Ukraine-Ost-Europa

603.700 km²                                                                                                                             45.363.000 Einwohner

Die Hauptstadt ist Kyïv (Kiew) mit 2.887.974 Einwohnern. 78 % der Bevölkerung sind Ukrainer, 17 % Russen. Außerdem leben in der Ukraine Weißrussen, Krimtataren, Moldauer, Bulgaren, Polen, Ungarn, Rumänen und Griechen, insgesamt 130 Nationalitäten.

Zu 52 % gehört die Bevölkerung der Russisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats an (ca. 8.000 Gemeinden). Daneben gibt es zwei weitere orthodoxe Kirchen: die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat mit ca. 2.200 Gemeinden) und die Autokephale Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (ca. 1.000 Gemeinden). Im Westen der Ukraine (ehemaliges Galizien) ist die Griechisch-Katholische Kirche stark vertreten, eine mit Rom unierte orthodoxe Kirche (Uniaten). 9 % der Bevölkerung sind Katholiken. Die Römisch-Katholische Kirche ist vor allem im Westen des Landes zu finden. Insgesamt gibt es etwa 3 % evangelische Christen, die zu verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften gehören, und ca. 181.000 Juden in 198 Gemeinden. Die Muslime gehören vorwiegend der Volksgruppe der Krimtataren an und machen 4 % der Bevölkerung aus.

Partnerkirchen des GAW der EKD sind die

REFORMIERTE KIRCHE IN TRANSKARPATIEN (Kárpátaljai Református Egyház)

mit 98.000 Gemeindegliedern in 110 Gemeinden in drei Kirchendistrikten mit 10 Pfarrerinnen und 78 Pfarrern, 136 Katecheten, acht Missionaren, über 110 Kantoren und fast 50 Theologiestudierenden.

Im südwestlichen Teil der Ukraine befindet sich das Gebiet Transkarpatien, das rund 1.000 Jahre zu Ungarn gehörte. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es durch den Vertrag von Trianon zur Tschechoslowakei, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Transkarpatien politisch der Sowjetunion und dort der Teilrepublik Ukraine zugeordnet. Die Kontakte zur Reformierten Kirche in Ungarn wurden unterbrochen. Ende der 1940er Jahre war ein Großteil der Pastoren (40 von 106) bereits geflohen. Andere wurden deportiert. Kirchliches Eigentum wurde konfisziert. Einige Gemeinden konnten ihre Kirchen weiter benutzen, andere verfielen oder wurden umfunktioniert. Eine theologische Ausbildung war nicht erlaubt. Erst in den 1970er Jahren konnten wieder einige Pastoren ausgebildet werden.

So überlebte die Reformierte Kirche bis zum Zerfall der Sowjetunion unter schwierigsten Bedingungen. Erst nach 1988 trat die Kirche wieder an die Öffentlichkeit. Mit dem Gesetz über die Religionsfreiheit von 1991 wurde die offizielle Registrierung möglich, und es begann eine schleppende Rückgabe kirchlicher Grundstücke und Gebäude.

Der Kirche ist ein starker Aufbau- und Missionswille eigen. Sie stellt sich besonders intensiv den sozialen Problemen des Landes wie der Arbeitslosigkeit, die in den dörflich geprägten Regionen Transkarpartiens bei 80 % liegt.

Die Zahl der Kirchgemeinden ist seit 1990 von damals 81 Gemeinden auf 110 gewachsen. Sehr großen Wert legt die Kirche auf die christliche Bildung der Jugend sowie die Ausbildung ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie unterhält vier Gymnasien, mehrere Grundschulen und Kindergärten (darunter allein 26 Einrichtungen für Zigeuner). 2002 wurde der Jugendverband der Reformierten Kirche Transkarpatiens (KRISZ) gegründet. Seine Hauptaufgabe sieht er in der Weiterbildung der Jugendleiter der örtlichen Gruppen. Regelmäßig werden regionale Jugendtreffs und Jugendgottesdienste organisiert.

Das 1993 gegründete Diakonische Zentrum unterstützt in mehreren Gemeinden Armenküchen. Die Kirche unterhält zwei Kinderheime, ein Altenheim, ein Wohnheim für ledige Mütter sowie eine Einrichtung der Blaukreuzmission zur Alkoholiker- und Suchtkrankenhilfe. Seit ein paar Jahren widmet sich die Kirche auch intensiv der Behindertenarbeit, die bis dahin ein absolutes Tabu-Thema in der Gesellschaft war. Aktuell wird ein Rehabilitationszentrum für Kinder aufgebaut.

Die Kirche ist Mitglied der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa.

Um die internationale diakonische Hilfe für die Reformierte Kirche in Transkarpatien zu koordinieren, wurde 1993 in Beregszász ein Diakonisches Koordinierungsbüro eröffnet. Hilfspartner sind die Reformierte Kirche in Ungarn, das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS), die Reformierten Kirchen in den Niederlanden, die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, die Evangelische Kirche von Lippe-Detmold und das Gustav-Adolf-Werk der EKD. Im Jahr 2002 wurde eine gemeinsame Projektkoordinierung von Kirche und Diakonie gebildet.

Deutsche Evangelisch-lutherische Kirche in der Ukraine (DELKU)

mit ca. 2.000 Gemeindegliedern in 21 Gemeinden mit 7 Pfarrern, vier Diakoninnen und einem Diakon. Die Gemeinden auf der Krim gehören inzwischen aufgrund der Annektion der Krim durch Russland offiziell zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine hat eine lange Tradition, die bis auf die Ansiedlung von deutschen Lutheranern durch Katharina die Große in Kiew, Odessa und in der Nord-Ukraine zurückgeht. Den Siedlern wurden auch Grundstücke für Kirchenbauten zugewiesen, so etwa in Kiew im Gebiet des späteren Regierungsviertels. In der Stalinzeit wurden die Kirchen zerstört oder anderen Zwecken zugeführt, die Pfarrer ermordet oder Gemeindeglieder nach Sibirien oder Zentralasien verschleppt. Viele kamen ums Leben. Nach der politischen Wende konnten in den größeren Städten einige Gemeinden an die Tradition der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland anknüpfen und sogar kirchliche Gebäude zurückerhalten.

Aufgrund von Spannungen innerhalb der DELKU ruht derzeit die Partnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Stattdessen hat die DELKU im Sommer 2016 ihre Beziehungen zur Lutherischen Kirche – Missouri Synode intensiviert und vertraglich ausgebaut. Die DELKU ist Mitglied im Bund der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Russland und anderen Staaten (Bund der ELKRAS).

Zum evangelischen Spektrum zählen in der Ukraine weiterhin in beachtlicher Anzahl Gemeinden der Baptisten (2.400 Gemeinden), der Pfingstler (1.600 Gemeinden) und der Adventisten (850 Gemeinden). Außerdem gibt es lutherische Brüdergemeinden unter der Koordination von Viktor Gräfenstein, der sich von der DELKU gelöst hat.