Rumänien: Und es bleibt die Angst, das Virus selbst einzuschleppen …

Pflege, Altenheime und Gemeinschaft in Rumänien – 
Jahresprojekt der GAW-Frauenarbeit 2020

Als die GAW-Frauenarbeit den Schwerpunkt ihres Jahres­projektes setzte, konnte niemand erahnen, dass Altenheime und Pflegedienste in den folgenden Monaten zu besonders verwundbaren Einrichtungen einer Gesellschaft werden sollten.

Die reformierte Pfarrerin Judit Vincze, Präsidentin des GAW in Rumänien und Diakonieverantwortliche der Westlichen Kirchendistrikts ist froh, dass beim Pflegedienst der Diakonie die Arbeit nahezu wie gewohnt weitergeht. Die acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an den drei Pflegepunkten weiterhin im Dienst und pflegen ihre 77 Patienten. Aber – alles braucht länger. „Beim Arzt, in der Apotheke, auf dem Markt, in den Geschäften – überall lange Warteschlangen. Wir müssen kreativer und flexibler sein als vorher und fast täglich irgendetwas neu- oder umorganisieren“, so Pfarrerin Vincze. „Auch in diesen schwierigen Zeiten für die Patienten da zu sein, empfinden die Pflegekräfte als Berufung Gottes. Ich bin dafür sehr dankbar.“ Vincze erzählt, dass die Schutzausrüstung als Nothilfe vom ungarischen Staat kam. Auf dem freien Markt wäre sie schwer zu finden und sehr teuer gewesen.

Im Altenheim der Evangelischen Kirche A.B. in dem Dorf Schweischer (rumänisch Fişer) wechselte sich das Pflegeteam in zwei Schichten von jeweils 14 Tagen ab – alles, um die Bewohner zu schützen. Für zwei Wochen zogen sie ins Heim, arbeiteten und wohnten zusammen. Danach kehrten sie nach Hause zurück und verblieben dort 14 Tage lang in Quarantäne.

Seit dem 15. Mai fällt nun die Isolation am Dienstort zur Erleichterung der Betroffenen weg. Alle anderen Schutzmaßnahmen werden natürlich weiterhin in höchstem Maße beachtet. Schön für die Bewohnerinnen und Bewohner ist, dass sie wieder Besuch empfangen dürfen, wenn auch nur zu bestimmten Zeiten und ohne Umarmungen und Küsschen. Kein Besuch, kaum Ablenkung und wenig Körperkontakt, darunter litten die Menschen im Altenheim (wie auch viele andere) in den vergangenen Wochen sehr.

Heike Orian, die Projektbearbeiterin im Landeskonsistorium, berichtet, welche besonderen Umstände den Mitarbeiterinnen im Altenheim die Arbeit erschweren: der höhere organisatorische Aufwand, der Stress durch die ständige Überwachung des allgemeinen Gesundheitszustandes der Bewohnerinnen und Bewohner und schließlich die Angst, das Virus selbst ins Heim zu schleppen. „Momentan bedarf es unbedingt auch der emotionalen Unterstützung der Pflegenden, denn die Sorge um ältere Menschen ist – heute mehr denn je – eine sehr starke Belastung für alle, die im medizinisch-diakonischen Bereich tätig sind“, betont Orian.

Mit ihrem Jahresprojekt 2020 möchte die GAW-Frauenarbeit die häuslichen Pflegedienste der reformierten Kirchen in Rumänien und das Altenheim in Schweischer unterstützen. Einen Großteil der Spenden sammeln die Frauen jedes Jahr mit Vorträgen in verschiedenen kirchlichen Gruppen. Das ist seit Monaten nicht mehr möglich.

Bitte helfen Sie mit ihrer Spende, die diakonische Pflege in Rumänien am Leben zu erhalten!