Gustav-Adolf-Werk finanziert erste Luther-Büste in Serbien

Slowakische Evangelische Kirche A.B. in Serbien feiert das Reformationsfest

Im Rahmen eines Festgottesdienstes zum 500. Reformationsjubiläum wurde am 31.10.2017 in Padina bei Belgrad im Kirchengarten ein Reformationsbaum gepflanzt, sowie die Büste des Reformators Martin Luther feierlich enthüllt.

Beim Festgottesdienst waren Gäste aus dem In- und Ausland, sowie Repräsentanten der Serbisch-Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche vertreten.

In Serbien ist 1% der Bevölkerung evangelisch. Durch die vom Gustav-Adolf-Werk in Württemberg finanzierte Luther-Büste kann die Evang. Kirche ihre Glaubensüberzeugungen öffentlich sichtbar machen.

 

 

Belgrader Reformationsjahr ......

„Was ist denn in der Riesenkiste drin?“ wollte Anfang Juni der serbische Zöllner an der Grenze wis-sen. „Luterova glava“, hab ich geantwortet: Luthers Kopf. Erst schaut er mich entgeistert an, weil er nur das Stichwort „Kopf“ versteht und mit dem Namen unseres westlichen Reformators nichts an-fängt. Ich zeige ihm Papiere, die erläutern: als Passagier im Auto fährt bei mir mit eine gut verpackte Kunststoff-Büste, Geschenk des Stuttgarter Gustav-Adolf-Werks für die slowakische Gemeinde im serbischen Padina.

Die Nacht zuvor hatte der prominente Fahrgast in Ljubljana verbracht. Vielleicht hat er dort im Geiste ein Gespräch geführt mit dem slowenischen Reformator Primus Truber (Primož Trubar). Der mag ihm gesagt haben: „Du hast ja noch Glück gehabt, warst nur zehn Monate auf die Wartburg verbannt. Mich hat man ein Jahr nach deinem Tod aus der Diözese Laibach (Ljubljana) als Ketzer vertrieben. So kam ich nach Deutschland und habe in Kempten das Neue Testament übersetzt, wie du – für meine lieben Slowenen. Drucken durfte ich meine Schriften im schwäbischen Stift Urach. Wir hatten sogar kyrillische (genauer: glagolitische) Lettern im Setzkasten, denn wir wollten, dass man die Bibel auf dem ganzen Westbalkan lesen kann.“ ...

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Was doch in eine einzige Woche reinpasst…

© Pfarrer Hans-Frieder Rabus 2015

Schülerinnen beim Tanz in der Deutschen Schule Belgrad

„Helfen Sie mit, unsere Deutsche Schule Belgrad (DSB) geistlich einzuweihen?“, hatte der Schulleiter gefragt. „Wir sollten es ökumenisch machen. Gibt es hier einen katholischen Priester, der Deutsch kann? – Mit dem serbisch-orthodoxen Patriarchat bin ich bereits im Gespräch.“ – Mit Freude hatte ich zugesagt. Ich wusste ein wenig, wie schwierig es gewesen war, bis die Deutsche Schule ein geeignetes Gebäude hatte anmieten können; wie zäh die Gespräche mit serbischen Behörden verliefen; welche Mühen es machte, einigermaßen Rechtssicherheit herzustellen, bevor man mit dem teuren Umbau beginnen konnte. – Jetzt ist Einweihungstag. Hohe Prominenz von Stadt und Staat, von Auslandsvertretungen, allen voran die Deutsche Botschaft Belgrad, von der deutschen Auslandsschulverwaltung und dem örtlichen Trägerverein der DSB sind gekommen. Kinder, Eltern, Angehörige füllen erwartungsvoll die zum Festsaal umgestaltete Turnhalle. Vom Kindergarten mit Vorschule bis zur Oberstufe reicht das Angebot der traditionsreichen Belgrader Schule – 1854 vom damaligen deutschen evangelischen Pfarrer in Belgrad gegründet. Man begann mit 23 Schülern. Zu Beginn der der deutschen Besatzung 1941 waren es 1000 Schülerinnen und Schüler. 1944 wurde die Schule von den Alliierten zur Hälfte ausgebombt... Lesen Sie bitte weiter >>>

Wer da alles in Belgrad vorbeischaut…

„Ich will die Kirche nochmal sehen, in der mein Vater Orgel gespielt hat“, sagte sich Maria Karthäuser aus Melsungen und flog kurzerhand nach Belgrad. Serbisch hatte sie über eine Kinderfreundin in ihrer alten Heimat gelernt. Auch nach über siebzig Jahren kommt sie mit dieser Sprache gut zurecht. Ich verabrede mich mit der unternehmungslustigen Donauschwäbin an Belgrads mächtigem Wahrzeichen, der Kirche des Heiligen Sava in Vracar, und bin angerührt von der Lebensgeschichte, die sie erzählt: Ihr Vater Karl Ellenberger aus Neu Pasua hatte sich in Surcin eine Schusterwerkstatt aufgebaut und zog 1940 mit der Familie nach Semlin. Im Sanitätspark zu Franzensfeld waren Sattler und Schuhmacher gefragt. Harmoniumspiel hatte der junge Handwerker über den EC in Neu Pasua gelernt, und wenn Organist und Lehrer Strobel verhindert war, hat Pfarrer Haas eben ihn um Orgelbegleitung für den Gottesdienst gebeten. Als Frau Karthäuser den heutigen Zustand unserer immer noch enteigneten Kirche sieht, ist die den Tränen nahe. „Hier oben hat mein Vater georgelt; wir Kinder freuten uns, den Blasebalg zu treten“, - sie zeigt auf eine noch erkennbare Emporenbrüstung unter der abgehängten Decke, die die lichte Kirchenkuppel verbirgt. Keine Orgel mehr. „Da vorne ist meine Schwester konfirmiert worden“, - sie muss schlucken, denn statt des Altars steht dort die Theke aus der Zeit, als die Kirche ein Tanzcafé war. Die Kirchenbänke sind längst verschwunden; der kreisrunde Fußboden diente als Tanzparkett. „Der Altar hatte keinen Aufbau, so konnte das Licht aus dem Fenster dahinter ungehindert einfallen.“ Ich frage weiter, wie die Kirche eingerichtet war, wo die Kanzel stand, der Taufstein; ob es einen Mittelgang gab in der Kirche von der Pforte zum Altarraum, oder ob man seitlich um die Sitzreihen herumgeleitet wurde. Manche Erinnerungen sind unsicher; das Mädchen war erst zehn, als die Familie 1944 fliehen musste und unter schlimmen Nöten und Verlusten, aber auch wunderbarer Bewahrung schließlich im Westen zu neuen Anfängen fand. „Hier ist das Pfarrhaus“ – zielsicher geht meine Erzähl-Zeugin aus alten Zeiten über die Straße, „und dort um die Ecke haben wir gewohnt“: sie deutet auf die heutige Ulica Novigradska. Ich fahre weiter mit ihr nach Surcin, wo sie geboren ist. Eine Bekannte will sie besuchen, eine kranke Frau, die jetzt in ihrem Elternhaus lebt. Die evangelische Kirche, in der sie getauft wurde, gibt es nicht mehr. Doch all die schmerzlichen Erinnerungen wirken bei ihr wie umarmt und getröstet von Dankbarkeit über die Erfahrung: trotz allem – ich durfte leben bis heute. „Bis hierher hat mich Gott gebracht – und eben auch hindurchgebracht durch schwere Zeiten - durch seine große Güte“ (Evang. Gesangbuch 329).

Fortschritte am Bau - ein Bericht aus Belgrad im März 2016

© Pfarrer Hans-Frieder Rabus 2015

Brücke über die Drina

Jedesmal gibt es mir einen kleinen Stich, wenn ich auf dem Weg zum Belgrader Bahnhof am „Generalstab“vorbeikomme. Das Gebäude steht seit Jahren zerstört und ausgebrannt da – wie ein stummer Vorwurf: Seht, das haben die Nato-Bomben 1999 uns angetan.
Doch seit kurzem sind Baukräne am Werk. Man macht sich an den Abriss der zerstörten Teile, und ein Wiederaufbau scheint in Sicht. Das Gebäude, 1964 vom Belgrader Stadtarchitekten Nikola Dobrović erstellt, ist denkmalgeschützt. Links und rechts der breiten Nemanjina-Straße weicht es nach oben mit jedem Stockwerk weiter zurück: stellt baulich eine Schlucht dar, nämlich die des Flusses Sutjeska in Bosnien-Herzegowina. Dort, etwa in der Mitte zwischen Sarajevo und Dubrovnik, entkam 1943 der Partisanenführer Tito mit knapper Not den deut-schen und italienischen Verfolgern, die in fünffacher Übermacht seine kleine Armee umzingelt hatten – Wende im Krieg und Keim zur späteren Föderativen Volksrepublik Jugoslawien unter Titos Diktatur. Auch an andern Stellen in der Stadt wird kräftig gebaut: Mein gewohnter Radweg am Sava-Ufer, der zum Erholungsgebiet Ada Ciganlija führt, ist dieses Frühjahr plötzlich verlegt. Am Ufer will ein arabischer Investor gleich ein ganzes Stadtquartier aus dem Boden stampfen - „Belgrade Waterfront“. Mir weckt das zwiespältige Gefühle und ich frage mich, woher die Kunden für die geplanten Hotels, Bürotürme, Shoppingmalls alle kommen sollen. Zugleich freue ich mich über jede Baumaschine, jede Häuserfassade, die renoviert wird: dadurch sind Menschen in Arbeit und können – bei der hohen Arbeitslosigkeit - sich wenigstens ab und zu ihr Brot verdienen. Weiterlesen >>>