• add Bericht Nr. 4

    Liebe Unterstützer, liebes GAW, liebe Leser,

    nun ist es leider soweit. Seit drei Wochen bin ich nun wieder in Deutschland und es heißt, das komplette vergangene Jahr im Abschlussbericht zusammenzufassen. Dafür fange ich ganz am Anfang an.

     

    Im September letzten Jahres fing ich mit meiner Arbeit am „ Instituto Evangélico Luis Siegel“ (IELS) an. Das IELS ist ein Institut im nördlichen Teil der Provinz Buenos Aires und beinhaltet einen Kindergarten, eine Grundschule und eine weiterführenden  Schule. Zu Beginn haben wir, meine Mitfreiwillige und ich, im Kindergarten gearbeitet. Dies galt als Eingewöhnungsphase um im März, als das neue Schuljahr anfing, in der Schule voll durchzustarten. Im November bin ich dann allerdings schon in eine Erste Klasse gegangen, wo ich von da an jeden Nachmittag war, bis die Sommerferien im Dezember anfingen. Ab März, als das neue Schuljahr anfing, habe ich meinen eigenen Stundenplan bekommen. Von da an war ich im Kindergarten und in der Schule tätig. Ich habe nicht nur die Deutschlehrerinnen tagsüber begleitet, sondern auch einmal in der Woche abends nach der Schule noch einen Zusatzdeutschkurs geleitet.

     

    Ein Jahr in einem fremden Land weit weg von seiner Familie und Freunden, hat immer Höhe- und Tiefpunkte. In den ersten paar Wochen wusste ich nicht so recht,  was ich machen kann im Kindergarten. Die Kinder kannten mich nicht und ich musste mich auch erst mal an die neue Situation gewöhnen. Zum Glück hatte ich keine Kommunikationsschwierigkeiten, sodass ich mich ohne Probleme verständigen konnte. Als die ersten Kinder von alleine auf mich zukamen und mir was gezeigt haben oder mit mir spielen wollten, war der Knoten geplatzt. Ich habe mich immer besser mit den Kleinen verstanden.

     

    Mein größter Tiefpunkt war, als das neue Schuljahr anfing, und die neuen Drei-Jährigen  in den Kindergarten kamen. Zum ersten Mal waren sie von ihren Eltern getrennt und darüber waren nicht alle glücklich. Da meine Mitfreiwillige zu dem Zeitpunkt krank war, hieß es zwei Wochen lang, jeden Tag acht Stunden das Weinen und das Schreien der Kinder anzuhören. In der Zeit habe ich nicht nur einmal an Zuhause gedacht und wie schön es wäre jetzt bei seiner Familie zu sein. Zum Glück wurde es besser und die Kinder gewöhnten sich immer mehr an das Leben im Kindergarten.

     

    Mein größter Höhepunkt war, als ich dann endlich in der Schule angefangen habe und somit so viele neue Schüler kennengelernt habe. Am Anfang arbeitete ich mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren, doch dann hieß es, Elf- und Zwölftklässlern im Deutschunterricht zu helfen. Dies war eine positive Abwechslung und ich habe es genossen mit fast Gleichaltrigen zu arbeiten.

     

    In dem Jahr habe ich nicht nur gelernt selbstständiger zu leben, sondern auch eher nach Hilfe zu fragen, wenn man mal Hilfe brauchte. Dies galt nicht nur für die Arbeit, sondern auch für das WG-Leben. Zum ersten Mal musste ich ohne Eltern den Haushalt schmeißen, sodass ein paar Fragen aufkamen, die dank meiner Mitbewohner geklärt wurden. Ebenfalls habe ich gelernt, wie man einem Nichtdeutschsprachigen die Sprache näher bringt ohne pädagogische Vorkenntnisse.Durch das gute Verhältnis zu den Schülern habe ich mich viel mit ihnen unterhalten, sodass ich auch mein Spanisch verbessern konnte. 

     

    Einer der besondersten Momente in meinem Jahr in Argentinien waren die Treffen mit den älteren Schülern, die mich auf ihre Geburtstagsfeiern eingeladen haben oder man ist einfach so zusammen essen gegangen. So haben ich mit Freude erkannt, dass ich mehr war als nur eine weitere Lehrkraft, die einem Deutsch beibringt. Ein weiterer besonderer Moment war es, als paar Drei-Jährige angefangen haben mich immer mit meinem Namen anzusprechen. 

     

    Ansonsten gab es noch viele Momente, die noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben. Das Musikfestival Lollapalooza, auf das ich mit meinen Mitbewohnern gegangen bin, das Seilspringen in den Pausen mit den Grundschülern und die letzte Woche auf der Arbeit, in der die Schüler mir hundert Mal sagten, ich solle doch bleiben. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Ich habe so viele Menschen kennengelernt und Freunde gefunden, mit denen ich in Kontakt bleibe um sich eventuell wieder zu treffen.  Ich durfte ein anderes Land, eine andere Kultur, kennenlernen, typisches Essen, wie z.B. Asado und Empanadas essen, und mit Argentiniern Mate trinken. Alles Dinge, die hier in Deutschland nicht so verbreitet sind. Das Jahr hat mir gezeigt, dass man mit kleinen Dingen viel Freude bereiten kann. Sei es mit einem Kindergartenkind an einem Tisch zu sitzen und ein Puzzle zu lösen oder auf dem Schulhof mit den Grundschülern Fußball zu spielen oder mit den Oberstufenschülern Witze machen. Dies werde ich auf jeden Fall mitnehmen für meine Zukunft. Auch die ersten Erfahrungen in einer Wohnung zu leben ohne Eltern, werden mir in Zukunft helfen. 

     

    Zum Abschluss möchte ich nochmal was über den argentinischen Peso berichten, den ich sehr interessiert verfolgt habe. Im Verlauf des Jahres ist der Kurs zum Euro immer weiter gestiegen und  darüber sind die Argentinier nicht so erfreut. Nun, nach der Prasidentschaftsvorwahl im August, ist der Kurs nochmal um 20 % gestiegen. Argentinien ist sehr hoch verschuldet und da die Schulden in Dollar sind, wird es immer schwieriger die Summe an argentinischen Pesos zusammen zu kriegen. Nun hat die Regierung Kapitalkontrollen eingeführt um zu schauen, wie viel Geld die Bevölkerung hat, um eventuell die Steuern anzuheben. Doch das hat die Bevölkerung so verunsichert, das sie schon vor Öffnung der Banken Schlange stehen, um ihr Vermögen abzuheben und es in Form von Bargeld lieber Zuhause lagern. Ich hoffe sehr, dass sich die Situation für das Land verbessert und das es irgendwann mal wieder schuldenfrei ist.

     

    Nun, am Ende meines Berichtes, möchte ich mich zu aller erst bei meiner Entsendeorganisation GAW bedanken, die das alles erst möglich gemacht haben. Danke auch an meine Eltern, die mich dabei unterstützt haben und mir nicht davon abgeraten haben. Und natürlich möchte ich mich auch noch bei meinen Spender bedanken. Ohne Euch wäre dies alles auch nicht möglich gewesen.

     

    Muchas gracias y un abrazo grande,

    Tim R.