Österreich

Gartenbauprojekt mit Flüchtlingen in Oberwart

Oberwart ist eine burgenländische Bezirkshauptstadt nahe der ungarischen Grenze. Im Juni 2015 öffnete hier das "Diakonie Forum Oberwart" seine Tore. Das Forum wird von der Diakonie Burgenland und dem Diakonie Flüchtlingsdienst gemeinsam betrieben und versteht sich als Begegnungsstätte für die schon länger ansässige und die kürzlich zugewanderte Bevölkerung. Das Forum bietet kostenlosen Internetzugang, Frauen- und Nachbarschaftscafé, Integrations- und Bildungsangebote etc. Solche Orte gibt es im Südburgenland noch wenige. Der Arbeitsmarkt und der Zugang zu Bildung und Wohnen sind für Flüchtlinge oft versperrt.

Auf einem Grundstück, das die evangelische Muttergemeinde A.B. Oberwart zur Verfügung gestellt hat, möchte die Diakonie einen Acker anlegen und Ställe für Hühner und Enten bauen. Diese sollen von Flüchtlingen bewirtschaftet werden. Der Anbau von biologisch hochwertigem Gemüse und die Kleintierzucht können die Lebensgrundlage der Menschen verbessern und ihnen helfen, in einem fremden Land anzukommen. Die Überschüsse sollen von den Diakoniezentren erworben oder auf dem Wochenmarkt verkauft werden.

ÖSTERREICH: Wenn Gottesdienste zur Gesundheitsgefahr werden

Anna Vinatzer ist Vikarin in Wien-Floridsdorf. Ursprünglich katholisch und in Italien geboren studierte sie zunächst katholische Religionspädagogik und arbeitete als Lehrerin, merkte aber schnell, dass die restriktive Moral der katholischen Kirche für sie nicht stimmig war. So entschloss sie sich schließlich, zu konvertieren und Evangelische Theologie zu studieren. Da es in Italien keine lutherische Ausbildungsstätte gibt, ging sie zum Studium nach Wien und später für ein Jahr als GAW-Stipendiatin nach Leipzig. Sie schreibt uns:

"Eigentlich hatte ich mir meinen Wiedereinstieg diesen April nach meiner Elternzeit etwas anders vorgestellt. Da gibt es eine lange To-Learn-Liste, die ich in diesen letzten Monaten meines Vikariats noch abarbeiten wollte. Und eigentlich hatte ich mich darauf schon gefreut. Aber wie so oft, kommt alles anders.

Das Coronavirus hat unser evangelisches Gemeindeleben hier in Österreich ziemlich ausgebremst. Zeitweise wurden Gottesdienste sogar verboten. Im Moment dürfen sie nur mit strengen Auflagen durchgeführt werden. Trotzdem häufen sich im Moment bei uns die Fälle, in denen die Corona-Cluster ihren Ursprung in Kirchen und Glaubensgemeinschaften haben.

Die Evangelische Kirche in Österreich veröffentlicht fast wöchentlich neue Maßnahmenkataloge, um die Gefahr zu bannen. Arbeitskommissionen bilden sich, um Ratschläge für Abendmahlfeiern u.ä. zu erarbeiten. Jetzt schon bespreche ich mit meinen Kollegen, wie sich alternative Weihnachts- und Reformationstagsgottesdienste gestalten können, um die „full-house-Gottesdienste“ unserer Gemeinde in Wien-Floridsdorf, gefahrenlos über die Bühne zu bringen. Kurzum, wenn ich z.Z. an Gottesdienst denke, fallen mir beinahe nur noch Begriffe wie Gefahr, Risikogruppe, Cluster und Hygienemaßnahmen ein. Aber eine Krise birgt auch immer neue Möglichkeiten.

Unsere Kirche begibt sich gerade auf die Suche nach neuen, kreativen Formen der Seelsorge und der Gottesdienste, um trotz der räumlichen Distanz nahe bei den Menschen zu sein. So werden z.B. gemeindepädagogische Angebote digitalisiert, Gottesdienste und Besprechungen weichen auf Online-Kommunikationsdienste aus und die Büroarbeit wird im Homeoffice erledigt. Außerdem entdecken wir gerade die Sozialen Medien für uns!

Ich erwische mich in letzter Zeit immer wieder dabei, auf den Internetseiten der deutschen Landeskirchen nach Inspiration und Ideen zu fischen. Klingt alles ganz easy, ist aber ganz schön eine Herausforderung für eine Kirche, die vor der Umstellung auf online eher vorsichtig war im Umgang mit digitalen Medien. Aber genau deshalb sehe ich in dieser Krise eine Chance, um als Kirche experimentierfreudiger zu werden. Es ist die Gelegenheit, ein Gespür dafür zu bekommen, wen wir jenseits von unseren Gottesdiensten vor Ort online erreichen und in unsere Gemeinschaft mit einbeziehen können und wie wir Angebote für die junge „digitale“ Generation von Christen zu schaffen können."

Unterstützung im Streit um den Karfreitag

© EMH - Gottfried Stoppel

Landesbischof July unterstützt evangelische Minderheit
Der württembergische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July unterstützt die Forderung der Evangelischen Kirche A. B. (Augsburgischen Bekenntnisses) in Österreich, den Karfreitag als gesetzlichen Feiertag für alle einzuführen. July, der auch Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbunds ist, kritisierte das Verhalten der österreichischen Bundesregierung anlässlich der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Straßburg scharf.
„In diesen Tagen der Diskussion über die Einheit und den gemeinsamen Sinn der Europäischen Union, über die Mitwirkung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Wertedebatte Europas, befremdet mich sehr, dass die österreichische Bundesregierung den Karfreitag als persönlich geschützten Feiertag abschaffen wird.“

Österreich: Synode fordert sachgerechte Regelung für den Karfreitag

Die Synode der Evangelischen Kirche A.B. hat in einer Resolution vom 9. März 2019 gefordert, den Karfreitag als Feiertag für alle einzuführen. Sollte dies nicht möglich sein, soll ein zusätzlicher persönlicher Feiertag für alle eingeführt werden, der nicht aus dem Urlaubskontingent genommen werden muss, heißt es in der Resolution. Synodenpräsident Peter Krömer wies darauf hin, dass entgegen der Behauptungen in der Öffentlichkeit keine Zustimmung der Kirche oder des Bischofs zur Regelung mit dem persönlichen Feiertag aus dem Urlaubskontingent vorliege. Der Evangelischen Kirche eingeräumte Begutachtungsrecht bei der Gesetzwerdung wurde negiert – in einer Angelegenheit, die sie direkt betrifft. Dies sei „insgesamt demokratieschädlich“, so der Synodenpräsident.
Nun prüft die Evangelische Kirche rechtliche Schritte gegen die beschlossene Regelung. Es geht der Kirche nicht um die Verteidigung von Privilegien, sondern um eine sachgerechte, diskriminierungsfreie Lösung, die die Rechte aller Minderheiten und Religionsgemeinschaften berücksichtigt.
Empört zeigte sich das Kirchenparlament zudem über öffentliche Äußerungen über die Evangelischen als „quasi vernachlässigbare Minderheit“. So hatte Bundeskanzler Kurz die Entscheidung damit gerechtfertigt, für 96 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher bedeute sie keine Verschlechterung. Solche Äußerungen würden ein Licht darauf werfen, wie mit (religiösen) Minderheiten in Österreich derzeit umgegangen werde, heißt es in der Resolution. Für die Evangelischen sei „in Zusammenhang mit den Verfolgungen, Unterdrückungen und Benachteiligungen bis hinein in die Erste Republik der Karfreitag der wichtigste und identitätsstiftende Feiertag“. Seine Einführung in den 1950er Jahren entsprach unter Berücksichtigung der Geschichte der Evangelischen in Österreich „dem sachlich begründeten Anliegen einer religiösen Minderheit“.
Der Karfreitag sei nicht nur für Evangelische, sondern für alle Christinnen und Christen von zentraler Bedeutung, unterstreicht die Synode und hält fest: „Wenn es dem Staat mit dem Symbol des Kreuzes ernst ist, sollte der Karfreitag als gesetzlicher Feiertag für alle eingeführt werden.“


Die Präsidentin des GAW, Prälatin Gabriele Wulz, und Generalsekretär Pfarrer Enno Haaks haben sich in einem Brief an die Synode der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich gewandt. Darin sprechen sie den Evangelischen in ihrem Bemühen um eine gerechte Lösung bei der Karfreitagsregelung die Unterstützung des GAW zu.

Sehr geehrte Synodale, sehr verehrter Bischof Dr. Michael Bünker, liebe Schwestern und Brüder,

im Namen des Diasporawerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (GAW) grüße ich Sie ganz herzlich zu Ihrer Synodentagung.

Mit großer Anteilnahme bis hin zum Entsetzen haben wir die „Karfreitagsdebatte“ in Österreich, die sich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 22. Januar 2019 entwickelt hat, mitverfolgt. Mit großer Sorge sehen wir auf die derzeitige Entscheidung in Österreich, die nur ermöglicht den Karfreitag gottesdienstlich zu begehen, wenn dafür individuell ein Urlaubstag in Anspruch genommen wird. Dadurch wird das gemeindliche Leben der evangelischen Christen empfindlich beeinträchtigt.

Uns evangelische Christen verbindet der Karfreitag als der wichtigste Feiertag in unserem liturgischen Kalender. Im Glauben an den gekreuzigten und auferstandenen Herrn sind wir weltweit verbunden.

Erschüttert sind wir deshalb auch, dass in Österreich bis jetzt nur wenig ökumenische Solidarität mit der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in der Karfreitagsfrage gibt.

Zudem wird überdeutlich, wie mit den Interessen religiöser Minderheiten umgegangen wird und wie Traditionen ausgehebelt werden, die letztlich dem Zusammenhalt der ganzen Gesellschaft und dem friedlichen Miteinander der verschiedenen Konfessionen dienen sollten.

Deshalb solidarisieren wir uns als evangelisches Diasporawerk mit der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in allem Bemühen um den Schutz des Karfreitages als gesetzlichen Feiertag für alle.

Bitte lassen Sie es uns wissen, wie wir Sie bei Ihren Bemühungen unterstützen können!

In herzlicher Verbundenheit und besten Grüßen

Prälatin Gabriele Wulz, Präsidentin des GAW

Enno Haaks, Pfarrer, Generalsekretär des GAW”