Die Kirche in Syrien unterstützen

Pfarrer Mofid Karajili, Homs, war Gast beim GAW-Special am 01.11.2018 in Stuttgart.
Arndt Bäucker berichtet von der sehr gut besuchten Veranstaltung:
Im vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien gibt es trotz großer Probleme Anzeichen der Hoffnung. Auf der Veranstaltung des Gustav-Adolf-Werkes Württemberg und des Bildungszentrums Hospitalhof in Stuttgart berichtete Pastor Mofjid Karajili von der evangelischen Gemeinde in Homs. Mehr als 130 Interessierte waren in den Hospitalhof gekommen und hörten von den enormen Schwierigkeiten, vor denen die Christen dort stehen. Aber: Mit den militärischen Erfolgen des Assad-Regimes sei zumindest eine Beruhigung eingekehrt, so der Pastor. Er sagte, es sei in der aktuellen Situation wichtig, die Menschen zu unterstützen, die in Syrien geblieben seien.
Pastor Karajili nannte erschreckende Zahlen: Mehr als 13 Millionen Menschen, das sind 60 Prozent der Bevölkerung Syriens, mussten seit Beginn des Krieges 2011 ihren Wohnort verlassen. 6,7 Millionen sind geflohen, 2,1 Millionen seien in Europa, rund eine Million in Deutschland. Mehr als 300 Schulen seien zerstört, mehr als zwei Millionen Schüler und Studenten könnten derzeit nicht ihre Ausbildung fortsetzen. Die Zahl der Christen habe stark abgenommen: Von rund 1,4 Millionen vor dem Krieg auf jetzt geschätzt nur rund 700.000.
Mofid Karajili betonte, es gebe dennoch Hoffnung. In Homs sei die Zahl der registrierten Gemeindemitglieder von knapp 200 im Jahre 2012 auf aktuell 307 angestiegen. Der Glaube sei lebendig: „Im Krieg sind die Menschen in die Kirche gegangen.“ Einige kircheneigene Gebäude und Einrichtungen, die zerstört waren, werden wieder aufgebaut, unter anderem mit finanzieller Unterstützung durch das Gustav Adolf Werk.
20 junge Mitglieder der Gemeinde in Homs, berichtete Karajili, hätten über mehrere Jahre hinweg in der Stadt eine Initiative namens „Space for Hope“ ins Leben gerufen, „Raum für Hoffnung“. Sie brachten Jugendliche aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften zusammen und bildeten gemischte Teams, zum Beispiel für sportliche oder musikalische Aktivitäten, und sie hielten Workshops ab. „Das war ein Wunder Gottes und ein Lernort, um wieder Verständnis füreinander zu entwickeln“, sagte Mofid Karajili. Seine Sorge jetzt sei, dass die Nöte in Syrien nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommen wie während der heftigsten Phase des Krieges. Das größte Problem ist es, dass so viele junge Menschen das Land verlassen wollten. Auch deshalb plädiere er noch einmal für die Unterstützung von Projekten und Initiativen vor Ort: „Wir müssen für die Zukunft unserer Kirche kämpfen.“ Und: „Syrien braucht Liebe.“
Das Gustav-Adolf-Werk hat das Projekt „Space for Hope“ u.a. mit der Konfirmandengabe 2017 unterstützt.

Ghazal hat Hoffnung auf Zukunft in Homs

Württ. Konfirmanden unterstützen Schüler in Syrien

„Es ist für mich wunderbar, in Leipzig dabei zu sein …“ erzählt Ghazal aus Homs in Syrien.Die heute 16jährige, aktiv in der Jugendarbeit der Presbyterianisch-Reformierten Kirchengemeinde Homs, nimmt auf Einladung am Stewardprogramm der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Leipzig teil. Mit ihrer Hilfe bittet das Gustav-Adolf-Werk (GAW)  Konfirmanden im Jahr 2017 um Spenden für evangelische Schulen in Syrien. 

Im Gespräch mit dem Generalsekretär des GAW-Leipzig, Pfarrer Enno Haaks, erzählt Ghazal:
"Es ist das erste Mal, dass ich in Europa bin und hier in Leipzig konnte ich zwei Freunde aus Homs treffen - der eine studiert hier, der andere ist geflohen, weil er nicht zum Militär wollte." Ansonsten ist ihre Familie weitgehend in Syrien geblieben. "Ich liebe mein Land und ich möchte nirgendwo anders leben,“ sagt sie. Und dann berichtet sie von ihrem Leben. Es sei wesentlich besser geworden. Es gibt keine Kämpfe mehr. Im ganzen Jahr 2017 gab es keinen Anschlag in Homs. "Die Stadt ist sicher!" bekräftigt sie. "Und wir haben große Hoffnung, dass es so bleiben wird!"

Als Ghazal vor einem Jahr ihre Geschichte aufschrieb, berichtete sie:
„Mein Name ist Ghazal. Ich bin 16 Jahre alt und lebe in Homs in Syrien. Seit ich 11 bin, ist Krieg. Seit ich 11 bin, höre ich jeden Tag und jede Nacht die schrecklichen Stimmen dieses Krieges: Raketen, Schüsse, Geschrei … Homs liegt in Trümmern. Viele Menschen sind tot, auch Menschen, die ich kannte und liebte. Monatelang konnten wir unsere Wohnung nicht verlassen. Meine Schwestern und ich konnten nicht zur Schule gehen. Mein Vater verlor seine Arbeit. Als meine Mutter schwer krank wurde, konnten wir sie nicht ins Krankenhaus und zu keinem Arzt bringen. Wir hatten keinen Strom und kein Wasser. Wir konnten uns und unsere Kleidung nicht waschen. Wir hatten nicht genug zu essen. Für meine Mutter gab es keine Medikamente. Jeden Tag hatten wir Angst, dass wir unsere Wohnung verlieren und sterben würden. Die Situation in Homs hat sich inzwischen etwas beruhigt. Ich und meine Schwestern gehen wieder zur Schule. Doch noch immer leben wir im Krieg und unsere Angst bleibt: vor Raketen, vor Heckenschützen, vor Autobomben. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als Frieden!"

Die württembergischen Konfirmanden unterstützen jedes Jahr mit der sogenannten Konfirmandengabe ein Jugendprojekt einer Partnerkirche des GAW.Im Jahr 2016 haben württ. Konfirmanden für Projekte in Syrien und Rumänien insgesamt 128.000 € gesammelt.

Stuttgart, 06.07.2017 / Ulrich Hirsch

>>> zur Konfigabe 2017

 

 

 

Evangelische Gemeinde und Schule in Homs lebt weiter

 

 Vom GAW geförderte Gemeinde in Syrien ermutigt Menschen

Nach schweren Anschlägen in Homs / Syrien Ende Februar berichtet der Partner des GAW,  Pastor Mofid Karajili, der im September Stuttgart besucht hatte, mit bewegenden Worten von der derzeitigen Lage in Homs/Syrien:

„Uns geht es in Homs gut – auch wenn die Anschläge schwer waren und so viele Menschen ihr Leben verloren haben. Der Anschlag war nicht in der Gegend, in der unsere evangelische Kirche steht. Derzeit scheint alles wieder unter Kontrolle zu sein. Dazu gibt es für uns alle in Homs gute Nachrichten: Die radikalen Islamisten, die sich in der Nähe von Homs festgesetzt haben, werden die Gegend verlassen. Wir erwarten und hoffen, dass alle radikalen Muslime die Region verlassen werden und sich die Sicherheitslage dadurch erheblich verbessern wird. Homs wird dann befreit sein von militanten Gruppen. Sicherlich wird es immer mal wieder Unsicherheiten geben – auch in Zukunft. Aber keine Milizen, die gegen die Armee kämpfen.

Unsere evangelische Schule funktioniert wunderbar. Die Registrierung für das neue Schuljahr hat begonnen. Alle der 1.500 Plätze werden gefüllt. Es gibt viele Menschen, die ihre Kinder in unsere Schule schicken wollen. Wir haben keine freien Plätze mehr. Das Altersheim arbeitet ebenfalls gut, auch wenn immer wieder es wirt-schaftliche Probleme gibt. Das ist auch eine Folge des langen Krieges. Es ist gut und wichtig, dass wir als Evangelische hier präsent sind und den Menschen damit Hoffnung geben. Für mich ist es wunderbar in der Kirche zu arbeiten und das Gemeindeleben zu gestalten. Die Gottesdienste sind gut besucht. Außerdem macht uns das Projekt „Space für Hope" sehr viel Freunde. In diesem Projekt gestalten sunnitische, alawitische und christliche Kinder und Jugendliche miteinander ihre Freizeit und lernen spielerisch, dass das Leben nur gemein-sam gelingen kann."

Das GAW hat die evangelische Gemeinde in Homs/Syrien mehrfach unterstützt: Schule und Altersheim wurde saniert. Zuletzt wurden 3 Stromgeneratoren finanziert und weitere Nothilfe geleistet.

Die Arbeit geht weiter. Das GAW ist für jegliche Hilfe dankbar.

Stuttgart/Homs, 03.04.2017