Corona-Nothilfe in Valdivia

Mitten in der Corona-Krise hat die Lutherische Kirche in Valdivia ein Nothilfeprogramm entwickelt, es hilft bedürftigen Familien und gleichzeitig dem Einzelhandel in der Stadt.

Eine Konsequenz der Pandemie COVID-19 ist der Versuch vieler Institutionen Nothilfe-Programme zu etablieren. In ganz Chile sind unterschiedliche Initiativen entstanden, wie öffentliche Mittagstisch-Angebote in vielen Kirchengemeinden zu schenken. Viele Gemeinden stellen Lebensmittelkisten zusammen, die an bedürftige Familien, alte Menschen und Migrant*innen ausgegeben werden. Da das Ziel ist, vielen Menschen zu helfen, werden die Lebensmittel oft in großen Supermarkt-Ketten eingekauft, weil dort große Mengen zu günstigen Preisen abgegeben werden. Aber die Lutherische Gemeinde in Valdivia wählt einen anderen Weg.

Pfarrer Hemir Ochoa beobachtete, dass die Pandemie und die damit verbundene wirtschaftliche Krise nicht nur einkommensschwachen Familien schädigt, sondern auch der Einzelhandel, die kleinen Geschäfte unter den Bestimmungen leiden. Wegen der verordneten Quarantäne und der Infektionsschutzpolitik können sie ihre Geschäfte nicht öffnen und sie müssen einen dramatischen Umsatzrückgang verzeichnen. Ochoa sah zwei Herausforderungen: auf der einen Seite die bedürftigen Familien unterstützen, auf der anderen Seite den Einzelhandel zu stärken.  

„Die Idee kam von einem Mitglied unserer Kirchengemeinde, von Tanja von Arx. Sie stammt aus der Schweiz, und hat deshalb eine besondere Sensibilität für die Migranten, die in dieser Zeit ihre Arbeit verloren haben oder sonst in eine schwierige Lebenslage geraten sind. Am Anfang, im März, war die Idee, etwa 20 Familien für 3 Monate zu helfen. Aber jetzt ist es November und wir fahren mit unserer Unterstützung für aktuell 70 Familien bis zum Ende des Jahres fort. Mit Gottes Hilfe und der Arbeit in der Gemeinde war möglich, dieses Projekt anzugehen.“ Sagt Pfarrer Ochoa aus Valdivia.

Die Lutherische Gemeinde in Valdivia zeichnete sich schon früher durch seine Sorge um die Menschen in Not aus. Seit 1960 unterhält die Gemeinde ein Jugendhaus „Hogar Luterano“, das für Kinder und Jugendliche nach der Schule mit Betreuungsangeboten offensteht. Deshalb war es für die Gemeinde klar, dass sie, als sich das Ausmaß der Krise abzeichnete, eine konkrete Hilfe aufbauen wollte. „Die erste große Aufgabe für uns war, zu akzeptieren, dass wir nicht alle Menschen helfen können, weil unsere Kapazitäten begrenzt sind. Trotzdem wollten wir diese Hilfskampagne starten, auch mit dem Ziel, als Gemeinde und Gemeinschaft den Zusammenhalt zu spüren und einen positiven Sinn inmitten der Krise zu suchen“.

Seit März läuft das Hilfsprojekt der Kirchengemeinde. Durch Spenden aus dem In- und Ausland und Versteigerung von Artikeln, die die Menschen der Gemeinde geschenkt haben, ließ sich die Initiative verwirklichen. „Die meisten Einkäufe machen wir kleinen Geschäften in der Region. Außerdem versuchen wir alles „a Granel“ (ohne Plastikverpackungen) einzukaufen, um auch das Klima zu schützen.“ Regional einzukaufen ist der Kirchengemeinde wichtig, auch wenn die Preise teurer sind. Aber gerade in der Zeit, in der  jeden Monat viele kleine Geschäfte und Firmen (PYMES in Chile) ihre Türen schließen müssen, ist jede Unterstützung des Einzelhandels wichtig.

 

„Das Ergebnis dieser diakonischen Arbeit ist berührend“, sagt der Pfarrer Ochoa „zwei Mal pro Monat gehen die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Gemeinde durch die Stadt auf ihrer Hilfs-Route. Sie haben direkt Kontakt mit den Menschen und Familien. Die Familien erleben eine Gemeinde ‚nah an den Menschen‘. Sie sind dankbar für unseren Einsatz in den letzten Monaten, sie kennen unsere Mitarbeitenden mittlerweile gut. Viele sagen, dass sie unsere Kirche besuchen möchten nach dieser Krise. Auch wenn unser Absicht primär diakonisch war, hat die Arbeit doch auch eine missionarische Wirkung.“

Noch immer sind die Pandemie und ihre Konsequenzen nicht vorbei, und man merkt die Müdigkeit vieler einsatzbereiter Menschen. Die Gemeinde in Valdivia hält an ihrem Hilfsprojekt weiter fest. „Wir versuchen in diese Zeit der Pandemie, die Sicht zu verwandeln: Dass die Krise eine Chance für uns ist, um näher bei Gott und bei den Menschen in Not zu sein. Diese Nähe ist ein Geschenk Gottes“. Sagt Pfarrer Ochoa.