Estland-Nordost-Europa

45.227 km²                                                                                                                                       1.314.000 Einwohner

Die Hauptstadt ist Tallinn (Reval) mit 413.782 Einwohnern. 70 % der Bevölkerung sind Esten, 25 % Russen, 5 % andere Nationalitäten. Nur 16 % der Bevölkerung bekennen sich zum orthodoxen und 10 % zum lutherischen Glauben. Religiöse Minderheiten sind Katholiken, Juden und Muslime.

Partnerkirche des GAW der EKD ist die

ESTNISCHE EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE (Eesti Evangeelne Luterlik Kirik – EELK)

mit 159.816 getauften Lutheranern (davon 29.022 Gemeindeglieder) in zwölf Propsteien, 167 Gemeinden mit 43 Pfarrerinnen und 173 Pfarrern in Estland sowie mit fünf Propsteien und 35 Gemeinden im Auslandsbistum (seit 2010).

Eine organisierte Kirche entstand auf dem Gebiet des heutigen Estlands im   13. Jahrhundert im Zuge der Eroberung durch Dänen und Deutsche. Die Reformation erreichte das Land nach 1521. Unter der schwedischen Herrschaft im 17. Jahrhundert wurde Estland fast vollständig lutherisch. Starke Einflüsse auf die Frömmigkeit in Estland übten im 18. und 19. Jahrhundert Gemeinden der Herrnhuter Brüdergemeine aus.Die EELK ist 1917 aus der bis dahin nach schwedischen und russischen Kirchengesetzen organisierten Landeskirche entstanden. Der Kirche gehörten damals 127 Gemeinden mit 920.000 Gliedern an.

Von der Gliederzahl her ist die EELK während der sowjetischen Annexion eine Minderheitskirche geworden. 2010 vereinte sich die EELK mit der Estnischen Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses. Diese Auslandskirche, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges als Flüchtlingskirche entstanden war, wurde als Auslandsbistum in die EELK integriert.

Die Kirche ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen, des Lutherischen Weltbundes, der Konferenz Europäischer Kirchen, der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und der Porvooer Gemeinschaft.

 In Tallinn besteht eine deutschsprachige lutherische Gemeinde – mit Gemeindegruppen in Tartu, Haapsalu und Viljandi –, die in die EELK integriert ist.

Das Diakoniehaus in Harju-Risti (Estland) ist eine Kleiderkammer, ein Treffpunkt und Zuhause einer syrischen Familie

Die lutherische Gemeinde Risti in Nordestland erstreckt sich über 18 Dörfer. Die Gemeinde wächst, was für estnische Landgemeinden recht untypisch ist. Die Zahl der Gemeindeglieder hat sich seit 2003 auf rund 300 verdreifacht. Mit ihrer Kinder- und Jugendarbeit sowie mit kreativen, niederschwelligen Angeboten wie die „Pfefferkuchennacht“ in der Adventszeit geht die Gemeinde auch auf kirchenferne Familien zu.

In den letzten Jahren ist die Rolle der Diakonie in der Gemeinde zunehmend wichtiger geworden, denn in ländlichen Gebieten Estlands haben die Hilfsbedürftigen wenig Zugang zu sozialen Dienstleistungen. 2014 kaufte die Gemeinde ein ehemaliges Schulhaus, das schon seit Jahren leer gestand. Gleich im selben Jahr wurde ein „Zimmer des Freundes“ eröffnet, wo gegen Spenden gebrauchte Möbel und Kleider erhältlich sind. Daneben ist ein Tageszentrum für ältere Menschen entstanden. Das Gebäude wird Schritt für Schritt zu einem Diakoniezentrum ausgebaut und auch mit Notunterkünften ausgestattet.

Seit sieben Monaten ist das Diakoniehaus das neue Zuhause einer geflüchteten Familie aus Syrien mit zwei Kindern. Eine Unterstützergruppe um die Gemeindepfarrerin Annika Laats kümmert sich darum, dass sich die Familie nach Strapazen des Krieges wieder wohlfühlt und nicht einsam wird. „Sie sagen, dass wir ihre neue Familie sind“, erzählt Pfarrerin Laats mit Freude. „Und wir sind durch sie reicher geworden.“ Die Mutter der Familie bäckt syrische Leckereien für Gemeindeveranstaltungen und hilft als Freiwillige im Kindergarten und im „Zimmer des Freundes“ mit. Der Vater beherrscht inzwischen perfekt die hohe Kunst der Ofenheizung in den Gebäuden der Gemeinde und baut Bienenstöcke. Die Kinder haben in der Schule und im Kindergarten schon viele neue Freunde gewonnen, die bei der Familie ein- uns ausgehen.

Das Diakoniehaus ist leider noch an vielen Ecken sehr renovierungsbedürftig. Die Gemeinde bittet um Unterstützung für die Erneuerung der Heizung im „Zimmer des Freundes“ und beim Bau von Sanitärräumen.