Bolivien-Südamerika

1.098.581 km²                                                                                                                          

10.848.000 Einwohner

Die Hauptstadt ist Sucre mit 237.480 Einwohnern, während die Regierung ihren Sitz in La Paz hat. La Paz – hier leben 757.184 Menschen – liegt in einer Höhe von 3.200 bis 4.100 m und ist damit der höchstgelegene Regierungssitz der Erde.

Der Römisch-Katholischen Kirche, die weiterhin als staatlich bevorzugt gilt, gehören 78 % der Bevölkerung an, während die Protestanten mit einem Anteil von 16 % neben den Orthodoxen, Juden, Muslimen und vereinzelten Anhängern des Bahaismus eine deutliche Minderheit bilden.

Partnerkirche des GAW der EKD ist die BOLIVIANISCHE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (Iglesia Evangélica Luterana Boliviana – IELB)

mit ca. 18.000 Gemeindegliedern in 105 Gemeinden, 30 Filialen und 11 Distrikten (La Paz, Caranavi, Sorata, Viacha, Lago, Mocomoco, Muñecas, Franz Tamayo, Andino Norte, Charazani, Apolo). Von den insgesamt 146 Gemeindeleiterinnen und leitern, Laienpastoren und Evangelisten sind nur 26 ordiniert, davon zwei Frauen. Daneben gibt es fünf sog. Pastorinnen „autorizadas“.

Die IELB geht auf die Missionsarbeit von Missionaren der Liga de Oración y Misión Mundial aus den Vereinigten Staaten zurück, die im Jahr 1938 in Mocomoco ihre Tätigkeit begonnen hatten. Die Missionsarbeit richtete sich an Menschen indigener Herkunft, vor allem an Aymará, aber auch Quechua und Tieflandindianer, die die Mehrheit der Bevölkerung Boliviens ausmachen. Nachdem die US-amerikanischen Missionare 1972 Bolivien verlassen hatten, wurde die IELB noch im selben Jahr als selbstständige Kirche gegründet.Die Arbeit der IELB basiert größtenteils auf dem Laienpastorat. Auch ausgebildete Theologinnen und Theologen brauchen in der Regel einen weiteren Beruf, von dem sie leben können. Die Gemeinden sind kaum in der Lage, Gehälter für Pfarrer zu bezahlen.

30 % der Gemeindeglieder leben in den großen Städten. Häufig treibt die Not die Menschen dazu, in die Städte zu emigrieren. Für die Integration der Mitglieder, die in die Städte gehen, haben die Gemeinden Programme entwickelt, um sich diesen neuen Herausforderungen, insbesondere in Bildungsfragen, zu stellen.

Die Bolivianische Evangelisch-Lutherische Kirche ist Mitglied im Lutherischen Weltbund, im Ökumenischen Rat der Kirchen und im Lateinamerikanischen Kirchenrat. Neben der IELB gibt es weitere lutherische Kirchen in Bolivien: Iglesia Evangélica Luterana de Habla Alemana, Iglesia Cristiana Evangélica Luterana und Federación de Iglesias Evangélicas Luteranas. Im Kontext des Reformationsjubiläums 2017 ist unter dem Leitwort „Zur Gemeinschaft berufen“ eine gemeinsame Konsultation in Planung. Ziel ist es, zu einer stärkeren Zusammenarbeit unter den unterschiedlichen lutherischen Kirchen zu kommen.

 

 

Förderung sozial-diakonischer Projekte

 

Bolivien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nahezu 60 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das hat sich auch seit der Wahl des ersten indigenen Präsidenten des Landes, Evo Morales Ayma, im Jahre 2005 nicht grundlegend geändert. Ein Großteil der Bevölkerung Boliviens sind einfache Bauern, die arm geblieben sind.

Viele lutherische Gemeinden gibt es auf dem Land. Hauptsächlich leben diese indigenen Gemeinschaften von Ackerbau und Viehzucht. Sie produzieren in der Regel nur für den eigenen Verbrauch.

Bedroht sind die indigenen Gemeinschaften durch Wassermangel, Migration in die Städte und durch Kolonisation von außen. Das betrifft insbesondere Zonen, die nicht auf dem Altiplano liegen. Kinder und Frauen sind die am stärksten Betroffenen der ökonomischen Krise und der gesellschaftlichen Veränderungen. Auch gibt es nach wie vor eine Diskriminierung derer, die nur ihre indigene Muttersprache beherrschen. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind dadurch benachteiligt. Lehrer sind oft nicht dazu ausgebildet, zweisprachig zu unterrichten. Die Kirche hat es sich zur Aufgabe gemacht, den benachteiligten indigenen Gemeinschaften solidarisch zur Seite zu stehen und sie durch Bildungsprogramme zu unterstützen, um ihre Lebenssituation zu verbessern.

In den Provinzen Larecaja, Batallas und Ayata sollen in Aymara- und Quechua-Gemeinden folgende diakonische Aktivitäten gefördert werden:

Kinderbetreuung, Hausaufgabenhilfe, Ausbildung für Frauen im Umgang mit „Carpas Solares“ (Gewächshäuser), Anbaumethoden und handwerkliche Tätigkeiten. Auch sportliche Aktivitäten und Musikunterricht sollen gefördert werden.