Bolivien

BOLIVIEN: Wir sind in Bolivien nicht auf die Pandemie vorbereitet!

Der ehemalige Kirchenpräsident der lutherischen Kirche in Bolivien ist sehr besorgt auf Grund der Corona-Pandemie. Sein Land ist nicht vorbereitet:
"Wir sind sehr besorgt in Bolivien, weil unser Land auf die Corona-Pandemie nicht vorbereitet ist. Es ist schwer, dass wir uns auf die neue Lebensweise und die Quarantäne anpassen. Viele Menschen – besonders die Armen - verstehen das Ausmaß der Pandemie immer noch nicht. Sie denken, dass es sich um ein politisches oder parteipolitisches Problem handelt. Einige Gruppierungen widersetzen sich deshalb der Quarantäne. Sie führen Märsche durch und protestieren. Es kommt dabei auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Es kam sogar dazu, dass Corona-Patienten nicht in Krankenhäuser eingeliefert und versorgt werden konnten.
Wir befinden uns in einer schwierigen Situation der Gewalt, der Angst und der Panik. Es gibt eine große Unsicherheit, Verwirrung und viel Kritik. Es gibt genügend, die aus der Situation politisch Profit gewinnen wollen durch Desinformation, Beleidigungen und Gewalt. Es gibt eine Ausgangsbeschränkung, aber was uns beunruhigt ist: Es gibt versprochene Hilfen des Staates für die Ärmsten in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen. Nur – viele werden gar nicht an die Hilfen herankommen. Und zudem sind wir als Land nicht gewappnet, um mit den Folgen der Pandemie umzugehen. Unser Gesundheitssystem wird kollabieren. Die Ärmsten der Armen werden am meisten mit den Konsequenzen leben müssen. Über 60% der Bevölkerung lebt zudem von informeller Arbeit. Sie haben kein Einkommen, wenn sie nicht arbeiten dürfen. Sie werden hungern.
Als lutherische Kirche versuchen wir, unsere Gemeindemitglieder aufzuklären, wie sie sich zu schützen haben. Die Gebiete, in den wir als Kirche arbeiten, werden wohl schwer betroffen sein, weil wir da sind, wo die Ärmsten der Armen leben.
Ich bete, dass der Herr uns begleitet und uns Kraft gibt, uns dieser globalen Pandemie zu stellen, mit der unsere Völker konfrontiert sind. Ich hoffe, dass wir das alles überstehen!"

Weitere Infos zur Corona-Nothilfe des Gustav-Adolf-Werkes:
https://www.gaw-wue.de/spenden/corona-nothilfe/

Förderung sozial-diakonischer Projekte

Bolivien

Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nahezu 60 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das hat sich auch seit der Wahl des ersten indigenen Präsidenten des Landes, Evo Morales Ayma, im Jahre 2005 nicht grundlegend geändert. Ein Großteil der Bevölkerung Boliviens sind einfache Bauern, die arm geblieben sind.

Viele lutherische Gemeinden gibt es auf dem Land. Hauptsächlich leben diese indigenen Gemeinschaften von Ackerbau und Viehzucht. Sie produzieren in der Regel nur für den eigenen Verbrauch.

Bedroht sind die indigenen Gemeinschaften durch Wassermangel, Migration in die Städte und durch Kolonisation von außen. Das betrifft insbesondere Zonen, die nicht auf dem Altiplano liegen. Kinder und Frauen sind die am stärksten Betroffenen der ökonomischen Krise und der gesellschaftlichen Veränderungen. Auch gibt es nach wie vor eine Diskriminierung derer, die nur ihre indigene Muttersprache beherrschen. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind dadurch benachteiligt. Lehrer sind oft nicht dazu ausgebildet, zweisprachig zu unterrichten. Die Kirche hat es sich zur Aufgabe gemacht, den benachteiligten indigenen Gemeinschaften solidarisch zur Seite zu stehen und sie durch Bildungsprogramme zu unterstützen, um ihre Lebenssituation zu verbessern.

In den Provinzen Larecaja, Batallas und Ayata sollen in Aymara- und Quechua-Gemeinden folgende diakonische Aktivitäten gefördert werden:

Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Ausbildung für Frauen im Umgang mit „Carpas Solares“ (Gewächshäuser), Anbaumethoden und handwerkliche Tätigkeiten. Auch sportliche Aktivitäten und Musikunterricht sollen gefördert werden.