Rumänien

RUMÄNIEN: Die Arbeit in der Kirche ist schwerer geworden

Zsolt Erzse ist Vikar im Kirchenkreis Kronstadt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien.
2016/2017 war er Stipendiat des GAW und hat zwei Semester an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig studiert. Er schreibt über die Erfahrungen, die er in seiner Arbeit während der Corona-Pandemie macht:
"Ich habe mir nie vorstellen können, wie es ist, in solch einer Situation zu leben. Mir persönlich geht es gut, aber die Arbeit in der Kirche ist schwerer geworden. Auch in Rumänien gab es einen strengen Lockdown und die Kirchen waren einige Zeit geschlossen. Inzwischen sind sie wieder geöffnet, aber viele Gemeindemitglieder haben Angst, in die Kirche oder zu Gemeindeveranstaltungen zu kommen. Sie haben Angst, sich anzustecken. Ich kann das verstehen. Umso wichtiger ist es, in Kontakt mit den Menschen zu bleiben, zu glauben und zu beten.

Ich arbeite als Vikar sehr viel mit Jugendlichen. Während des Lockdowns haben wir viele Veranstaltungen und Andachten online gemacht. Jetzt, wo wir wieder richtige Veranstaltungen organisieren dürfen, merke ich, dass das gar nicht so einfach ist. Die Zahl der Teilnehmer ist begrenzt und wir müssen uns an bestimmte Auflagen halten. Ich finde die persönliche Begegnung aber sehr wichtig. Deshalb nehme ich das in Kauf und habe schon einige Veranstaltungen für Jugendliche organisiert und habe einige in Planung.

Schwierig ist auch die finanzielle Situation. Bei uns gibt es keine Kirchensteuer. Unsere Kirche lebt von den Spenden ihrer Mitglieder. Doch viele sind arbeitslos geworden und haben selbst nicht mehr genug Geld. Das ist auch ein Problem bei der Finanzierung unserer Veranstaltungen für Jugendliche - gerade, wenn sie jetzt in den Ferien mehrere Tage gehen sollen. Viele Jugendliche können keine Beiträge für ihre Teilnahme bezahlen. Bisher haben wir aber immer eine Lösung gefunden. Wir helfen einander. 'Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir, die vielen , ein Leib in Christus, aber untereinander ist eines des andern Glied.' (Römer 12,4-5)"

RUMÄNIEN: "Fast täglich müssen wir irgendetwas anders oder neu organisieren"

Pfarrerin Judit Vincze, Präsidentin des GAW in Rumänien und Diakonieverantwortliche der Reformierten Kirche – Westlicher Kirchendistrikt, berichtet von der aktuellen Situation der Kirche und der Diakonie in Oradea. Der Pflegedienst wird durch das Jahresprojekt 2020 der GAW-Frauenarbeit unterstützt:
„Wir leben im Moment in einer Situation, die wir uns in unseren schlimmsten Träumen nicht ausmalen konnten. Aber sie ist da und ist Teil unseres Lebens. Wir sind stark eingeschränkt. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das mit Hilfe des Allmächtigen Gottes durchstehen können. Das ganze Bischofsamt arbeitet im Home Office. Das Osterfest und die Karwoche haben wir bereits "im Internet" gefeiert. In diesen ungewöhnlichen Zeiten erfahren wir doch viel Segen

Beim Pflegedienst der Diakonie läuft zum Glück alles weiter wie immer. Alle acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an den drei Pflegepunkten weiterhin im Dienst und pflegen unsere 77 Patienten. Alles braucht länger. Beim Arzt, in der Apotheke, auf dem Markt, in den Geschäften – überall lange Warteschlangen. Wir müssen kreativer und flexibler sein als vorher und fast täglich irgendetwas neu- und umorganisieren. Auch in diesen schwierigen Zeiten für die Patienten da zu sein, empfinden die PflegerInnen als Berufung Gottes. Ich bin dafür sehr dankbar. Schutzausrüstung für unsere Pflegekräfte haben wir zum Glück vom ungarischen Staat als Nothilfe erhalten. Auf dem freien Markt ist sie schwer zu finden und sehr teuer. 

Jeden Morgen schicke ich auf Facebook eine kurze Andacht in die Welt. Ich hoffe und bete, dass wir durch das Wort Gottes geheilt werden und anders und neu anfangen werden.“
 

Hier gibt es mehr Infos zum Jahresprojekt der Frauenarbeit: 
https://www.gaw-wue.de/spenden/jahresprojekt-2020-der-frauenarbeit/

Neubau eines Gemeindehauses in Ariusd

Ariusd ist ein Ort, der zwischen den Siedlungsgebieten von siebenbürgischen Ungarn und den Siebenbürger Sachsen liegt. Die meisten Bewohner sind orthodoxe Rumänen und pfingstkirchliche Roma. Die reformierten ungarischsprachigen Christen bilden national und konfessionell eine kleine Minderheit. Die Gemeindeglieder sind aber überzeugt, dass sie trotz ihrer geringen Zahl wichtige Aufgaben haben und diese auch erfüllen können.Ein Großteil der Gemeindeveranstaltungen findet aktuell in einem Vorraum des Pfarrhauses statt.

Nach langen Vorbereitungen konnte die Gemeinde im Jahr 2016 mit dem Bau eines multifunktionalen Gemeindehauses beginnen. Inzwischen ist der Rohbau fertig und überdacht. Mit einem großen Saal und einem Raum für die Arbeit mit Kindern soll das Gebäude zum einem helfen, die Platzprobleme der Gemeinde zu lösen. Zum anderen möchte die Gemeinde mit Gästezimmern im Dachgeschoss und einer Dauerausstellung über die archäologischen Funde aus einer jungsteinzeitlichen Siedlung dazu beitragen, den Kulturtourismus im Dorf anzukurbeln.

  • Gemeindehaus Ariusd

Foto Mitte, 3. v.li.: Metropolit Andrei Andreicuţ, Bischof Reinhart Guib