Italien

Arbeit mit christlichen Flüchtlingen in Trapani

Die Waldensergemeinde in Trapani auf Sizilien wurde in den 1950er Jahren gegründet. Viele Gemeindeglieder waren früher in verschiedenen Pfingstkirchen oder in katholischen Gemeinden. Bis vor 15 Jahren traf sich die Gemeinde in einer Garage, bis mit Hilfe des GAW ein altes Fabrikgebäude zu einer Kirche umgebaut werden konnte. Wie ganz Sizilien, ist die Stadt Trapani stark von Auswanderung betroffen. Auch die weiterhin starken Strukturen der Mafia spielen dabei eine Rolle.

Im Jahr 2017 wurden in der Umgebung von Trapani mehrere Auffangzentren für Einwanderer aus Afrika errichtet. Es stellte sich heraus, dass unter ihnen zahlreiche Christen aus methodistischen und presbyterianischen Kirchen waren. Mit einem Kleinbus holt die Gemeinde diese Menschen nun zum Gottesdienst, erleichtert ihnen die Besuche auf Ämtern oder bei der Arbeitssuche. Mehrere Einwanderer, die in Trapani Arbeit gefunden haben, sind inzwischen auch Gemeindeglieder geworden.

  • christliche Flüchtlinge in Trapani

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Italien: Flüchtlingshilfe der Kirchen mit Nansen-Preis ausgezeichnet

Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen zeichnet jedes Jahr Einzelpersonen und Organisationen für die Unterstützung von Flüchtlingen in der Welt aus. Der regionale Gewinner 2019 für Europa ist die Initiative „Humanitäre Korridore“ aus Italien. Dank den „Korridoren“ sind mehr als 2 600 Menschen auf einem legalen und sicheren Weg aus dem Libanon nach Italien geholt worden und haben dort Schutz und Sicherheit erhalten.
„Wir sind stolz und fühlen uns geehrt, diese prestigeträchtige Auszeichnung erhalten zu haben“, sagten Luca Maria Negro, Präsident des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien, und Alessandra Trotta, Moderatorin der Tavola Valdese, auf einer Pressekonferenz am 18. September im UNHCR-Hauptquartier in Rom. „Die humanitären Korridore sind eine Erfahrung und ein Projekt, woran wir sehr glauben und von dem wir glauben, dass sie – wie zum Teil bereits der Fall ist – ein gutes Beispiel für ganz Europa sind.“
Verschiedene Initiativen und Kirchen in Europa haben sich schon von den italienischen „Korridoren“ inspirieren lassen, so in Belgien oder in Frankreich. In Deutschland soll das staatlich-gesellschaftliche Aufnahmeprogramm „NesT-Neustart im Team“ vorerst 500 besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen die Einreise ermöglichen.
Die Träger der Initiative „Humanitäre Korridore“ sind die Gemeinschaft Sant'Egidio, Caritas Italiana, der Bund Evangelischer Kirchen in Italien und Tavola Valdese. Sie widmeten die Auszeichnung all jenen, die in den libyschen Lagern eingesperrt sind oder im Mittelmeer sterben, weil sie keine Chance auf einen sicheren Weg haben: „Wir hoffen, bald einen großen europäischen humanitären Korridor errichten zu können, um sie in Sicherheit zu bringen. Wir möchten das massenhafte Sterben im Mittelmeer vermeiden. In der Zwischenzeit müssen jedoch diejenigen gerettet werden, die gezwungen sind, den Weg des Meeres zu beschreiten.“
Der Nansen-Flüchtlingspreis wurde 1954 ins Leben gerufen. Er ist nach dem norwegischen Polarforscher und ersten Hohen Flüchtlingskommissar Fridtjof Nansen benannt.

Italien: Die „Schola Valdese“ hilft bei der Integration von Geflüchteten

In diesem Monat starteten die Diakonie und die Waldenserkirche in Bergamo das Projekt „schola valdese“. Zum einen soll das Projekt die Integration von Geflüchteten in die italienische Gesellschaft fördern und zum anderen Jugendliche aus den waldensischen Gemeinden in der Wahrnehmung ihrer Fähigkeiten und Talente stärken. Die Bezeichnung „schola valdese“ erinnert an die Anfänge der Waldenserbewegung, als die Lehre, das schriftliche und mündliche Wort und die Weitergabe des Wissens eine wichtige Rolle spielten.
„Schola valdese“ ist ein Ferienprogramm, in der Jugendliche unterrichten und junge Geflüchtete – insbesondere Syrer – Italienisch in Kombination mit einer Reihe von Fächern wie beispielsweise Geschichte, Musik, Informatik und Astronomie lernen. Die Jugendlichen wählen die Themen entsprechend ihrer Interessen und Leidenschaften aus. Winfrid Pfannkuche, Pfarrer der Waldensergemeinde in Bergamo, freut sich, dass auch Jugendliche, die sonst eher introvertiert sind, in dieser besonderen Schule die Möglichkeit haben, ihr Potenzial zu zeigen. So wird aus einem togolesischen Jungen ein leidenschaftlicher Computerlehrer, der sein Talent mit syrischen Kindern und Jugendlichen teilt, die im Rahmen des Projekts „Humanitäre Korridore“ aufgenommen worden sind. „Humanitäre Korridore“ ist ein ökumenisches, selbstfinanziertes Projekt des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) und der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio. Es ermöglicht vor Krieg und Verfolgung Geflohenen die sichere Einreise nach Italien und erspart ihnen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer.
Nebenbei verfolgt das ungewöhnliche Schulprojekt auch das Ziel, Jugendliche der Waldenserkirche durch Freiwilligenengagement stärker in die kirchlichen und diakonischen Aktivitäten einzubeziehen. Nach einer ersten Phase als außerschulische Aktivität soll, so Pfannkuche, nach dem Ende der Sommerferien im Herbst der Grundstein für ein strukturierteres Projekt gelegt werden.