„Eine Brücke zwischen den Lagern sein“

GAW-Tag „Evangelisch in Russland“ mit Aussendung der Freiwilligen
Ganz im Zeichen des großen Nachbarn stand der GAW-Tag „Evangelisch in Russland“ am 13. Juli in Ulm. Dafür sorgte ein prominenter Gast: Die rund 120 Teilnehmer - Delegierte, Mitglieder und Freunde des Gustav-Adolf-Werkes Württemberg - konnten Erzbischof Dietrich Brauer begrüßen, den Leiter der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland und zugleich Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in ganz Russland. Der Theologe, der mit seiner Frau, Pfarrerin Tatjana Petrenko, angereist war, betonte die Bedeutung der Tradition für die Lutheraner in seinem Land. Eine wichtige Aufgabe sei es, die historischen Kirchen wieder aufzubauen, denn „Kirchen sprechen für sich“. Und es sei ein Anzeichen, dass die Lutheraner in der Gesellschaft verwurzelt sind, „dass wir keine Sektierer sind, wir gehören zu diesem Land.“

Rund 40.000 gemeldete Mitglieder zählen die russischen Lutheraner, aber Brauer machte klar,
dass Zahlen allein nicht alles sagen. „In den Gottesdiensten sind jetzt mehr Menschen, die nicht Mitglied sind.“ Ganz wichtig ist dem Erzbischof der Kontakt mit den Glaubensbrüdern- und –schwestern im Ausland. Die Herausforderungen seien für die Christen im Westen und Osten dieselben. Der Glaube mache Mut, eine Brücke zwischen den Lagern zu sein. „Ich bete um Wohlergehen über alle Grenzen hinweg.“ Finanzielle Unterstützung sei wichtig, noch wichtiger aber Begegnungen und Besuche. „Es ist unser Anliegen, dass Grenzen nicht geschlossen werden, dass Russland nicht weggeschoben wird.“

Die GAW-Konferenz war auch der Tag der Freiwilligen-Aussendung. In einem feierlichen Gottesdienst im Ulmer Münster wurden 21 junge Frauen und Männer in ihr freiwilliges Jahr in Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werkes Württemberg verabschiedet und gesegnet. Sie werden zwölf Monate lang in evangelischen Gemeinden, Heimen oder karitativen Projekten tätig sein. Die Freiwilligen tun ihren Dienst unter anderem in Russland, Italien, Brasilien, Argentinien, Bolivien und werden wertvolle Erfahrungen in diesen Diaspora-Kirchen sammeln.

In ihrer Predigt machte Pfarrerin Magdalena Smetana den jungen Menschen Mut für die wichtige Aufgabe. „Das Reich Gottes beginnt bei mir, nicht bei den anderen“, sagte sie. Es komme darauf an, nicht so zu handeln, wie es sonst in der Welt üblich sei, sondern „den Menschen im Menschen zu sehen“. Der GAW-Vorstand gab den Ausreisenden ein Jesus-Wort mit: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Arnd Bäucker

Portrait von Bischof Dietrich Brauer

Geboren 1983 in Wladiwostok

Der Vater war Ingenieur, die Mutter Musiklehrerin

Aufgewachsen in Moskau

Besuch einer Musikschule und Jurastudium

Von 2001-2005 studierte er evangelische Theologie

Er ist verheiratet mit Pfarrerin Tatjana Petrenko, sie haben zwei Kinder

Beide waren sie Pfarrer in der Salzburger Kirche in  Gussew/Probstei Kaliningrad, ehemals Gumbinnen (Ostpreußen).

2010 wurde Dietrich Brauer zum bischöflicher Visitator der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER) bestimmt.

Die 17. Synode der ELKER wählte Dietrich Brauer am 10. März 2011 in Moskau zu ihrem Bischof

Am 12. September 2011 wurde Brauer außerdem von der Generalsynode der Evangelisch-lutherischen Kirche in Russland und anderen Staaten (ELKRAS) in St. Petersburg zum stellvertretenden Erzbischof und am 18. September 2014 zum Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland (ELKR) gewählt.[1]

Evangelisch-lutherische Kirchen und Bünde[2]:

Da ist zum einen die evangelisch-lutherische Kirche europäisches Russland (ELKER – ca.15.000 Gemeindeglieder in 170 registrierten und nichtregistrierten Gemeinden und Gemeindegruppen, zusammengefasst in 11 Probsteien mit 60 Pfarrerinnen, Pfarrern und Predigern),

zweitens die Evangelisch-lutherische Kirche Ural, Sibirien und ferner Osten (ELKUSFO- 5.000 Gemeindeglieder in 118 Gemeinden und drei Probsteien mit 17 Pfarrern, 97 Predigerinnen und Predigern und einer Diakonisse),

beide zusammen bilden die evangelisch-lutherische Kirche Russlands (ELKR)

drittens gibt es noch den Bund Evangelisch-Lutherischer Kirchen in Russland und anderen Staaten (Bund der ELKRAS), dazu gehören Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Ukraine, Usbekistan.

Um die Verwaltung in dem weiten Gebiet zu vereinfachen, gibt es in jedem Land eine „Eparchie“ (der Rechtsbegriff kommt aus der orthodoxen Kirche) und weil Russland so groß ist, gibt es hier zwei Eparchien: Eparchie Europäisches Russland und die Eparchie Ural, Sibirien und ferner Osten Zusammen ca. 24.000 Gemeindeglieder.

Der Bund ist Mitglied im Lutherischen Weltbund, der Konferenz der Europäischen Kirchen und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

 


[1] Quelle: Wikipedia abgerufen am 11.7.2019; Dietrich Brauer

[2] Quelle: GAW Projektkatalog 2019, S. 152f und Jahrbuch des Gustav Adolf Werkes 84.Jahrgang, S. 38ff

 

 

Bericht von Bischof Dietrich Brauer - Evangelisch-Lutherische Kirche Europäisches Russland

>>> zum Bericht