Italien

Arbeit mit christlichen Flüchtlingen in Trapani

Die Waldensergemeinde in Trapani auf Sizilien wurde in den 1950er Jahren gegründet. Viele Gemeindeglieder waren früher in verschiedenen Pfingstkirchen oder in katholischen Gemeinden. Bis vor 15 Jahren traf sich die Gemeinde in einer Garage, bis mit Hilfe des GAW ein altes Fabrikgebäude zu einer Kirche umgebaut werden konnte. Wie ganz Sizilien, ist die Stadt Trapani stark von Auswanderung betroffen. Auch die weiterhin starken Strukturen der Mafia spielen dabei eine Rolle.

Im Jahr 2017 wurden in der Umgebung von Trapani mehrere Auffangzentren für Einwanderer aus Afrika errichtet. Es stellte sich heraus, dass unter ihnen zahlreiche Christen aus methodistischen und presbyterianischen Kirchen waren. Mit einem Kleinbus holt die Gemeinde diese Menschen nun zum Gottesdienst, erleichtert ihnen die Besuche auf Ämtern oder bei der Arbeitssuche. Mehrere Einwanderer, die in Trapani Arbeit gefunden haben, sind inzwischen auch Gemeindeglieder geworden.

  • christliche Flüchtlinge in Trapani

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ITALIEN: Fern und doch nah

Marco Fraschia, Leiter des Waldensergymnasiums Torre Pellice berichtet in Corona-Zeiten
Das Collegio hat, obwohl es seit Beginn des Corona-Notstands geschlossen ist, seinen gesamten Unterricht aufrechterhalten. Der komplette Unterricht wird als Videounterricht gegeben, dem normalen Stundenplan folgend. Das ist möglich, weil das Collegio schon seit Jahren mit einer Internet-Lernplattform ausgestattet ist. Auch die Treffen der Lehrkräfte finden wie geplant, aber in Form von Videokonferenzen, statt.
Aber natürlich fehlt der persönliche Kontakt. Beim Unterricht im Klassenzimmer fühlt die Lehrkraft den „Puls“der Klasse: sieht, beobachtet, unterbricht, passt sich den Notwendigkeiten an, fragt, interagiert mit den Schüler*innen. Das geht per Video nicht.
Von Seiten der Eltern haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen. Sie signalisieren uns aber auch, dass der Unterricht auf Distanz die Kinder anstrengt und stresst. Dies wird sicherlich noch dadurch verstärkt, dass auch die Aktivitäten wegfallen, denen sie sonst üblicherweise nachgehen (Sport, Musik, Kino). Am meisten leider sicherlich unser Sportbereich unter dem Fernunterricht, weil alle praktischen Aktivitäten entfallen müssen, die wir eigentlich geplant hatten.
Leider sind nicht alle Familien unserer Schüler*innen ausreichend für den Fernunterricht ausgestattet. Wir haben alle Probleme gesammelt und versuchen sie zu lösen, indem wir die notwendige Ausstattung kaufen und verleihen (so wie wir es auch mit den Büchern machen).

Das bedeutet eine finanzielle Anstrengung, die wir erbringen – nicht nur um den Unterricht zu gewährleisten - sondern auch um sicherzustellen, dass alle Schüler*innen einen angemessenen Zugang zum Unterricht haben. Auf der Seite der Zerbrechlichen und Benachteiligten zu sehen, hat unsere Einrichtung immer ausgezeichnet und ist uns heute wichtiger denn je.Für das kommende Schuljahr überlegen wir weitere Erleichterungen für die Familien unserer Schüler*innen angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen in Folge der COVID-19 Maßnahmen. Wir versuchen nicht nur ein Gymnasium für alle zu sein, sondern auch mit allen. Unsere Schule ist immer in die Umgebung eingebunden gewesen und bringt neben dem normalen Unterricht viele Initiativen in der, für die und mit der Umgebung voran.
Leider musste hier einiges ausfallen: ein „Bus der Erinnerungen“, an dem nicht nur die Schüler*innen unseres 5. Jahrgangs, sondern auch 20 externe Erwachsene beteiligt waren, Englischkurse verschiedener Niveaus, einige Konzerte unseres Chors und die öffentliche Aufführung eines Videos zum Thema Behinderung, dass unsere Theatergruppe gemacht hat. Wir überlegen aktuell, wie wir mit dem Lehrerkollegium einige multimediale Angebote machen können, um wenigstens teilweise die Aktivitäten zu ersetzen, die wir sonst in unseren Räumlichkeiten organisieren. Wie wichtig bestimmte Personen, Momente und Einrichtungen sind, versteht man erst, wenn sie fehlen: Unsere Schüler*innen habe sicherlich verstanden, welches Privileg und Schönheit es bedeutet unsere Schule besuchen zu können, Begegnungen zu haben, Freundschaften entstehen zu sehen, Austausch und gegenseitige Bereicherung zu erfahren. So wichtig Technik und Moderne auch sind; unser Ziel ist es nicht nur zu Instruieren, sondern die Schüler*innen zu befähigen mit Bildung, Erziehung und Kultur die eigenen Ziele bestmöglich voranzubringen. Dafür kommen wir nicht ohne die einfachen und grundlegenden Formen des Kontakts und der Kommunikation aus.

Marco Fraschia, Übersetzung: Bettina Hoffmann
Aus dem 94. Rundbrief des Waldenser Freundeskreises
Internet: www.waldenser-freundeskreis.de

Italien: Gästehäuser der Waldenserkirche öffnen wieder

Nach der monatelangen Schließung wegen der Coronapandemie öffnen in Italien jetzt nach und nach auch wieder die Hotels, Hostels und Pensionen der Waldenserkirche.
„Wir wollten bei der Wiedereröffnung nichts überstürzen, weil wir – soweit es geht – das Gemeinschaftserlebnis, das unsere Einrichtungen üblicherweise unseren Gästen bieten, wieder ermöglichen möchten“, erläutert Daniele Del Priore, Direktor des Gästebereichs der Waldenserdiakonie. Deshalb wurden die Räume saniert und die Gemeinschaftsbereiche entsprechend den Abstands- und Hygienebestimmungen umgestaltet. Die Schließung der Häuser hat der Diakonie der Waldenserkirche zusätzliche finanzielle Probleme verursacht, weil Gewinne aus den Gästeeinrichtungen für diakonische Projekte verwendet werden.
In den insgesamt zwölf Gästehäusern der Kirche arbeiten bei voller Auslastung rund 90 Personen. Trotz der schrittweisen Eröffnung wird 2020 ein sehr kritisches Jahr für diese Einrichtungen, auch weil viele Jugendprojekte und Sommercamps abgesagt worden sind.
Die Gästehäuser am Meer werden Mitte Juni wiedereröffnet (Pietra Ligure am Samstag, 13. Juni, Rio Marina am 15. Juni, Vallecrosia am 19. Juni), die Einrichtungen in der Natur wie Casa Cares und Torre Pellice am 20. bzw. 21. Juni und die Einrichtungen in den Kunst- und Kulturstädten (Rom, Florenz, Venedig) ab dem 1. Juli.

Gästehäuser und Hotels der Waldenserkirche: https://www.casevaldesi.it/de/

Die Corona-Pandemie gefährdet die Struktur der Diasporakirchen und damit auch deren Diakonie

Aus Italien erreicht uns von der Waldenserkirche ein dringender Aufruf der "Tavola Valdese" (die Kirchenleitung der Waldenser), zur solidarischen Hilfe. Es wird deutlich, wie gravierend die Auswirkung der Corona-Pandemie die Strukturen der Kirche gefährdet und wie dadurch dann auch Hilfe der Kirche für die Gesellschaft - die Diakonie der Kirche - gefährdet wird:
"Die Pandemie, die unsere Welt verwüstet, wird schwerwiegende Auswirkungen auf den Haushalt 2020 der Tavola haben, da sie zu einem erheblichen Rückgang der Einnahmen führen wird. Unser Haushalt ist sehr fragil, denn unsere Haupteinnahmequellen sind die freiwilligen Mitgliedsbeiträge und die Mieteinnahmen.
Was den ersten Punkt betrifft haben viele unserer Gemeinden bereits angedeutet, dass sie ihre Verpflichtungen bezüglich des „Gottesdienstfonds“ nicht einhalten können, da sich die Beiträge ihrer Gemeindeglieder erheblich reduzieren werden. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren, andere (vor allem die Selbständigen) rechnen mit einer deutlichen Verringerung ihrer Einnahmen, da seit März viele wirtschaftlichen Aktivitäten eingestellt sind. Das wird auch noch bestimmt für den ganzen April und den Monat Mai betreffen. Eine optimistische Einschätzung sieht eine Reduzierung der Beiträge von 17% (2 Monatsgehälter) vor, was einer Einbuße von über 300.000 Euro entspricht.
Die zweite Einnahmequelle sind die Mieteinnahmen. In diesem Fall hat die Tavola bereits zahlreiche Anfragen (von Privatpersonen oder Firmen) hinsichtlich einer Reduzierung oder sogar Aussetzung der Mieten erhalten; auch in diesem Fall rechnen wir mit einer Reduzierung der Einnahmen von etwa 17 %, aber wahrscheinlich wird der tatsächliche Rückgang höher sein. In diesem Fall wird ein Umsatzrückgang von über 200.000 Euro erwartet.
Die Tavola muss also mit einer Verringerung der Einnahmen von ungefähr 500.000 Euro rechnen, ein sehr hoher Betrag unseres Budgets. Die Tavola rechnet mit der Reduzierung einiger Ausgaben (Reisekostenerstattung für die PfarrerInnen, für Arbeitsgruppen, die Instandhaltung einiger Immobilien ...), aber selbst mit diesen Einsparungen bleibt das Defizit mit rund 300.000 Euro immer noch sehr hoch. Dies hängt von der Tatsache ab, dass der größte Aufwand in den Personalkosten besteht. In der Tat sind die Gehälter der PfarrerInnen schon gering. In Italien gibt es keine stattlichen Subventionen. Deshalb können diese Kosten nicht gesenkt werden.
Eine der Möglichkeiten zur Verbesserung dieser Situation ist die Solidarität unserer Schwesterkirchen und Partner, die uns helfen kann dieses schwere Defizit abzubauen."

Wir wollen der Waldenserkirche weiterhin helfen. Bitte unterstützen Sie uns dabei!

Weitere Infos zur Corona-Nothilfe des Gustav-Adolf-Werkes:
https://www.gaw-wue.de/spenden/corona-nothilfe/

ITALIEN: "Ein Angstgefühl ohne Ende“

Wie in Mailand nach mehr als drei Wochen Ausgangssperre Alltag und Gemeindeleben funktionieren.
Wie können wir trotz allem Engel füreinander sein?" fragt die ev. Pfarrerin Dorothee Mack von der Waldensergemeinde in Mailand. Sie berichtet im Interview, wie die Coronakrise das Leben in Mailand verändert hat.

ITALIEN: In Zeiten der Corona Krise: Wie gehen unsere Partner in Italien damit um?

Die Lage dort in den Gemeinden ist sehr ernst:
Pfarrerin Mack berichtet aus Mailand, Lombardei:
Den letzten Gottesdienst in unserer Kirche feierten wir am Sonntag, den 23.02. Dann kam es Schlag auf Schlag. Zuerst die Schulen zu, dann durfte keinerlei Großveranstaltung mehr sein.
Ich hoffe, dass es in Deutschland nicht zu “italienischen” Verhältnissen kommen wird, und dass Deutschland und die anderen europäischen Länder von Italien lernen, und dass gerade die Kirchen einen Beitrag zu europaeischer Solidarität leisten können, indem wir füreinander beten und unsere Beziehungen trotz der Wüstenzeit verstärken.
Nach einem Moment der Ratlosigkeit schlossen wir uns als protestantische Kirchen Mailands noch enger zusammen und entschieden, nun Sonntag für Sonntag einen Videogottesdienst anzubieten, den man sich auf den Homepages der Kirchen anschauen konnte, den wir aber auch bequem als Whatsapp verschicken konnten.
Jeden Mittwoch treffen wir PfarrerInnen uns (Baptisten, Methodisten, Waldenser, Lutheraner, Adventisten, Heilsarmee) auf Skype und bereiten den Gottesdienst gemeinsam vor. Der geht dann 20-25 Minuten, das Wesentliche.
Anfangs machten wir noch individuell Seelsorgebesuche, wenn erwünscht (die meisten wollten das aber nicht), jetzt geht alles über das Telefon oder mit Kurznachrichten. Es hört sich seltsam an, aber ich hatte schon lange nicht mehr eine so intensive Seelsorgezeit mit und für meine Gemeinde wie in diesen Wochen.

Italien: Flüchtlingshilfe der Kirchen mit Nansen-Preis ausgezeichnet

Das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen zeichnet jedes Jahr Einzelpersonen und Organisationen für die Unterstützung von Flüchtlingen in der Welt aus. Der regionale Gewinner 2019 für Europa ist die Initiative „Humanitäre Korridore“ aus Italien. Dank den „Korridoren“ sind mehr als 2 600 Menschen auf einem legalen und sicheren Weg aus dem Libanon nach Italien geholt worden und haben dort Schutz und Sicherheit erhalten.
„Wir sind stolz und fühlen uns geehrt, diese prestigeträchtige Auszeichnung erhalten zu haben“, sagten Luca Maria Negro, Präsident des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien, und Alessandra Trotta, Moderatorin der Tavola Valdese, auf einer Pressekonferenz am 18. September im UNHCR-Hauptquartier in Rom. „Die humanitären Korridore sind eine Erfahrung und ein Projekt, woran wir sehr glauben und von dem wir glauben, dass sie – wie zum Teil bereits der Fall ist – ein gutes Beispiel für ganz Europa sind.“
Verschiedene Initiativen und Kirchen in Europa haben sich schon von den italienischen „Korridoren“ inspirieren lassen, so in Belgien oder in Frankreich. In Deutschland soll das staatlich-gesellschaftliche Aufnahmeprogramm „NesT-Neustart im Team“ vorerst 500 besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen die Einreise ermöglichen.
Die Träger der Initiative „Humanitäre Korridore“ sind die Gemeinschaft Sant'Egidio, Caritas Italiana, der Bund Evangelischer Kirchen in Italien und Tavola Valdese. Sie widmeten die Auszeichnung all jenen, die in den libyschen Lagern eingesperrt sind oder im Mittelmeer sterben, weil sie keine Chance auf einen sicheren Weg haben: „Wir hoffen, bald einen großen europäischen humanitären Korridor errichten zu können, um sie in Sicherheit zu bringen. Wir möchten das massenhafte Sterben im Mittelmeer vermeiden. In der Zwischenzeit müssen jedoch diejenigen gerettet werden, die gezwungen sind, den Weg des Meeres zu beschreiten.“
Der Nansen-Flüchtlingspreis wurde 1954 ins Leben gerufen. Er ist nach dem norwegischen Polarforscher und ersten Hohen Flüchtlingskommissar Fridtjof Nansen benannt.

Italien: Die „Schola Valdese“ hilft bei der Integration von Geflüchteten

In diesem Monat starteten die Diakonie und die Waldenserkirche in Bergamo das Projekt „schola valdese“. Zum einen soll das Projekt die Integration von Geflüchteten in die italienische Gesellschaft fördern und zum anderen Jugendliche aus den waldensischen Gemeinden in der Wahrnehmung ihrer Fähigkeiten und Talente stärken. Die Bezeichnung „schola valdese“ erinnert an die Anfänge der Waldenserbewegung, als die Lehre, das schriftliche und mündliche Wort und die Weitergabe des Wissens eine wichtige Rolle spielten.
„Schola valdese“ ist ein Ferienprogramm, in der Jugendliche unterrichten und junge Geflüchtete – insbesondere Syrer – Italienisch in Kombination mit einer Reihe von Fächern wie beispielsweise Geschichte, Musik, Informatik und Astronomie lernen. Die Jugendlichen wählen die Themen entsprechend ihrer Interessen und Leidenschaften aus. Winfrid Pfannkuche, Pfarrer der Waldensergemeinde in Bergamo, freut sich, dass auch Jugendliche, die sonst eher introvertiert sind, in dieser besonderen Schule die Möglichkeit haben, ihr Potenzial zu zeigen. So wird aus einem togolesischen Jungen ein leidenschaftlicher Computerlehrer, der sein Talent mit syrischen Kindern und Jugendlichen teilt, die im Rahmen des Projekts „Humanitäre Korridore“ aufgenommen worden sind. „Humanitäre Korridore“ ist ein ökumenisches, selbstfinanziertes Projekt des Bundes Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI) und der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio. Es ermöglicht vor Krieg und Verfolgung Geflohenen die sichere Einreise nach Italien und erspart ihnen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer.
Nebenbei verfolgt das ungewöhnliche Schulprojekt auch das Ziel, Jugendliche der Waldenserkirche durch Freiwilligenengagement stärker in die kirchlichen und diakonischen Aktivitäten einzubeziehen. Nach einer ersten Phase als außerschulische Aktivität soll, so Pfannkuche, nach dem Ende der Sommerferien im Herbst der Grundstein für ein strukturierteres Projekt gelegt werden.