Laudatio Prälatin G. Wulz

© ELK-Wue 2011

Zum 70. Geburtstag von Pfarrer i.R. Manfred Bittighofer

GAW-Empfang am 16. Mai 2012 im Weingut Forsthof in Kleinbottwar

 

Laudatio, gehalten von der 1. Vors. des GAW Württemberg, Prälatin Gabriele Wulz

 

Geburtstag gemeinsam in großer und freudig wartender Runde feiern, sehr verehrter Herr Pfarrer Bittighofer, ist eine feine Sache.

Und deshalb darf ich Sie zusammen mit Ihrer Frau und Ihrer Familie und allen, die sich freuen, dass es Sie gibt, heute und hier ganz herzlich begrüßen.

Geburtstage – runde zumal – sind eine wunderbare Gelegenheit, einem Menschen, dem man viel verdankt, auch öffentlich von Herzen zu danken. Ich tue das heute stellvertretend für viele Menschen im GAW in Württemberg und weit darüber hinaus und für viele Menschen in der Diaspora und tue das zugleich im Dank an Gott, der uns Sie geschenkt hat.

Das Gustav-Adolf-Werk in Württemberg, aber auch in der EKD, ist Ihnen ganz fest ans Herz gewachsen und umgekehrt hat in Ihrer Person Gestalt und Gesicht bekommen.

Sie haben die Geschicke dieses Werkes 25 Jahre umsichtig, liebevoll und in der Ihnen eigenen Art gelenkt und geleitet  und damit unserem Werk eine unverwechselbare Ausstrahlung gegeben.

Väterlich – fällt mir dazu ein.

„Väterlich“ im besten Sinne des Wortes. Das heißt liebevoll und voll Verständnis für die nicht unerheblichen Eigenarten dieses Werkes und seiner Menschen, aber dann auch – wenn es darauf ankommt – sehr bestimmt und klar in der Sache.

Das tut gut, und ist gut. Sowohl für das Werk und seine Arbeit, als auch für die Menschen, die sich in diesem Werk engagieren.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie Sie die äußersten Gegensätze vereinen können – und das alles mit einer großen Ausstrahlung und Leichtigkeit, die Menschen bezwingt und sie gewinnt:

Vielleicht hängt das mit den Grundkoordinaten Ihrer Existenz zusammen: Sie stammen aus Baden und sind doch Württemberger mit Leib und Seele.

Sie lieben Weißwein (und nicht Trollinger) und stehen für die württembergischste Kirche: die Stiftskirche in Stuttgart.

Sie sind kein Freund von Strukturen, aber Sie haben alles mit Nachdruck unterstützt, was an strukturellen Veränderungen in der letzten Zeit angegangen worden ist.

Sie sind ein Mann des Friedens und des Ausgleichs und haben dennoch in Leipzig mit großer Eindeutigkeit „reinen Tisch“ gemacht und auf diese Weise einen Neuanfang ermöglicht.

Sie sind für sich selbst unendlich großzügig, fragen nicht nach Zeit und Stunde, und achten trotzdem darauf, dass andere zu den Freiräumen kommen, die sie brauchen.

Sie sind voller Zuversicht und strahlen eine wahrhaft evangelische Freiheit aus und sind dennoch nicht blind für Realitäten. „Personell gesehen wird der Kreis der Mitarbeiter und der Förderer unserer Diasporaarbeit eher kleiner als größer“. Das haben Sie schon 1996 gesagt.

Wenn wieder mal gejammert wird, dass niemand das GAW kennt, dann haben Sie immer eine Geschichte parat, die genau das Gegenteil beweist, aber auch wieder das Gegenteil vom Gegenteil.

Sie strahlen eine große Heiterkeit aus  und kennen doch alle oder wenigstens sehr, sehr viele Abgründe des Lebens.

Sie haben Scheitern erlebt  und dennoch den Glauben und die Hoffnung nicht verloren.

Und wenn manche im Eifer abheben und unrealistische Ziele verfolgen wollen, dann sind Sie derjenige, der nicht mehr Hilfe versprechen will als uns zu gewähren möglich ist.

Frau Ritter, die ausführlich zu diesem Anlass recherchiert hat (inklusive Fußnoten), bemerkt: Bittighofer steht für die Verlässlichkeit des Werk, für ehrliche Hilfe und für einen ausgeprägten Realitätssinn.

Und  - das möchte ich ergänzen – für eine unglaubliche Kenntnis der Diaspora: sowohl in Mittel- und Osteuropa als auch in Lateinamerika.

Und wo ich mit Ihnen hinkomme – und ich keinen Menschen kenne, da ist Herr Bittighofer ein alter Freund und ein vertrauter Partner.

Unvergesslich für mich das Jahresfest in Thüringen – in der Mitte von Nirgendwo -  und plötzlich höre ich die vertraute Stimme, und ich denke: Das kann doch nicht wahr sein. War aber wahr.

All Ihre Verdienste, lieber Herr Bittighofer, aufzuzählen, sprengte den zeitlichen Rahmen. Und ich weiß auch nicht, ob Ihnen das auch wirklich gefallen würde.

Aber einige Daten will ich nennen, die vor Ihren Augen die Fülle des Einsatzes dieses Menschenlebens erstehen lässt.

Am 20. Mai 1986 wurden Sie erstmals in den Vorstand gewählt. Am 5. November 1990 – obwohl weder Jurist noch Frau – wählte man Sie dann zum stellvertretenden Vorsitzenden.

Nachdem der damalige Vorsitzende 1994 Dekan Keinath zurückgetreten war, übernahmen Sie kommissarisch den Vorsitz. 1996 wurden Sie mit überwältigender Mehrheit in dieser Aufgabe bestätigt und waren in dieser Funktion bis 2002 tätig.

Seitdem nehmen Sie die Rolle des 2. Vorsitzenden wahr.

Aber ich habe den Eindruck, dass eine solche Unterscheidung in unserer konkreten Zusammenarbeit keine Rolle spielt.

Ich bin jedenfalls froh, dass Sie mir  nun schon seit 10 Jahren zur Seite stehen und mich in allen Dingen des Alltags dieses Werkes so tatkräftig und gut und solidarisch unterstützen.

Sie sehen die Menschen und können sie dennoch liebhaben.

Das ist die Grundvoraussetzung für das Engagement in der Diaspora. Denn auch dort haben wir es ja nicht mit idealen Situationen zu tun, sondern mit dem, was das Christsein überhaupt ausmacht:

Mit dem Unterwegssein, mit dem Minderheitensein und mit dem Aufbruch. Ich zitiere Sie aus einem Protokoll des Vorstands: „Der theologisch verantwortete Diasporabegriff hat etwas ungemein Hoffnungsvolles und Zukunftsweisendes und ist alles andere als pessimistisch.“ Und an anderer Stelle: Es ist nicht die Zeit des Jammerns und des Klagens –es ist die Zeit des mutigen Anpackens der Aufgabe, die uns doch Gott selbst gestellt hat. Dank und Aufbruch – und keine Resignation“.

Lieber Herr Bittighofer,

so leben Sie nun schon seit 70 Jahren und bringen seit gut 25 Jahren solchen Dank, solchen Aufbruch und  vor allem Ihre Heiterkeit ins GAW ein.

Die Hebräer sagen: Ad meah we esrim. Bis 120! Ich schließe mich diesem Wunsch an und sage:

Gottes Segen für die Zeit, die vor Ihnen liegt, und herzlichen Dank für alles, was Sie bisher getan haben.