Das Hus-Jahr 2015

2015 jährt sich zum 600. Mal der Märtyrertod von Meister Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz. Dieser Jahrestag ist für uns von großer Bedeutung. Meister Jan Hus hat mit seinem Leben und seinem Tod in den Böhmischen Ländern eine Reformbewegung entfacht, die der europäischen Reformation um ein Jahrhundert vorausgegangen ist, und deren Initiatoren (allen voran Martin Luther) in Hus ein Vorbild sahen. Meister Jan Hus bleibt ein Symbol, das uns seit dieser Zeit durch die Geschichte begleitet.  Bitte weiterlesen >>>

 

 

 

 

Pressemeldung von der Kirche der Böhmischen Brüder zum 600. Todestag von Jan Hus

Papst-Audienz und Gottesdienste der Versöhnung zum 600. Todestag von Jan Hus

Anlässlich des 600. Todestages von Jan Hus empfing Papst Franziskus am 15. Juni 2015 eine kirchliche Delegation aus der Tschechischen Republik. Die Delegation wurde geleitet von Kardinal Vlk, dem päpstlichen Delegaten für das Hus-Gedenkjahr, von Synodalsenior Joel Ruml von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und von Patriarch Tomáš Butta von der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche. Papst Franziskus würdigte Jan Hus in seiner Rede an die Kirchenvertreter als einen bedeutenden Prediger und Reformator der Kirche. Er brachte die Worte von Papst Johannes Paul II. in Erinnerung, der bei einem Symposium in Rom im Dezember 1999 sein „tiefes Bedauern über den grausamen Tod, zu dem Jan Hus verurteilt wurde" zum Ausdruck gebracht hatte. Franziskus betonte, dass es weiterhin nötig sei, die Persönlichkeit und Tätigkeit von Jan Hus zu studieren, da Hus heute nicht mehr Gegenstand von Zwietracht unter Christen sei, sondern Ansporn zum Dialog. „Dieses ideologisch bedingungslose Forschen wird ein wichtiger Dienst für die historische Wahrheit sein, für alle Christen und für die ganze Gesellschaft, auch über die Grenzen Ihres Landes hinaus." sagte der Papst den Kirchenvertretern aus der Tschechischen Republik. Er rief dazu auf, eng zusammenzuarbeiten, einander besser kennenzulernen und gemeinsam die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Er versicherte den Anwesenden, dass er innerlich am Gottesdienst der Versöhnung Anteil nehmen werde, den die Kirchenvertreter am Nachmittag desselben Tages feierten. „Der an Barmherzigkeit reiche Gott gebe uns Gnade, damit wir uns als Sünder erkennen und fähig werden einem dem anderen zu vergeben." wünschte Franziskus am Ende seiner Ansprache. Für die tschechische Delegation dankte Synodalsenior Joel Ruml für die bewegende Begegnung und überreichte dem Papst ein gläsernes Relief von Jan Hus mit den Jahreszahlen 1415 und 2015. Joel Ruml nahm den Gedanken auf, dass wir alle als Sünder auf Vergebung angewiesen sind und dass eine gute Zusammenarbeit unter den Kirchen sehr wichtig ist. Ruml versicherte dem Papst, dass sich die Christen in Tschechien hier auf einem guten Wege befinden und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass Franziskus bald einmal die Tschechische Republik besuchen wird.

Zusammen mit vielen tschechischen und internationalen Teilnehmern feierte die tschechische Delegation den Gottesdienst der Versöhnung in der Kapelle des päpstlichen Studienhauses Nepomucenum. Unter den Teilnehmern waren auch der tschechische Botschafter beim Vatikan Pavel Vošalík und eine ganze Reihe von Botschaftern aus anderen Ländern. Die Predigt hielt Kardinal Walter Kasper. In seiner Predigt über 2.Kor.5,20f sprach er über die frohe Botschaft der Versöhnung, die allen Sündern gilt, und die gerade auch der ökumenischen Bewegung als Aufgabe aufgetragen ist. Er würdigte Jan Hus als einen tiefen Kenner der Heiligen Schrift, als einen großen Prediger und Reformator der Kirche und sagte weiter: „Er kämpfte für einen Glauben nach dem Evangelium und für eine authentische Kirche ´arm für die Armen´, er stellte sich gegen Korruption und gegen Klerikalismus, der eine der ernsten Krankheiten der Kirche ist. … In vielen Punkten fände er heute Gehör bei Papst Franziskus." Die Liturgie, an deren Gestaltung sich die ganze Delegation beteiligte, war von der ökumenischen Hus-Kommission in der Tschechischen Republik vorbereitet wurden. Sie wurde nicht nur in Rom gefeiert, sondern am 20. Juni 2015 auch in der Prager Theinkirche am Altstädter Ring und in weiteren Kirchen in ganz Tschechien. Dazu hatten die Tschechische Bischofskonferenz und der Ökumenische Rat der Kirchen in der Tschechischen Republik aufge-rufen.

Am 6. Juli 2015 jährt sich zum 600. Mal der Todestag Meister Jan Hus, der am 6. Juli 1415 auf dem Konstanzer Konzil als Ketzer verbrannt wurde. Aus diesem Anlass finden am 5./6. Juli 2015 auf dem Prager Altstädter Ring und in den umliegenden Kirchen die Hus-Feierlichkeiten statt (www.hus-fest.eu), die von der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und der Tschecho-slowakischen Hussitischen Kirche für eine breite internationale Öffentlichkeit veranstaltet werden.

(Gerhard Frey-Reininghaus, Ökumene-Referent der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder, ekumenadontospamme@gowaway.e-cirkev.cz)