Interview mit Hans Trein

Hans Trein arbeitet seit 2010 mit dem GAW in Sachen COMIN eng zusammen. Im Rahmen der Deliagtionsreise im April haben wir ihn in Sachen COMIN und der Arbeit zwischen Christen und Indigenen, auch im Rahmen der Fussball-WM, interviewt.

Lieber Hans Trein, bitte stellen Sie sich kurz vor!
Ich bin Brasilianer. Pfarrer in der evangelischen Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien. Ich bin dort geboren, aufgewachsen, habe dort Theologie studiert und habe die meiste Zeit Pfarrer  in Brasilien gelebt und gearbeitet. Zwischendurch habe ich 6 ½ Jahre in Kassel in bildungspolitischen Programmen gearbeitet und bin dann anschließend nochmals nach Brasilien zurückgegangen. Seitdem arbeite ich im Missionsrat unter und mit indigenen Völkern aus unserer Kirche.

Was ist genau Ihre Arbeit?
Acht Jahre lang hatte ich die Gesamtkoordination des Missionsrats inne. Der Missionsrat ist ein Forum, wo die Kollegen, die mit indigenen Völkern arbeiten, auf jetzt sieben Arbeitsfeldern in Brasilien die Gelegenheit haben, Ihre Anliegen und ihre Dilemmas zu besprechen und sich untereinander zu beraten, was denn die angemessensten Formen der Arbeit sind. Wir überlegen unter Berücksichtigung von Anthropologie und Theologie was unsere besondere Funktion und unser besonderer Beitrag als Kirche in der Mission mit Indigenen ist.

 Was kann dieser besondere Beitrag sein?
Ich schätze mal, dass der besondere Beitrag darin liegt, dass wir zunächst einmal mit den  indigenen Völkern, mit denen wir arbeiten, solidarisch umgehen. Der Beitrag besteht auch darin, dass wir uns dafür einsetzen, dass sie ihr originäres Recht auf Land bekommen und wir sie, wenn es um Fragen der Gesundheitsversorgung und der schulischen Erziehung geht unterstützen. Wir sollten die  Indigenen auch weiter unterstützen, wenn sie auf ihrem Land sind, wie sie z.B.  ihr Wirtschaften organisieren und vor allem durchgehend wie sie sich soweit selbst organisieren. Aber auch wie sie von außen ihre Kultur und ihre Selbstbestimmung weiter leben können.

Copyright Renate Gierus.

Hans Trein mit seiner Deligation, Merong, Jocelino und Renate Gierus.

Gibt es einen Widerspruch von Christ-Sein und índigen?
Ich finde, dass es keinen Widerspruch gibt. Ich denke, dass die indigenen Religionen zunächst an den- selben Schöpfergott glauben an den auch wir glauben. Und ich glaube, dass Gott sich den unterschiedlichen Völkern in unterschiedlicher Weise offenbart hat. Das führt dazu, dass wir auch frei sind, miteinander zu teilen, was unseren Glauben bewegt. Ich bin überzeugter Christ, das ist meine Tradition. Diewerde ich auch nicht verlassen. Ich fühle mich darin so sicher und so geborgen, dass ich mich nicht in Gefahr fühle, wenn ich mich anderen Leuten widme und offen bin für die Spiritualität, die sie erlebt und die Offenbarung, die sie von Gott bekommen haben. Im Comin arbeiten wir mit dem Konzept des interreligösen Dialoges. Dialog ist ja immer eine Kommunikation auf Augenhöhe und manchmal ist es notwendig, dass man erst diese Augenhöhe herstellt, um den interkulturellen und interreligiösen Dialog führen zu kommen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
In meinem Land wünsche ich mir, dass wir als kleine Minderheitskirche, eine Einwandererkirche, wo unsere Vorfahren auf indigenem Land angesiedelt worden sind, dass wir mit indigenen Völkern zunächst einmal uns für Reparation einsetzen damit Gerechtigkeit erscheint, dass die übrig gebliebenen Indigenen zu ihrem Recht kommen, zu überleben. Wichtig ist auch, dass auf der anderen Seite Kirchenmitglieder nachkommender Einwanderer, die jetzt zum Teil auf indigenem Land siedeln und in der dritten Generationen sind, nicht den Kürzeren ziehen und eine angemessene und generöse Entschädigung bekommen. Das heisst, wenn sie dann von indigenen Land gehen müssen, dass sie mit der Entschädigung ein neues Leben anfangen können. Insbesondere ist es wichtig, dass dieser ganze Prozess ein Versöhnungsprozess ist, der dann auch zu einem friedlichen Zusammenleben der unterschiedlichen Völker kommt.

Möchten Sie noch ewas zur WM sagen?
Die Fußballweltmeisterschaft ist ein großes Ereignis. Der brasilianische Staat hat sich angestrengt, dieses nach Brasilien zu „ziehen“. Die brasilianische Gesellschaft wurde nicht groß gefragt. Die größte Kritik, die dazu entstanden ist, ist ob die großen Investitionen, die in die Stadien gemacht worden sind und auch, dass bei uns einige Stadien an Stellen gebaut worden sind, die für die WM dienen und nachher keinen Nutzen mehr erleben werden. Wie z.B. in Manaus und Cuiaba, wo keine Fußballkultur ist. Anstelle hätte man dieses Geld anderswie verwenden können.

 Es gibt noch viele Missstände auf dem Gebiet von schulischer Erziehung, von Gesundheit hauptsächlich und letztlich auch immer mehr bei der öffentlichen Sicherheit. Also damit sage ich nicht, dass da mehr Polizei auf die Straße müsste, aber die öffentliche Sicherheit ist ja bekanntlich auch ein strukturelles Problem, das daher rührt, dass Menschen in Unsicherheit geraten und ihnen ihre Lebensgrundlagen genommen werden und sie dann auch möglicherweise in die Kriminalität abdriften.
Ich selber bin ein Fußballfan, ich gucke sehr gerne Fußball und spiele sehr gerne Fußball. Ich werde auch die WM-Spiele nach Möglichkeit im Fernsehen sehen und natürlich mich dafür begeistern, wenn Brasilien Weltmeister wird. Aber das ist nicht gesichert. Es gibt sicherlich viele andere Mannschaften, die auf einer Ebene spielen, dass sie das durchaus anstreben können Weltmeister zu werden.

Das Interview mit Hans Trein führte Yvonne Hügele am 09. April 2014 in Wolfschlugen.