Ghazal hat Hoffnung auf Zukunft in Homs

Württ. Konfirmanden unterstützen Schüler in Syrien

„Es ist für mich wunderbar, in Leipzig dabei zu sein …“ erzählt Ghazal aus Homs in Syrien.Die heute 16jährige, aktiv in der Jugendarbeit der Presbyterianisch-Reformierten Kirchengemeinde Homs, nimmt auf Einladung am Stewardprogramm der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig teil. Mit ihrer Hilfe bittet das Gustav-Adolf-Werk (GAW)  Konfirmanden im Jahr 2017 um Spenden für evangelische Schulen in Syrien. 

Im Gespräch mit dem Generalsekretär des GAW-Leipzig, Pfarrer Enno Haaks, erzählt Ghazal:
"Es ist das erste Mal, dass ich in Europa bin und hier in Leipzig konnte ich zwei Freunde aus Homs treffen - der eine studiert hier, der andere ist geflohen, weil er nicht zum Militär wollte." Ansonsten ist ihre Familie weitgehend in Syrien geblieben. "Ich liebe mein Land und ich möchte nirgendwo anders leben,“ sagt sie. Und dann berichtet sie von ihrem Leben. Es sei wesentlich besser geworden. Es gibt keine Kämpfe mehr. Im ganzen Jahr 2017 gab es keinen Anschlag in Homs. "Die Stadt ist sicher!" bekräftigt sie. "Und wir haben große Hoffnung, dass es so bleiben wird!"

Als Ghazal vor einem Jahr ihre Geschichte aufschrieb, berichtete sie:
„Mein Name ist Ghazal. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Homs in Syrien. Seit ich 11 bin, ist Krieg. Seit ich 11 bin, höre ich jeden Tag und jede Nacht die schrecklichen Stimmen dieses Krieges: Raketen, Schüsse, Geschrei … Homs liegt in Trümmern. Viele Menschen sind tot, auch Menschen, die ich kannte und liebte. Monatelang konnten wir unsere Wohnung nicht verlassen. Meine Schwestern und ich konnten nicht zur Schule gehen. Mein Vater verlor seine Arbeit. Als meine Mutter schwer krank wurde, konnten wir sie nicht ins Krankenhaus und zu keinem Arzt bringen. Wir hatten keinen Strom und kein Wasser. Wir konnten uns und unsere Kleidung nicht waschen. Wir hatten nicht genug zu essen. Für meine Mutter gab es keine Medikamente. Jeden Tag hatten wir Angst, dass wir unsere Wohnung verlieren und sterben würden. Die Situation in Homs hat sich inzwischen etwas beruhigt. Ich und meine Schwestern gehen wieder zur Schule. Doch noch immer leben wir im Krieg und unsere Angst bleibt: vor Raketen, vor Heckenschützen, vor Autobomben. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Frieden!"

Die württembergischen Konfirmanden unterstützen jedes Jahr mit der sogenannten Konfirmandengabe ein Jugendprojekt einer Partnerkirche des GAW.Im Jahr 2016 haben württ. Konfirmanden für Projekte in Syrien und Rumänien insgesamt 128.000 € gesammelt.

Stuttgart, 06.07.2017 / Ulrich Hirsch

>>> zur Konfigabe 2017

 

 

 

Evangelische Gemeinde und Schule in Homs lebt weiter

 

 Vom GAW geförderte Gemeinde in Syrien ermutigt Menschen

Nach schweren Anschlägen in Homs / Syrien Ende Februar berichtet der Partner des GAW,  Pastor Mofid Karajili, der im September Stuttgart besucht hatte, mit bewegenden Worten von der derzeitigen Lage in Homs/Syrien:

„Uns geht es in Homs gut – auch wenn die Anschläge schwer waren und so viele Menschen ihr Leben verloren haben. Der Anschlag war nicht in der Gegend, in der unsere evangelische Kirche steht. Derzeit scheint alles wieder unter Kontrolle zu sein. Dazu gibt es für uns alle in Homs gute Nachrichten: Die radikalen Islamisten, die sich in der Nähe von Homs festgesetzt haben, werden die Gegend verlassen. Wir erwarten und hoffen, dass alle radikalen Muslime die Region verlassen werden und sich die Sicherheitslage dadurch erheblich verbessern wird. Homs wird dann befreit sein von militanten Gruppen. Sicherlich wird es immer mal wieder Unsicherheiten geben – auch in Zukunft. Aber keine Milizen, die gegen die Armee kämpfen.

Unsere evangelische Schule funktioniert wunderbar. Die Registrierung für das neue Schuljahr hat begonnen. Alle der 1.500 Plätze werden gefüllt. Es gibt viele Menschen, die ihre Kinder in unsere Schule schicken wollen. Wir haben keine freien Plätze mehr. Das Altersheim arbeitet ebenfalls gut, auch wenn immer wieder es wirt-schaftliche Probleme gibt. Das ist auch eine Folge des langen Krieges. Es ist gut und wichtig, dass wir als Evangelische hier präsent sind und den Menschen damit Hoffnung geben. Für mich ist es wunderbar in der Kirche zu arbeiten und das Gemeindeleben zu gestalten. Die Gottesdienste sind gut besucht. Außerdem macht uns das Projekt „Space für Hope" sehr viel Freunde. In diesem Projekt gestalten sunnitische, alawitische und christliche Kinder und Jugendliche miteinander ihre Freizeit und lernen spielerisch, dass das Leben nur gemein-sam gelingen kann."

Das GAW hat die evangelische Gemeinde in Homs/Syrien mehrfach unterstützt: Schule und Altersheim wurde saniert. Zuletzt wurden 3 Stromgeneratoren finanziert und weitere Nothilfe geleistet.

Die Arbeit geht weiter. Das GAW ist für jegliche Hilfe dankbar.

Stuttgart/Homs, 03.04.2017