Tschechien

Umbau des Pfarrhauses zu einem Suchtzentrum in Trinec

Die lutherische Gemeinde in Trinec ist stark durch neupietistische Frömmigkeit geprägt. Die Gemeinde kaufte das ehemalige Kino Hutník und baute es 2010 zu einem Gemeindezentrum um, in dem es jetzt vielfältige Veranstaltungen für alle Altersgruppen gibt.

2008 entstand das Projekt "Die Chance- die helfende Hand", das sich um Menschen mit verschiedenen  Abhängigkeiten (Drogen, Spielautomaten, Bulimie etc.) kümmert. Zurzeit werden die Dienste wie Beratung, Suppenküche etc. im Gemeindezentrum "Hutník" angeboten. Die Räume reichen dafür jedoch nicht aus, zudem ist das Nebeneinander der Kinder- und Jugendarbeit und der Klienten gelegentlich problematisch.

Die Gemeinde möchte deshalb das ehemalige Pfarrhaus, das aktuell als Frauenhaus dient, für das Projekt "Die Chance" umbauen. Das 1904 errichtete Gebäude muss wegen statischer Probleme von Grund auf saniert werden. Für das Frauenhaus wird die Stadt ein anderes Gebäude zur Verfügung stellen.

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So sieht es nun renoviert aus!

Tschechien: Die finanzielle Trennung vom Staat

Auszug aus dem Strategieplan der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder:
Die EKBB befindet sich derzeit in einer außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situation. Bis 2012 bestand etwa die Hälfte ihres Budgets aus einem staatlichen Beitrag. Das war ein Überbleibsel der Regelungen aus kommunistischer Zeit. Schon um 1950 herum hatte der totalitäre Staat den größten Teil des kirchlichen, insbesondere des katholischen Eigentums beschlagnahmt. „Im Gegenzug“ verpflichteten sich die Kommunisten, einen Teil der Ausgaben der Kirche zu decken, in erster Linie die Gehälter der Geistlichen; natürlich waren diese Gehälter sehr niedrig.
Im Jahr 2013 trat ein neues Gesetz über die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen in Kraft. Der Staat verpflichtete sich, den Teil des einst von den Kommunisten gestohlenen Kirchenbesitzes, der noch zurückgegeben werden konnte, so bald wie möglich zurückzugeben. Das betraf in erster Linie die römisch-katholische Kirche. Für das Eigentum, das nicht mehr zurückgegeben werden kann, zahlt der Staat im Zeitraum 2013 bis 2042 schrittweise in 30 Raten eine Entschädigung an die Kirchen. Die römisch-katholische Kirche verzichtete zugunsten anderer, kleiner Kirchen auf einen Teil dieses Geldes. Nur aus diesem Grund fand die Lösung (also die Restitution und gleichzeitig die finanzielle Trennung von Staat und Kirchen) ökumenische und politische Unterstützung. Der Staat bezahlt also den gestohlenen Kirchenbesitz, verringert allerdings gleichzeitig den bisherigen Zuschuss an die Kirchen, insbesondere zu den Gehältern der Geistlichen.
Somit verfügt die EKBB vorübergehend über mehr Ressourcen. Es ist jedoch klar, dass sie ab 2030 weniger Geld vom Staat erhalten wird und ab 2042 gar nichts mehr. Und das macht es sehr schwierig, das Dasein der Kirche und den kirchlichen Dienst langfristig zu planen: Soll man schneller zur Eigenfinanzierung gelangen und damit zwar ein größeres Investitionspolster für die Zukunft mit vollständiger Eigenfinanzierung gewinnen, gleichzeitig aber die Unabhängigkeit kleinerer Gemeinden und ihrer Pfarrstellen verlieren? Oder soll man langsamer zur Selbstfinanzierung übergehen, um kleineren Gemeinden die Möglichkeit zu geben, ihre Pfarrstellen länger zu erhalten, aber in Zukunft nur noch mit den laufenden Beiträgen der aktiven Mitglieder wirtschaften?
Aus Evangelische Nachrichten aus Tschechien Nr. 47

Tschechien: Abgeordnetenhaus und Senat uneinig in Besteuerung von Entschädigungszahlungen an Kirchen

Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) beobachtet mit Sorgen, wie hartnäckig die Kommunistische Partei ihr Vorhaben durchsetzt, die Entschädigungszahlungen an Kirchen nachträglich zu besteuern. Das von ihnen eingebrachte Gesetz wurde im Januar 2019 vom Abgeordnetenhaus verabschiedet. Am 28. Februar lehnte der Senat die Gesetzesnovelle zwar ab, aber das letzte Wort hat wieder das Abgeordnetenhaus. Dort kann das Veto des Senats mit einfacher Mehrheit überstimmt werden.
In einer Stellungnahme betonte die EKBB: „Wir sind beunruhigt über die symbolische Bedeutung dieser Verhandlungen. Dreißig Jahre nach dem Fall des kommunistischen Regimes, das den Kirchen unrechtmäßig die Mittel genommen hatte, bringen uns heute die Vertreter des Staates in eine ähnliche Situation, und dies wieder auf Antrag der Kommunisten.“
Dass sich die Kommunisten mit ihrem Gesetzesentwurf schon so weit durchsetzen konnten, hat verschiedene Gründe. Auf der einen Seite sind die starken antikirchlichen Stimmungen in der Gesellschaft, auf der anderen Seite ist die aktuelle Minderheitsregierung auf die Unterstützung der Kommunisten angewiesen.
Die EKBB plant momentan keine konkreten Schritte für den Fall, dass das Gesetz durchkommt. Im Zweifelsfall würde sie koordiniert mit den anderen Kirchen dagegen vorgehen. Die Kirchenleitung geht davon aus, dass gegebenenfalls auch eine Gruppe von Abgeordneten oder Senatoren die Überprüfung des Gesetzes beim Verfassungsgericht der Tschechischen Republik vorschlagen würde. In ihrer Stellungnahme sieht die EKBB schwerwiegende Folgen für das Land, wenn sich führende Vertreter des Staates nicht für die Einhaltung von Verträgen und Verpflichtungen, die sie selber beschlossen haben, einsetzen: „Den gesamtgesellschaftlichen Preis, den wir für ein solches populistisches und kurzsichtiges Handeln bezahlen, ist nämlich in letzter Konsequenz mit Geld überhaupt nicht zu beziffern.“

Weitere Hintergründe bezüglich der geplanten Besteuerung von Entschädigungszahlungen:
https://www.gustav-adolf-werk.de/nachrichten/tschechien-kirchen-protestieren-gegen-geplante-restitutionssteuer.html