Aleppo: "Selbst Brot ist schwierig zu bekommen."

Haroutune Selimian, Pfarrer der armenisch-evangelischen Bethelgemeinde in Aleppo und Präsident der Gemeinschaft armenisch-evangelischer Gemeinden in Syrien berichtet über die aktuelle Lage in Syrien unter den Auswirkungen der US-Sanktionen und der Corona-Pandemie:
Wir befinden uns im neunten Kriegsjahr. Die Situation ist nach wie vor katastrophal. Obwohl die Kämpfe bei uns in Aleppo weitgehend gestoppt sind, erlebt Syrien momentan eine der schlimmsten wirtschaftlichen und sozialen Krisen. Ohne Hilfe von außen gibt es keine Zukunft für uns. Das betrifft ein Ende des Krieges, der nicht in den Händen des syrischen Volkes liegt, die dringend notwendigen humanitären Hilfen, die Unterstützung zum Wiederaufbau und bei der Bildung, im Gesundheitswesen und bei der Infrastruktur, bei Wasser und Strom. Die ohnehin schlechten Lebensbedingungen in Syrien haben sich seit Mitte Juni aufgrund der US-Sanktionen ("Caesar-Act") noch einmal dramatisch verschlechtert. Eigentlich sollen die Sanktionen Mitglieder der Regierung treffen, doch sie treffen vor allem die syrische Bevölkerung. Die Sanktionen haben zu einer weiteren Entwertung des syrischen Pfund geführt. Es wird immer schwieriger selbst das tägliche Brot zu kaufen, geschweige denn Medikamente. Die Corona-Pandemie verschärft die Situation zusätzlich. Die Infektionslage in Aleppo ist derzeit nicht kontrollierbar. Allein unsere armenische Gemeinschaft hat bis jetzt mehr als 80 Corona-Tote zu beklagen. Außerdem sind in den letzten Wochen 75 Ärzte an Covid19 gestorben! Als Pfarrer versuche ich den mir anvertrauten Menschen, die sich mit Corona infiziert haben und im Krankenhaus sind, nahe zu sein. Ich bete mit ihnen. Ich will ihnen Nähe zeigen und sie ermutigen, die Hoffnung nicht zu verlieren, die aus dem Glauben kommt.