Die Flüchtlingszahlen steigen in Griechenland

Leipzig / Volos, 23.04.2018

In Volos wurde vor Kurzem das Flüchtlingscamp wieder eröffnet. Es wurde geschlossen, weil die Flüchtlingszahlen zurückgingen. Die Zahlen derer, die die türkische Grenze überschreiten, steigt nun wieder an. "In den letzten zwei Tagen sind 1500 Menschen angekommen“, sagt der Moderator der Griechischen Evangelischen Kirche Meletis Melitiadis. "Meist kommen sie über den Landweg. Und es scheint so zu sein, ob von türkischer Seite mit den Menschen gespielt wird, um politisch Druck auszuüben." Fakt ist, dass mehr Menschen kommen. Nur wie geht es für sie weiter? Wie sollen sie hier versorgt werden?

Meletis bekam, als das Flüchtlingscamp wieder geöffnet wurde, vom Militärkommandanten einen Anruf. Er bat um Hilfe für die Versorgung. Es fehlt an vielen Dingen, die der griechische Staat nicht geben kann, weil scheinbar die Mittel fehlen. Da geht es um Shampoo, Toilettenpapier, Seife, Zahnpasta bis hin zu Nahrungsmitteln. In einer ersten Aktion hat die Gemeinde 150 Pakete gepackt mit den ersten notwendigen Dingen. Als Meletis im Camp die Tüten übergeben wollte, da wurde es ihm plötzlich verwehrt. Auch die Unterstützung vom orthodoxen Bischof von Volos öffnete nicht die Tür des Camp. Dem Militärkommandanten war es peinlich. Er hatte eine Anweisung erhalten, die Meletis den Zugang, den er bisher hatte, verwehrte. Nun liegen die Hilfsgüter in den Gemeinderäumen. Schwer zu verstehen... - dafür braucht es eine tiefere Kenntnis, wie die griechische Gesellschaft funktioniert und wie die Stellung der Protestanten ist.

Nun überlegt die Gemeinde eine Alternative: "Die Menschen in den Camps brauchen uns. Wir möchten einen kleinen Laden anmieten, der es ermöglicht, dass die Flüchtlinge die Hilfsleistungen selbst abholen können. Es wird wahrscheinlich sein, dass dieses Projekt auch nachhaltiger ist und für die Gemeinde unabhängiger.

Durch die derzeitige Lage im Nahen Osten und die kritische Situation in der Türkei ist es anzunehmen, dass Meletis mit seiner Einschätzung recht hat, dass die Flüchtlingskrise noch länger andauern wird.
Zudem: "Griechenland braucht Investitionen, die es ermöglichen, Flüchtlingen hier ein Bleiberecht zu ermöglichen. Kulturell wird es ihnen hier besser gehen als im Norden Europas!" sagt Meletis.

Das GAW unterstützt die Griechische Evangelische Kirche dabei, Flüchtlinge unterzubringen und bei der Integration zu helfen. Helfen Sie mit!

Bewegender Brief des Moderators der Griechischen Evang. Kirche aus Volos

Volos, 7. Juli 2015

Lieber Ulrich und alle Geschwister im GAW,
Grüße von Volos! Ich hoffe und bete, dass Sie alle gesund und wohlauf sind.
Ich möchte Ihnen für Ihren Anruf heute Morgen danken. Vielen Dank für Ihre Initiative, um uns anzurufen, für Ihre Sorge, Güte und Geist der Solidarität. Das schätzen wir sehr! Ich danke Ihnen auch für Ihr Interesse, zu hören, was wir tun, um diese Informationen an Ihre Kollegen, an die Pfarrer weiterzugeben.
Wie Sie wissen, ist Griechenland in den letzten fünf Jahren durch eine schwierige Zeit gegangen, aufgrund der riesigen Schulden, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind und die zu Sparmaßnahmen führten.
Zurzeit, seitdem die Banken über einer Woche geschlossen sind, wird das Wirtschaftsleben immer schwieriger. Wir können unser Geld nicht von der Bank abheben, es sei denn man wartet in der Schlange eine halbe Stunde bis zu zwei Stunden um 50,00 Euro pro Tag zu erhalten. So werden auch die Ministerien, die den Flüchtlinge und armen Griechen helfen, langsam geschlossen und das zu einer Zeit, da immer mehr Flüchtlinge aus den von Kriegen zerrissenen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas in unser Land kommen. Und auch immer mehr Griechinnen und Griechen Unterstützung benötigen. Andere diakonische Dienste werden wohl eingestellt werden, so auch unsere, da wir keinen Zugang zu Geldern haben. Bereits in den vergangenen Jahren bekamen wir die wirtschaftliche Einschränkungen zu spüren, da immer mehr von unseren Mitglieder wegen ihrer Arbeitslosigkeit Griechenland verlassen haben und das bedeutet immer weniger Einnahmen für die Gemeinde.
Dasselbe gilt für die pensionierten Pfarrer und ihre Familien, die eine Rente von bis zu 240,00 Euro pro Monat erhalten und das in zwei Raten von je 120,00 Euro. Wenn die Situation andauert und Unternehmen zusammenbrechen und die Arbeitslosigkeit drastisch steigen wird, haben wir Befürchtungen, dass Unruhen ausbrechen werden, da die Menschen nicht mehr in der Lage sein werden, ihr Geld zu erhalten. Es wird zu Nahrungsmittelknappheit kommen, da ein großer Teil unserer Nahrung importiert ist und es wird ein sehr kritischer Mangel an Medikamente entstehen. Niemand weiß, wie die Regierung mit diesen entsetzlichen Perspektive umgehen wird.
Wenn ich Sie bitten darf:

· Beten Sie, dass Gott Erbarmen mit Griechenland hat, und für Frieden und die Weisheit zu regieren. Dass die Situation nicht außer Kontrolle gerät, unabhängig von den Verhandlungsergebnissen in Brüssel.

· Reden Sie mit Europa, damit Griechenland nicht im Stich gelassen wird. Unser Gott ist der Gott der zweiten Chance. Und wir alle benötigen, an dem ein oder anderen Punkt eine zweite Chance.

· Beten Sie, dass wir als Kirche in der Lage sind, die verschiedenen diakonischen Dienste, an denen wir beteiligt sind, fortzusetzen.

· Beten Sie für die Pfarrer. Wir müssen Vertreter der Stabilität, der Ermutigung, des Glaubens, der Hoffnung und der Vergebung sowohl innerhalb der Kirche als auch in der Gemeinschaft sein, und das alles in einer fürchterlichen Krise.

Nochmals vielen Dank für Ihre Freundlichkeit, mich anrufen, um sich nach unserer Situation zu erkundigen. Der Herr segne Sie für die Freundlichkeit, die Sie uns gezeigt haben.
In Dankbarkeit,
Meletis

(GAW-Übersetzung des Englischen Originals von Doris Grohs)