Wann hört der Krieg in Syrien endlich auf...? Die Not ist groß!

Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo berichtet aus seinem Alltag:
„Die vergangenen Tage haben wir in Kessab und Aleppo Raketenangriffe erlebt. Das war heftig. Und in Aleppo in dicht besiedelten Stadtteilen gab es mindestens 38 Todesopfer. Auch in Kessab im Nordwesten an der türkischen Grenze – fielen Raketen in der Nähe des armenischen ev. Sommerlagers. Es soll renoviert werden. Ich wollte gerade dorthin aufbrechen von Aleppo, aber das war nicht möglich durch die Bombardements“.
Seit zwei Wochen bombardieren syrische und russische Kampfjets wieder die Provinz Idlib im Norden Syriens, wo seit September 2018 ein Waffenstillstand herrschte. Der Regierung Assad wird ein Bruch des vereinbarten Waffenstillstandes vorgeworfen. Die verschiedenen islamistischen Rebellengruppen sollen den Angreifern unterlegen sein. Angeblich sind tausende ausländische islamistische Kämpfer in der Region um Idlib. Al-Kaida Anführer haben alle waffenfähigen Männer zum Widerstand aufgerufen. So sind die Raketenangriffe auf Kessab und Aleppo zu erklären.
Den Regierungstruppen wird vorgeworfen Schulen und Gesundheitszentren gezielt zu bombardieren. Seit Ausbruch der Kämpfe sind über 300 Tote zu beklagen. Mehr als 200.000 Menschen sind derzeit auf der Flucht ins syrisch-türkische Grenzgebiet. Die Türkei hat dabei die Grenze geschlossen und vorsorglich Truppen dort zusammengezogen. Die Flüchtlinge, die teilweise schon aus anderen Regionen Syriens geflohen sind, campieren jetzt im Nirgendwo und wissen nicht weiter. Die Not ist in der Region Idlib/Hamaa groß.
Die Not ist auch für die Menschen groß, die in den Gebieten leben, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Gerade in diesen Regionen leben die evangelischen Christen - und überhaupt die Christen aller anderen Denominationen. In islamistisch besetzten Gebieten wie Idlib gibt es so gut wie keine christliche Präsenz mehr.
„Der Benzinmangel in Syrien hat weitreichende Auswirkungen bis hin zum Anstieg bei den Lebensmittelpreisen. Die wirtschaftliche Not ist immens in den Gebieten, die unter der Kontrolle des syrischen Regimes stehen. Die iranische Unterstützung wurde vor einem halben Jahr gestoppt, was die Versorgungskrise verschärfte. Täglich bilden sich lange Schlangen mit Hunderten von Autos vor den Tankstellen. Leider stiegen die Preise für Kochgas oder Treibstoff um mehr als dreimal so hoch wie der offizielle Preis ist. Heute besteht unsere Hauptpriorität darin, unseren bedürftigen Familien zu helfen beim Nötigsten für den Alltag. Um Menschen das Dableiben zu ermöglichen sind wir auf Solidarität und Hilfe angewiesen“, schreibt Pfarrer Haroutune Selimian.

„Wir haben eine Zukunft in Syrien“

Ghazal Saad ist eine der Jugendlichen, die sich im Projekt „Space for Hope“ der evangelischen Gemeinde in Homs engagieren. Ghazal gab auch der GAW-Konfirmandengabe 2017 ein Gesicht und eine Stimme. Mit der Konfirmandengabe sammelt das GAW seit 2015 regelmäßig Spenden für evangelische Schulen in Syrien.

Für die 2017er Spendenaktion erzählte Ghazal von sich: „Mein Name ist Ghazal. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Homs in Syrien. Seit ich 11 bin, ist Krieg. Seit ich 11 bin, höre ich jeden Tag und jede Nacht die schrecklichen Stimmen dieses Krieges: Raketen, Schüsse, Geschrei ... Homs liegt in Trümmern. Viele Menschen sind tot, auch Menschen, die ich kannte und liebte. Monatelang konnten wir unsere Wohnung nicht verlassen. Meine Schwestern und ich konnten nicht zur Schule gehen. Mein Vater verlor seine Arbeit. Als meine Mutter schwer krank wurde, konnten wir sie nicht ins Krankenhaus und zu keinem Arzt bringen. Wir hatten keinen Strom und kein Wasser. Wir konnten uns und unsere Kleidung nicht waschen. Wir hatten nicht genug zu essen. Für meine Mutter gab es keine Medikamente. Jeden Tag hatten wir Angst, dass wir unsere Wohnung verlieren und sterben würden. Die Situation in Homs hat sich inzwischen etwas beruhigt. Ich und meine Schwestern gehen wieder zur Schule. Doch noch immer leben wir im Krieg und unsere Angst bleibt: vor Raketen, vor Heckenschützen, vor Autobomben. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Frieden!“ Anfang Juli 2017 trafen wir Ghazal in Leipzig bei der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK). Sie hatte sich für das Stewardprogramm beworben und wurde als Helferin eingeladen. „Es ist das erste Mal, dass ich in Europa bin!“, erzählte Ghazal, „hier in Leipzig konnte ich auch zwei Freunde aus Homs treffen – der eine studiert hier, der andere ist geflohen, weil er nicht zum Militär wollte.“ Ghazal lebt nach wie vor mit ihrer Familie in Homs. „Ich liebe mein Land und ich möchte nirgendwo anders leben“, sagt sie. Und dann berichtet sie von ihrem Leben heute: Es sei wesentlich besser geworden. Es gibt keine Kämpfe mehr. „Die Stadt ist viel sicherer!“, bekräftigt Ghazal. „Und wir haben große Hoffnung, dass es so bleiben wird!“

Ghazal möchte Medizin studieren, um Ärztin zu werden wie ihre Mutter, die inzwischen wieder in einem Krankenhaus arbeitet. Eine ihrer Schwestern ist Lehrerin an der evangelischen Schule in Homs. Die andere studiert Zahnmedizin. „Ich habe Hoffnung, dass wir eine Zukunft in Syrien haben“, sagt Ghazal zum Abschied.

„Wenn unsere Kinder nicht zur Schule gehen können, wächst eine verlorene Generation heran.“

Millionen syrischer Kinder und Jugendlicher können wegen des Krieges in ihrem Land nicht zur Schule gehen. Viele Schulen sind zerstört. „Wenn unsere Kinder nicht zur Schule gehen können, wächst eine verlorene Generation heran“, fasst Pfarrer Firas Farah aus Qamishly eine große Sorge der Menschen in Syrien um die Zukunft ihrer Kinder und ihres Landes zusammen.

Die rund 200.000 Einwohner zählende Stadt Qamishly liegt im Nordosten Syriens direkt an der Grenze zur Türkei in einem von Kurden verwalteten Gebiet. In den 1920ern und 1930ern Jahren waren zahlreiche Christen aus der südlichen Türkei vor den in jenen Jahren verübten Massakern an Christen geflohen und hatten sich in Qamishly niedergelassen. Damals wurde auch die evangelisch-presbyterianische Gemeinde von Qamishly gegründet, die bereits 1931 eine Schule eröffnete. Joseph Kassab, der Generalsekretär der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon (NESSL), zu der Gemeinde und Schule in Qamishly gehören: „Schulen sind ein Markenzeichen evangelischen Lebens in Syrien. Als im 19. Jahrhundert evangelische Missionare ins damalige Osmanische Reich kamen, eröffneten sie zunächst Schulen. Auch heute noch haben die evangelischen Schulen in Syrien einen sehr guten Ruf.“

Auch die evangelische Schule in Qamishly hat großen Zulauf. 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler an der evangelischen Schule in Qamishly sind Christen, 85 Prozent Kurden und Muslime. Schule als ein Ort, an dem junge Menschen nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sondern auch über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg zusammenleben. Firas Farah, Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Qamishly: „Wenn die Kinder und Jugendlichen gemeinsam zur Schule gehen, sich über Religionsgrenzen hinweg kennen- und schätzen lernen, Freundschaften schließen, sind sie nicht so anfällig für extremistische Propaganda. Unser Land braucht Versöhnung.“

615 Kinder und Jugendliche werden derzeit an der evangelischen Schule in Qamishly unterrichtet. Bis zum vergangenen Schuljahr 2016/2017 saßen zum Teil bis zu 50 Kinder in einem Klassenzimmer. Firas Farah: „Das hat Lehrer und Schüler auf Dauer überfordert.“ Mit finanzieller Unterstützung des GAW hat die evangelische Gemeinde in Qamishly ihre Schule über die Sommerferien 2017 erweitert. Auf dem  erst im Jahr 2005 errichteten eingeschossigen Gebäude entstand ein zweites Geschoss mit neuen Klassenzimmern. 

Auch das evangelische Aleppo College, das ebenfalls zur NESSL gehört, konnte mit Hilfe des GAW über die Sommerferien 2017 weiter renoviert werden. In den Jahren 2012 und 2013 war die Schule von islamistischen Rebellen besetzt worden. „Es gab in dieser Zeit keinen Unterricht und als die Rebellen abzogen fanden wir die Schule verwüstet vor“, erinnert sich Joseph Kessab, „wir haben danach trotzdem versucht weiterzumachen.“ Das Schuljahr 2013/2014 startete mit 60 Schülern, das darauffolgende mit 160. Die Schülerzahl wächst langsam aber beständig. Für das Schuljahr 2017/2018 sind 550 Schüler eingeschrieben. Joseph Kessab: „Die Menschen kehren nach Aleppo zurück seit die schweren Kämpfe um die Stadt beendet sind. Wir hoffen, dass bald wieder 700 bis 800 Schüler an unserer Schule lernen – so viele wie vor dem Krieg.“

Stück für Stück wird auch die verwüstete Schule wieder aufgebaut und Flur für Flur, Klassenzimmer für Klassenzimmer wieder renoviert. Ohne finanzielle Unterstützung ist das unmöglich. Auch die Schüler und ihre Familien brauchen Hilfe, damit ein Schulbesuch erst möglich wird. Joseph Kessab: „Der Krieg hat die Menschen völlig mittellos gemacht. Sie können kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten, geschweige denn Schulgeld für ihre Kinder bezahlen.“

Die größte syrische Schule der Evangelischen Kirche in Syrien und im Libanon (NESSL) befindet sich in Homs. Mehr als 1.300 Schülerinnen und Schüler lernen dort. Diese Schule genoss schon vor dem Krieg den Ruf eine der besten Schulen Syriens zu sein. „Unsere Schule hat viele Wissenschaftler und auch Dichter hervorgebracht“, ist Pfarrer Mofid Karajili aus Homs stolz. Anfang 2017 finanzierte das GAW einen neuen Stromgenerator für die Schule. „Wir haben nur wenige Stunden am Tag Strom“, schrieb Mofid Karajili damals als er sich für die Hilfe bedankte, „mit dem Generator können wir aber nicht nur Computer oder Kopierer betreiben. Er versorgt auch unsere Heizung mit Strom. Es gibt viele Familien, die ihre Kinder im Winter am liebsten den ganzen Tag in der Schule lassen würde, weil es dort warm ist.“

Auch die evangelisch-armenischen Gemeinden in Syrien betreiben insgesamt sechs Schulen: in eine Damaskus, vier in Aleppo und eine in Kessab. Insgesamt lernen rund 1.300 Kinder an diesen Schulen. Eine dieser Schulen ist die Bethelschule in Aleppo. Mehrfach ist die Schule in den Jahren des Kampfes um Aleppo von Dschihadisten beschossen worden. Immer wieder hat die Bethelgemeinde ihre Schule – auch mit Hilfe des GAW – wieder aufgebaut. Derzeit sind 200 Kinder an der Schule eingeschrieben. Pfarrer Haroutune Selimian, Pfarrer der Bethelgemeinde: „Langsam steigen die Schülerzahlen an unserer Bethelschule wieder.“

Damit evangelische Gemeinde ihre Schulen in Syrien offen halten können, sammelt das GAW seit 2015 jedes Jahr einen Teil der GAW-Konfirmandengabe für diese Schulen: für Reparaturen und Generatoren, für Schulmaterial und Stipendien, für Schulbusse und Heizöl.  Joseph Kassab: „Ohne diese Unterstützung könnten wir unsere Schulen in Syrien kaum halten.“

Unterstützen Sie evangelische Schulen in Syrien mit Ihrer Spende!

Es gibt Hoffnung für Syrien

„Space für hope“ ist ein solches Projekt. Es ist aus der Initiative von 20 jungen Menschen in Homs entstanden, die sich mitten im Krieg entschlossen: Wir müssen etwas tun. Wir müssen Brücken bauen. Wir müssen Kindern und Jugendlichen Handwerkszeug geben, dass sie in dem anderen jemanden sehen, der auch Hoffnung braucht wie ich - sei er Christ, Muslim oder Alawit.
Syrien ist ein vielfältiges Land. Es ist nicht leicht, miteinander mit unterschiedlichen christlichen Denominationen und anderen Religionen zusammen zu lesen. Aber diese Vielfalt macht aus Syrien ein besonderes Land.
Helfen Sie mit, den Raum für Hoffnung in Homs zu stärken!

Möchten Sie Kindern und Familien in Syrien helfen?

12 Euro kostet es, ein Kind an einer evangelischen Schule in Aleppo mit Schulmaterial wie Stiften, Linealen, Schreibheften usw. für ein Schuljahr auszustatten. 35 Euro ermöglichen der evangelischen Bethelgemeinde in Aleppo die Zusammenstellung eines Lebensmitelspakets für eine Familie. 40 Euro kostet die Winterkleidung für ein Kind. Das GAW unterstützt mit dieser Weihnachtsaktion die evangelische Bethelgemeinde in Aleppo.
Ihre Spende hilft!

Was dient dem Frieden in Syrien?

Im Rahmen des Bezirkskirchentags in Nürtingen, fand am vergangen Mittwoch ein Vortrag des Gustaf-Adolf-Werks, über die Situation der Christen im Libanon und Syrien in der Christuskirche in Zizishausen statt. Ulrich Hirsch ehemaliger Geschäftsführer und Mitglied der Landessynode berichtete von Impressionen seiner Libanon Reise im Jahr 2016. Außerdem stellte er die Arbeit des GAW weltweit vor. Der Arbeitskreis des GAW Nürtingen versorgte die Gäste mit kulinarischen Köstlichkeiten.
Pfarrer Karlheinz Graf begrüßte die Zuhörer ganz nach dem Motto des diesjährigen Bezirkskirchentags - der Zumutung: „Es ist Mutig, dass sie heute hier sind und sich diese Zumutung anhören". Die Situation der Christen im Nahen Osten ist nicht einfach. Viele Kirchen wurden durch den anhaltenden Krieg teilweise zerstört. Menschen haben ihr Zuhause verloren und sind auf Hilfe angewiesen. Genau dafür setzt sich das Gustav-Adolf-Werk ein. Es unterstützt sozial-diakonische Einrichtungen und Gemeinden weltweit mit Spenden und Freiwilligenhelfer vor Ort. Ulrich Hirsch war vor zwei Jahren im Libanon und hat sich dort ein Bild von der Lage gemacht. Eindrucksvoll berichtete er mit Bildern von zerstörten Kirchen und Pfarrern die alles für ihre Gemeinde geben. Einer der Libanesischen Pfarrer fährt jeden Tag in das angrenzende Syrien um dort den Menschen zu helfen und Hoffnung zu geben. National Evangelical Synod of Syria and Lebanon, heißt die grenzübergreifende Kirchengemeinde. Es besteht ein Verbund zwischen den beiden Nachbarländern. Im Libanon leben Christen und Muslime seit einigen Jahren friedlich zusammen. Während in Syrien viele Christen fliehen müssen. Von ehemals über 400.000 Christen in Aleppo sind nur noch 6.000 geblieben, viele andere sind bereits während des anhaltenden Krieges geflüchtet. Doch die die geblieben sind geben nicht auf, so predigte ein Pfarrer in Homs auch noch in den Trümmern seiner Kirche, so Hirsch. Mit Hilfe von Spendengeldern des GAWs wurde diese Kirche inzwischen wieder aufgebaut. Wertvolle Arbeit leistet das GAW auch in der Bildungs- und Ausbildungsarbeit. Bildung ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Kinder im Libanon aber auch derer in Syrien. Hirsch zeigte Bilder der christlichen Johann Ludwig Schneller Schule in der Bekaa-Ebene im Libanon. Dort werden sowohl Kinder mit christlichem als auch muslimischen Glaubens gemeinsam unterrichtet. „Die Schüler haben jeden Tag gemeinsam eine Morgenandacht in der Kirche", so Hirsch. Neben einer Schulischen Ausbildung erhalten die Kinder dort auch eine handwerkliche Grundausbildung in der Schulwerkstatt. Besonders eindrucksvoll waren die Bilder der Eingangstüre der Schulkirche. Darauf zusehen, dass Wort Frieden in vier verschiedenen Sprachen und Friedenstauben als Türöffner „Schöner kann sich Frieden nicht darstellen", betonte Hirsch damit.
Diese „Zumutung" des gemeinsamen Zusammenlebens von Christen und Muslimen, ist ein guter Anfang um den Frieden im Nahen Osten weiter auszubauen. Der Zusammenhalt wird durch den Friedensdienst des Gustav-Adolf-Werks gestärkt, neue Perspektiven für die Kinder geschaffen und damit die Arbeit am Frieden unterstützt.
Genau dieser Frieden soll weitere Verbreitung finden und Die Hilfe des Gustav-Adolf-Werkes kommt bei den Christen im Libanon und dem angrenzenden Syrien an. Einzelne Menschen arbeiten dort für den Frieden.
Diesen Frieden aufrechtzuerhalten hat sich das Gustav-Adolf-Werk zur Aufgabe gemacht und unterstützt seit einigen Jahren Schulen und Gemeinden im Libanon und Syrien.

... wir haben uns aufgemacht, und bauen wieder auf..."

"Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen; denn wir, seine Knechte, haben uns aufgemacht und bauen wieder auf," so steht es in Nehemia 2,20 - unter diesem Leitwort stand die 3. Partnerschaftskonsultation der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" (NESSL) vom 18.-20. April 2018 in der Nähe Beiruts. Ohne diese Hoffnung, dass das Leben Sinn macht, und dass Gott es gelingen lassen möge - wie sollten die Christen im Nahen Osten - insbesondere derzeit in Syrien überleben? Diese Hoffnung trägt sie, denn sie sagen zu Recht: Hier sind wir zu Hause! Von Syrien breitete sich der christliche Glaube aus. Vor Damaskus begann es - mit Paulus. Und gerade dieser Paulus war es, der uns alle einlädt "Gutes zu tun an jedermann, allermeist an des Glaubengenossen"! Deshalb geht es der Kirche darum, zu versöhnen und wieder aufzubauen. Pastor Joseph Kassab, Generalsekretär der NESSL, betont dann auch: "Die Christen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, all das, was an Schlimmen und Gewaltvollem geschehen ist, zu bewältigen und alle Syrer/innen wieder zusammenzubringen, um die reiche Vielfalt Syriens zu bewahren und den sozialen Zusammenhalt wiederherzustellen. Das ist eine große Aufgabe und Herausforderung. Das sei nur gemeinsam zu schaffen zwischen allen Menschen guten Willens. Kassab betont, dass ohne die verschiedenen Partner der NESSL es unmöglich wäre die evangelische Präsenz in Syrien zu erhalten. Denn: Auch wenn es inzwischen immer mehr sog. "sicherer Zonen" gibt und man beispielsweise in Aleppo sich gut und sicher bewegen kann, so ist die ökonomische Situation alles andere als gesichert und gut. Die Menschen brauchen Unterstützung, um beispielsweise Lebensmittel zu kaufen. Gerade hier hat die Kirche zu helfen, um den Menschen Hoffnung und Perspektive zu geben -und zwar ganz konkret. Gerade die Botschaft der Hoffnung ist so dringend nötig, damit die Sprache der Angst, die so weit verbreitet ist, begrenzt wird. Sorgenvoll berichten alle Pfarrer aus Syrien, dass die Raketenangriffe des vergangenen Wochenendes die Menschen verunsichert. Sie habe Sorge, dass die Gewalt wieder eskalieren könnte.

Nachricht aus Aleppo zum Sonntag Reminiszere

Vor kurzem hat Pfarrer Haroutune Selimian von der armenisch-evangelischen Bethelgemeinde an einer Tagung des GAW Württemberg teilgenommen und eindrücklich von seiner Situation in Aleppo und seinen Gemeinden in Syrien berichtet. Per Facebooksprachnachricht hat er mir berichtet, wie die Situation und das Leben wieder komplizierter werden:
"Ich bin inzwischen zurück in Aleppo. Ich habe am Sonntag Gottesdienst gehalten.
Es war schwer. Am 2. Februar sind zwei Raketen direkt in der Umgebung der Bethelkirche eingeschlagen. Ich wurde darüber informiert als ich in Stuttgart war. Auch während unseres Gottesdienstes am Sonntag war Raketenlärm aus der Ferne zu hören. Mehr als 1.300 kurdische Flüchtlinge aus Afrin sind hier in der Nähe untergebracht, die wir mit versorgen. Das ist auch ein Grund, warum auf einmal wieder auf uns geschossen wird.
Trotz allem beten wir in jedem Gottesdienst, an jedem Tag um Frieden in unserem Land. Wir haben Sorgen, dass der Krieg wieder stärker wird. Wir spüren direkt in unserem Leben die negativen Auswirkungen, die das Eingreifen der türkischen Armee im Norden hat.
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GAW aktuell:

(v. links/Foto U. Hirsch): Generalsekretär Joseph Kassab, GAW-Präsidentin Gabriele Wulz, Pfarrer Mofid Karajili/Homs, Kirchenrat Klaus Rieth, Theologin Najla Kassab/Antelis-Libanon, Synodal-Präsidentin Inge Schneider

Besuch aus Syrien - Delegation aus Syrien besucht die württembergische Landeskirche

Am Mittwoch, 24.08.2016, besuchte eine dreiköpfige Delegation aus Syrien die württembergische Landeskirche.
Auf Einladung des Gustav-Adolf-Werks (GAW) informierten Mofid Samir Karajili, Pfarrer in Homs/Syrien, sowie das Theologen-Ehepaar Najla und Joseph Kassab über die Situation im Bürgerkriegsland Syrien und die Lage der Kirchen und Gemeinden. Rev. Joseph Kassab ist Generalsekretär der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon mit Sitz in Beirut. Er und seine Frau Najla stammen aus Aleppo.
Den Besuch im Oberkirchenrat in Stuttgart empfingen die Präsidentin des GAW Deutschland und Vorsitzende des GAW Württemberg, Prälatin Gabriele Wulz sowie die Präsidentin der Württembergischen Landessynode, Inge Schneider. Ausserdem nahmen an dem Gespräch teil: Dr. Owe Boersma vom Evangelischen Misssionswerk in Deutschland/ Hamburg, der Generalsekretär des GAW Deutschland, Pfarrer Enno Haaks/ Leipzig, Kirchenrat Klaus Rieth und GAW-Württemberg-Geschäftsführer Ulrich Hirsch. Die Delegation informierte über die prekäre Situation der (Rest-) Gemeinden in Syrien, deren Leben, Glauben und Hoffen. Mehrfach wurde der Dank der Gäste für die Hilfe aus Württemberg und vom Gustav-Adolf-Werk angesprochen.
Über das GAW hat die Württembergische Landeskirche in Homs für Projekte bisher über 36.000 Euro zur Verfügung gestellt. Weitere 200.000 Euro wurden für ähnliche Projekte in anderen Städten Syriens eingesetzt. Auch viele Spenden aus dem Bereich des GAW werden für die Stärkung der verbliebenen Gemeindeglieder und deren Überleben, sowie deren Gemeindearbeit verwendet. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Bildungs- und Ausbildungsarbeit in den Evangelischen Schulen in Syrien und im Libanon. Für diesen Bereich ist die Theologin Najla Kassab verantwortlich.
Weitere Unterstützungsprojekte wurden bei dem Besuch angesprochen und brauchen die Unterstützung und Solidarität des GAW.