Neuigkeiten von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien von Juli – August 2019

DAS JUBILÄUM DER FRIEDENSGEMEINDE IN RUSTAWI

Am 8. Juni 2019 haben wir in der Friedensgemeinde Rustawi das 20-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung des Gemeindehauses gefeiert. Die Geschichte der Wiedergeburt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien hat aber viel früher angefangen. Am 5. Mai 1991 wurde im «Tifliser Abendblatt» (Wecherniy Tbilisi) eine Einladung für ethnische Deutsche zu einem gemeinsamen Treffen veröffentlicht. Daraufhin sind 100 Menschen in die Schule Nr. 51 in der Barnov Strasse gekommen. So wurde die Assoziation der Deutschen Georgiens «Einung» gegründet, und bald danach erfolgte nach 70 Jahren der Repressionen und des Verbotes auch die Wiedergeburt der lutherischen Gemeinden in Tbilissi, Rustawi und Gardabani.

Es hat eine symbolische Bedeutung, dass sich am 8. Juni in der Friedensgemeinde Rustawi wieder 100 Menschen versammelt haben. Dieses mal waren unter ihnen allerdings nur noch wenige ethnische Deutsche, die meisten waren Vertreter der lutherischen Gemeinden aus Tbilissi, Bolnisi und Borjomi. Es waren Menschen aus unterschiedlichen Nationalitäten, die gekommen waren, um ihren Brüdern und Schwestern im Glauben zum Jubiläum zu gratulieren.

Die Gemeinde Rustawi hat ihre Tätigkeit im Jahre 1996 angefangen, ihre ersten geistlichen Leiter waren Pastor Harry Asikow und Bischof Gert Hummel. Zuerst versammelte man sich in den Häusern von Gemeindegliedern. Später hat der Direktor der Schule №3 in Rustawi Wladimir Girin erlaubt, einmal im Monat zum Gottesdienst in einer Schulklasse zusammen zu kommen. Dann diente eine Zeit lang die Musikschule als Versammlungsort für die Gemeinde. Die Gemeinde war ein Ort der Zusammengehörigkeit und der Freundschaft. Auf Initiative und mit Unterstützung von Bischof Hummel wurde im Juni 1999 der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Walerij Babaew nahm aktiv am Bau teil und nach der Einweihung der Kirche wurde er von Bischof Hummel als Lektor (Prediger) eingesegnet. Im Laufe von 20 Jahren übte Walerij seinen geistlichen Dienst und die Pflichten des Hausmeisters der Kirche aus, und seine Frau Larisa Babaewa war die Vorsitzende des Gemeinderates und Lehrerin an der Sonntagsschule.

 

 

Neuigkeiten von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien vom April 2019

Im letzten Jahr hat die Synode der Kirche eine neue Satzung und Struktur für das “Evangelisch-Lutherisches Diakonische Werk in Georgien” (ELDWG) beschlossen. Zu dieser Struktur gehört ein neu geschaffener “Diakonischer Rat” als Aufsichtsgremium, dem fünf stimmberechtigte Mitglieder angehören. Von der ersten Sitzung des Diakonischen Rates berichtet die neu gewählte Vorsitzende:

Mein Name ist Eva Maria Knirsch, ich wohne seit einem halben Jahr in Tbilisi und ich bin die Vorsitzende des neu gegründeten Diakonischen Rates, der die diakonische Arbeit der Ev.-Luth. Kirche in Georgien begleitet und steuert.
Wie Sie wissen, wird der Großteil der diakonischen Arbeit (Altenheim, warme Mittagessen, Lebensmittelpakte und häusliche Pflege) von privaten Spendern aus Deutschland finanziert.
Mein Vater, der in München lebt, bezahlt zum Beispiel jeden Monat fünf Lebensmittelpakete aus seiner Rente. Es geht nun darum, diese privaten Spenden so gut wie möglich einzusetzen, so dass die Schwächsten und Ärmsten davon profitieren.

Der Diakonische Rat hat sich vom 13.-15. März zu seiner konstituierenden Sitzung in der Versöhnungskirche getroffen. Zwei Mitglieder des Rates, Herr Jörg Rauber und Herr Johannes Flothow, sind aus Deutschland angereist, außerdem sind Pastorin Albina Sotova aus Tbilisi und Gayana Melkonyan aus Rustavi Ratsmitglieder. Frau Christiane Hummel ist beratendes Mitglied und es war besonders gut, dass sie bei den Sitzungen dabei sein konnte. Der Diakonische Rat hat Bischof Markus Schoch zum Geschäftsführer des Diakonischen Werkes gewählt.
Zusammen mit Maya Gocadze und Madonna Urkevich haben wir uns die einzelnen Bereiche der diakonischen Arbeit angesehen. Wir sind beeindruckt von dem, was die Mitarbeiter hier leisten: Im Altenheim, in der Küche, bei den Lebensmitteltüten und in der häuslichen Pflege. Hier wird bedürftigen Menschen, vor allem den Gemeindemitgliedern, tagtäglich ganz praktisch geholfen. Wir haben darüber gesprochen, was die Mitarbeiter im Altenheim und in der Pflege brauchen und welche Ausstattung, Hilfsmittel oder auch Fortbildung sie benötigen, um gerade die schwierige Pflegearbeit leisten zu können.

Die Spender in Deutschland erwarten natürlich, dass die Spendengelder den wirklich Bedürftigen zu Gute kommen. Das heißt auf der anderen Seite, dass jeder, der die Hilfen der Diakonie in Anspruch nimmt, selbst so viel von den Kosten übernimmt, wie er tragen kann. Wir wollen die diakonischen Hilfsangebote der Ev.-Luth. Kirche in Georgien erhalten und in den Bereichen, in denen Hilfe am dringendsten benötigt wird, sogar ausbauen. Dafür wollen wir im Rat und mit Ihnen gemeinsam arbeiten.

 

 

Neuigkeiten von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien vom März 2019

Bienchen flieg herum
Eltern-Kind-Gottesdienst der Expatriates in der Versöhnungskirche

Der fünfjährige Phillip hat sich heute schick gemacht. Er hat den guten roten Sonntags-Pullover angezogen und die blonden Haare mit Haar-Gel in die richtige Form gebracht. Zusammen mit seinen Eltern und den anderen Kindern und Erwachsenen singt er aus voller Kehle mit: „Vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang, sei gelobet der Name des Herrn.“ Beim Stichwort „Aufgang“ reißt er begeistert die Arme in die Höhe, bei „Niedergang“ geht er zusammen mit den anderen in die Hocke. Ein schönes Eingangslied für den Eltern-Kind-Gottesdienst in der Versöhnungskirche am Samstag, den 16. Februar, zu dem Bischof Markus Schoch in Tiflis lebende deutschsprachige Familien mit Kindern eingeladen hatte. Alle stehen im Kreis und singen mit. Phillip und seine kleine Schwester und dann noch vier andere junge Elternpaare und Mütter mit insgesamt neun Kindern im Altern von einem Jahr bis zu sechs Jahren.
Also ganz schön was los beim Eltern-Kind-Gottesdienst in der Versöhnungskirche! Neun Kinder, das heißt Durcheinanderkrabbeln, neugierig Taschen und Jacken untersuchen und zwischendurch auch mal ein bisschen Fangenspielen. Alles erlaubt, wenn Gottes kleinste Geschöpfe zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern.
Aber dann wird es doch ruhiger. Bischof Schoch macht es spannend. Er erzählt die Geschichte von einem kleinen Land namens Slowenien, in dem wunderschöne Berge und Wiesen unter einem blitzeblauen Himmel leuchten. Das ist das Stichwort für eine der Mütter, die eine ganze Mappe voll Tierbilder mitgebracht hat. Von Tieren, die in diesem Land beheimatet sind. Nun sind die Kinder mit Feuer und Flamme dabei. Die Bilder sprechen sie an. „Das ist doch ein Hund!“ „Nein, ein Bär!“ Und wie heißt dieses Tier mit dem weißen Schweif und dem stolzen Hals? „Ein Pferd!“ „Richtig!“ Und dann kommt noch der Star der Tierwelt aus diesem kleinen Land irgendwo in weiter Ferne. Es ist gleichzeitig das kleinste der heute vorgestellten Tiere: Die Biene, die im Laufe des Nachmittags noch eine ganz besondere Rolle spielen wird. Doch dazu später. Wie macht doch gleich die Biene? Richtig! Summ, Summ, Summ! Jetzt aber wieder auf die Beine, denn dazu gibt es doch auch ein schönes Lied. Kennen Sie es? „Summ, summ, summ, Bienchen flieg herum“. Bischof Schoch stimmt wieder an und alle stehen im Kreis und singen fröhlich mit.
Und da hier Groß und Klein einen besonderen Gottesdienst feiern, darf natürlich auch ein Gebet nicht fehlen. Und auch das ist ein Lied: „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang, und meinen Gott lobe und meinen Gott loben, solange ich bin!“ Eine der Mütter hat eine Gitarre dabei. So klappt es mit dem Singen noch besser. All sich zum Schluss dann alle an die Hände fassen und Bischof Schoch zusammen mit den Erwachsenen das Vater Unser anstimmt und den Segen spricht, stehen dann wirklich alle für einen Moment still und andächtig zusammen unter dem Kreuz der Versöhnungskirche.
Auch wenn damit der Eltern-Kind-Gottesdienst zu Ende geht, der gemeinsame Nachmittag ist es noch lang. Jetzt gehen alle rüber in die Bibliothek. Zum Basteln für die Kleinen und zum Klönen für die Erwachsenen. Für das leibliche Wohl ist auch gesorgt. Kuchen und Obst, Saft, Tee und Kaffee stehen bereit. Und dann hat die kleine Biene ihren zweiten großen Auftritt an diesem Nachmittag. Die Kinder bekommen Klorollen, gelbes Krepppapier, Pappen und Kleber in die Hände und legen begeistert los. Eine Stunde später halten Phillip und die anderen Kinder selbstgebastelte Papp-Bienen in den Händen und laufen damit durch den Raum. Dazu klingt es aus allen Ecken: Summ, Summ, Summ. Die Erwachsenen haben derweil einen Becher Kaffee oder Tee in der Hand und klönen über das, was sie gerade beschäftigt, sei es die Arbeit oder Privates.
Eltern-Kind-Gottesdienst in der Versöhnungskirche. Ein schönes Zusammensein geht zu Ende und Bischof Schoch verspricht, das es spätestens in zwei Monaten wieder heißen wird: Klein und groß sind herzlich willkommen zum Gottesdienst und anschließendem Beisammensein in der Versöhnungskirche in Tiflis.

 

 

Highlights aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien

Gajane Melkonjan berichtet: Im November fand in der Friedensgemeinde Rustawi ein gemeinsamer Kindergottesdienst für die Kinder der Sonntagsschulen Tbilisi und Rustawi statt zum Thema “Jesus segnet die Kinder”. Solche Treffen sind notwendig, sie bereichern und verbinden. Gemeinsame Kinderfeste ermöglichen uns, etwas Verlorenes in der heutigen kalten Welt wieder zu entdecken – die Liebe Christi. Die Heranführung der Kinder in spielerischer Form zum Gottesdienst ist ein wichtiges pädagogisches Element in den Sonntagsschulen. Gerade so können kleine Kinder erfahren, dass Jesus immer bei ihnen ist, Er hört und liebt sie, Er schützt sie auf ihrem kindlichen Lebensweg. Durch solche Veranstaltungen haben die Kinder nicht nur Gemeinschaft untereinander, sondern sie erfahren auch vieles Neues durch neue Lehrer. So bemühen wir uns, die Kinder vom Bösen und von der Grausamkeit der Welt, die uns umgibt, fernzuhalten, und wir bringen sie auch vom Computer weg. Viele Eltern sind deswegen sehr besorgt, haben aber noch keine Alternative gefunden. Und wir machen erste Schritte, um den Kindern einen lebendigen Umgang miteinander beizubringen

Neuigkeiten von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien vom November 2018

Maia Gotsadze berichtet von dem traditionellen Gemeindefest der Lutherischen Kirche und der Diakonie:
Dieser Tag ist immer etwas Besonderes, aber dieses Jahr war er außergewöhnlich: zum Fest besuchte uns eine große Delegation der Synode der Württembergischen Landeskirche.
Wie immer fand am Anfang eine Andacht in der Kirche statt, danach begaben sich die zahlreichen Gäste in den Kirchhof.
Draußen war der Kirchhof kaum wieder zu erkennen, so schön war er geschmückt. Die Gemeindeglieder aus Tbilisi, Baku, Rustawi, Bolnisi, Gardabani und Borjomi veranstalteten mit ihren Bastelarbeiten und Lebensmitteln eine Verkaufsausstellung. Erstmals nahm eine Pfadfinder-Gruppe teil und verkaufte selbst angefertigten Schmuck. Von unseren Mitarbeiterinnen gebackene Kuchen und original schwäbische Maultaschen ergänzten die Angebote.
Die Kinder der Sonntagsschule und der Kirchenchor unter der Leitung von Natalia Tschaganava sangen Lieder, Robert Merabov begleitete das Fest mit seinem Akkordeon. Überall gab es fröhliche Gesichter, überall hörte man Gelächter und es herrschte eine gelöste Stimmung – wie es eben bei einem Fest sein soll.
Anders als sonst fand nach dem Fest der jährliche Empfang statt. Anwesend waren der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Herr H. Knirsch, die Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Menschenrechte Frau S. Kiladze, sowie Vertreter anderer Konfessionen und des Sozialdienstes der Stadtverwaltung des Tschughureti-Bezirks. Zum Beginn des Empfangs sprachen der Bischof der Ev.-Luth. Kirche Markus Schoch, der erste stellvertretende Präsident der Synode der Württembergischen Kirche Herr W. Stepanek, der Apostolische Nuncius Erzbischof Jose A. Bettencourt, und Kirchenrat K. Rieth.
Der Tag verlief erfreulich und gelungen. Der Besuch solch hochrangiger Gäste auf unserem Kirchenfest und ihr warmes, freundliches Verhältnis uns gegenüber lässt uns hoffen, dass unsere Partnerschaft mit der Landeskirche in Württemberg noch viele Jahre andauern wird.

Kirchenbote der Evang. Luth. Kirche in Georgien

Mai 2018

Liebe Leserinnen und Leser!

Der Monat April war in unserer Kirche gefüllt mit vielen interessanten und wichtigen Veranstaltungen: das Seminar für kirchliche Mitarbeiter in Kvareli mit dem Rektor des Theologischen Seminars unserer Kirche in St. Petersburg, Dr. Anton Tichomirov. Und unsere traditionellen „Luther-Tage“, bei denen wir spannende Vorträge hören und Neues lernen konnten.
Da beide Veranstaltungen schon zur Zeit des Redaktionsschlusses lagen, werden wir darüber ausführlich erst in der nächsten Ausgabe des „Kirchenboten“ berichten können.
Außerdem setzen wir in dieser Ausgabe unsere kleine Serie fort, in der Menschen berichten, wie sie den Weg in unsere Kirche gefunden haben und was ihnen am Gemeindeleben wichtig ist: dieses mal sind es Mitglieder unserer Gemeinde in Gardabani. ...    >>> weiterlesen

Kirchenbote der Evang. Luth. Kirche in Georgien

Ausgabe März 2018

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir freuen uns, Ihnen die neue Ausgabe des Kirchenboten für den Monat März vorzustellen.
Wir blicken auch in dieser Ausgabe noch einmal zurück in die Geschichte, die auch noch unsere Gegenwart berührt:
sie finden einmal einen Beitrag über „Deutsche in der Stadt“ Tiflis von Dailda Letodiani, der einen Bogen von der Vergangenheit bis in unsere Tage schlägt. Und dann haben wir eine Journalistin aus Rustavi um einen Beitrag über die Geschichte ihrer Stadt gebeten. Für manche wird es neu sein darin zu erfahren, welchen großen Beitrag gerade auch Deutsche beim Aufbau der Stadt geleistet haben. In Rustavi ist heute die größte lutherische Gemeinde außerhalb von Tiflis. Von einer dort geplanten interessanten Aktion berichtet der Hausmeister der Gemeinde Paata Tchichradse. Über eine interessante Möglichkeit für junge Menschen, durch unsere Kirche im Ausland neue Erfahrungen zu sammeln, schreibt Anuki Korkotadze. Und dann wollen wir mit dieser Ausgabe eine kleine neue Serie beginnen. Wir haben zwei Gemeindeglieder, ein jüngeres und ein älteres, darum gebeten uns davon zu erzählen, wie sie ihren Weg zu uns in die Kirche gefunden haben und was das für ihr Leben bedeutet.Wir würden diese kleine Serie in den nächsten Ausgaben gerne fortsetzen.  <<< weiterlesen