Polen

Erweiterung des Gemeindezentrums in Bialystok

Die Kirchengemeinde in Bialystok ist die jüngste der Evangelisch-Augsburgerischen Kirche in Polen. Sie wurde erst 2002 gegründet und hat seitdem eine beeindruckende Aufbauarbeit geleistet. Heute versammeln sich jeden Sonntag 30-40 Menschen zum Gottesdienst, obwohl die Gemeinde nur 47 Glieder zählt. Die geographische Zerstreuung führt dazu, dass auch die meisten anderen Aktivitäten der Gemeinde- Jugendkreise, Bibelstunden und Religionsunterricht - am Wochenende stattfinden.

Während der Woche würde die Gemeinde ihre Räume gern für Aktivitäten mit Kindern aus der Siedlung nutzen, in der es ansonsten keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder gibt. Das lässt der begrenzte Raum im Gemeindezentrum aber nicht zu. In dem geplanten Anbau möchte die Gemeinde einen neuen Gottesdienstraum und im Dachgeschoss die Pfarrwohnung einrichten. Einen Großteil der Umbauarbeiten werden die Gemeindeglieder selbst übernehmen, was gleichzeitig auch den Zusammenhalt der Gemeinde stärkt.

  • Gemeindezentrum Bialystok

  • Kinder im Gemeindezentrum Bialystok
  • Gemeindezentrum Bialystok
  • Gemeindezentrum Bialystok

Polen: Synode thematisiert sexuelle Gewalt in der Kirche

Die Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen befasste sich in ihrer Frühjahrssitzung vom 26. bis 28. April 2019 schwerpunktmäßig mit zwei Themen: mit der Sorge um Gottes Schöpfung sowie mit unterschiedlichen Formen von Gewalt und sexuellem Missbrauch, die in der Kirche vorkommen könnten.

In der polnischen Öffentlichkeit hat das Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erhalten. Bei der Frühjahrsvollversammlung katholischer Bischöfe im März 2019 wurden zudem erstmalig Zahlen zum Ausmaß des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche bekanntgegeben.

Bei der Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche ging es vor allem um Prävention und Schutz der möglichen Opfer sowohl von sexuellem Missbrauch als auch von anderen Arten von Gewalt in Situationen, in denen der Täter die Minderjährigkeit des Opfers ausnutzt oder eine Abhängigkeitsverhältnis missbraucht.
In ihrem Beschluss erinnerte die Synode daran, dass jede Person, die offizielle Funktionen in der Kirche ausübt und im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit den Verdacht auf eine Straftat hat, verpflichtet sei, unverzüglich die Staatsanwaltschaft oder die Polizei zu benachrichtigen sowie zu verhindern, dass Spuren oder Beweise vernichet werden. Auch der zuständige Diözesanbischof und der Bischof der Kirche sollten benachrichtigt werden.
Ab 1. Juni 2019 wird eine spezielle E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich eventuelle Opfer unerwünschter Handlungen wenden können, um das Konsistorium der Kirche zu informieren.
Gleichzeitig wies die Synode darauf hin, dass es notwendig ist, Personen, die sexuellen Missbrauch melden, an die Mediations- und Beratungsstelle der Evangelisch-Augsburgischen Kirche zu überweisen, damit sie auch die notwendige außergerichtliche Unterstützung erhalten.
Es wurde zudem betont, dass die Kirche den Geistlichen und anderen Personen, die in der Kirche tätig sind, geeignete Materialien und Schulungen anbieten soll, die sich auf das Problem sexueller Gewalt beziehen.

POLEN: Erklärung des Ökumenischen Rats gegen den Hass

Nach dem Tod des Bürgermeisters von Gdańsk/Danzig Paweł Adamowicz infolge eines Messerangriffs verurteilte der Ökumenische Rat in Polen alle Erscheinungsformen von Hass, Hassreden in der öffentlichen Debatte, und sprach sich für eine solidarische Gesellschaft aus.

Während der jährlichen Neujahrssitzung des Ökumenischen Rats in Polen las Jerzy Samiec, Präsident dieses Rats und der leitende Bischof der evangelisch-augsburgischen Kirche, den Anwesenden einen Appell vor. An dem Treffen nahmen Vertreter der polnischen Kirchen, verschiedener Religionen sowie der Regierung teil.
„Als Mitgliedskirchen des Polnischen Ökumenischen Rates wollen wir uns unmissverständlich gegen alle Erscheinungsformen von Hass aussprechen, auch gegen Hassreden, die in der öffentlichen Debatte vorkommen. Hass entfernt uns voneinander, lässt uns Vorurteile pflegen; und anstatt eine starke und solidarische Gesellschaft aufzubauen, sind wir bereit, Spaltungen aufrechtzuerhalten“, mahnen die Mitgliedskirchen die Gesellschaft in ihrem Apell. „Wir rufen alle auf, die Spirale des Hasses zu stoppen. Denn wir sind nicht so gespalten, dass wir nicht miteinander reden oder einander vergeben können. Wir sollten jeden Menschen achten. Jeder Mensch, der nach dem Ebenbild und dem Bildnis Gottes geschaffen ist, hat seine Würde. Es ist unsere Pflicht, Vorurteilen und Hassreden entgegenzuwirken, sowie Solidarität mit denen zu zeigen, die darunter leiden. Lasst uns lernen, miteinander zu reden, lasst uns nicht miteinander kämpfen.“
Bischof Samiec berichtete, dass die Mitglieder des Rats darüber nachgedacht hätten, was aktuell in dem Land passiert. Der Mord an dem Bürgermeister zeige noch einmal die Konflikte und tiefen Spaltungen in Polen, in den Kirchen des Landes, Gemeinschaften, aber auch in Familien. Samiec sah auch die Kirchen verantwortlich für diese Atmosphäre: „Wir haben die Menschen nicht genug geliebt und haben vergessen, diese Liebe mit unserem Leben zu zeigen.“
Das Konsistorium der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen traf sich am 17. und 18. Januar 2019. Um den Bürgermeister Paweł Adamowicz zu ehren und Solidarität mit der Wohltätigkeitsaktion „Großes Orchester der Weihnachtshilfe“ zu bekunden, beschloss das Konsistorium 10 000 Złoty (ca. 2 300 Euro) zu spenden. Außerdem ermutigte das Konsistorium die Ortsgemeinden, sich aktiv bei der Wohltätigkeitsaktion zu beteiligen. Die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen denkt auch über ein Bildungsprogramm für Jugendliche nach, um für Demokratie, Toleranz und Verständnis für das Anderssein zu werben. Die jungen Menschen sollen gewaltfreie Kommunikation und Umgang mit schwierigen Emotionen wie die Wut lernen, und Hilfe bei Konfliktlösungen erhalten.