Heiligen Abend. Warum heute mag sich einer fragen. Nun, um ehrlich zu sein war das mein Termin, an dem ich spätestens etwas auf dem Blog schreiben wollte, und ich erledige wie immer alles auf den letzten Drücker. Aber abgesehen davon habe ich auch so grade viel um die Ohren. Ich bin inzwischen in Uruguay, für alle die die aktuellen Entwicklungen noch nicht ganz mitgekriegt haben werde ich in meinem ersten Zwischenbericht (Ende Januar) die Umstände erklären.
Hier ist wunderbares Sommerwetter, Weihnachten am Strand also. Wir (d.h. meine Mitfreiwillige Miriam und ich) werden Weihnachten in Montevideo, unserer jetzigen Heimatstadt und auch Hauptstadt von Uruguay mit zwei weiteren Freiwilligen aus Argentinien verbringen. Plätzchen haben wir selbstverständlich auch schon gebacken, auch wenn der Gasofen gewöhnungsbedürftig ist, und daher gut die Hälfte eine leichte Maximalpigmentierung hat, um es politisch korrekt auszudrücken. Weihnachten ohne Familie ist ein komisches Weihnachten. Das ist mir inzwischen klar geworden. Weihnachten ohne Jonny ist besonders hart. Ich weiß nicht, woran es liegt, an der Jahreszeit, an den Feiertagen oder einfach an den immer wiederkehrenden Wellen, aber gerade fehlt er mir besonders. Es kommt immer wieder hoch und ohne eigenes Zimmer und mit einem für jeden offen begehbares Wohnzimmer ist es schwer einen Rückzugsort zu finden, um der Trauer ihren Lauf zu lassen und danach wieder frei durchzustarten.
Neben den Weihnachtstagen planen wir gerade außerdem unseren Urlaub nach Feuerland mit anschließender Bustour durch Argentinien, daher der Stress.
Ich wünsche euch jetzt allen eine gesegnete und freundliche Weihnachten. Möge euch die Liebe leiten und möget ihr mehr Freude dabei empfinden, zu verschenken, als zu bekommen, weil man dann weiß dass man jemanden glücklich gemacht hat.
Wenn man sich fragt, wozu man das alles überhaupt macht, ein Studium, einen Beruf, ein Geschenk oder eben auch einen Freiwilligendienst, dann ist meine Antwort, um Liebe in die Welt zu bringen. Liebe und Freude, und um anderen Menschen ein Feuer ins Herz zu setzen, wenn diese grade zu schwach dazu sind, es sich selbst anzuzünden. Ich hoffe ihr findet die Tage die Möglichkeit dazu.

Liebe Grüße und lassts krachen, Lena!

Das bin Ich

Herzlich Willkommen auf meinem blog!

Ich bin Lena (das auf dem Bild nebenan, die rechte, nicht der Teddy ;)) und ich werde dieses Jahr nach Bolivien, Caranavi gehen. Ich komme aus BaWü und freue mich schon ungemein auf den Freiwilligendienst. In Bolivien werde ich leider erst ab November zu finden sein, da ich erst nach meinem Geburtstag, der im November ist, abreisen darf. Bis dahin werde ich die Tage in gespannter Erwartung und wachsender Panik vor einem vollkommen unbekannten Land verbringen.

Bis dahin, haltet die Ohren steif!
Eure Lena :)