Unsere Reisen im Jahr 2017

Lux lucet in tenebris

Reiseeindrücke von Susi und Christoph Tapernoux, St.Gallen (CH)

Auf den Spuren der Waldenser Studien- und Begegnungsreise nach Frankreich und Oberitalien   24.08. bis 01.09.2017

Die Spuren der Waldenser führen zurück in 12. Jahrhundert, zu einem Kaufmann aus Lyon namens Valdes; er erkannte beim Lesen der Bibel, wie weit sich die Kirche seiner Zeit vom Weg Jesu entfernt hatte. Sein Verzicht auf jeglichen Besitz erregte Aufsehen, seine Predigten führten zum Ausschluss aus der Kirche. Die Bewegung die er angestossen hatte, lebte jedoch weiter, zuerst im Untergrund, dann 300 Jahre als verfolgte Reformationskirche, teils im Exil, teils in den unzugänglichen Bergtälern des früher savoyischen Piemont.

Dementsprechend führte die Waldenserreise des GAW Württemberg vom August 2017 via Lyon nach Norditalien. In Lyon spürten wir das seit Römerzeiten pulsierende Leben der Handelsstadt an Rhone und Saône und wurden im evangelischen Gemeindezentrum sehr herzlich empfangen.

Dann brachte uns der Bus über die italienische Grenze nach Torre Pellice, ins spirituelle Zentrum der Waldenser: dort treffen sich jedes Jahr waldensische Delgierte von überall her zur Synode; neben deren Versammlungsraum und der Kirche besuchten wir das Gymnasium und das historische Museum. Unsere Unterkunft war die Waldenser Herberge „Foresteria“. In den tief eingeschnittenen Bergtälern der Umgebung sind um die 50% der Bewohner reformiert. Wir besuchten die sehr schlichten Gotteshäuser der Bergdörfer, erkletterten eine verborgene Höhlenkirche und ein mittelalterliches „Schulhaus“ für Prediger. Ergriffen standen wir beim Denkmal von Chanforan, wo 1532 unter freiem Himmel der Anschluss an die Kirchen der Reformation diskutiert und beschlossen worden war.

Ein Markstein der jüngsten Vergangenheit ist das auf 1600 m gelegene Zentrum „Agape“; der Waldenserpfarrer Tullio Vinay baute dort mit jugendlichen Freiwilligen aus den verschiedenen Kriegsländern ab 1946 ein Haus der Versöhnung.

Durch mehrheitlich deutschsprechende Führerinnen und Referenten lernten wir das Denken und Handeln der heutigen Waldenserkirche kennen, die aus den ihr zugewiesenen Steuergeldern in ganz Italien (und im Ausland) Sozialwerke unterhält. Die Gemeinden selber leben von den Beiträgen ihrer Mitglieder.

1848 wurden die Waldenser zu gleichberechtigten Staatsbürgern erklärt und konnten mit persönlicher und finanzieller Unterstützung besonders aus England viele Dorfschulen und selbst in Turin eine Kirche bauen. Der Besuch dieses Gotteshauses und ein Bericht über den Waldenser-Verlag „Claudiana“ rundeten die Reise ab – der letzte Tag war der malerischen Weingegend rund um Asti gewidmet. Ein grosser Dank gebührt dem überaus engagierten Reiseleiter Ulrich Hirsch vom GAW und dem mit-organisierenden Ehepaar Gudrun und Hermann Strecker. Mit regelmässigen Andachten und Kirchenliedern wurde für die geistliche Stärkung der 40 Teilnehmenden gesorgt; auch der gegenseitige Austausch und der Humor kamen nicht zu kurz.