Unruhen nach Wahl in Kirgistan

Am vergangenen Sonntag fanden in Kirgistan, der zentralasiatischen Republik an der Grenze zu China, Parlamentswahlen statt. "Sie waren nicht wirklich transparent," berichtet Bischof Alfred Eichholz von der Ev.-Lutherischen Kirche in Kirgistan. "Das hat insbesondere bei den Oppositionsparteien für Unmut gesorgt." Danach kam es in der Hauptstadt Bischkek zu schweren Ausschreitungen mit Gewalt von beiden Seiten - so Eichholz.

Mehrere Oppositionsparteien hatten die Ergebnisse der Wahl nicht anerkannt und werfen der Regierung Stimmenkauf vor. Kirgisische Medien berichteten, dass Demonstranten öffentliche Gebäude besetzt hätten, darunter den Regierungssitz und das Rathaus in Bischkek. Häftlinge wurden befreit - so auch der ehemalige kirgisische Präsident Atambajew. Auch in anderen Städten, wie z.B. in Osh, kam es zu Unruhen. Außerhalb der Städte ist es ruhig.

"Wir hoffen sehr, dass es nicht wieder zu ethnischen Unruhen wie im Jahr 2010 kommt, oder zu Gewalt zwischen dem Norden und dem Süden des Landes," so Eichholz. "Keiner weiß, wie es weitergehen wird. Viele Seiten rufen zum Frieden auf, auch wir als lutherische Kirche. Wir beten, dass Gott helfen möge, dass die Menschen bei Besinnung bleiben. Gewalt darf nach Gottes Willen nicht sein! Als lutherische Kirche positionieren wir uns im Gebet, um zum Frieden und zur Verständigung aufzurufen." Die lutherische Kirche ist von der Gewalt derzeit nicht betroffen.

Kirgistan gilt als einziges demokratisch verfasstes Land in Zentralasien und damit als Leuchtfeuer in der Region. In letzter Zeit ist es aber zu Rückschritten in Bezug auf die Durchsetzung von Freiheitsrechten und die demokratische Durchführung von Wahlen gekommen. 

Nach Massenprotesten und der annullierten Parlamentswahl hat der umstrittene kirgisische Präsident Scheenbekow seinen Rückzug in Aussicht gestellt. Zuvor müsse aber ein neues Kabinett benannt werden. 

Bericht der Tagesschau nach den Unruhen in Kirgistan
https://www.tagesschau.de/ausland/kirgistan-praesident-101.html