Griechenland-Südost-Europa

131.957 km²                                                                                                                                10.958.000 Einwohner

Die Hauptstadt ist Athína (Athen) mit 3.168.036 Einwohnern (rund vier Millionen im Großraum Athen/Piräus). 95 % der Bevölkerung Griechenlands gehören zur Griechisch-Orthodoxen Kirche, die seit 1833 den Status einer Staatskirche mit weitreichender staatlicher Finanzierung genießt. Zu den religiösen Minderheiten zählen Muslime, Katholiken, Protestanten und Juden.

Partnerkirchen des GAW der EKD ist die GRIECHISCH-EVANGELISCHE KIRCHE mit ca. 5.000  Gemeindegliedern in 32 Gemeinden mit 17 Pfarrern.

Die Gründung evangelischer Gemeinden in Griechenland geht auf griechisch- stämmige Missionare zurück, die Anfang des 19. Jahrhunderts von Studienau-fenthalten aus den Vereinigten Staaten zurückkehrten. Sie machten den evangelischen Glauben unter der griechischsprachigen Bevölkerung des damaligen Osmanischen Reichs bekannt. Die Gemeinden auf dem Gebiet der heutigen Türkei verließen diese Gebiete in den 1920er Jahren als politische Flüchtlinge und bildeten im Jahr 1924 gemeinsam mit Gemeinden in Griechenland die Griechisch-Evangelische Kirche. Die 32 Gemeinden der Kirche sind heute über das gesamte Land und einige Inseln verstreut und werden von 17 Pfarrern betreut. Im Raum von Athen, Thessaloniki und Alexandroupolis bestehen Zentren dieser Kirche mit größeren Gemeindegruppen.

45 km südwestlich von Thessaloniki, in Katerini, befindet sich die größte Gemeinde der Griechisch-Evangelischen Kirche mit etwa 2.000 Gemeindegliedern. Zudem bestehen Auslandsgemeinden, u. a. in Deutschland und den USA, die von griechischen Auswanderern gegründet worden sind.

Zahlreiche Gemeinden der Griechisch-Evangelischen Kirche leisten seit Jahren eine umfangreiche sozialdiakonische Arbeit mit Suppenküchen, Kleiderkammern und Waschgelegenheiten. Mehrere Gemeinden engagieren sich in Roma-Siedlungen, u.a. für Bildungsmöglichkeiten und für Gesundheitsvorsorge. Vor allem in Athen und im Norden Griechenlands nahe der Grenze kümmern sich die Gemeinden intensiv um Flüchtlinge, die Griechenland passieren. Diese werden mit Essen und Kleidung versorgt und in Notfällen vorübergehend untergebracht.

Die Griechisch-Evangelische Kirche ist Mitglied der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, des Ökumenischen Rates der Kirchen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.

Welche Perspektiven haben Flüchtlinge in Mylotopos?

Leipzig / Mylotopos, 27.04.2018

Seit drei Jahren arbeiten im Norden Griechenlands, in Mylotopos, viele Freiwillige der griechisch evangelischen Kirchengemeinde  ehrenamtlich, um Flüchtlingen zu helfen. Es begann in Idomeni. Regelmäßig fuhren sie in dieses riesige Flüchtlingslager und brachten Lebensmittel und andere notwendige Dinge für das tägliche Überleben. Dann entschlossen sie sich, Menschen aus den Flüchtlingscamps herauszuholen - meist schwangere Frauen und Familien mit kleinen Kindern. Inzwischen sind 18 Flüchtlinge in Mylotopos untergekommen. Das GAW hat mit Unterstützung der württembergischen Landeskirche mehrere Wohnungen hergerichtet. Diese sind bezogen. Die Flüchtlinge haben sich gut in die Dorfgemeinschaft in Mylotopos integriert. Eine Sozialarbeiterin ist angestellt und kümmert sich um die täglichen Bedürfnisse und Behördengänge. Ein Problem: Es gibt in Mylotopos keine Arbeit. Die Region ist ländlich geprägt. Bleiben ist deshalb schwierig, auch wenn vor allem die Kinder der Flüchtlinge durch den Schulbesuch gut Griechisch lernen.

Wir wird es weitergehen? Die Evangelischen sind motiviert, auch wenn man spürt, dass nach drei Jahren das ehrenamtliche Engagement nachlässt. Die Leute sind müde geworden. Und sie müssen sich bei all den Krisen auch um ihr eigenes Leben kümmern. 
Was würde geschehen, wenn wieder ein Flüchtlingsstrom wie 2015 einsetzen würde? Wo kämen dann Kraft und Mittel her? Die Sorge besteht, dass die Zahl der Flüchtlinge erneut ansteigen wird. Anzeichen dafür sind da. Lesbos ist übervoll. Vor Kurzem gab es dort heftige Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Flüchtlingen. Und zunehmend erreichen Flüchtlinge Griechenland über den Landweg von Evros.

In Exarchia beginnt für Avras ein (hoffentlich) neues Leben

Leipzig / Exarchia, 23.04.2018

Avras ist 35 Jahre alt. Er ist Kurde aus dem Norden Iraks. Mit seiner Frau und den beiden kleinen Mädchen kam er im September 2017 in Griechenland an nach einer dreimonatigen Flucht. Vier Mal hat die Familie versucht, die türkische Grenze zu passieren. Einmal wären sie fast ertrunken. Die vierjährige Tochter fängt immer noch sofort an zu weinen, wenn man ihr die kleine Schwimmweste hinhält. „Lieber zurück nach Irak, als dass ich meine Töchter ertrinken sehe…,“ erzählt Avras in fehlerfreiem Deutsch. Drei Jahre lebte er in Schleswig-Holstein und studierte dort. Danach war er auch in Dänemark und Schweden und lernt beide Sprachen. Er hat dann als Übersetzer gearbeitet sich dann aber entschieden, in den Irak, in die Heimat zurückzukehren. Nur – hatte er durch die Kontakte in Europa den christlichen Glauben kennengelernt. Im Irak hatte er sich entschlossen, Christ zu werden. Das machte ihm letztlich das Leben in der Heimat unmöglich. Die Familie musste gehen. Inzwischen ist er in Exarchia in Athen in dem Flüchtlingsprojekt der Griechischen Evangelischen Kirche mit seiner Familie. In der griechischen Anarchistenhochburg bietet die kleine evangelische Gemeinde vier Familien – insgesamt derzeit 15 Personen – eine vorübergehende Bleibe und hilft bei den ersten Schritten, sich in der griechischen Gesellschaft zu integrieren. Anna ist dafür angestellt. Zusammen mit Pastor Alexandros kümmert sie sich um die Belange und Notwendigkeiten der Flüchtlinge. Psychologische und medizinische Hilfe wird organisiert, bei Behördengängen geholfen, Sprachkurse durchgeführt – und vor allen Dingen versucht, dass sie letztlich in der griechischen Gesellschaft Fuss fassen. Dazu gehört es, Arbeit zu finden, damit sie eine Bleibeperspektive finden.

Bei Avras ist das relativ einfach. Er lernt fleißig Griechisch. Und er hat es geschafft, sich eine Arbeit als Übersetzer in einem Flüchtlingscamp in Larissa zu besorgen. Anna sagt: „Mit Avras läuft das super, denn er hilft uns, dass wir ihm helfen können. Das ist aber nicht unbedingt der Normalfall. Viele Flüchtlinge haben es schwer, sich zu integrieren, die Sprache zu lernen, hier anzukommen. Aber – diese Menschen hat uns Gott an die Seite gestellt. Sie brauchen uns!“

In Exarchia unterstützt das GAW die Erweiterung des Projektes der Griechischen Ev. Kirche. In einem Haus sollen demnächst nach Umbau 7 Flüchtlingsfamilien untergebracht werden

Die ehemalige Pfarrwohnung in Serres (Griechenland) soll Treffpunkt für Flüchtlinge werden

Die Stadt Serres in Zentralmakedonien liegt nahe der bulgarischen Grenze. Viel ist hier nicht los, die Region gilt als strukturschwach. Die kleine Gemeinde der Griechisch-Evangelischen Kirche in der Stadt hat seit vier Jahren nicht einmal mehr einen eigenen Pfarrer. Trotzdem kommen sonntags bis zu 40 Menschen zum Gottesdienst in die Kirche – bei 60 eingetragenen Gemeindegliedern.

Die Mitglieder dieser Gemeinde in Serres waren übrigens die ersten, die im Flüchtlingslager in Idomeni, das vor nicht allzu langer Zeit monatelang im Fokus der Öffentlichkeit stand, halfen und Kleider, Nahrungsmittel, Schuhe und Brennholz brachten. Einige Frauen und Kinder in besonderen Notlagen haben sie sogar in ihren Häusern aufgenommen. Elias, der Gemeindeälteste, ist ein Elektroingenieur. Für ihn war es selbstverständlich, den Flüchtlingen zur Seite zu stehen, die unter furchtbaren Bedingungen auf dem Feld hausten. Als erstes installierte er eine WIFI-Anlage in Idomeni. Als nächstes organisierte er einen Container, in dem Handys geladen werden konnten. „Ein Handy ist für Menschen auf der Flucht wie eine Überlebenshilfe: Es hilft, sich zu orientieren, Kontakt zur Familie zu halten, Informationen zu teilen und sich auch abzulenken", erläutert er seine Beweggründe. Auf sein Engagement wurde ein Verein aufmerksam, für den er inzwischen arbeitet. Im Auftrag der UN-Flüchtlingsorganisation hat Elias mit seinen Mitarbeitern in 38 griechischen Flüchtlingscamps WIFI-Anlagen installiert und hält sie instand.

In Serres gibt es seit Kurzem ein Camp für Jesiden, eine vom sogenannten IS besonders stark verfolgte Glaubensgemeinschaft. Für sie engagiert sich nun die kleine evangelische Gemeinde. Um den Flüchtlingen rechtliche Beratung, Essens- und Kleiderhilfe, Unterricht etc. anzubieten und ihnen eine Anlaufstelle außerhalb des Camps zu ermöglichen, wird die leerstehende Pfarrwohnung mit Hilfe des GAW umgebaut und saniert.

 

 

Lage in Griechenlands Provinzen verschlechtert sich zusehends

© Rev. Meletis Meletiadis, Greek Evangelical Church of Greece 2014

Rev. Meletis Meletiadis

Stuttgart/Athen (epd). Die wirtschaftliche Lage vor allem in den Provinzen Griechenlands verschlechtert sich laut dem Präsidenten der griechisch-evangelischen Kirche, Meletios Meletiadis, zusehends. „Viele Geschäfte schließen, die Arbeitsmöglichkeiten schränken sich immer weiter ein“, sagte er dem epd am Donnerstag am Rande seines Besuchs beim Gustav-Adolf-Werk in Stuttgart. Viele Menschen seien deshalb gezwungen, Arbeit im Ausland zu suchen.
„In den letzten Jahren wanderte die Hälfte unserer Kirchengemeinde ins Ausland ab - vor allem nach Deutschland, Finnland, Norwegen oder die USA“, sagte Meletiadis, der in der griechischen Hafenstadt Volos eine Gemeinde leitet und insgesamt für 5.000 evangelische Gemeindeglieder in 32 Gemeinden mit 17 Pfarrern verantwortlich ist.
Nicht alle Menschen in Griechenland seien verarmt, aber er kenne viele Leute, die im Winter ihr Haus nicht mehr heizen könnten. Seit 2009 verteile die evangelische Gemeinde in Volos Kleider und unterstütze die griechisch-orthodoxe Kirche bei einer täglichen Essensausgabe, zu der jeweils 2.500 Menschen kämen. Auch viele Flüchtlinge aus Albanien, der Dominikanischen Republik und Afrika suchten bei der griechisch-evangelischen Kirche Hilfe.
Seit kurzem sei seine Kirche vom Staat gemeinsam mit der katholischen Kirche, der deutsch-evangelischen sowie der koptisch-orthodoxen Kirche und der armenisch-evangelischen Kirche als Religionsgemeinschaft rechtlich anerkannt, sagte der Theologe. Damit habe Griechenland zum ersten Mal neben der griechisch-orthodoxen Staatskirche fünf weitere Kirchen gesetzlich anerkannt.
Bislang sei es Minderheitenkirchen nicht erlaubt gewesen, als Institution ein Konto zu eröffnen. Außerdem sei durch die rechtliche Anerkennung der Besitz besser geschützt und könnte nicht einfach enteignet werden. Weiterhin dürften Minderheitenkirchen nun offiziell Freizeitstätten, Bibelschulen sowie Radiosender betreiben, sagte Meletiadis. Der Anerkennungsprozess seiner Kirche laufe derzeit auf Hochtouren.
Schon vor mehr als zehn Jahren hat die griechisch-evangelische Kirche als erste Minderheitenkirche einen Gesetzentwurf zur rechtlichen Anerkennung vorgelegt. Dass sie nun tatsächlich juristisch anerkannt ist, hat sie Papst Franziskus zu verdanken, der eine rechtliche Anerkennung der Katholiken in Griechenland vom Staat forderte und damit auch den Weg für die Anerkennung anderer Minderheitenkirchen ebnete.
Nach wie vor gibt es in Griechenland keine Trennung zwischen der griechisch-orthodoxen Kirche und dem Staat. Alle Priester der orthodoxen Kirche sind Staatsbeamte und werden als solche bezahlt. 97 Prozent der Griechen sind orthodox, 1,2 Prozent katholisch und gerade mal 0,04 Prozent der über elf Millionen Einwohner Griechenlands griechisch-protestantisch. Das Gustav-Adolf-Werk Württemberg unterstützt die kleine evangelische Minderheit in Griechenland ebenso wie insgesamt 40 evangelische Partnerkirchen in 30 Ländern.
epd-Gespräch: Judith Kubitscheck