Spanien

SPANIEN: Die Fliednerstiftung Madrid in der Coronakrise

Abitur unter Coronabedingungen:
Am Tag, als die Regierung die Alarmstufe ausgerufen hat, beendeten die AbiturschülerInnen ihre Prüfungen zum Halbjahr, und die oberen Jahrgänge waren schon mitten in den Vorprüfungen zum Abitur. Seitdem haben sie online und im normalen Stundenplan gelernt, sich sehr stark eingebracht und bemüht.
Die Lehrer sind sehr stolz auf ihre Schüler und Schülerinnen. Sie sind beeindruckt davon, wie professionell die Hausarbeiten per Google Classroom abgegeben werden und über die Akzeptanz und Beteiligung an Online Meetings.

Homeschooling:
Gut, dass die Fliednerstiftung schon seit einigen Jahren auf die flächendeckende Einführung neuer Technologien im Unterricht setzt. So war die Umsetzung des Unterrichts von zuhause und der intensive Kontakt mit den Lehrkräften kaum ein Problem. Wer zuhause technisch nicht ausreichend ausgerüstet war, konnte das Tablet aus der Schule leihen. Die Familien haben sich bei den Schulen sehr für die engmaschige Betreuung ihrer Kinder bedankt.

Die Schulen der Fliednerstiftung und ihre Lehrkörper sind sehr bemüht und engagiert um Nähe zu den Schülern trotz der technischen Distanz zu schaffen, sie möchten so gut wie möglich helfen und unterstützen, um diese durchaus nicht normale Situation ein Stück „normaler“ zu machen, damit die Schüler sich gut betreut fühlen.

Aus „Blätter aus Spanien“, Nr. 64

https://www.fliedner-stiftung-madrid.de/blatter-aus-spanien/

SPANIEN: In Madrid wächst die Not von Migrantinnen

Spanien ist eines der am schlimmsten vom Coronavirus SARS-CoV-2 betroffenen Länder der Welt. Am 27. Mai begann eine zehntägige Staatstrauer für die 27.000 Menschen, die bisher an oder mit dem Virus verstorben sind. Madrid hat besonders viele Opfer zu beklagen. Esther Ruiz de Miguel (links) leitet das Sozialzentrum der evangelischen Gemeinde in Madrid "Acción Social Protestante" (ASP), das Menschen in Not hilft. 2015 unterstützte das Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit die Arbeit von ASP. Esther berichtet:

„Die Corona-Krise zeigt die Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft sehr deutlich. Frauen haben die schlechteren Arbeitsverhältnisse, arbeiten oft ohne Vertrag und verdienen weniger Geld. Sie tragen mehr Verantwortung für die Familie oder sind alleinerziehend, teils mit mehreren Kindern. Viele der Menschen, die zu uns kommen, leben von kurzfristigen Jobs und Gelegenheitstätigkeiten. Frauen haben auf Grund der Betreuung von Kindern und älteren Menschen jetzt schlechtere Chancen auf Beschäftigung.

Die meisten Menschen, die bei ASP neu um Lebensmittelspenden bitten, sind Frauen. Sie sind meist diejenigen, die Wege suchen, Lebensmittel und andere Ressourcen nach Hause zu bringen. Langfristig wollen wir helfen, die Ungleichheit zu bekämpfen, z.B. mit Ausbildungs- und Kinderbetreuungsangeboten. So haben die Frauen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Auch unsere Selbsthilfegruppen wollen wir ausweiten. An zwei Beispielen möchte ich zeigen, mit welchen Problemen Frauen, insbesondere Migrantinnen, in Madrid derzeit kämpfen: 

Patricia ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Vor der Pandemie arbeitete sie als Putzhilfe in einem Haus außerhalb von Madrid. Trotz Ansteckungsgefahr musste sie weiterarbeiten, denn: Ohne Vertrag keine Arbeitnehmerrechte. Obwohl sie alles tat, um ihre Arbeit nicht zu verlieren, steckte sie sich mit Covid-19 an und wurde daraufhin gekündigt. Ohne Geld kann sie ihre Miete nicht mehr zahlen. Patricias Lage verschlechterte sich so sehr, dass sie jetzt Lebensmittelunterstützung braucht. Das ist besonders traurig, weil sie schon einmal Lebensmittelhilfe bekommen hatte, als sie vor fünf Jahren in Spanien ankam. Sie hat so viele Hindernisse überwunden und für ihre Unabhängigkeit gekämpft. Es bricht mir das Herz, zu sehen, dass sie jetzt wieder Hilfe braucht. 

Elisabet lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrem zwölfjährigen Sohn in einem Apartment in Madrid. In ihrem Heimatland befinden sich Familie und Freunde. Sie nimmt an den ASP-Frauentreffen teil und wird dort sehr geschätzt. Bei Elisabet und ihrem Mann wurde Covid-19 diagnostiziert und sie wurden ins Krankenhaus eingewiesen. Elisabet erzählte uns mit Tränen in den Augen, wie sie vom Krankenhausbett aus ihrem Sohn eine Nachricht schrieb: „Mein Schatz, Papa und ich sind im Krankenhaus. Alles ist gut, aber falls uns etwas passiert, musst du wissen: Dein Pass, deine Gesundheitskarte, das Familienbuch und andere Dokumente sind in einem blauen Umschlag in der zweiten Schublade von meinem Nachttisch. Nimm sie und geh zur Polizei, sie werden dir helfen.“ Zum Glück haben sie sich erholt, sind wieder zu Hause und suchen jetzt nach Arbeit. Aber es war sehr hart für sie als Mutter, darüber nachzudenken, was mit ihrem Sohn passieren würde, falls sie nicht mehr da sein sollte und schmerzhaft, diese Nachricht zu schreiben.

Sanierung des Ökumenischen Zentrums in Los Rubios

Das Ökumenische Zentrum Los Rubios (Centro Ecuménico Los Rubios) in der Nähe von Málaga wurde Anfang der 1980er Jahre gebaut und ist seitdem ununterbrochen als ökumenische Begegnungsstätte in Betrieb.

Das Zentrum wird ohne Gewinnabsicht verwaltet. Die örtliche Gemeinde nutzt die Kapelle und weitere Räumlichkeiten mit. Jeden Sonntag werden ökumenisch offene Gottesdienste gefeiert. Das Zentrum bietet mit seinen 20 Zimmern Platz für rund 60 Personen und dient als Kinderferienlager, als Stätte für verschiedne Konferenzen oder Familienurlaube.

Das Zentrum Los Rubios wird seit über 30 Jahren intensiv genutzt. Um das Zentrum besser an die Bedürfnisse der Zeit anzupassen und attraktiver zu gestalten, sind Erneuerungen dringend geboten. Es wurden schon Betten ausgetauscht und neue Tische und Stühle angeschafft. Nun sollen die Bäder der 20 Gästezimmer dringend renoviert werden.

Hoffnung verkünden und mit Leben füllen in Spanien

Wir wollen Hoffnung verkündigen," sagt Pastor David Manzanas aus Alicante. Mit seiner Frau betreut er die vier Gemeinden im Presbyterium Levante der Iglesia Evangélica Espanola (IEE). Es ist das kleinste der sieben Presbyterien der IEE mit max. 250 dazugehörenden Mitgliedern. "Das spüren Menschen - insbesondere wenn sie verletzt sind. Wir selbst sagen manchmal, dass unsere Kirche wie eine Gesundheitsstation ist. Es kommen die mit Verletzungen, die, die angewiesen sind auf Hilfe und die Heilung brauchen. Und wenn sie geheilt sind, dann gehen sie oft wieder..." Und er fährt fort: "Manchmal ist das enttäuschend für uns als kleine Diasporakirche, denn wir wachsen in Spanien kaum. Dennoch ist es unsere Aufgabe, Hoffnung zu verkündigen und zu leben. Zu uns kommen die, die in der Gesellschaft oft nicht wahrgenommen werden - oder sogar abgelehnt werden. Unter den "Evangelicos" in Spanien sind wir deshalb auch Außenseiter, weil wir vielen zu liberal sind." Und dann erzählt er davon, wie die kleine 30-köpfige Gemeinden der IEE in Alicante mit der Kirche im Stadtzentrum eine für ihre Verhältnisse große diakonische Arbeit leistet. An zwei Tagen in der Woche kommen Menschen, um Lebensmittelpakete abzuholen. Es sind hauptsächlich Moslems z.B. aus Marokko und Algerien. Aber auch arme Spanier und Ladinos kämen. 320 Familien werden versorgt. Die Lebensmittel werden von der "Banco de Alimentos" und der Europäischen Union gestellt. Die Verteilung und Registrierung erfolgt durch Freiwillige der Gemeinde. "Das wiederum stärkt unsere Gemeinde," sagt David. Eine enorme Kraftanstrengung, die die Gemeinde da leistet. "Für uns ist das ganz praktisch Hoffnung verkündigen! Wir verteilen die Lebensmittel in unserer Kirche. Auch der Raum verkündet den Empfangenden nicht nur durch die Gaben Hoffnung."

Sanierung des Freizeitzentrums „Aiguaviva“ in Lérida

Generationen von Evangelischen aus Katalonien haben in diesem kirchlichen Freizeitzentrum wunderbare Tage verbracht. Heute sind unter den Gästen auch Flüchtlings- und Migrantenkinder, die die Diakoniezentren der Spanischen Evangelischen Kirche besuchen und sonst keine Chance hätten, aus der Stadt herauszukommen.

Das Freizeitzentrum „Aiguaviva“ liegt 136 Kilometer von Barcelona entfernt. Der katalonischsprachige Name bedeutet auf Deutsch „lebendiges Wasser“. Insgesamt bietet das Freizeitzentrum Platz für 60 Personen. Es gibt zwei große Schlafsäle und fünf Ferienwohnungen.Vor 45 Jahren wurde das Gelände erworben. Damals, in der Zeit der Franco-Diktatur, durfte die evangelische Kirche nicht als Eigentümerin auftreten. Sie hatte keine Rechte gegenüber dem Staat. So musste ein Pfarrer als Eigentümer eingetragen werden. Für die evangelische Kirche in der Region Katalonien spielt „Aiguaviva“ eine identitätsstiftende Rolle.

Alle Familien in evangelischen Kirchengemeinden haben hier Freizeiten erlebt, Urlaube gemacht und zugleich an der Erhaltung des Zentrums mitgearbeitet. Das ist bis heute so. Mindestens zwei Mal im Jahr gibt es Arbeitseinsätze von Gemeindegliedern. An den Freizeiten nehmen zunehmend Kinder teil, deren Muttersprache weder Spanisch noch Katalanisch ist. Unter den Kindern und Jugendlichen, die das kirchliche Jugendzentrum „Moisés“ in Santa Coloma besuchen, sind viele Geflüchtete und Migranten. In „Aiguaviva“ können sie den beengten Wohnungen entfliehen, unbekümmert spielen und die Natur erkunden. Mehrere Räume des Freizeitzentrums müssen dringend erneuert und die Wege um das Gebäude herum ausgebessert werden.

Spanien: Weiterhin evangelische Pfarrer ohne Rentenansprüche

Die emeritierten spanischen Pfarrer sind auch nach dem rechtskräftigen Urteil des Strasburger Menschenrechtsgerichtshofes weiterhin ohne Rentenansprüche.
Auf Grund dessen muss die Spanische Evangelische Kirche (IEE) in ihrem Haushalt jährlich 65.801 € für volle oder anteilige Rentenzahlungen veranschlagen. Die Kirche sieht sich verpflichtet, die Pensionäre, für die sie nicht oder nur teilweise in die Rentenkasse einzahlen durfte, weil ihr Beruf nicht anerkannt war (noch bis 1999!), in voller Höhe zu bezahlen.
„Wir möchten, dass sie dieselbe Rente erhalten, die sie bekämen, wenn wir für sie hätten einzahlen können, was uns nicht erlaubt war“, sagt der Kirchenvorsitzende Alfredo Abad. Es handelt sich um 17 Personen, 11 Pfarrwitwen und 6 pensionierte Pfarrer.
Laut dem vorigen Kirchenpräsidenten Joel Cortes hat die IEE insgesamt schon 1,5 Millionen Euro an Pensionszahlungen geleistet.
Die Konferenz Europäischer Kirchen hat zu diesem eklatant diskriminierenden Thema ein Youtube Video in englischer Sprache „Justice for Spanish Pastors“ erstellt, das wir sehr empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=tfxdPof9ltU
(Quelle: Blätter aus Spanien (Nr. 62 - Frühjahr 2019)